Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe


Seminararbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,0

Laura Smith (Autor)


Leseprobe

Gliederung

I. Schulanfang im Wandel

II. Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe
1. Paradigmenwechsel in der Schuleingangsdiagnostik
2. Kennzeichen der neuen Schuleingangsstufe
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur alten Schuleingangsstufe
4. Beweggründe und Legitimationsaspekte

III. Fazit

I. Schule im Wandel

Die Bertelsmannstiftung hat eine Studie veröffentlicht, welche prognostiziert, im Jahr 2025 gäbe es statt der nun aktuell 11 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahre nur noch 9 Millionen.1 Dieser Rückgang der Zahlen der Schülerinnen und Schüler erfordert neue Überlegungen zur Gestaltung des Schulwesens. Aber neben demographischen Ursachen für die Entwicklung neuer Tendenzen im Schulbereich gibt es auch pädagogisch initiierte Änderungsmaßnahmen, welche die Schulentwicklung im Bereich der Jahrgangsmischung maßgeblich beeinflussen. Die folgende Seminararbeit widmet sich der Frage, welche neuen Schuleingangsformen initiiert wurden unter besonderer Betrachtung des Aspektes der Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe. Zuerst werden die die grundlegenden Änderungen in der Schuleingangsdiagnostik thematisiert. In einen nächsten Schritt werden die spezifischen Merkmale der neuen Schuleingangsstufe vorgestellt, um sie fortlaufend mit denen der alten Schuleingangsstufe zu vergleichen, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Unterschiede festzustellen. Anhand der Gegenüberstellung werden nun noch speziell die Beweggründe und Legitimationsaspekte für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe hinsichtlich der Jahrgangsmischung angeführt.

II. Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe

Die neue Schuleingangsstufe ist eine von der KMK im Jahr 1997 veranlasste Neustrukturierung des Schulanfangs, welcher in Modellversuchen in verschiedenen Bundesländern durchgeführt wurde.

1. Paradigmenwechsel in der Schuleingangsdiagnostik

Die neue Schuleingangsstufe ist auf eine neue Sichtweise auf das Kind zurückzuführen. Das Konzept der Schulfähigkeit ersetzt das bisher geltende Diagnosekriterium der Schulreife. Die Diagnose der Schulreife ist auf den Schulrat Arthur Kern zurückzuführen, welcher aufgrund der Tatsache, dass vor allem in der ersten Klasse die Zahl der Zurückstellungen besonders hoch war, Diagnosekriterien zur Einschulung entwickelte. Seiner Ansicht nach war die hohe Zahl der Zurückstellungen auf die mangelnde Reife des Kindes beim Zeitpunkt des Schuleintritts zurückzuführen. Daher sollen Kinder nur eingeschult werden, wenn sie den gewissen Kriterien der Reife entsprechen. Die Reifekriterien wurden durch objektive, reliable(zuverlässige) und valide (gültige) Tests bestimmt.2 Ein für Kern ausschlaggebendes Kriterium für die Schulreife war beispielsweise die visuelle Gliederungsfähigkeit. Die gewisse Stufe der Reife muss das Kind erst erreichen, um die Schullaufbahn ohne Zurückstellung bewältigen zu können.3

Die aktuelle Sichtweise auf das Kind und seiner Fähigkeit zum Schuleintritt ist nicht wie bei Kern von einem „endogenen Reifeprozess“4, also nur aus inneren Reifungsschüben gesteuert, sondern wird anhand von Lernerfahrungen ermöglicht, welche die Entwicklung der Kinder beeinflussen können. Hierbei steht nach Nickels ökosystemischer Sichtweise, der Aspekt des Förderns von Defiziten im Vordergrund und nicht das Selektieren.5 Nach Nickel ist „das Erreichen der für die Schule erforderlichen Lernvoraussetzungen [ǥȐ (neben genetischen Voraussetzungen und einem gewissen physiologischem Reifestand) abhängig vom Anregungsmilieu der soziokulturellen Umwelt, in der das Kind lebt.“6 Nickel schreibt also den Einflüssen der Umwelt eine viel größere Bedeutung zu als Kern. Es kann demnach keinen genau richtig festgelegten Zeitpunkt geben, ab welchem Alter man Kinder einschulen soll, da man sonst die individuellen Voraussetzungen und die daraus resultierende Heterogenität ignorieren würde.

2. Kennzeichen der neuen Schuleingangsstufe

In der neuen Schuleingangsstufe wird daher angestrebt, möglichst alle Kinder in jahrgangsgemischten Gruppen einzuschulen. Dies erfolgt aufgrund der Annahme, dass man durch Jahrgangsmischung der Heterogenität der Kinder eher gerecht wird als in Jahrgangsklassen. Wesentliches Merkmal der neuen Schuleingangsstufe ist Anspruch, die Kinder auf Elternwunsch frühzeitig einzuschulen, ohne sie durch selektive Maßnahmen bei der Überprüfung der Schulfähigkeit daran zu hindern.7

Der integrative Charakter dieser neuen Schuleingangsstufe wird auch daran deutlich, dass angestrebt wird, die erste und die zweite Jahrgangsstufe zu einer „pädagogischen und organisatorischen Einheit“8 zusammenzufassen. Auch eine flexible Verweildauer in diesen beiden Jahrgangsstufen ist vorgesehen. Ein integrierter Schulanfang kann für Kinder, welche eingeschult werden folgendermaßen gestaltet sein:

Der größte Teil der Kinder durchläuft die ersten beiden Jahrgangsstufen in zwei Schuljahren. Besonders befähigte Kinder können diese beiden Jahrgangsstufen bereits nach einem Jahr durchlaufen, Kinder mit Lernschwierigkeiten können in dieser Eingangsphase drei Jahre lange verweilen, ohne dass dieses zusätzliche Jahr als Zurückstellung angesehen wird.9

[...]


1vgl. http://www.focus.de/schule/schule/schulwahl/demografie-schulen-im-wandel_aid_451786.html

2Vgl. Knörzer/ Grass/ Schumacher 2007, S. 121f.

3vgl. Knörzer/ Grass/ Schumacher 2007, S.117.

4Berthold/ Carle 2008, S.77.

5vgl Knörzer/ Grass/ Schumacher 2007, S.118.

6Knörzer/ Grass/ Schumacher 2007 S.118.

7vgl. Hinz 2008, S. 68.

8Götz 2004. S.265.

9vgl. Hinz 2004 S. 69.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V311600
ISBN (eBook)
9783668103559
ISBN (Buch)
9783668103566
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beweggründe, einführung, schuleingangsstufe
Arbeit zitieren
Laura Smith (Autor), 2013, Beweggründe für die Einführung der neuen Schuleingangsstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311600

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