Wortkürzungen in der spanischen Sprache. Untersuchung für das Feld der Medien und der Jugendsprache


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Abkürzung

3. Definition Kurzwort

4. Spanische Wortkürzungsverfahren
4.1. Apokope
4.2. Aphärese
4.3. Ellipse
4.4. Akronym
4.5. Sigle

5. Sonderfälle/Besonderheiten

6. Wortkürzungen im digitalen Umfeld

7. Wortkürzungen in der spanischen Jugendsprache

8. Fazit

9. Bibliographie

1. Einleitung

Selbst als ausländischer Schüler oder Student lernt man schnell die gewöhnlichsten Wortkürzungen des Alltagsvokabulars der spanischen Sprache kennen. Darunter sicherlich bici, bus oder tele. Oftmals ist man sich der Kürzung, der man sich im Moment des Sprechens bedient, gar nicht im Klaren und denkt bei bus längst nicht mehr an das Vollwort autobús. Wortkürzungen sind in der spanischen Sprache ein immer häufigeres Phänomen, das sich großer Beliebtheit erfreut und in der modernen gesprochenen Sprache viel zum Einsatz kommt. Das Vokabular auf der iberischen Halbinsel und in Südamerika unterscheidet sich hier in einigen Wortfeldern. Da wissenschaftliche Ausarbeitungen für das komplexe Thema Wortkürzungen noch rar gesät sind, werde ich in der nachstehenden Niederschrift versuchen, zusammenhängende Begriffe zu definieren und näher zu erläutern, alle Wortkürzungsverfahren der spanischen Sprache aufzuzeigen und einen Einblick in den jugendlichen Sprachwandel in Spanien zu geben, der auch von Wortkürzungen nicht verschont worden ist. Wortkürzungen sind eine Erscheinung der gesamten spanischen Umgangssprache. Diese jedoch unterteilt sich mittlerweile noch ganz klar noch in die Jugendsprache, welche eigene Wortkürzungen zu bieten hat, da die Jugendlichen einen zusätzlichen gruppenspezifischen Wortschatz kreiert haben, und es weiterhin tun (vgl. Zimmermann 2002: 244 zitiert nach Schumann 2007: 6). Zu guter Letzt versuche ich Kürzungen in Social Media Plattformen und Chatmedien zu analysieren und von Abkürzungen zu trennen. Hierbei bin ich mir sicher, dass der Grat sehr schmal ist und eine Verschmelzung von Kürzung und Abkürzung mittlerweile nahezu immer entsteht.

2. Definition Abkürzung

Zwar handelt diese wissenschaftliche Arbeit nicht von Abkürzungen, dennoch ist es wichtig eine klare Grenze zwischen Abkürzung und Kürzung zu ziehen. „Abkürzungen sind rein grafische Varianten, sie werden ausschließlich als Langform ausgesprochen, z.B. Prof. Dr. (sprich: Professor Doktor).“ (Donalies 2005: 149) Abkürzungen sind ein rein orthographisches Phänomen, um besonders häufig benutzte Wörter zu verkürzen. Sie beschleunigen den Schreibvorgang und sparen beispielsweise in Textnachrichten Platz, z.B. 100 ptas. wird immer cien pesetas, also als Vollwort, beim Lesen gesprochen (vgl. Rainer 1993: 705).

3. Definition Kurzwort

Im Gegensatz zur Abkürzung definiert Kobler-Trill (1994: 13) das Kurzwort als „nicht nur grafisch, sondern auch phonisch realisierbare, gekürzte Form.“ Donalies (2005: 19) erläutert in ihrem Werk wie folgt: „Von der Abkürzung unterscheidet sich das Kurzwort also dadurch, dass es eine eigene Lautung hat, z.B. Lkw (sprich: elkawe).“ Die Wortkürzung definiert sich demnach wie folgt: „Hier wird ein zusammengesetztes Wort auf einen seiner Bestandteile reduziert, auf den die Bedeutung der Langform übertragen wird, vgl. z.B. fotografia > foto, motocicleta > moto…“ (Klenk 2008: 105) „Bei der Wortverkürzung entstehen allerdings keine neuen Wortschatzeinheiten, sondern Alternativformen zu den meist weiterhin gebräuchlichen Langformen.“ (Kabatek/Pusch 2009: 96)

