Das "Rotkäppchen" der Grimms. Eine Untersuchung der erzieherischen Wirkung dieses Märchens


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0) Einleitung: Die Gattung der Märchen

1) Das Märchen „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms
1.1) Die Figur des kleinen Mädchens
1.2) Die Figur des Wolfes
1.3) Der Zusatz der Grimms

2) Die Motive des Märchens

3) Zusammenfassung: Die Wirkung des Märchens

4) Literaturverzeichnis

0) Die Gattung der Märchen

Seit Jahrzehnten werden Märchen von Generation zu Generation weitergegeben und vorgelesen. Eine bedeutende Stellung nehmen hierbei als Autoren die Gebrüder Grimm ein, die Anfang des 19. Jahrhunderts die „Kinder- und Hausmärchen“, eine Sammlung der verschiedensten Märchen, veröffentlichen. Zu dieser Zeit galt der Anspruch an die Kinderund Jugendliteratur, eben diese Lesergruppe zu unterhalten. Eine Erziehungsfunktion war nicht das eigentliche Ziel. Wenn man sich die Geschichten näher anschaut, sind trotzdem gewisse Botschaften an die Kinder zu erkennen. Diese möchte ich am Beispiel von „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms näher untersuchen.

Hierbei analysiere ich erst die Figur des kleinen Mädchens und dann die des Wolfes, nicht ohne Zusammenhängen zwischen ihnen kennzeichnen zu müssen. Dafür gehe ich stringent am Verlauf des Märchens entlang. Auf was werden Kinder hingewiesen? Welche Funktionen haben die Taten und Worte? Besteht so etwas wie eine Moral in der Geschichte?

Schließlich möchte ich noch einen Blick auf den Zusatz der Grimms werfen, welcher im normalen Volksmund oder anderen Märchenausgaben nie erwähnt wird. Welche Stellung nimmt er ein, wenn man das Märchen im Hinblick auf die Erziehungsfunktion betrachtet? Zuletzt folgt eine Zusammenfassung der Motive im Märchen. Welche Merkmale sind auffallend? Wie erkennt man sie bei „Rotkäppchen“?

1) Das Märchen „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms

1.1) Die Figur des kleinen Mädchens

Das Märchen beginnt mit den Worten „Es war einmal eine kleine süße Dirn, die hatte jedermann lieb“1. Schon hier findet man einen Aspekt der Identifizierung für Kinder. Einmal wird keine richtige Zeit genannt, sodass jeder Zeitpunkt für die Handlung in Frage kommen könnte. Zum Anderen wird nicht gesagt, wer sie genau lieb haben möge. Die Verallgemeinerung grenzt niemanden aus. Als dritten Punkt kann man nennen, dass das

Mädchen keinen richtigen Namen besitzt. Hier als „kleine süße Dirn“2bezeichnet, ist im Weiteren zu lesen, dass sie „Rothkäppchen“3genannt wird. Auch dies ist als Spitzname anzusehen, sodass der „richtige“ Name unbekannt bleibt. Mit diesem Einstieg in das Märchen kann gewährleisten werden, dass sich die Kinder als Zuhörer angesprochen fühlen. Dadurch wird sie die Geschichte stärker berühren und sie können sich mit der Hauptfigur des kleinen Mädchens identifizieren.

Weiterhin ist in diesen Zeilen noch etwas zu erkennen. Mit den Adjektiven „klein“ und „süß“ wird das Gute dargestellt. „ Der schöne Mensch, die schöne Gestalt […] ist ein Versprechen“4dafür, dass diese Figur mit positiven Merkmalen besetzt ist. Schon im ersten Satz wird also dargestellt, wer die Rolle des Guten im Märchen einnimmt. So merkt auch das Kind, dass es sich mit dem kleinen Mädchen identifizieren darf und durch das Positive auch mehr bereit dazu ist. „Schritt um Schritt begleitet die Handlung den Helden und macht es damit auch dem jüngeren Kind möglich, ihr zu folgen.“5 Die Handlungsgänge sind mit den Gedanken kleiner Kinder erfassbar.

Noch im gleichen Absatz folgt nun die Anweisung der Mutter, dass Rotkäppchen in den Wald zur kranken Großmutter gehen solle, um ihr Kuchen und Wein zu bringen.6Auch hier sind Mitteilungen für die Kinder versteckt. Zuerst wird angesprochen, dass man kranken, schwachen Menschen helfen soll. Entweder geschieht das dadurch, dass man ihnen eine Freude macht oder ihnen bei der Verpflegung hilft. Weiterhin soll Rotkäppchen „artig“7sein und sie von der Mutter grüßen.8Hier wird der Grundsatz der Höflichkeit beschrieben, der als gängige zwischenmenschliche Verhaltensregel gilt.. Dies geschieht weiterhin in der direkten Anrede der Mutter an das kleine Mädchen. Sie scheint es also zu ihm zu sagen, doch es wirkt, also würde es auch dem Leser oder Zuhörer gesagt. Als weitere Weisung wird geäußert: „geh auch ordentlich und lauf nicht vom Weg ab“9. Diesen Hinweis nimmt Rotkäppchen an und verspricht, ihn zu befolgen. Hier wird ein Fakt angesprochen, der sich weiter durch das Märchen zieht, nämlich der des Vertrauens. Die Mutter möchte aus Sorge, dass ihr Kind diesen Rat befolgt. Dieses bestätigt ihn durch das Versprechen und somit setzt die Mutter Vertrauen in das Kind. Jenes Vertrauen, welches zwischen den Zeilen zu lesen ist, beruht darauf, dass das Kind gehorcht und deshalb nicht viel Schlimmes passieren kann.

