Ausdrucksgestalten christlicher Frömmigkeit in der Antike


Seminararbeit, 2001

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Umgang mit der Bibel

3 Gebet und Gottesdienst

4 Engel, Heilige und Märtyrer
4.1 Die Engelverehrung
4.2 Die Heiligen- und Märtyrerverehrung

5 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Alltagsleben der antiken Christen ist stark vom Begriff der Frömmigkeit abhängig. Sie nämlich beschreibt die Einstellungen und Verhaltensweisen, die Menschen sich aneignen um ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen.

Der Begriff an sich ist auf den griechischen Ausdruck eusebeia zurückzuführen, der in der paganen Umwelt als „das ehrfürchtige Verhalten gegenüber den Göttern“[1] gedeutet wurde. Im christlichen Sinne wird er fast analog verstanden „als Unterordnung unter Gottes Willen, Hinwendung zu ihm und Nachfolge“[2].

Wie gestaltet sich nun aber Frömmigkeit im Alltag antiker Christen? Zur Beantwortung dieser Frage sollen in den folgenden Kapiteln die Ausdrucksgestalten von Frömmigkeit im antiken Christentum näher erläutert werden. Dazu zählen im Wesentlichen der Umgang mit biblischen Texten, das Gebet, sowie die Engel- und Heiligen- und Märtyrerverehrung.

2 Umgang mit der Bibel

Die Bibel bildet die Grundlage des Christentums. In ihrer „Botschaft, in der Person Jesus Christus begegnet die gute Nachricht von der Barmherzigkeit Gottes, auf die sich der christliche Glaube gründet“[3].

Anhand des Neuen Testaments lässt sich ein erster Eindruck gewinnen, wie der Umgang mit heiligen Schriften zu verstehen ist: In vielen neutestamentlichen Briefen stößt man auf theologische Argumentationen, die sich auf das Alte Testament und auf Jesus stützen. „Umgang mit Bibel heißt hier also zunächst Verwendung von alttestamentlichen und Jesus- Worten für theologische Argumentation [...].“[4]

Die Entstehung biblischer Texte umfasst einen enormen historischen Zeitraum von bis zu tausend Jahren bei alttestamentlichen Schriften bzw. etwa hundert Jahren im Hinblick auf neutestamentliche Texte, und ist auf die Arbeit vieler Autoren zurückzuführen. Insbesondere aber der Kanonisierungsprozess durch die Kirche des zweiten Jahrhunderts weist auf eine intensive Beschäftigung mit biblischen Texten hin, die letztendlich dazu führte, dass nur bestimmte Texte als autoritatives Gotteswort in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Entscheidungskriterien für die Auswahl der neutestamentlichen Schriften beispielsweise, waren in diesem Kontext „die zeitliche Nähe [der Schriften] zu Jesus und der Zeit der Apostel“[5].

Warum es aber überhaupt zum Prozess der Kanonisierung kam bleibt unklar. Nahe liegend ist eine allmähliche Durchsetzung der theologisch stärksten Schriften. Vermutet werden kann aber auch, dass ein zunehmendes Bedürfnis der Mehrheitsgemeinde, sich von Häretikern abzugrenzen, den Anstoß zur Kanonisierung bildete.[6]

Abgesehen von der Geschichte des Kanons geben einige überlieferte Texte, wie z.B. die Streitschrift des Origenes, aber auch Einblick in den privaten Umgang antiker Christen mit biblischen Texten.

Offenbar konnte man, so geht es aus Origenes Aufzeichnungen hervor, Mitte des zweiten Jahrhunderts biblische Texte im Buchhandel erwerben, wenn man über ausreichende finanzielle Mittel verfügte. Da dies aber wahrscheinlich nur einen kleinen Personenkreis betraf, stellt sich die Frage, wie der Umgang des einfachen christlichen Volkes mit biblischen Texten aussah. Anzunehmen ist, dass entweder gar keine oder nur einzelne wenige Schriftstücke in den Händen des einfachen Christen ruhten. Bestätigt wird diese Annahme durch eine Textpassage aus den Akten des karthagischen Prozesses der Märtyrer aus Scili um 180 n. Chr., in der es sinngemäß um folgenden Inhalt geht:

