Hermann Giesecke (geb. 1932) setzte mit seiner 1965 veröffentlichten "Didaktik der politischen Bildung" den Impuls zur "sozialwissenschaftlichen Wende" in der Politikdidaktik. Das Buch gilt bis heute als das am weitesten verbreitete politikdidaktische Werk und war die erste Monografie ihrer Art in Deutschland. Giesecke geht darin von der Prämisse aus, dass Politik in politischen Konflikten konkret werde.
Inhaltsverzeichnis
Gesellschaftstheorie in der Politikdidaktik - eine Einführung
Hermann Gieseckes „Konfliktdidaktik“ (I)
Hermann Gieseckes „Konfliktdidaktik“ (II)
Hermann Gieseckes „Konfliktdidaktik“ (III)
Hermann Gieseckes „Konfliktdidaktik“ (IV)
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (I)
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (II)
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (III)
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (IV)
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (V)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der politikdidaktischen Theoriebildung von Hermann Giesecke auseinander. Ziel ist es, die Entwicklung seines Ansatzes von der Konfliktdidaktik bis hin zur Orientierung an der Kritischen Theorie nachzuvollziehen und dessen Relevanz für eine emanzipatorische politische Bildung im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen zu prüfen.
- Grundlagen der Politikdidaktik und Gesellschaftstheorie
- Hermann Gieseckes Konfliktdidaktik und deren Bezugstheorien
- Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie
- Bürgerleitbilder, Partizipationsmöglichkeiten und Demokratieverständnis
- Die Rolle der Schule als Ort kritischer Auseinandersetzung
Auszug aus dem Buch
Gesellschaftstheorien in der Politikdidaktik
Eine Gesellschaft bietet die Möglichkeit, menschliches Zusammenleben zu organisieren und bezeichnet den Zusammenschluss konkreter Personen. Der Staat und die Politik bilden den Rahmen einer Gesellschaft.
Gesellschaften wandeln sich und sind keine starren Gebilde. Zwischen einer Gesellschaft und den Individuen besteht eine Wechselbeziehung, wobei die Gesellschaft als umgebende Wirklichkeit und die Individuen als davon geprägter Teil skizziert werden können. Der Begriff Gesellschaft bezeichnet ein komplexes und auch widersprüchliches Geschehen, das vielfachen Wandlungen unterworfen ist. Daher ist nicht von der Annahme auszugehen, dass die jeweils aktuellen Zustände die einzig denkbare und unveränderliche ‚Normalität‘ darstellen (vgl. Schwietring 2011: 23).
Die Mitglieder einer Gesellschaft sind lose miteinander verbunden als Träger von Funktionen und haben somit klare Rechte und Pflichten. Die Mitgliedschaft ist nicht symbiotisch und ein formaler Austritt aus der Gesellschaft ist durch die Abgabe der Staatsbürgerschaft möglich. Eine Gesellschaft kann als rationaler Zusammenschluss verstanden werden, in welchem öffentliche Interessenkonflikte bestehen und die Mitgliedschaft auf einzelne Aspekte beschränkt ist (vgl. ebd. 27). Eine Gesellschaft ist nicht fixiert und statisch, da die Menschen sich darin frei bewegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Gesellschaftstheorie in der Politikdidaktik - eine Einführung: Das Kapitel führt in die grundlegenden sozialwissenschaftlichen Begriffe von Gesellschaft ein und beleuchtet deren Relevanz für die Politikdidaktik.
Hermann Gieseckes „Konfliktdidaktik“ (I)-(IV): In diesen Abschnitten wird die Entstehung und Ausarbeitung von Gieseckes Konfliktdidaktik unter Rückgriff auf soziologische Theorien wie die von Dahrendorf detailliert analysiert.
Gieseckes neue Didaktik: Politische Bildung im Zeichen der Kritischen Theorie? (I)-(V): Diese Kapitel widmen sich der theoretischen Neuausrichtung Gieseckes an der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule und untersuchen, wie diese Einflüsse seine Didaktik veränderten.
Schlüsselwörter
Politikdidaktik, Hermann Giesecke, Konfliktdidaktik, Kritische Theorie, Emanzipation, Mündigkeit, Partizipation, Demokratisierung, Gesellschaftstheorie, Frankfurter Schule, Politische Bildung, Soziologische Wende, Bürgerleitbild, Interessenorientierung, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politikdidaktischen Konzepte von Hermann Giesecke und deren theoretische Fundierung durch verschiedene Gesellschaftstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Konfliktdidaktik, die Verbindung von Fachwissenschaft und Didaktik, die Rolle der Schule in der Demokratie sowie die Emanzipation als Ziel politischer Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gieseckes Rezeption soziologischer Theorien zu skizzieren und zu prüfen, inwieweit diese Ansätze eine kritische politische Bildung in Deutschland begründen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung der im Rahmen eines Seminars diskutierten Grundlagenliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der chronologischen Entwicklung von Gieseckes Didaktik, ausgehend von seinem frühen Konfliktansatz bis hin zur intensiven Auseinandersetzung mit der Frankfurter Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Politikdidaktik, Emanzipation, Konfliktdidaktik, Kritische Theorie und Partizipation.
Wie bewertet Giesecke die Rolle der Schule?
Giesecke sieht die Schule kritisch, da sie oft institutionelle Zwänge und Notendruck produziert, die eine echte politische Mündigkeit und Partizipation eher behindern als fördern.
Welche Rolle spielt die „Spiegel-Affäre“ für Gieseckes Ansatz?
Die Spiegel-Affäre dient Giesecke als Beispiel für eine „offene Situation“, an der er sein Verständnis von Politik als ein konflikthaftes und zukunftsorientiertes Geschehen induktiv erläutert.
Warum fordert Giesecke eine „Parteilichkeit“ der politischen Bildung?
Parteilichkeit ist für Giesecke notwendig, um Benachteiligten die Chancen zur Durchsetzung ihrer Interessen zu ermöglichen, anstatt durch eine „falsche Unparteilichkeit“ bestehende Machtverhältnisse zu stützen.
- Arbeit zitieren
- Thomas Bäcker (Autor:in), 2014, Gesellschaftstheorien in der Politikdidaktik. Die Theorierezeption bei Hermann Giesecke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311815