4. Spanische Wortkürzungsverfahren

Ganz allgemein und als Einstieg in die Wortkürzungsverfahren schreiben Berschin, Fernández-Sevilla und Felixberger (2012: 301): „Die Wortbildung durch Derivation ist im Spanischen produktiv. Man kann drei Derivationsverfahren unterscheiden: Affigierung, Nullableitung und Kürzung.“ Pöll (vgl. 2002, 36) nennt die Wortkürzung in dieser Verbindung jedoch auch quantitativ weniger bedeutend im Gegensatz zu den anderen Verfahren der Wortbildung. Ergänzend dazu erklären Kabatek und Pusch (2009: 96) dass eine „Wortschatzerweiterung nicht unbedingt immer formal aufwändigere und „längere“ Wortbildungsprodukte nach sich ziehen muss.“ „Eine weitere Art der Wortbildung, die in der modernen Sprache sehr verbreitet ist, ist die Wortkürzung.“ (Klenk 2008: 105) Wie bereits oben aufgeführt, handelt es sich bei dieser um ein relativ junges Verfahren der gesprochenen Sprache. Das führt dazu, dass regionale Abweichungen stets auftauchen und nichts Ungewöhnliches darstellen (vgl. Rainer 1993: 697). Um diesen Fakt zu unterstreichen schreibt Born (2013: 247): „[…] el acortamiento es un fenómeno que lleva aparejada una fuerte connotación sociolingüística“ und „su uso va asociado a determinadas situaciones y, sobre todo, a determinados grupos sociales […].“ Born weist in diesem Satz auf bestimmte soziale Gruppen hin, die sich der Wortkürzung bedienen. Wie bereits in der Einleitung angedeutet, fällt hierunter unter anderem die spanische Jugendsprache. Rainer (vgl. 1993: 81) spricht von Wortkürzung im Zusammenhang mit bestimmten Subtraktionen als formal und semantisch, weswegen die Kürzung als eigenes Verfahren klassifiziert wird. Ein weiterer Autor über Wortkürzungen: „In der Standardsprache gibt es eine begrenzte Zahl von Kurzwörtern, die fest in den Wortschatz integriert sind und das jeweilige Vollwort mehr oder weniger verdrängt haben. Produktiv ist das Verfahren aber vor allem in der Umgangssprache: cole(gio), profe(sor), progre(sista), tele(visión).“ (Schpak-Dolt 2012: 72) Wortkürzungen unterteilen sich weiterhin in mehrere Gruppen (vgl. Rainer 1993: 698). „Beim zentralen Typ […] ist das gekürzte Wort zweisilbig und lautlich eine echte Teilmenge des Ausgangswortes (colegio > cole, usw.).“ (Rainer 1993: 698) Abgesehen von diesem Typ, existieren ebenso Bildungen mit einer, drei oder vier Silben und sogar Bildungen mit verändertem Auslaut (vgl. Rainer 1993: 698). Beispiele für einsilbige Wortkürzungen sind box > boxeo und fut > fútbol (vgl. Narváez 1962 zitiert nach Rainer 1993: 698). Bildungen mit drei Silben sind beispielsweise analfa(beto), proleta(rio) oder ecolo(gista). Beispiele für Zweisilber mit Auslautveränderungen sind funcia < función, morfa < morfina oder trosco < troskista. Viersilbige Kürzungen sind z.B. otorrino < otorrinolaringólogo und estéreo < estereofonía, estereofónico (vgl. Casado Velarde 1985 zitiert nach Rainer 1993: 698). Von Wortkürzungen sind Adjektive und Substantive betroffen (vgl. Rainer 1993: 699). „Die Pluralbildung bei den Substantiven ist gewöhnlich regelmäßig: los peques, los sujes […].“ (Rainer 1993: 700) Als letzter Punkt ist zu erwähnen, dass Wortkürzungen laut Rainer „ehr selten Basis weiterer Derivationen sind.“ (Rainer 1993: 700) Es gibt im Spanisch fünf Verfahren um Lexeme zu kürzen, die nachstehend erläutert werden.

4.1 Apokope

Bei der Apokope, Spanisch apocópe, setzt die Wortkürzung am Ende des Lexems an. Dieses Verfahren kommt in der spanischen Sprache am häufigsten vor. Ein Beispiel hierfür ist das Lexem (la) bicicleta  (la) bici (vgl. Kabatek/Pusch 2009: 96). Auch Schpak-Dolt (vgl. 2012: 72) sieht das häufigste Verfahren in der Reduktion eines mehrsilbigen Wortes auf die beiden Anfangssilben, z.B. cine von cinematógrafo oder metro von der Langform metropolitano. Bernhard Pöll (2002: 36) gibt den Apokopen weitere Bezeichnungen mit „Apokopierung, Kopfformen“. Hierbei erfolgt die Wortkürzung am Ende der Basiseinheit. Weitere gebräuchliche Wortbeispiele: cine < cinema, kilo < kilograma, radio < raditelefonía etc. (vgl. Pöll 2002: 36). „Manche Kurzformen sind umgangssprachlich oder populär: profe < profesor, mani < manifestación, bici < bicicleta.“ (Pöll 2002: 36) Ebenso gängige Apokopierungen sind peli anstelle von película und san für santo, z.B. San Juan (vgl. Blaser 2011: 89). Meist sind die angegebenen Beispiele substantivischer Art, daher noch einige gekürzte Adjektive: insu < insuficiente, peque < pequeño (vgl. Rainer 1993: 699) oder estupen < estupendo, nica < nicaraguense, provo < provocativo/a, porno < pornográfico/a (vgl. Rodríguez González 1975: 261 zitiert nach Rainer 1993: 700).

4.2 Aphärese

„Mit Aphärese, Spanisch aféresis, bezeichnet man den Ausfall anlautender Vokale, Konsonanten oder Silben, z.B. bus statt autobús.“ (Blaser 2011: 89) Pöll (2002: 36) erläutert: die Wortkürzung „kann […] am Anfang (Aphärese, Schwanzform) der Basiseinheit erfolgen; […].“ „[…] Bei der Aphärese wird ein Element am Anfang gekürzt, […].“ (Kabatek/Pusch 2009: 96) Rainer (Steinhäusl 1984: 36 zitiert nach Rainer 1993: 700) fügt weiterhin hinzu: „In allen Fällen von Aphärese beginnt das Kurzwort mit der Tonsilbe der Basis, während, wie wir gesehen haben, die Apokope nicht auf den Akzent der Basen Bezug nimmt.“ Im Gegensatz zu der Apokope ist die Aphärese ein weniger genutztes Verfahren in der Gemeinsprache und daher relativ selten. Ein gängiges Beispiel ist fono < telefóno (vgl. Pöll 2002: 36). Diesen Fakt unterstützt Noll (vgl. 2013: 241), denn auch er schreibt, dass die Wortkürzung es möglich macht Silben eines Wortes wegzulassen; selten jedoch die Initialsilben und mehr die auslautenden. Was bei der Recherche auffällt ist, dass das meistgenutzte Beispiel für die Aphärese bus von autobús ist (vgl. Kabatek/Pusch 2009: 96, Pöll 2002: 36, Blaser 2011: 89); sicherlich auch eines der meistgenutzten Schwanzformen im Alltag. Rainer (1993: 700) beschreibt Aphäresen als „sporadische Einzelfälle“. Beispiele in seinem Werk sind (mu)chacha, (disco)teca, (se)ñor, (compa)ñero oder cha von pucha bzw. puta. Diese Wörter stammen aus Lateinamerika und sind oftmals vom Land (vgl. Kany 1969: 212-3 zitiert nach Rainer 1993: 700).

4.3 Ellipse

Kabatek und Pusch (2009: 96) definieren Ellipse, Spanisch elipsis, wie folgt: „Nicht selten ist der Fall, dass ein attributives Adjektiv eines nominalen Ausgangssyntagmas verkürzt und als Substantiv gebraucht wird, während das Substantiv des Syntagmas ganz weggelassen wird.“ Diese Erläuterung wird anhand der Beispiele el jardín zoológico  el zoo und el ferrocarril metropolitano  el metro klarer. Im Normalfall übernimmt das Kurzwort die Flexionskategorie und das Geschlecht des Ausgangssyntagmas (vgl. Kabatek/Pusch 2009: 97).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wortkürzungen in der spanischen Sprache. Untersuchung für das Feld der Medien und der Jugendsprache
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Romanistik)
Veranstaltung
Die spanische Wortbildung
Note
12
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V311496
ISBN (eBook)
9783668101890
ISBN (Buch)
9783668101906
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortkürzungsverfahren, Spanische Jugendsprache, Wortkürzungen
Arbeit zitieren
Katharina Brueckner (Autor), 2015, Wortkürzungen in der spanischen Sprache. Untersuchung für das Feld der Medien und der Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311496

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