Europäische Integration. Kann die Theorie des Konstruktivismus die EU-Osterweiterung erklären?


Hausarbeit, 2014
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Europäische Integration - Die Osterweiterung
1.1 Politische Integration
1.2 Die Osterweiterung
Anhang Kapitel 1.2:

2. Die Theorie des Konstruktivismus

3. Erklärung der EU-Osterweiterung mit Hilfe der Theorie des Konstruktivismus

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dem Gegenstandsbereich der Internationalen Beziehungen gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Theorien um bestimmte Ereignisse, Sachverhalte und Phänomene zu erklären. Hierzu zählen beispielsweise Konflikte, das Eingehen von Bündnissen oder auch die politische Integration.

In dieser Arbeit soll die EU-Osterweiterung, welche einen großen Teil der europäischen Integration darstellt, mit Hilfe der Theorie des Konstruktivismus erklärt werden. Durch die Osterweiterung gibt es heute 28 EU-Mitgliedsstaaten, weitere Länder sollen folgen. Doch bevor dieser Prozess ermöglicht werden konnte, gab es Verhandlungen und einige Mitgliedsstaaten, die sich gegen die Aufnahme der mittel- und osteuropäischen Länder aussprachen.

So wird in dieser Arbeit zunächst kurz der Hintergrund der Thematik erläutert und dann die Theorie des Konstruktivismus dargestellt. Mit dieser soll dann der Fall der EU-Osterweiterung analysiert werden. Hierzu wird anfangs auch die Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus herangezogen, welche eine der bedeutenden Integrationstheorien darstellt. Zudem soll der Konstruktivismus eine Antwort auf die Frage finden, warum nach anfangs großer Skepsis und Gegenwehr nun doch so vielen mittel- und osteuropäischen Ländern der Weg in die EU ermöglicht wurde. Abschließend sollen in einem kurzen Fazit die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst werden.

1. Europäische Integration - Die Osterweiterung

1.1 Politische Integration

Um die Osterweiterung beschreiben zu können, erfordert es zunächst einer Erklärung des Integrationsbegriffes. Hierzu dient die Definition von Frank Schimmelfennig: „Politische Integration ist ein Prozess, in dem politische Kompetenzen von der nationalstaatlichen auf die internationale Ebene übertragen und damit der exklusiven Souveränität des Staates entzogen werden“ (Schimmelfennig 2013, S.290). Zudem gibt es zwei Dimensionen der politischen Integration. Die vertikale und die horizontale Dimension. Bei der vertikalen Dimension geht es um die Verteilung der Kompetenzen zwischen den Staaten und den EU-Institutionen.

Als Erklärungsgegenstand dient hier die institutionelle Vertiefung der EU (vgl. Schim- melfennig 2013, S.291). Im Fokus dieser Arbeit steht die horizontale Dimension.

Der Erklärungsgegenstand ist hier die institutionelle Erweiterung der EU, da die horizontale Dimension die territoriale Geltung der EU-Regulierung in den integrierten Politikbereichen betrifft (vgl. ebd., S.292). „Durch horizontale Integration gelangen neue Territorien in den Geltungsbereich der EU-Regeln und den Kompetenzbereich der EUInstitutionen“ (vgl. ebd.). Somit stellt die Osterweiterung ein wichtiges Ereignis der horizontalen Integration dar.

1.2 Die Osterweiterung

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem daraus folgenden Systemwechsel, orientierte sich die Mehrheit der neuen mittel- und osteuropäischen Regierungen in Richtung Westen. Sie machten schnell deutlich, dass sie sich einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (heute Europäische Union) erhofften (vgl. ebd., S.311). Dieser Wunsch stieß zunächst bei der Europäischen Gemeinschaft (EG) überwiegend auf Ablehnung. Zunächst wurde nur Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei durch das „Europaabkommen“ im Dezember 1991 eine Zusammenarbeit zugesichert, die aber nach Auffassung der EG nur eine Beitrittsperspektive darstellte und vorranging der Klärung wirtschaftlicher und handelspolitischer Fragen, sowie einem ständigen „politischen Dialog“ zwischen der EG und den drei Staaten diente (vgl. Chardon; Frech; Große Hüttmann 2005, S.23 f.). Mit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 entstand die Europäische Union. Diese legte 1993 dann mit den „Kopenhagener Kriterien“ einen Grundstein für die Aufnahme weiterer mittel- und osteuropäischer Länder. Mit diesen Kriterien schrieb die EU strenge Voraussetzungen für den Beitritt vor, die von den Beitrittskandidaten zu erfüllen waren: „Neben der Einführung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie einer funktionsfähigen Marktwirtschaft müssen Beitrittskandidaten auch das Gemeinschaftsrecht der EU, den acquis communautaire, übernehmen“ (Lemke 2012, S. 178)1. Die ersten Beitrittsverhandlungen starteten dann aber erst im März 1998. Eine genaue Übersicht hierzu lässt sich im Anhang finden.

