Märchen, Sagen und Legenden im Hörbuch. Wie Hörbuchverlage mit der Tradition des Erzählens umgehen


Bachelorarbeit, 2014
76 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis ... 3

1. Einleitung ... 4

2. Grundlegendes ... 6
2.1 Forschungsstand und Quellen ... 6
2.2 Hörbuch und Hörbuchverlage ... 9
2.3 Märchen, Sagen und Legenden ... 11

3 Mündliche Erzähltradition ... 15
3.1 Primäre und sekundäre Oralität ... 15
3.2 Oralität und Literalität von Märchen, Sagen und Legenden ... 17
3.3 Mündlichkeit des Hörbuchs ... 20
3.4 Renaissance des Erzählens und (Zu-)Hörens ... 23

4 Märchen, Sagen und Legenden als Bereich der Hörbuchbranche ... 26
4.1 Methodisches Vorgehen ... 26
4.2 Hörbuchverlage mit Spezialisierung auf Märchen, Sagen und Legenden ... 29
4.2.1 Verlage für Erwachsene ... 29
4.2.2 Verlage für Kinder ... 36
4.3 Inhaltliche Schwerpunkte im Bereich Märchen, Sagen und Legenden ... 39
4.3.1 Hörbuchtitel für Erwachsene ... 39
4.3.2 Hörbuchtitel für Kinder ... 41
4.4 Zusammenfassung ... 43

5 Fazit und Ausblick ... 46

Literaturverzeichnis ... 47
Primärquellen ... 47
Sekundärliteratur ... 47

Anhang ... 50

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Verteilung der Verlage anhand der produzierten Titel mit Märchen, Sagen und Legenden ... 29
Tab. 2: Verteilung der Gesamtanzahl der Titel mit Märchen, Sagen und Legenden auf die Verlage ... 30
Tab. 3: Verteilung der Verlage anhand der ersten Veröffentlichung eines Titels mit Märchen, Sagen und Legenden ... 31
Tab. 4: Verteilung der Verlage anhand der letzten Veröffentlichung eines Titels mit Märchen, Sagen und Legenden ... 33
Tab. 5: Verteilung der Verlage anhand des Programmschwerpunkts in einem Genre ... 34
Tab. 6: Verteilung der Verlage mit Schwerpunkt Märchen nach Thema ... 35
Tab. 7: Verteilung der Verlage mit Schwerpunkt Sage nach Thema ... 35
Tab. 8: Verteilung der Verlage für Kinder anhand der produzierten Titel mit Märchen, Sagen und Legenden ... 37
Tab. 9: Verteilung der Verlage für Kinder anhand der ersten Veröffentlichung eines Titels mit Märchen, Sagen und Legenden ... 37
Tab. 10: Verteilung der Verlage für Kinder anhand der letzten Veröffentlichung eines Titels mit Märchen, Sagen und Legenden ... 38
Tab. 11: Verteilung der Hörbuchtitel nach Gattungen ... 39
Tab. 12: Verteilung der Hörbuchtitel in der Gattung Märchen nach Themen ... 40
Tab. 13: Verteilung der Hörbuchtitel in der Gattung Sage nach Themen ... 41
Tab. 14: Verteilung der Hörbuchtitel für Kinder nach Gattungen ... 42
Tab. 15: Verteilung der Hörbuchtitel für Kinder in der Gattung Märchen nach Themen ... 42
Tab. 16: Verteilung der Hörbuchtitel für Kinder in der Gattung Sage nach Themen ... 43

1. Einleitung

Es war einmal … So beginnen die meisten Märchen. Aber für die Präsenz der Märchen in den neuen Medien stimmt das nicht. Es war nicht, es ist. Ein ganz neues Interesse an den Stoffen einer sehr alten Gattung führt dazu, dass in den letzten Jahren märchenhafte Erzählungen in großer Anzahl Eingang in Filme und Serien fanden. Als Beispiele seien hier nur wenige angeführt, wie Disneys Kassenschlager Maleficent oder die Fernsehserien Grimm und Once upon a time. Doch auch die mythische Welt der antiken und nordischen Sagen kommt in den audiovisuellen Medien nicht zu kurz. Handle es sich dabei um effektheischende Blockbuster mit Superstar-Besetzung wie Troja oder Comic-Verfilmungen wie Thor. Und auch das analoge Medium Buch nimmt immer wieder Bezug zu den alten und wohlbekannten Märchen auf. Und Märchen werden nicht nur gesehen oder gelesen, sondern auch gehört. Die bekannte Märchenforscherin Kathrin Pöge-Alder stellte dazu 2013 fest: „Märcheninterpretationen unterschiedlicher Ausrichtung nehmen signifikant zu. Das öffentliche Erzählen zieht immer mehr Interessenten an“ [1]. Nicht nur Märchenerzähler profitieren von diesem Trend. Auch der Hörbuchmarkt freut sich über die neue Lust am Zuhören. Wie das alles zusammenhängt, das Zuhören, das Hörbuch, die Märchen, Sagen und Legenden, das soll der Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.

