Materialwirtschaft und Logistik. Ein Überblick


Zusammenfassung, 2014
29 Seiten

Leseprobe

Einführung in die Materialwirtschaft, Produktionswirtschaft und Logistik

Aufgaben der Materialbedarfsplanung:

- Prognose und Ermittlung des Materialbedarfs
- Bestimmung der Bestellmengen, Bestellzyklen und Bestellzeitpunkte

Grundsätzlich gilt es zu berechnen, welche Art von Teilen, also Baugruppen, Stoffe, Materialien usw., in welcher Menge und zu welcher Zeit für die Herstellung der Produkte benötigt werden. Aus produktionstechnischen oder wirtschaftlichen Gründen müssen die benötigten Teile, Baugruppen usw. meist in größeren Losen gefertigt oder transportiert werden. Bei der Berechnung der Losgröße müssen nicht nur die Einkaufspreise und Herstellkosten, sondern alle relevanten Kosten berücksichtigt werden wie bspw. die Transport-, Lager-, Rüst-, Unterbrechungs-, Informations-, Kommunikations-, Zinskosten usw.

Materialbedarfsarten:

Ermittlung des Materialbedarfs bildet die Basis aller Aktivitäten im Rahmen der Materialwirtschaft. Der Bedarf ist die Menge von Materialien bzw. Erzeugnissen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes an die verbrauchenden bzw. produzierenden Stellen desUnternehmens abgegeben wird. Der Bedarf wird ermittelt, um das Fertigungsprogramm, das auf festen Kundenaufträgen oder wahrscheinlichem Absatz von Materialien und Erzeugnissen basiert, mengen- und termingerecht zu erfüllen. Die Materialbedarfsarten können nach Ursprung und Erzeugnisebene in Primärbedarf, Sekundärbedarf und Tertiärbedarf unterteilt werden und unter Berücksichtigung des Zusatzbedarfes und der Lagerbestände in Brutto- und Nettobedarf eingeteilt werden.

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Primärbedarf:

- verkaufsfähige Produkte
- Handelswaren
- Ersatzteile

Wird aus Absatzplan, Kundenaufträgen und Bedarf an Ersatzteilen ermittelt.

Sekundärbedarf:

- Baugruppen
- Einzelteile
- Halbzeuge
- Rohstoffe

Wird aus Primärbedarfsmengen berechnet.

Tertiärbedarf:

- Hilfsstoffe
- Betriebsstoffe

Wird meist vernachlässigt, da es such um geringwertige Materialien handelt. Sind meist in größeren Mengen gelagert.

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Brutto- und Nettobedarfsermittlung:

Die Ermittlung des Brutto- und Nettobedarfes erfolgt auf Basis der Stücklistenauflösung. Es werden die Anzahl der geplanten Enderzeugnisse (Primärbedarf) mit den Stücklistenmengen multipliziert (Sekundärbedarf) und ein Zusatzbedarf für Entwicklung, Schwund, Schrott, Versuchszwecke, Reparaturen und Ausschuss berücksichtigt. Dieser Bruttobedarf wird um die verfügbaren Bestände reduziert. Das Ergebnis ist der zu produzierende und zu beschaffende Nettobedarf an Einzelteilen und Rohstoffen.

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Stückliste:

- Eine Materialstückliste ist eine strukturierte Anordnung von Teilen oder Baugruppen, die zur Herstel lung einer anderen übergeordneten Baugruppe benötigt werden.
- Stücklisteninformationen gehören zu den wichtigsten Datenstrukturen die Fertigungsunternehmen vorhalten müssen.
- Sie dienen letztlich dazu, das richtige Material zu bestellen und/oder dem Lager zu entnehmen, wenn ein bestimmtes Produkt gefertigt werden soll.

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Strukturstückliste:

Die Strukturstückliste zeigt, in welcher Fertigungsstufe eine Baugruppe oder ein Einzelteil verwendet wird. Die Mengenangabe bezieht sich auf die Erzeugnisebene.

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Mengenstückliste:

Wie oft kommt ein Teil in einem Erzeugnis vor?

In der Mengenstückliste werden alle Teile, die für ein Erzeugnis oder eine Baugruppe benötigt werden, nur einmal in ihrer Gesamtmenge aufgeführt.

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Baukastenstückliste:

Wird auch einstufige Stückliste genannt. Sie gibt immer nur die Teile und Baugruppen der nächst tieferen Ebene wieder. Sie zeigt die Teile und Baugruppen einer Fertigungsstufe z.B. der Endmontage.

Vorteile:

- Ist sehr übersichtlich.
- Kann gut wiederverwendet werden.

Nachteil:

- Bei komplexen Produkten werden viele Baukästen benötigt und der Zusammenhang geht verloren.

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Bestellpunktverfahren:

Bestellung wird ausgelöst, wenn Lagerbestand eine zuvor festgelegte Höhe (Meldebestand oder Bestell- punkt) erreicht oder unterschritten hat. Bei unregelmäßigen Lagerverbrauch sind Zeiträume zw. 2 Bestellungen unterschiedlich lang (im Unterschied zum Bestellrhythmusverfahren). Erfordert eine kontinuierliche Lagerverbrauchskontrolle, um ständig über den Lagerbestand informiert zu sein.

