In den vergangenen Wahljahren gab es besonders durch den Einzug der Grünen in den Bundestag im Jahr 1983 und den Einzug der Linken im Jahr 1998 immer deutlicher auftretende Veränderungen in der deutschen Parteienlandschaft. Inwieweit der Eintritt neuer kleinerer Parteien die Rolle der beiden großen Parteien CDU/CSU und SPD beeinflusst und dadurch die deutsche Parteienlandschaft umstrukturiert, beziehungsweise gar das Parteiensystem weg vom jahrelang anhaltenden bipolaren Mehrparteiensystem verändert, soll in der folgenden Arbeit untersucht werden.
Eine logische Konsequenz des Erstarkens neuer Parteien, ist die Schwächung bereits existierender Parteien. Besonders seit den Wahlergebnissen im Jahr 2009, als die SPD ihr schlechtestes Wahlergebnis und die CDU/CSU ihr zweitschlechtestes Ergebnis erleben mussten und beide Parteien mit nur 61,9% kumulativ ihr schlechtestes Ergebnis eingefahren haben, scheint die Frage mehr als berechtigt, ob die beiden großen Parteien ihre jeweiligen polaren Position weiterhin halten können. Um diese Fragestellung vollständig beantworten zu können, bedarf es einer Vielzahl an Untersuchungen unterschiedlicher Wirkungszusammenhänge, auf welche in dieser Arbeit nicht vollständig im Detail eingegangen werden kann.
Der Fokus der Arbeit liegt auf der Darstellung ausgewählter Veränderungen im deutschen Parteiensystem, die auf den ersten Blick nicht immer sichtbar sind. Ebenfalls beschäftigt sich diese Arbeit mit den möglichen Gründen für diese Veränderungen. Anhand von verschiedenen Vergleichen wird schlussfolgernd versucht, eine Einschätzung darüber zu geben, ob das bipolare Mehrparteiensystem die deutsche Parteienlandschaft noch richtig abbildet. Der betrachtete Zeitraum für diese Untersuchung wird auf die Jahre 1949 bis 2013 eingeschränkt, wobei ein besonderer Fokus auf die letzten sieben Wahljahre zwischen 1990 bis 2013 gelegt wird.
In der Arbeit wird der Parteiname „die Grünen“ als Bezeichnung für den Zusammenschluss des Bündnis 90 und der Grünen verwendet, sowie der aktuelle Parteiname „die Linke“ für die ehemalige SED bzw. PDS genutzt wird. Ebenfalls werden die Parteien der CSU und CDU in dieser Arbeit als Union zusammengefasst und als eine der beiden großen Parteien angesehen, da sie auf Bundesebene als Vereinigung angesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die verschiedenen existierenden Parteiensysteme
3. Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit 1949
3.1 Grobe, historische Zusammenfassung
3.2 Das Verhältnis der beiden großen Parteien zueinander
3.3 Die sinkenden Mitgliederzahlen der großen Parteien
3.4 Die Bedeutung der Nichtwähler
3.5 Ein Exkurs auf die Landesebene
4. Mögliche Gründe für die Veränderungen im deutschen Parteiensystem
5. Begriffliche Einordnung des deutschen Parteiensystem anhand der eigenen Entwicklung und von Vergleichen mit den Parteiensystemen der USA und der Weimarer Republik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht, inwieweit das traditionelle bipolare Mehrparteiensystem die aktuelle deutsche Parteienlandschaft unter Berücksichtigung des Erstarkens kleinerer Parteien und veränderter Wählerstrukturen zwischen 1949 und 2013 noch adäquat abbildet.
- Analyse der historischen Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit 1949.
- Untersuchung des Machtverlustes der beiden großen Parteien (CDU/CSU und SPD).
- Evaluierung der Auswirkungen sinkender Mitgliederzahlen und steigender Nichtwähleranteile.
- Vergleich mit anderen Systemen wie den USA und der Weimarer Republik zur begrifflichen Einordnung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Grobe, historische Zusammenfassung
Die erste Phase der Unterteilung der Entwicklung des deutschen Parteiensystems liegt in dem Zeitraum von 1949 bis 1961. In dieser Zeit kann ein bipolares Mehrparteiensystem festgestellt werden, dass nicht komplett konfliktfrei war, da es vorerst aus einer hohen Anzahl an Parteien zusammengesetzt wurde und an die Zersplitterung zu Zeiten der Weimarer Republik erinnerte. „So waren bei der ersten Bundestagswahl 1949 neun Fraktionen im Bundestag vertreten. Dieses zunächst vorliegende Vielparteiensystem setzte sich aus den traditionellen Parteifamilien, aus einigen Regionalparteien, wie der BP und DP, sowie einiger Interessenverbände zusammen.“ Diese hohe Anzahl an Parteien nahm jedoch bald, unter anderem durch die Fraktionsgemeinschaft der CDU und CSU, die bis Mitte der 1960er Jahre einige kleine Parteien aufsaugte, wieder ab. Durch die Wahlerfolge der großen Parteien, die 1953 eingeführte Fünfprozent-Sperrklausel und die Parteiverbote der SRP und KPD konnte die Anzahl der Parteien ebenfalls stark reduziert werden.
So kam es zwischen 1961 bis 1983 zu einem oben bereits erläuterten Zweieinhalbparteiensystem. Wie in der unten abgebildeten Tabelle 1 schnell erkennbar ist, lag in diesem Zeitraum „das Monopol der parlamentarischen Vertretung bei der CDU/CSU, SPD und FDP. Der FDP kam in dieser Zeit eine Schlüsselrolle zu, da sie sowohl inhaltlich als auch quantitativ ein Koalitionspartner für beide Parteien darstellte.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der veränderten deutschen Parteienlandschaft und Definition des Untersuchungsrahmens von 1949 bis 2013.
2. Die verschiedenen existierenden Parteiensysteme: Theoretische Abgrenzung verschiedener Parteiensysteme wie Einparteien-, Zweiparteien- und Mehrparteiensysteme.
3. Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit 1949: Empirische Analyse der historischen Phasen, der Wählerzahlen, der Mitgliederentwicklung sowie der Rolle von Nichtwählern.
4. Mögliche Gründe für die Veränderungen im deutschen Parteiensystem: Diskussion gesellschaftlicher Trends, des Wertewandels und der Folgen für die Bindungskraft der Volksparteien.
5. Begriffliche Einordnung des deutschen Parteiensystem anhand der eigenen Entwicklung und von Vergleichen mit den Parteiensystemen der USA und der Weimarer Republik: Einordnung Deutschlands durch den Vergleich mit anderen Systemen, um die Spezifik des bipolaren Mehrparteiensystems zu verdeutlichen.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass Deutschland weiterhin als bipolares Mehrparteiensystem klassifiziert werden kann, trotz erkennbarer Instabilitäten.
Schlüsselwörter
Bipolares Mehrparteiensystem, Volksparteien, Bundestagswahlen, CDU/CSU, SPD, Parteienlandschaft, Mitgliederentwicklung, Nichtwähler, Koalitionen, Zweieinhalbparteiensystem, Deutschland, Regierungsbildung, Politische Stabilität, Parteibindung, Wahlverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob das Modell des bipolaren Mehrparteiensystems für die aktuelle deutsche Parteienlandschaft noch treffend ist, da sich Machtverhältnisse seit 1949 gewandelt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Parteien, den sinkenden Mitgliederzahlen, dem Einfluss der Nichtwähler und der Stabilität des deutschen Parteiensystems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu evaluieren, ob die beiden großen Parteien ihre polaren Positionen halten können oder ob sich das System hin zu einem multimodalen Parteiensystem entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Wahlergebnissen (Zeitreihenanalyse), Mitgliederstatistiken und dem Vergleich politischer Systeme unter Heranziehung politikwissenschaftlicher Theorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Phasen des Parteiensystems, die Mitgliederentwicklung der großen versus kleinen Parteien sowie die Ursachen für Wählerverschiebungen und Nichtwählerverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind bipolares Mehrparteiensystem, Volksparteien, Machtverlust, Mitgliederzahlen und Wandel des Wahlverhaltens.
Wie wirkt sich der Einzug neuer Parteien wie der AfD auf das System aus?
Die Arbeit zeigt, dass neue Parteien den Wettbewerb intensivieren und die Exklusivität der großen Volksparteien herausfordern, was das System potenziell instabiler macht.
Welche Bedeutung kommt der Landesebene im Vergleich zur Bundesebene zu?
Der Exkurs zeigt, dass sich Trends des Machtverlustes auf Landesebene teilweise deutlicher zeigen, da hier regional spezifische Themen und Persönlichkeiten eine größere Rolle spielen.
Warum wird Deutschland von der Autorin nicht als Zweiparteiensystem eingestuft?
Im Gegensatz zu den USA, wo ein Mehrheitswahlrecht kleine Parteien fast ausschließt, haben in Deutschland stets kleinere Parteien parlamentarischen Einfluss und ermöglichen unterschiedliche Koalitionskonstellationen.
- Arbeit zitieren
- Lilian Merks (Autor:in), 2015, Bildet das bipolare Mehrparteiensystem die Parteienlandschaft in Deutschland noch richtig ab?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311498