Magersucht in der Werbung. Analyse des Plakats „No-Anorexia“ nach Erwin Panofski

Ein Bild für die Kampagne der Modemarke „Nolita“


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Die Bildanalyse nach Erwin Panofsky

1. Das Werbeplakat „No-Anorexia“
1.1. Beschreibung des Werbeplakates „No-Anorexia“
1.2. Analyse des Bildes für die Kampagne der Modemarke „No-l-ita“
1.3. Interpretation des Fotos von Oliviero Toscani

2. Frage der Moralität

3. Bewertung der Form der Bildanalyse

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang: Werbeplakat „No-Anorexia“ von Oliviero Toscani

0. Die Bildanalyse nach Erwin Panofsky

Für die Analyse eines Bildes gibt es verschiedene wissenschaftliche Ansätze. Der von Erwin Panofsky ist dafür sehr prägend. Im Folgenden werde ich das Werbeplakat „No-Anorexia“ von Oliviero Toscani für die Modemarke „Nolita“ nach seiner Unterscheidung in „Vorikonographische Beschreibung“ (Panofsky 2006), „Ikonographische Analyse“ (Panofsky 2006) und „Ikonologische Interpretation“ (Panofsky 2006) bearbeiten. Hierzu dient im ersten Schritt die praktische Erfahrung, im Zweiten die Kenntnis literarischer Quellen und in der dritten Ebene die synthetische Intuition (vgl. Panofsky 2006). Hierbei gehe ich in der logischen Reihenfolge der Schritte vor. Abschließend erfolgt eine kurze Reflexion über diese Analyse und den Gewinn für das Verständnis durch diese. Das Werbeplakat selbst befindet sich als verkleinerte Form im Anhang.

1. Das Werbeplakate „No-Anorexia“

1.1. Beschreibung des Werbeplakates „No-Anorexia“

Im ersten Schritt der Bildanalyse wird das natürliche oder primäre Sujet (vgl. Panofsky) behandelt und beschrieben:

Das Bild hat eine rechteckige Form und liegt im Querformat vor. Es ist in Vorder- und Hintergrund zu teilen. Im Vordergrund ist eine menschenartige weibliche Gestalt in der Seitenansicht zu sehen. Durch die durchgängig hautfarbene Gestaltung trägt sie wohl keine Kleidung. Durch die Haltung lässt sich schließen, dass sie sitzt. Das linke Bein befindet sich in einer angewinkelten, aufgestellten Lage. Darauf ist der linke Arm gelegt. Der rechte Arm ist hinter dem Rücken aufgestellt. Die Augen sind in die Richtung des Bildbetrachters gerichtet und der Mund steht etwas offen. Der Hintergrund besteht aus einer weißen Fläche im unteren Teil des Bildes, welche fließend in eine Schwarze im oberen Teil des Bildes übergeht. Die Grenze zwischen ihnen befindet sich ungefähr in der Höhe des Kopfes der menschlichen Gestalt. Im unteren Teil des Bildes sind nahe der sitzenden Frau graue unregelmäßige Flächen zu sehen. Im Übergang zwischen weiß und schwarz stehen rechts neben ihr in geschwungener Form die rosa Buchstaben und Zeichen „No-l-ita“. Schon im schwarzen Teil des Bildes stehen links neben der weiblichen Person die ebenfalls geschwungenen rosa Zeichen „No“. Sie sind die größten Zeichen im Bild. Rechts neben der weiblichen Person, auch in der schwarzen Fläche, sind die weißen Zeichen „ANOREXIA“ zu sehen. Diese sind im Gegensatz zu den anderen durchgängig groß geschrieben und besitzen gerade Kanten.

1.2. Analyse des Bildes für die Kampagne der Modemarke „No-l-ita“

Im Folgenden wendet man sich dem sekundären bzw. konventionalen Sujet des Bildes (vgl. Panofsky 2006) zu: Die weibliche Person auf dem Plakat ist zum Einen durch die Nacktheit an sich und zum Anderen durch die Auflösung des Bildes als reale Frau zu identifizieren. Man erkennt, dass es die „französische Schauspielerin Isabelle Caro“ (Ulrich, Süddeutsche, 25.09.2007, S.1) ist. Die Darstellung von ihr zeigt, dass es sich hierbei wohl um eine Fotografie handelt. Aufgrund der fehlenden Kleidung handelt es sich um eine Aktdarstellung. Dadurch sieht man ihren sehr dünnen „blassen, ausgemergelten, von Schuppenflechte gepeinigten“ (Ulrich 2007, S.1) Körper, an welchen sich von außen schon Rippenknochen abzeichnen. Durch diese Faktoren lässt sich vermuten, dass sie wahrscheinlich magersüchtig ist. Trotzdem deutend man die Pose, in der sie sitzt, als relativ lasziv. Sie benutzt ihren rechten Arm als Stütze nach hinten, ihr Linker liegt entspannt auf dem linken Knie. Dies verdeutlicht eine Ruhe, mit der sie ihre eigene Nacktheit darstellt. Es wird nicht versucht, irgendetwas zu verbergen. Ebenso ist ihr Blick direkt in die Kamera gerichtet. Betrachtet man das Bild wieder als Vorder- und Hintergrund, scheint sie auf dem weißen Teil des Hintergrundes zu sitzen. Ihr Körper wirft darauf leichten Schatten als käme eine Lichtquelle von rechts. Der Schriftzug „No-l-ita“ rechts neben ihr ist der Name einer italienischen Modemarke. Daraus ist zu vermuten, dass es sich bei diesem Bild um ein Werbeplakat für diese Modemarke handelt. Die anderen Wörter „No ANOREXIA“ bilden dann den Werbespruch „Nein zur Magersucht“. Das „No“ daraus ist in der gleichen rosa Farbe wie der Name der Modemarke. „ANOREXIA“ setzt sich dagegen durch die weiße Farbe von dem schwarzen Hintergrund ab.