Bestellrhythmusverfahren:

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Bestellungen werden in gleichbleibenden Zeitabständen ausgelöst. Es wird entweder immer die gleiche Menge bestellt, oder es wird ein Höchstbestand festgelegt, den das Lager bei Eintreffen der neuen Lieferung erreichen soll. Eine Kontrolle des Lagerbestandes zum Bestellzeitpunkt erfolgt nur im Bestellrhythmussystem mit Höchstbestand. Die Bestellmenge wird hier als Differenz zwischen Lagerbestand zum Zeitpunkt der Überprüfung und dem gewünschten Höchstbestand bestimmt. Es fallen geringere Tätigkeiten für die Überwachung und Kontrolle als beim Bestellpunktverfahren an, es können aber erhöhte Fehlmengen auftreten.

Sicherheitsbestand:

Sicherheitsbestand = 10 - 20 % des Verbrauchs je Zeiteinheit x WBZ oder

Sicherheitsbestand = Verbrauch pro Periode x WBZ

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Meldebestand:

=ist der Bestand, bei dessen Unterschreitung eine Bestellung ausgelöst wird. Spätestens bei dem Erreichen des Sicherheitsbestand soll das Material eintreffen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Festlegung der Bestellpunkte:

- Fester Bestellpunkt: Wird über längeren Zeitraum festgelegt.
- Gleitender Bestellpunkt: Passt sich Änderungen an. Ermittlung mit Hilfe der EDV.

Festlegung kann abhängig sein von Trends (Sportartikel) oder Saisonprodukte (Gartenmöbel).

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Meldebestand = Verbrauch je Zeiteinheit x WBZ + Sicherheitsbestand

Wiederbeschaffungszeit:

=Zeitdauer zw. der Bestellauslösung und dem Zeitpunkt der Verfügbarkeit des bestellten Materials im Lager. Setzt sich zusammen aus:

- Bestellabwicklung im Einkauf
- Produktionszeit beim Lieferanten
- Transportzeit
- Risikozuschlag
- Qualitätsprüfung und Einlagerung

Entnommene Teile müssen rechtzeitig wiederbestellt werden, um Verfügbarkeit im Lager zu erhalten. Der Zeitpunkt der Bestellung nennt sich Bestellpunkt. Der Lagerbestand zu desem Zeitpunkt nennt sich Meldebzw. Bestellbestand. Dieser Bestand muss so hoch sein, dass innerhalb der Wiederbeschaffungszeit zur Lieferung der neuen Teile durch die Produktion genügend Teile im Lager liegen. Der Sicherheitsbestand sollte nicht angegriffen werden.

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Übung Bestandsführung:

Aufgabe: Das Kaufteil Getriebemotor 4545 hat folgenden Verbrauchsverlauf:

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Die Wiederbeschaffungszeit liegt bei 0,5 Monaten. Gehen Sie von einem fixen Bestellpunkt aus und nehmen Sie den durchschnittlichen Verbrauch als Berechnungsbasis.

1. Berechnen Sie den Meldebestand und Sicherheitsbestand und erstellen Sie die Bestandsverlaufsgrafik. Annahmen:

Durchschnittlicher Verbrauch = Bestellhöhe,

Anfangsbestand = durchschnittlicher Verbrauch + Sicherheitsbestand

2. Überprüfen Sie ob es durch den schwankenden Verbrauch zu Versorgungsengpässen gekommen ist und erläutern Sie das Ergebnis.

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Bedarfsermittlung:

Aufgabe ist die Berechnung des Sekundärbedarfs, der für Erfüllung des Primärbedarfs erforderlich ist. Man unterscheidet drei Methoden, die meist gleichzeitig angewandt werden:

- Programmorientierte (deterministische) Bedarfsermittlung:
→ Prognosen (Absatzplan) und realer Bedarf aus Kundenaufträgen (Stücklisten)

- Verbrauchsorientiert (stochastische) Bedarfsermittlung:
→ Vergangenheitswerte (Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren)

- Subjektive (heuristische) Bedarfsschätzung:
→ basiert im Wesentlichen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit

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Programmorientierte (deterministische) Bedarfsermittlung:

- Fertigungsstufenverfahren/Baustufeverfahren:

Teile der Erzeugnisse werden in der Reihenfolge der Fertigungsstufen aufgelöst.

Vorteil: Liegezeit und damit Kapitalbindung und Lagerkosten sind sehr niedrig, wenn benötigte Mengen erst für jeweilige Fertigungsstufe beschafft werden.

Nachteil: Beschaffungskosten fallen höher aus, da für jede Fertigungsstufe die benötigten Teile sepa rat bestellt werden müssen.

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- Dispositionsstufenverfahren:

Wird angewendet, wenn einzelne Teile in mehreren Erzeugnissen und/oder Fertigungsstufen vorkommen. Damit jedes Teil nur einmal aufgelöst werden muss, werden alle gleichen Teile auf die unterste Verwendungsstufe heruntergezogen.

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Details

Titel
Materialwirtschaft und Logistik. Ein Überblick
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, früher: Berufsakademie Karlsruhe
Autor
Jahr
2014
Seiten
29
Katalognummer
V311431
ISBN (eBook)
9783668102545
ISBN (Buch)
9783668102552
Dateigröße
3757 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
materialwirtschaft, logistik, überblick
Arbeit zitieren
Felix Franke (Autor), 2014, Materialwirtschaft und Logistik. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311431

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