Der römische Prokonsul fragte, nachdem der Fall eigentlich abgeschlossen war, die Gruppe, was sie denn in ihrer Buchschachtel habe. Einer antwortete: „Bücher und Briefe des Paulus, eines gerechten Mannes“.[7]

Dieser Textausschnitt verweist außerdem indirekt darauf, dass das Neue Testament zunächst in Stücken überliefert wurde. Daher ist es auch nicht wunderlich, dass anfänglich nur einzelne Schriftstücke, wie beispielsweise die Paulinischen Briefe, in den Besitz der Menschen gelangten.

Die wohl häufigste Begegnung mit biblischen Texten hatten die antiken Christen mit Sicherheit im Gottesdienst. Einige Schriftstücke belegen sogar, dass Prediger, wie Origenes (3.Jahrhundert) und Chrysostomus (4. Jahrhundert) ihre Gemeinde zur selbstständigen Bibellektüre aufforderten:

Damit ihr aber die Predigten leichter versteht, so bitte ich euch inständig [...], den Abschnitt des Evangeliums aufzuschlagen, der jeweils zur Erklärung kommt, damit die Lesung das Verständnis bereite [...]. Der Rätsel sind nämlich viele.[8]

Der Umgang mit biblischen Texten ist als Ausdruck von Frömmigkeit ein wichtiger Aspekt. Daher ist es interessant zu erfahren wie dieser Umgang außerhalb des Gottesdienstens ausgesehen haben könnte. Wie schon erwähnt verfügten nur die wenigsten Christen über die nötigen finanziellen Mittel um sich biblische Literatur anzueignen. Deshalb ist anzunehmen, dass nur wenige Haushalte eine Bibel besaßen und folglich eine eigenständige Beschäftigung mit heiligen Schriften außerhalb des Gottesdienstes eher spärlich ausgefallen sein dürfte. Folgendes Zitat von Chrysostomus bestätigt diese Annahme:

Sage mir, wer von euch, die ihr hier steht, vermöchte auch nur einen einzigen Psalm herzusagen, wenn man ihn darum bäte, oder sonst einen Abschnitt aus der heiligen Schrift? Kein einziger! [...] Und was bringt man da gewöhnlich für Entschuldigungen gegen solche Vorwürfe? Ach, heißt es, ich bin ja kein Mönch, sondern habe Frau und Kinder und muß mein Hauswesen versorgen. Ja, das hat alles Unheil verschuldet, daß ihr glaubtet, nur die Mönche brauchten die heilige Schrift zu lesen, während gerade ihr es viel nötiger hättet als sie [...].[9]

[...]


[1] C. Markschies: Zwischen den Welten wandern- Strukturen des antiken Christentums. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, November 1997, S. 97.

[2] Ebd.

[3] G. Kruhöffer, Einleitung: Bibel- Bekenntnis- Theologie, in: Grundlinien des Glaubens. Ein biblisch- theologischer Leitfaden, Göttingen 1993, S. 15.

[4] C. Markschies: A. a. O., S. 100.

[5] G. Kruhöffer, A. a. O., S. 17.

[6] Vgl.: C. Markschies, A. a. O., S. 102f.

[7] Ebd. S. 104.

[8] J. Chrysostomus: Homilien über das Matthäusevangelium V 1, zitiert nach C. Markschies. A. a. O., S. 104.

[9] J. Chrysostomus: Homilien über das Matthäusevangelium II 5, zitiert nach C. Markschies. A. a. O., S. 105.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ausdrucksgestalten christlicher Frömmigkeit in der Antike
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Einführung in die Historische Theologie
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V31166
ISBN (eBook)
9783638322492
ISBN (Buch)
9783640157365
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausdrucksgestalten, Frömmigkeit, Antike, Einführung, Historische, Theologie
Arbeit zitieren
Birte Glass (Autor), 2001, Ausdrucksgestalten christlicher Frömmigkeit in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31166

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