1.3. Interpretation des Fotos von Oliviero Toscani

Um zu der Interpretation eines Bildes zu gelangen, betrachtet man laut Panofsky die eigentliche Bedeutung dessen (vgl. Panofsky 2006):

Für das Finden des tieferen Sinns der Werbekampagne „No ANOREXIA“ muss man verschiedene Recherchen anstellen. So erfährt man, dass der Fotograf dieser Aufnahme Oliviero Toscani war. Der 68-jährige italienische Mann ist schon aus verschiedenen Kampagnen der Modelinie „Colours of Benetton“ bekannt. Zwischen 1984 und 2000 (vgl. Europolitan 25.09.2007) machte er hierfür verschiedene Fotos. Unter Anderem bestanden diese aus „Bilder[n] von Sterbenden, Nackten, ölverschmierten Seevögeln oder küssenden Nonnen“ (vgl. Europolitan 25.09.2007). Schon hier an lässt sich also erkennen, dass seine Fotos ein gewisses Potenzial zum Schockieren haben. Hintergrund davon ist, dass so mehrere Missstände in der Welt aufgezeigt werden sollten. Das gelang ihm auch bei diesem Werbebild für die Modelinie „Nolita“. Diese Modelinie besteht seit 1998. Gegründet wurde sie in Venedig. Der Name setzt sich aus den Buchstaben der Wörter „North of little Italy“ zusammen. Diese Region kann man wirklich als kleine italienische Kommune in New York finden (vgl. http://www.modeopfer110.de/mode/labels/nolita.html). Die Modelinie ist bekannt dafür, verspielt und feminin zu sein, aber durchaus auch mit starken Akzenten Brüche dazu aufzustellen. Das Werbeplakat für diese wurde zum Zeitpunkt der Mailänder Modemesse 2007 veröffentlicht. Zu diesem Moment ist wahrscheinlich das Interesse für Mode und neue Werbung am Größten.

Über die darauf zu sehende Schauspielerin Isabelle Caro ist bekannt, dass sie an Anorexie litt. Dies ist eine psychische Krankheit. Sie zeichnet sich durch ständige Appetitlosigkeit und dem folgendem Abmagern aus. So entstehen schwere körperliche Schäden. Zum Zeitpunkt des Bildes wog Isabelle Caro bei einer Größe von einem Meter und 65 Zentimetern 30 Kilogramm (vgl. Reis, Welt-Online, 07.12.2007). Aufgrund dieser körperlichen Verfassung bekam sie als Rollenangebote meist die von Drogenabhängigen oder Leichen. Deshalb stagnierte ihre schauspielerische Karriere.

Als im November 2007 das Werbeplakat und diese Darstellung der jungen Frau veröffentlicht wurden, verursachte die Werbung immense Aufmerksamkeit, sowohl für die Modelinie „Nolita“ als auch für die Schauspielerin an sich. „Bewusste Aufmerksamkeit wird nur extrem kurzfristig in Anspruch genommen“ (Luhmann 1997, S. 86). Um also einen potentiellen Kunden zu erreichen, muss man diesen kurzen Zeitraum ausnutzen. Jenes erreicht man durch starke Reize, wie „Großflächigkeit, grelle Farben, spärlich oder unbekleidet dargestellte Menschen, ungewohnte Darstellungen“ (Behrends 1976). Fast alle diese Faktoren scheinen durch die Fotografie Toscanis erfüllt zu sein. Das Plakat weist als Werbeplakat eine große Fläche, abgegrenzt von der Umgebung, auf. Auch das Model Caro ist unbekleidet und verhüllt dies auch durch ihre Pose nicht. Dass sich nun eine an Anorexie leidende junge Frau entblößt darstellt, kann man als ungewöhnliche Darstellung bezeichnen. Vor allem speziell daran ist, dass die Haltung der jungen Frau Selbstbewusstsein ausstrahlt. Ihr zielgerichteter Blick scheint die Konfrontation nicht zu scheuen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Magersucht in der Werbung. Analyse des Plakats „No-Anorexia“ nach Erwin Panofski
Untertitel
Ein Bild für die Kampagne der Modemarke „Nolita“
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Medienanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V311629
ISBN (eBook)
9783668106598
ISBN (Buch)
9783668106604
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwin Panofsky, No-Anorexia, Oliviero Toscani, Nolita
Arbeit zitieren
Anne-Marie Holze (Autor), 2011, Magersucht in der Werbung. Analyse des Plakats „No-Anorexia“ nach Erwin Panofski, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311629

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Magersucht in der Werbung. Analyse des Plakats „No-Anorexia“ nach Erwin Panofski



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden