Immer häufiger geraten die Kirche und somit auch die Religion in der heutigen Zeit ins Kreuzfeuer der Kritik. Die veralteten Ansichten der Kirche und ihrer Vertreter sowie die Zustände innerhalb der Institution werden nicht nur vom gemeinen Volk angeprangert, sondern sind oft auch ein Thema für namhafte Literaten.
Besonders der Österreicher Felix Mitterer versteht es ausgezeichnet, in seinen gesell-schaftskritischen Werken einerseits die Meinung des Volkes zu vertreten und anderer-seits den Menschen gleichzeitig einen Spiegel vorzuhalten und sie zum Nachdenken über sich selbst und ihr Verhalten anzuregen. Beinahe alle seiner Stücke haben eine wahre Begebenheit zum Anlass, sind also brandaktuell, und berühren das Publikum o-der den Leser auch durch die einfach verständliche Sprache, in der sie verfasst sind.
Da ich glaube, dass Felix Mitterer einer der wenigen Autoren ist, deren Kritikpunkte auch tatsächlich von den Menschen verstanden und angenommen werden, möchte ich im Folgenden genauer untersuchen, wie Mitterers Verhältnis zu Religion und Kirche ist und auf welche Art und Weise er diese in seinen Werken kritisiert. Auch erscheint es mir wichtig, zuvor noch zu klären, was genau man unter Religionskritik versteht, sowie kurz aufzuzeigen, welche Personen sich bereits vor Mitterer gegen religiöse Missstände zur Wehr gesetzt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Religionskritik
2.1 Arten von Religionskritik
2.2 Kirchenkritik
2.3 Religionskritiker
3. Felix Mitterer
3.1 Mitterers Verhältnis zur Religion
4. Religionskritische Elemente in Mitterers Werken
4.1 Kein Platz für Idioten
4.2 Krach im Hause Gott
4.3 Die Beichte
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Verhältnis des österreichischen Autors Felix Mitterer zur Religion und Kirche zu untersuchen und zu analysieren, wie er diese in seinen gesellschaftskritischen Werken thematisiert und auf unterhaltsame Weise hinterfragt.
- Definition und theoretische Einordnung von Religions- und Kirchenkritik
- Biografische Hintergründe und das religiöse Selbstverständnis von Felix Mitterer
- Analyse religionskritischer Elemente anhand des Werks "Kein Platz für Idioten"
- Untersuchung der feministischen Theologie und Gesellschaftskritik in "Krach im Hause Gott"
- Aufarbeitung der kirchenkritischen Dimensionen im Kontext von sexuellem Missbrauch in "Die Beichte"
Auszug aus dem Buch
4.1 Kein Platz für Idioten
Das Stück "Kein Platz für Idioten" spielt auf einem Tiroler Bauernhof, wo Sebastian Möllinger, von allen Wastl genannt, wohnt. Er ist das geistig behinderte und daher verstoßene Kind der Bauernfamilie und wird nach Möglichkeit im Haus versteckt. Eines Tages kommt ein alter Mann, Hans, auf den Hof, der beim Heuen helfen soll, aber bald schon zu einem Ersatzvater für Wastl wird. Er ist der einzige, der ihn nicht weg wünscht, sondern sich mit ihm beschäftigt, ihm lesen und Flöte spielen beibringt, und er nimmt ihn sogar ins Gasthaus mit. Allerdings sind die beiden dort nicht unbedingt gern gesehene Gäste, denn der Wirt hat Angst, der Anblick des behinderten Buben könnte seine Kundschaften vergraulen.