Es wird hier, ganz grob gesagt, um Mündlichkeit und Schriftlichkeit, um Hörbücher und Hörbuchverlage gehen. Dies klingt weitläufig, um nicht zu sagen, unüberschaubar. Was man alles über Mündlichkeit sagen könnte, umfasst Jahrtausende der Menschheitsgeschichte. Mit diesem Thema könnte man ganze Bücherwände füllen, ohne sich ein einziges Mal zu wiederholen. Mit der Schriftlichkeit verhält es sich fast genauso, mit dem Unterschied, dass die Schriftlichkeit auf eine nicht ganz so lange Geschichte zurückblicken kann. Auch der Themenkomplex des Hörbuchs ist riesig. Allein wenn man sich die verschiedensten Trägerformen von der Schelllackplatte Ende des 19. Jahrhunderts bis zur modernen MP3-Datei ansieht. Und die Anzahl der Hörbuchverlage steigt stetig. Damit dies alles nicht zu ausufernd wird, beschränken sich alle Überlegungen auf die Gattungen Märchen, Sage und Legende. Früher wurden Märchen, Sagen und Legenden erzählt und nacherzählt. Mit der zunehmenden Verschriftlichung der Gesellschaft wurde diese Erzählkultur in Teilen durch das Vorlesen abgelöst. Und heute braucht man zum Vorlesen nicht mehr mindestens zwei Menschen. Heute genügen ein Mensch, ein Hörbuch und das passende Abspielgerät. So wird von Märchen, Sagen und Legenden eine Brücke gebaut zwischen der Mündlichkeit und dem Hörbuch. Deshalb soll es in der vorliegenden Arbeit vorrangig um die Frage gehen, wie sich die alte Tradition des mündlichen Erzählens in den modernen Hörbüchern niederschlägt.

Die Arbeit wird in zwei Teile gegliedert sein: ein erster mehr theoretischer Teil und ein zweiter eher praktischer Teil. Der erste Teil besteht aus einem Grundlagenkapitel, in dem Begriffsklärungen und Definitionen zu den Themen Hörbuch und Hörbuchverlage sowie den Gattungen Märchen, Sage und Legende gegeben werden, und einem Kapitel, das die mündliche Erzähltradition erklärt und in die wichtigsten Bereiche der Erzählforschung einführt. Im zweiten Teil, der etwas praktischer ausgerichtet ist, werden die Ergebnisse einer Analyse vorgestellt. Dafür wurden aus unterschiedlichen Quellen 61 deutschsprachige Hörbuchverlage mit 384 Hörbuchtiteln aus dem Bereich der Märchen, Sagen und Legenden recherchiert. Die Daten wurden ausgewertet und in einen Zusammenhang mit der Tradition des Erzählens gebracht. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf weitere Möglichkeiten in der Beschäftigung mit Märchen, Sagen und Legenden im Hörbuch bilden den Schluss der Arbeit.

2. Grundlegendes

2.1 Forschungsstand und Quellen

Es gibt – verständlicherweise – keine Forschungsliteratur über die Bedeutung der Warengruppe Märchen, Sagen und Legenden für den deutschen Hörbuchmarkt. Auch finden sich keine Abhandlungen über den Umgang der Hörbuchverlage mit der Tradition des Erzählens. Doch die einzelnen Komponenten, also Märchen, Sagen und Legenden sowie das Medium Hörbuch, der Hörbuchmarkt und die mündliche Erzähltradition, wurden von ihren jeweiligen Forschungszweigen sehr gut, zum Teil sogar mehr als ausreichend untersucht.

Im Bereich der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema Hörbuch kann man auf mehrere, teils sehr ausführliche Werke zurückgreifen. Besonders zu nennen seien hier Sandra Rührs Dissertation Tondokumente von der Walze zum Hörbuch (2008) sowie das Sammelwerk Das Hörbuch (2010) von Häusermann, Janz-Peschke und Rühr. Beide Bücher sind für die wissenschaftliche Einarbeitung in die Hörbuch-Thematik gut geeignet. Rühr stellt Hörmedien von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute dar. Dabei wird nicht nur auf die trägermedienspezifischen Veränderungen (Schellackplatte bis hin zum MP3-Download) eingegangen, sondern auch auf die einzelnen Genres und die Rezeption des Hörbuchs. Das Sammelwerk von Häusermann, Janz-Peschke und Rühr zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass das Medium Hörbuch aus ganz verschiedenen Blickwinkeln dargestellt wird. Neben Geschichte, Inhalten und Formen wird auch die Mündlichkeit des Hörbuchs behandelt. Der von Korinna Janz-Peschke beigesteuerte Aufsatz Hörbuch und Mündlichkeit ist die Inspiration der vorliegenden Arbeit und bildet den Anknüpfungspunkt der folgenden Untersuchungen. Doch nicht nur das Hörbuch als Medium wird in der Forschung behandelt. Speziell zum Hörbuchmarkt und den Hörbuchverlagen hat wiederum Frau Rühr mit Hörbuchboom? (2004) eine umfassende Arbeit verfasst. Hier werden alle Hörbuchverlage Deutschlands aufgelistet und untersucht. Darüber hinaus werden auch der deutsche Hörbuchmarkt und seine Zielgruppen analysiert.

Die literarischen Gattungen Märchen, Sage und Legende sind sowohl von der Literaturwissenschaft als auch von der Erzählforschung sehr umfassend untersucht worden. Speziell für das Märchen gibt es als gute Einführung das kleine Büchlein Märchen (Erstauflage 1962) von Max Lüthi, das das Volksmärchen in den Mittelpunkt rückt. Lüthi zeigt hier nicht nur die Entwicklung des Märchens in der Geschichte auf, sondern gibt auch einen Überblick über das Märchen und seine Formen in anderen Ländern. Daneben steht der UTB-Band Märchen (2005) von Stefan Neuhaus. Eine umfangreiche Einführung, die auch auf bedeutende Sammler der Volksmärchen und Verfasser der Kunstmärchen eingeht. Die Einführung in die Sagenforschung (2001) von Leander Petzold bildet eine ausführliche und leicht verständliche Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Gattung Sage, sowie Legende (1982) von Hellmut Rosenfeld für das entsprechend andere Genre.

Neben den Bereichen Hörbuch und Märchen, Sage, Legende ist für die vorliegende Arbeit die Erzähltradition wichtig. Hier streift man bei der Recherche unweigerlich mehrere Forschungsgebiete. Dabei ist die Erzählforschung die wissenschaftliche Disziplin, die sich am intensivsten mit der Erzähltradition beschäftigt. Außerdem gehört die Erzähltradition unter anderem auch zu den Themen der Linguistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft. Für eine Einarbeitung in das Thema Mündlichkeit bietet sich am besten das Standardwerk Oralität und Literalität (1987) von Walter J. Ong an. Daneben finden sich zahlreiche Abhandlungen über die mündliche Erzähltradition. Besonders die Literatur zur Erzählforschung geht dabei ausführlich auf die Mündlichkeit und Erzähltradition der Gattungen Märchen, Sage und Legende ein.

Abschließend lässt sich sagen, dass für die einzelnen Bereiche Hörbuch, Märchen, Sage, Legende und Erzähltradition durchaus eine große Auswahl an Forschungsliteratur zur Verfügung steht. Jedoch fehlt eine Arbeit, die alle diese Bereiche verbindet. Es ist der Anspruch der vorliegenden Arbeit, eine solche Verbindung zu schaffen.

Die Daten für die Untersuchung der Hörbücher und Hörbuchverlage wurden aus mehreren gedruckten und digitalen Quellen zusammengetragen. Zu den Druckquellen zählen die Zeitschrift HörBuch und das Börsenblatt.

Das KatalogMagazin[2] HörBuch gibt einen Überblick über Entwicklungen auf dem Hörbuchmarkt, Hörbuchverlage und Neuerscheinungen. Von 1996 bis 2001 erschienen die einzelnen Hefte einmal im Jahr. Seit 2002 erscheinen sie zweimal jährlich, immer pünktlich in Frühjahr und Herbst zur jeweiligen Buchmesse. Die Hefte werden von Jahrgang zu Jahrgang immer dünner und weniger ausführlich. Dies ist sehr schade, aber da der Hörbuchmarkt immer weiter wächst, auch nachvollziehbar. Die aufgelisteten Hörbücher sind nach Genres geordnet. So fiel es leicht, Hörbücher mit Märchen, Sagen oder Legenden heraus zu suchen. Jeder aufgelistete Titel enthält Informationen über Autor und Sprecher, Trägermaterial, Art der Aufnahme (Lesung, Hörspiel, inszenierte Lesung etc.) und Verlag.

Auch die Branchenzeitschrift Börsenblatt wurde als Quelle herangezogen. Das Magazin wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels herausgegeben und erscheint einmal wöchentlich. Zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) erscheint eine Spezialausgabe Hörbuch. Es wurden ausschließlich diese Hörbuch-Spezialausgaben angeschaut. Die Bestsellerlisten der Hörbücher, Artikel und Werbeanzeigen wurden nach Titeln mit Märchen, Sagen oder Legenden durchsucht.

Die digitalen Quellen sind das Internetportal hoergold.de, die einzelnen Verlagswebsites sowie buchhandel.de.

Die Website hoergold.de bündelt seit 2002 viele Informationen zum Thema Hörbuch.[3] Es sind über 10.000 Titel und 531 Verlage verzeichnet.[4] Die einzelnen Seiten machen Angaben zu Verlag, Produktionsjahr, Autor und Genre. Alle Hörbücher sind in bestimmte Kategorien geordnet. Die für die Analyse wichtigen Kategorien sind Märchen und Sagen, Kinder, Jugend, Klassiker und Ritter.

Auf den Websites der in Frage kommenden Verlage wurde vor allem nach neueren Hörbüchern gesucht. Die zur Verfügung stehenden Ausgaben des HörBuchs und des Börsenblatts sowie hoergold.de konnten keine Auskunft über 2014 erschienene Hörbücher machen. Deshalb wurden, soweit verfügbar, die Produktverzeichnisse auf den Websites jedes Verlags nach neueren Titeln mit Märchen, Sagen oder Legenden durchsucht.

Die Website buchhandel.de listet alle lieferbaren Bücher aus dem Verzeichnis lieferbarer Bücher auf. In der neuen, moderneren Version des Internetauftritts werden von libreka! auch E-Books verfügbar gemacht.[5] Die Umstellung von der alten auf die neue Version im Oktober 2014, während der Erstellung dieser Arbeit, hat die Recherche nicht gerade erleichtert. Besonders da die Beta-Version des neuen buchhandel.de große Schwächen bezüglich der Suchfunktion aufweist. Es fehlt beispielsweise noch die Möglichkeit, nach einem bestimmten Verlag zu suchen. Dies ist zwar unerfreulich, da es sich ja aber um eine Beta-Version der Website handelt, kann davon ausgegangen werden, dass noch einiges verbessert wird. Buchhandel.de wurde hauptsächlich dafür genutzt, die Lieferbarkeit einzelner Titel nachzuweisen.

Mit Hilfe der genannten Quellen wurden die Daten für die Untersuchung der Hörbücher und Hörbuchverlage gewonnen.

2.2 Hörbuch und Hörbuchverlage

Zum richtigen Verständnis des Themas der vorliegenden Arbeit ist es wichtig und unerlässlich eine genaue Definition des Hörbuchs zu geben. Der Begriff Hörbuch kann sehr weitläufig sein. Deshalb ist eine klare Eingrenzung nötig. Diese wird jedoch so knapp wie möglich gehalten, da das Thema Hörbuch in mehreren Publikationen bereits ausführlich behandelt wurde.[6]

Ein Hörbuch, auch Audiobuch oder Audiobook genannt, ist ein „Buch zum Hören“[7], also ein Tonträger mit gesprochenem Text.[8] Damit umfasst das Hörbuch ein weites Feld. Um dies einzugrenzen, wird im Alltagssprachgebrauch der Begriff Hörbuch gemeinhin für das Hörbuch im engeren Sinn verwendet, nämlich die Aufnahme einer Lesung eines literarischen Textes durch einen Sprecher/Schauspieler oder den Autor selbst (Autorenlesung).[9] Das Hörbuch im weiteren Sinn umfasst dann auch Hörspiele, Features, Rezitationen sowie O-Ton-Aufnahmen.[10] Diese Definition des Hörbuchs bezieht sich auf die Art und Weise der Darbietung und Aufnahme. Was die verwendeten Stoffe und Themen angeht, werden Hörbücher in allen möglichen Genres produziert.[11]

