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Gesprochenes Deutsch im DaF-Lehrwerk "Delfin"

Titel: Gesprochenes Deutsch im DaF-Lehrwerk "Delfin"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Frank Stahlhoff (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Meine erste Begegnung mit der Thematik Sprachvarietäten hatte ich in einer Vorlesung Varietäten des Deutschen im Rahmen meines Aufbaustudienganges an der Ruhr-Universität Bochum. Abgesehen von der kaum überschaubaren Fülle an Varietäten beschäftigte mich als angehender DaF-Lehrer besonders die Problematik, wie ich nach der so genannten kommunikativen Wende innerhalb der Sprachenvermittlungsmethodik einen den vielen Kommunikationsanforderungen an DaF-Lernende gerecht werdenden Unterricht gestalten kann.

Im Rahmen meiner bisherigen praktischen Erfahrungen als DaF-Lehrer erfuhr ich schnell, wie schwierig und kompliziert das Einbringen von regionalen Sprachvarietäten in den DaF-Unterricht sich gestalten kann und wie häufig überhaupt abweichend vom in Wörterbüchern lexikalisierten Schriftstandard gesprochen wird. Dieses Thema scheint mir in Zeiten von allgemeinen Unterrichtszielen wie etwa Selbständigkeit der Lernenden im Produzieren von Texten (eben auch gesprochener Texte) von eminenter Relevanz zu sein, gerade wenn ein Ziel des Unterrichts sein soll, die Teilnehmenden so schnell wie möglich auf Kommunikationsanforderungen in ihrer direkten Umgebung vorzubereiten.

Im ersten Kapitel Standard und Varietät meiner Arbeit soll das meinen Aus-führungen zu Grunde liegende Verständnis der Phänomene Sprachstandard und Sprachvarietät kurz expliziert werden. Was versteckt sich hinter dem Begriff Standard, kann man bei einer lebendigen und stetigem Sprachwandel unterliegenden Sprache überhaupt von Standard sprechen, und in welchem Verhältnis stehen Standard und Varietäten zueinander? Diese Explikation ist das Fundament meiner Argumentationen für die Berücksichtigung von Sprachvarietäten im DaF-Unterricht (3. Kapitel). Da der gewöhnliche Rahmen einer Seminararbeit jedoch gesprengt wäre, untersuchte man sämtliche Sprachvarietäten hinsichtlich ihres Stellenwertes für den DaF-Unterricht, habe ich mich für eine genauere Fokussierung des Phänomens der vom Schriftstandard abweichenden so genannten gesprochenen Sprache entschieden, im Falle meiner Arbeit das gesprochene Deutsch (2. Kapitel).

Letztlich ist das Ziel meiner Arbeit die Untersuchung, welche Berücksichtigung das gesprochene Deutsch in DaF-Lehrwerken erfährt. Als Lehrwerk habe ich die dreibändige Lehrbuchausgabe „Delfin“ gewählt, da ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Vertretungslehrer an der Auslandsgesellschaft Dortmund DaF-Kurse zumeist auf der Basis dieses Lehrwerks durchgeführt habe.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Standard und Varietät

2. Gesprochenes Deutsch

2.1 Grundsätzliche Merkmale

2.2 Spezifische prototypische Merkmale

2.2.1 (Morpho)syntaktische Merkmale

2.2.2 Phonetische Merkmale

3. Konsequenzen für den DaF-Unterricht

4. Gesprochenes Deutsch im Lehrwerk Delfin

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Lehrwerk Delfin Merkmale des gesprochenen Deutsch in seinen Hörverstehensübungen berücksichtigt und in welcher Form diese für den DaF-Unterricht aufbereitet sind. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen authentischer gesprochener Sprache und der künstlich konstruierten Sprache in Lehrmaterialien aufzuzeigen sowie didaktische Handlungsoptionen für Lehrkräfte abzuleiten.

  • Theoretische Grundlagen zu Sprachstandard und Sprachvarietäten
  • Definition und Merkmale des gesprochenen Deutsch
  • Didaktische Implikationen für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache
  • Analyse der Hörtexte im Lehrwerk Delfin auf ihre Authentizität
  • Methoden zur Integration authentischer Sprechbeispiele in den Unterricht

Auszug aus dem Buch

2.2.1 (Morpho)syntaktische Merkmale

(Morpho)syntaktische Merkmale der gesprochenen Sprache sind u. a. die Verschmelzung (z.B.: im Garten vs. in dem Garten; Er hat-se vagessen (Er hat sie vergessen))26, Ausgliederung (die Voranstellung von Partikeln in einem Satz, wie z.B. indessen, freilich, immerhin, nur, echt, also), Extrapositionen (Linksstellung, Rechtsstellung)27, Ausrahmung (der pragmatisch bedingte Nachtrag im Anschluss an den infiniten Verbteil, z.B. sie ist dann wieder nach Hause zurückgekehrt, nach vielen Umwegen und mit der Bahn statt mit dem Auto)28, Verbspitzenstellung (Wegfall der Expletivpronomina es/das in der mündlichen Rede; so kann das finite Verb die Äußerung direkt einleiten)29.

Des Weiteren ist es eine syntaktische Besonderheit der gesprochenen Sprache, dass ihre Sätze grundsätzlich kürzer sind als in der geschriebenen Sprache: „Einfachsätze überwiegen gegenüber Gefügesätzen“30. Demgegenüber besteht im Verhältnis zur geschriebenen Sprache ein nur geringer Unterschied bzgl. parataktischen und hypotaktischen Satzbildungen.31 Wackernagel-Jolles weist auf die besondere Rolle von asyndetischen Anschlüssen (ich würde sagen, Kompromisse schließen wir nun dauernd, statt: …, dass wir … schließen) und freistehenden Nebensätzen (wenn man so denkt, zur früheren Zeit…).32 Weitere grundlegende Merkmale der gesprochenen Sprache sind Ellipsen und Anakoluthe, wobei der reduzierte sprachliche Ausdruck in der jeweiligen Gesprächssituation vom erwarteten Situationswissen des Hörers her zu erklären ist.