In den folgenden Jahren assoziierten weitere Staaten ihren Beitritt und zusätzliche Verhandlungen wurden aufgenommen. Im Jahr 2004 traten dann die ersten zehn Länder der EU bei. Bis 2013 folgten weitere drei Länder (siehe hierzu Übersicht im Anhang dieses Kapitels). Die Osterweiterung ist mit diesen dreizehn Ländern aber noch nicht abgeschlossen. Derzeit werden Beitrittsverhandlungen mit Montenegro geführt und weitere Länder haben ihren Beitritt assoziiert.

Durch die Osterweiterung wurde sehr vielen mittel- und osteuropäischen Ländern der Beitritt in die EU ermöglicht. Die Frage weshalb so viele mittel- und osteuropäische Länder nach einer Aufnahme in die EU strebten, beziehungsweise streben lässt sich relativ leicht und plausibel beantworten. Werner Weidenfeld hat hierzu fünf grundlegende Motive formuliert:

- Der Wunsch nach einem neuen Selbstverständnis
- Der Wunsch nach Sicherheit und Frieden
- Der Wunsch nach Freiheit und Mobilität
- Die Hoffnung auf wirtschaftlichen Wohlstand
- Die Erwartung gemeinsamer Macht

(vgl. Weidenfeld 2011, S.11)

Diese Motive und damit einhergehenden Assoziierungen stießen aber auf unterschiedliche und zum großen Teil negative Antworten der EU-Altmitglieder. Einige Länder, die sich auf die gleichen Produktionssektoren wie die Beitrittskandidaten spezialisiert hatten, fürchteten starken Wettbewerb, andere einen hohen Einschnitt bezüglich der finanziellen Unterstützung von der EU. Durch die kommunistischen Regimes, die lange in den mittel- und osteuropäischen Ländern herrschten, waren diese wirtschaftlich schlecht aufgestellt und hätten bei einem Beitritt hohe Ansprüche auf Transfers der Gemeinschaft gehabt (vgl. Schimmelfennig 2013, S. 315). So würden die neuen Staaten zu Konkurrenten der ärmeren Altmitglieder. Andere EU-Mitglieder nahmen die Erweiterung beispielsweise aus geographischen und/oder ökonomischen Gründen als Vorteil wahr. Von den damals 15 EU-Staaten gab es anfänglich nur sechs Befürworter zur Osterweiterung. (Eine genaue Aufstellung zu den Vorreitern und Bremsern der Osterweiterung findet sich im Anhang dieses Kapitels). So stellt sich nun die Frage, wie die anderen Staaten überzeugt werden konnten, beziehungsweise warum sie schließlich doch ihr Einverständnis zur Osterweiterung gaben. Dies wird in Kapitel 3 mit der Theorie des Konstruktivismus analysiert.

[...]


1 acquis communautaire: frz. "gemeinsamer Besitzstand"

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Europäische Integration. Kann die Theorie des Konstruktivismus die EU-Osterweiterung erklären?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Einführung in Geschichte und Theorie der Internationalen Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V311555
ISBN (eBook)
9783668102071
ISBN (Buch)
9783668102088
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Europäische Integration, Internationale Beziehungen, Osterweiterung, Konstruktivismus, Politik
Arbeit zitieren
Jan Pranger (Autor), 2014, Europäische Integration. Kann die Theorie des Konstruktivismus die EU-Osterweiterung erklären?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311555

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