„Der Beweggrund dazu lag damals wie heute in einem natürlichen Instinkt, kleine Kinder vor Gefahren zu schützen, von denen ihr Leben draußen wie drinnen umgeben war. Es ging aber auch darum, ihnen diejenigen Verhaltensregeln und

Normen, die in der Gesellschaft vorherrschend waren, vorzuprägen.“10 Durch diese Anweisungen also, will die Mutter Rotkäppchen schützen. Durch die Identifikation des Kindes mit der Figur, empfängt es ebenso diese Hinweise und soll auf die gleiche Art und Weise Regeln lernen und vor Gefahren bewahrt werden. Nun beginnt das Mädchen den Gang zur Großmutter und trifft auf den Wolf. Möglicherweise kann man diskutieren ob es sich hier um Naivität handelt oder wieder um Vertrauen. Da das Böse unbekannt für Rotkäppchen ist, ist es zu dem Wolf höflich und antwortet auf alle Fragen. Es vertraut auch ihm, so wie ein Vertrauen zwischen Mutter und Tochter besteht. Sie liefert ihm alle Informationen, die der Wolf für seinen Plan, Rotkäppchen und Großmutter zu fressen, braucht. Dass Motiv, niemanden etwas böses zutrauen zu wollen und sich vom schönen Schein blenden zu lassen, ist typisch für das Mädchen im Märchen.11Als er ihr vorschlägt Blumen zu sammeln, denkt die Kleine nur an die Freude der Großmutter: „der [Blumenstrauß] wird ihr auch lieb seyn“12, und befolgt seinen Rat. „Märchenfiguren werden grundsätzlich nicht so sehr durch eigene Entschlüsse gelenkt, sondern durch Anstöße von außen.“13 Durch die Worte des Wolfes wird Rotkäppchen beeinflusst und vom Weg abgebracht. Wegen des Vertrauens in das Tier, wird unbewusst das Vertrauen der Mutter missbraucht und vergessen. Durchaus liegt hierfür der positive Grund vor, der Großmutter ein Geschenk machen zu wollen, doch das Verbot wird trotzdem gebrochen.

So geht das kleine Mädchen durch die Schönheit der Blumen gelenkt, immer tiefer in den Wald um sie zu pflücken und gelangt wenig später an das Haus der Großmutter. „Wie es ankam, stand die Thüre auf, darüber verwunderte es sich“14, doch auch hier ist es so arglos und tritt trotzdem in das Haus ein.

[...]


1Grimm, Jacob u. Wilhelm Grimm: Rothkäppchen. In: Dettmering, Peter (Hrsg.): Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Erstdruckfassung 1812-1815.4. Auflage. Frankfurt/Main: Dietmar Klotz Verlag 2007. S. 125

2Ebd.

3Ebd.

4Lüthi, Max: So leben sie noch heute. Betrachtungen zum Volksmärchen. 3. Auflage. Göttingen: 1989 (VR- Reihe) S. 7

5Salz, Ilona und Martin Salz: …und sie lebten glücklich…. Zur Lebensweisheit im Märchen. Berlin; Kriftel; Neuwied: Luchterhand 1992, S.88

6vgl. Grimm (wie Anm. 1)

7Ebd.

8Ebd.

9Ebd.

10Kaiste, Jaana: Das eigensinnige Kind. Schrecken in pädagogischen Warnmärchen der Aufklärung und Romantik. Stockholm: 2005 (Studia Germanistica Upsaliensia) S.62

11vgl. Salz (wie Anm. 5) S. 58-59

12vgl. Grimm (wie Anm. 1) S. 126

13Lüthi, Max: Es war einmal… Vom Wesen des Volksmärchens. 6. Auflage. Göttingen: 1962 (VR kleine Vandenhoeck-Reihe), S. 44

14vgl. Salz (wie Anm. 5) S. 59

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das "Rotkäppchen" der Grimms. Eine Untersuchung der erzieherischen Wirkung dieses Märchens
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistik)
Veranstaltung
Literaturgeschichte 17. bis 19. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V311633
ISBN (eBook)
9783668103405
ISBN (Buch)
9783668103412
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rotkäppchen, grimms, eine, untersuchung, wirkung, märchens
Arbeit zitieren
Anne-Marie Holze (Autor), 2011, Das "Rotkäppchen" der Grimms. Eine Untersuchung der erzieherischen Wirkung dieses Märchens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311633

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