Drehsätze (Apokoinukonstruktionen33) dienen zur Hervorhebung bestimmter Satzteile zwecks Verständnissicherung seitens des Hörers mittels Wiederholung, genauer mittels einer doppelt besetzten syntaktischen Position, z.B. ob da überhaupt die Ehe als das Natürlichste der Welt die Ehe geführt wird.34 Weitere Merkmale sind Satzabbrüche, z.B. wenn der Sprecher unterbrochen wird, oder er merkt, dass der Hörer bereits verstanden hat; Satzeinfügungen in Hautsatzform (Schaltsätze) ohne Konjunktionsanbindungen an vorausgehende Sätze sowie Nachträge zur satzimpliziten Hervorhebung wichtiger Informationen.35 Auffallend ist der Unterschied in Bezug auf die Anwendung von Abtönungs- und Modaltikeln, so genannte Füll- oder Flickwörter; diese werden weitaus häufiger in der gesprochenen als in der geschriebenen Sprache verwendet.36

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, das gesprochene Deutsch in DaF-Lehrwerken zu untersuchen, und beschreibt die Wahl des Lehrwerks Delfin als Analysegegenstand.

1. Standard und Varietät: Dieses Kapitel expliziert das Verständnis von Sprachstandard und Varietät im Kontext einer lebendigen, wandelbaren Sprache und definiert den theoretischen Rahmen der Arbeit.

2. Gesprochenes Deutsch: Hier werden die Merkmale gesprochener Sprache, unterteilt in (morpho)syntaktische und phonetische Eigenheiten, detailliert beschrieben und von der Schriftsprache abgegrenzt.

3. Konsequenzen für den DaF-Unterricht: Dieses Kapitel leitet didaktische Empfehlungen ab, wie Lehrende mit Sprachvarietäten umgehen und den Lernerfolg durch gezielte Hörverständnisarbeit fördern können.

4. Gesprochenes Deutsch im Lehrwerk Delfin: Der Hauptteil analysiert die Hörtexte im Lehrwerk Delfin und stellt fest, dass diese trotz didaktischer Bemühungen meist den Standardsprache-Konventionen folgen und wenig authentische Sprechmerkmale aufweisen.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Appell an Lehrkräfte, methodisch flexibel zu agieren und zusätzliche, authentische Hörmaterialien in den DaF-Unterricht zu integrieren.

Schlüsselwörter

DaF-Unterricht, Sprachvarietäten, gesprochene Sprache, Deutsch als Fremdsprache, Lehrwerk Delfin, Kommunikationsstile, Sprachstandard, Hörverstehen, Didaktik, Linguistik, Umgangssprache, Sprachwandel, Authentizität, Soziolekte, Höflichkeitsstrategien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des gesprochenen Deutsch im DaF-Unterricht und untersucht kritisch, wie das Lehrwerk Delfin sprachliche Merkmale der mündlichen Kommunikation in seinen Hörtexten abbildet.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Sprachstandard und Varietäten, die linguistische Analyse der gesprochenen Sprache sowie deren Bedeutung und Einbindung in den modernen DaF-Unterricht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das gewählte Lehrwerk Lernende auf reale Kommunikationssituationen vorbereitet und welche didaktischen Anpassungen für eine praxisnahe Vermittlung notwendig sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse linguistischer Konzepte sowie auf eine systematische Untersuchung der Hörtexte im Lehrbuch Delfin, wobei er diese mit den theoretisch definierten Merkmalen gesprochener Sprache vergleicht.

Was ist der Inhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Varietäten und Merkmalen gesprochener Sprache, eine Diskussion der didaktischen Konsequenzen für Lehrende sowie die konkrete Analyse der Dialoge in Delfin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind DaF-Unterricht, Sprachvarietäten, Authentizität, gesprochene Sprache, Didaktik und Lehrwerkanalyse.

Wie bewertet der Autor die Dialoge im Lehrwerk Delfin im Hinblick auf Natürlichkeit?

Der Autor kritisiert, dass die Dialoge meist künstlich und zu artikuliert wirken. Sie orientieren sich stark am geschriebenen Standard, wodurch typische Merkmale gesprochener Sprache wie Verschleifungen oder spontane Äußerungen weitgehend fehlen.

Welche Empfehlung gibt der Autor an DaF-Lehrkräfte weiter?

Lehrkräfte sollten sich nicht allein auf das Lehrwerk stützen. Er empfiehlt, Eigeninitiative zu zeigen und durch zusätzliche Materialien aus der direkten Umgebung der Lernenden eine realistischere Sprachvorbereitung zu gewährleisten.

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Details

Titel
Gesprochenes Deutsch im DaF-Lehrwerk "Delfin"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistische Fakultät, Ruhr-Uni-Bochum)
Note
1,0
Autor
Frank Stahlhoff (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V311420
ISBN (eBook)
9783668101630
ISBN (Buch)
9783668101647
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch als Fremdsprache Deutsch als Zweitsprache Deutsch für Ausländer Gesprochenes Deutsch Standarddeutsch Varietät Sprachvarietäten Unterricht Integrationskurse Sprachwandel Sprachentwicklung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frank Stahlhoff (Autor:in), 2006, Gesprochenes Deutsch im DaF-Lehrwerk "Delfin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311420
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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