An Sebastians siebzehntem Geburtstag kommt es schließlich zu einem Vorfall, der die beiden für immer trennt. Der unaufgeklärte Sebastian beobachtet ein Mädchen beim Baden, und da er die körperlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht kennt, möchte er das Mädchen näher betrachten, die jedoch aufgebracht davonläuft als er sich ebenfalls entblößt und ihr nähert. Schnell verbreitet sich die Nachricht, dass Sebastian das Mädchen vergewaltigt hätte, was die Meinung der Dorfbewohner, der Junge sei ein Irrer, dem alles zuzutrauen wäre, und gehöre in eine geschlossene Anstalt, bestätigt. Obwohl Hans verzweifelt das Missverständnis zu erklären versucht und alle Schuld auf sich nimmt, da er seinen Zögling nie über solche Dinge aufgeklärt hatte, kann er das Schicksal nicht mehr abwenden. Ein Gendarm und zwei Wärter holen Wastl ab und liefern ihn ins Irrenhaus ein, trotz Hans' und seiner eigenen heftigen Gegenwehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Religions- und Kirchenkritik in der Literatur dar und führt in das Werk von Felix Mitterer ein, der als kritischer Beobachter gesellschaftlicher Zustände fungiert.
2. Religionskritik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Religionskritik, unterscheidet zwischen verschiedenen methodischen Zugängen und erläutert die Ansichten bedeutender Religionskritiker wie Feuerbach, Marx und Freud.
3. Felix Mitterer: Der biografische Teil beleuchtet den Lebensweg Mitterers und setzt sich insbesondere mit seinem persönlichen Verhältnis zur katholischen Kirche auseinander, welches durch ein kritisches, aber nicht pauschal ablehnendes Denken geprägt ist.
4. Religionskritische Elemente in Mitterers Werken: Das Hauptkapitel analysiert anhand der Stücke "Kein Platz für Idioten", "Krach im Hause Gott" und "Die Beichte" konkrete religions- und kirchenkritische Motive, wie Scheinheiligkeit, die Rolle der Frau in der Religion und den Missbrauch kirchlicher Machtstrukturen.
Schlüsselwörter
Felix Mitterer, Religionskritik, Kirchenkritik, Katholische Kirche, Literatur, Gesellschaftskritik, Feministische Theologie, Kein Platz für Idioten, Krach im Hause Gott, Die Beichte, Sexueller Missbrauch, Religiöse Institutionen, Gotteskritik, Menschenbild, Tiroler Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Felix Mitterer im Hinblick auf seine Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und religiösen Systemen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Religionskritik, der Umgang mit gesellschaftlichen Außenseitern, die Stellung der Frau im Christentum sowie die kircheninterne Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, die Motive hinter Mitterers Kritik an religiösen Institutionen aufzuzeigen und zu analysieren, wie er diese Inhalte in seinen Theaterstücken dramaturgisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse ausgewählter Theaterstücke von Mitterer, ergänzt durch die Einordnung in theoretische Konzepte der Religionskritik und literaturwissenschaftliche Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die drei Stücke "Kein Platz für Idioten", "Krach im Hause Gott" und "Die Beichte" hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen und religionskritischen Aussagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Religionskritik, Kirchenkritik, Felix Mitterer, Institution Kirche, Gesellschaftskritik und christliche Werte.
Wie unterscheidet Mitterer zwischen Religionskritik und Kirchenkritik?
Laut der Arbeit differenziert Mitterer zwischen dem Glauben an sich, der im Privaten verbleibt, und der Institution Kirche, deren Machtmissbrauch und veraltete Moralvorstellungen er scharf angreift.
Welche besondere Bedeutung kommt der Frauenrolle in Mitterers Werk "Krach im Hause Gott" zu?
Mitterer kritisiert, dass das Weibliche in der monotheistischen christlichen Tradition über Jahrtausende systematisch verdrängt wurde und plädiert für eine Einbeziehung der weiblichen Perspektive in die Theologie.
Wie wird das Thema Missbrauch in "Die Beichte" verarbeitet?
Das Stück arbeitet den sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen auf und thematisiert das Schweigen der Institution sowie die Instrumentalisierung von Macht über schutzbedürftige Kinder.
Warum verwendet Mitterer laut der Analyse so häufig direkte Kritik an Priesterfiguren?
Er tut dies, um die Diskrepanz zwischen gepredigten moralischen Werten und dem tatsächlichen Handeln von Kirchenvertretern sowie die damit verbundene Doppelmoral aufzudecken.
- Arbeit zitieren
- Bianca Lehner (Autor:in), 2015, "Literarische" Religionskritik anhand ausgewählter Werke von Felix Mitterer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311506