Bei der Verarbeitung eines Romans zum Hörbuch ist es üblich, den Originaltext zu kürzen. Dies hat sowohl dramaturgische als auch zeitbedingte Gründe. [12] Darüber hinaus muss ein Text, der für ein Hörbuch verwendet wird, nicht zwangsläufig auch als Buchausgabe vorliegen.[13] Hörbücher werden für verschiedene Trägermaterialen produziert. Anfangs waren es Schallplatten, MC und CD. Mittlerweile werden Hörbücher auch auf DVD oder als MP3-Download vertrieben.[14] Die neueste Entdeckung der Hörbuchbranche ist die MP3-CD.[15] Dieses Speichermedium hat den Vorteil, dass eine größere Datenmenge auf einer Disk untergebracht werden kann und gleichzeitig ein haptisches Produkt vorliegt, das vor allem bibliophile und ältere Hörbuch-Nutzer bevorzugen. Zudem bieten Blindenbüchereien und einige Hörbuchverlage spezielle Hörbücher für Sehbehinderte an. [16]

Grundsätzlich wird strikt zwischen Hörbuch und Hörspiel unterschieden. Während beim Hörbuch das gesprochene Wort im Vordergrund steht, kommt es beim Hörspiel vor allem auf das kunstvolle Zusammenspiel von Sprache, Musik und Geräuschen an. In dieser Arbeit wird zwar auch zwischen Hörbuch und Hörspiel unterschieden. Jedoch werden beide Formen gleichberechtigt behandelt. Besonders im Bereich der akustischen Kinder- und Jungendmedien sind sowohl Hörspiele als auch Märchen und Sagen oft vertreten. Deshalb wird ein Hörspiel in der Analyse wie ein Hörbuch behandelt.

Hörbücher werden von Hörbuchverlagen und Rundfunkanstalten oder auch in Kooperation der beiden geplant, produziert und vertrieben.[17] In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Hörbuchverlagen. Im Jahr 2004 waren es 260. [18] Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es mittlerweile mehr Hörbuchverlage gibt. Man unterscheidet ganz grob zwei Arten von Hörbuchverlagen: reine Hörbuchverlage und gemischte Hörbuchverlage. Reine Hörbuchverlage sind solche, die ausschließlich Hörbücher in ihrem Verlagsprogramm führen. Gemischte Hörbuchverlage hingegen verlegen neben Hörbüchern auch gedruckte Bücher oder E-Books. [19]

Die Geschichte der Hörbuchverlage ist natürlich mit der Entwicklung des Hörbuchs und seiner Vorgänger verbunden. Ebenso wie die Geschichte des Hörbuchs mit den technischen Fortschritten der Tonaufzeichnung zusammenhängt.[20] Es werden gemeinhin fünf Phasen der Hörbuchentwicklung genannt. Den Beginn der Schallaufzeichnung macht Edison 1877 mit seiner Erfindung des Phonographen. Die erste Phase der Geschichte der Tondokumente dauert dann an bis 1953. In dieser Zeitspanne wurden Walzen und Sprechplatten hergestellt. Diese Tonaufzeichnungen hatten ausschließlich dokumentarischen Charakter. Für die Unterhaltung der Rezipienten sorgten Musikschallplatten. Diese waren im Gegensatz zu den Sprechplatten weitaus beliebter, bekannter und weiter verbreitet.[21] Das Ende der ersten Phase und gleichzeitig den Beginn der zweiten Phase markiert die Veröffentlichung einer Aufnahme des Faust I mit und von Gustaf Gründgens von der Deutschen Grammophon im Jahr 1954.[22] Dies war das erste Mal, dass sich eine Sprachaufnahme wirklich gut verkaufte. Dank der Erfindung der Langspielplatte und dann 1963 der MusiCassette wurden in den folgenden Jahren vermehrt auch längere Textpassagen aufgenommen und vertrieben. In dieser Zeit begannen neben den Schallplattenfirmen auch Buchverlage mit der Produktion von Sprachaufnahmen, die sich langsam versuchten als eigenständiges Medium zu behaupten.[23]

Die dritte Phase der Hörbuchentwicklung wurde 1987 mit der Kreation des Namens Hörbuch eingeläutet. Bis 1992 hatte das neue Medium Hörbuch keinen guten Stand. Von Presse und Kritiker wurde es als „Medium für blinde und alte Menschen“[24] angesehen. Außerdem befürchtete man eine Zunahme des Analphabetismus und den Verlust der Buchkultur. Im Gegensatz dazu ist die vierte Phase von 1993 bis 2003 eher durch positive Berichterstattung und Markttendenzen geprägt. Mit der Gründung des Hörverlags im Jahr 1993 rückten die enge Zusammenarbeit mit dem verbreitenden Buchhandel, die Abstimmung der Produkte auf die Erwartungen und Wünsche der Zielgruppe sowie Marketingüberlegungen in den Blickpunkt der Hörbuchverlage. Von 2004 bis heute spielt die Digitalisierung der Hörbücher eine große Rolle. Diese fünfte Phase charakterisiert sich durch das Aufkommen von Hörbuchdownloadportalen im Internet, der Akquise neuer Zielgruppen und der sich dadurch endgültig manifestierten Rolle des Hörbuchs als beliebtes Medium.[25]

2.3 Märchen, Sagen und Legenden

Märchen, Sagen und Legenden, die sogenannten einfachen Formen[26], sind vielfältige literarische Gattungen. Jedoch fällt die klare Abgrenzung schwer. Inhaltlich gesehen sind Märchen frei erfunden, Sagen und Legenden haben einen realen Bezugspunkt in der Vergangenheit. Nahe verwandte Gattungen sind auch Mythos, Schwank und Fabel.[27] Im Folgenden sollen die drei Gattungen näher betrachtet werden.

[...]


[1] Pöge-Alder 2011, S. 13.

[2] HörBuch 1996, S. 2.

[3] Vgl. Rühr 2004, S. 74.

[4] Stand Oktober 2014.

[5] Vgl. Börsenblatt 2014.

[6] Zu Definition, Merkmalen und Geschichte des Hörbuchs siehe Rühr 2004 und 2008, sowie Häusermann/Janz-Peschke/Rühr 2010.

[7] Rühr 2004, S. 11.

[8] Vgl. Wetzel 2003a, S. 262.

[9] Vgl. Rühr 2004, S. 12; Wetzel 2003b, S. 262.

[10] Vgl. Häusermann 2010, S. 14; Rühr 2004, S. 13.

[11] Vgl. Rühr 2008, S. 18f.

[12] Vgl. Rühr 2004, S. 13, 17.

[13] Vgl. Häusermann 2010, S. 14; Rühr 2004, S. 16; Rühr 2008, S. 19.

[14] Vgl. Rühr 2004, S. 12, 23–25; Rühr 2008, S. 19.

[15] Vgl. Rühr 2008, S. 116f.

[16] Siehe dazu Rühr 2004, S. 26–28; Rühr 2008, S. 119.

[17] Vgl. Rühr 2004, S. 14.

[18] Vgl. Ebd., S. 76.

[19] Vgl. Ebd., S. 77.

[20] Vgl. Rühr 2008, S. 41.

[21] Vgl. Ebd., S. 41.

[22] Vgl. Rühr 2004, S. 15; Rühr 2008, S. 42.

[23] Vgl. Rühr 2008, S. 42.

[24] Rühr 2004, S. 7.

[25] Vgl. Rühr 2008, S. 42f.

[26] Vgl. Jolles 1968.

[27] Vgl. Bausinger 1999, Sp. 252f.; Lüthi 2004, S. 6–15; Mayer/Tismar 1997, S. 5.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Märchen, Sagen und Legenden im Hörbuch. Wie Hörbuchverlage mit der Tradition des Erzählens umgehen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Buchwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
76
Katalognummer
V311657
ISBN (eBook)
9783668112490
ISBN (Buch)
9783668112506
Dateigröße
1518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hörbuch, Märchen, Sage, Legende, Mündlichkeit, Erzählen, Zuhören, Verlag, Hörbuchverlag, Medien, Tradition
Arbeit zitieren
Christine Sukal (Autor), 2014, Märchen, Sagen und Legenden im Hörbuch. Wie Hörbuchverlage mit der Tradition des Erzählens umgehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311657

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