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Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden

Title: Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden

Term Paper , 2014 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Selina Winkler (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die oft sehr komplexe Bedeutung eines Tieres im Verständnis des mittelalterlichen Menschen ist für den modernen Rezipienten nicht immer ohne weiteres nachzuvollziehen. Hinzu kommt die Beobachtung, dass sich die Deutung eines Tieres nicht auf eine einzige Aussage festlegen lässt, sondern voller Ambiguität ist. Das vielfältigste Auftreten von Tieren in der mittelhoch-deutschen Literatur lässt sich in Wolframs von Eschenbach Parzival nachweisen, doch auch in den Epen Hartmanns von Aue und Gottfrieds von Straßburg Tristan wird das Tier keineswegs vernachlässigt. Iweins Löwe nimmt in dieser Tradition eine Sonderstellung ein.

Dies bringt mich nun zur Fragestellung der vorliegenden Seminararbeit. Welche Bedeutung hat der Löwe für Iwein? Da das Tier erst im zweiten Handlungszyklus, in dem Iwein seine Verfehlungen, die zur Krise führten, zu sühnen versucht, in Erscheinung tritt, konnte ich die Frage noch spezifizieren und werde im Folgenden nachzuvollziehen versuchen, welche Bedeutung der Löwe für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden hat. Diese ritterlichen Tugenden lassen sich unter dem Oberbegriff der êre zusammenfassen, was für die höfischen Dichter alles bezeichnete, was den Ritter in der Welt auszeichnete. Dies beinhaltete die Forderung, dass höfische Vollkommenheit sowohl den Geboten der christlichen Religion als auch den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen müsse, und führte zu gesellschaftlichem Ansehen.

Nach kurzen Vorinformationen über Werk, Autor und Inhalt des Werks wird das spezifische Thema der Seminararbeit in zwei Hauptabschnitten behandelt. Zuerst wird ein Versuch angestellt, die Rolle des Löwen anhand der vorher erarbeiteten Her-ausforderungen, die Iwein im zweiten Handlungszyklus des Romans zu bewältigen hat, zu deuten. Anschließend werden ganz konkret die Auswirkungen, welche das Eintreten des Lö-wen in die Handlung auf Iwein hat, erarbeitet, wobei sich die Arbeit anhand der zurückzuerlangenden Tugenden aufbaut. Dies sind güete, Tapferkeit, der Kampf aus edlen Motiven, Demut und truiwe, wobei letztere als die komplexeste dieser Tugenden in einem eigenen Unterpunkt bearbeitet wird. Auch der Identitätenwechsel Iweins zwischen seinem Dasein als Artusritter und ihm als dem Löwenritter wird behandelt. Im Schlussteil wird die Fragestellung durch eine Zusammenfassung und ein Fazit abschließend beantwortet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Iwein und der Löwe

2.1 Der höfische Roman Iwein

2.1.1 Der Autor Hartmann von Aue

2.1.2 Inhalt des Romans

2.2 Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden

2.2.1 Deutung der Rolle des Löwen

2.2.2 Auswirkungen auf Iwein

2.2.2.1 Äußerlichkeit und Innerlichkeit

2.2.2.2 truiwe als oberste Tugend

2.2.2.3 Der Ritter mit dem Löwen

2.2.2.4 Höhere Ritterlichkeit

3 Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht die zentrale Rolle des Löwen in Hartmanns von Aue Artusepos "Iwein". Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, wie die Begegnung mit dem Tier und die daraus resultierende Gemeinschaft es dem Protagonisten Iwein ermöglichen, seine ritterlichen Tugenden zu sühnen, seine Identität zu festigen und eine höhere Form der ritterlichen Vollkommenheit zu erlangen.

  • Die symbolische Funktion des Löwen als Spiegelbild der Entwicklung Iweins.
  • Die Analyse der ritterlichen Tugenden güete, Demut und vor allem truiwe.
  • Der Prozess der Identitätsfindung vom Artusritter hin zum "Löwenritter".
  • Die Überwindung der Begrenztheit des Artushofes durch die Integration des Natürlichen.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Deutung der Rolle des Löwen

Üblicherweise dienen wilde Tiere in höfischen Romanen dazu, „durch ihre Märchenhaftigkeit die hervorragenden Taten des Protagonisten [zu unterstreichen]. Eine Ausnahme macht der Löwe [im Iwein]“.16 Aus der zu Rate gezogenen Sekundärliteratur lassen sich für den Löwen drei symbolische Rollen zusammenfassen, die das „bedeutungs- und spiegelungsreiche Wechselverhältnis der Partner“17 ausdrücken. „Das Tier hat Fähigkeiten, die seinem Besitzer fehlen.“18 Daraus ergibt sich zum einen die Rolle des Löwen als Repräsentant des Tierisch-Wilden, welches Iwein durch seine Heilung vom Wahnsinn abgelegt hat, kurz bevor das Tier in die Handlung tritt.19 Diese erste Bedeutung des Löwen zeigt sich beispielsweise an seinem tierisch-instinktiven Verhalten bei der Jagd: nû twanc in des sîn ahte, beidiu der hunger und sîn art, dô er des tieres innen wart, daz er daz gerne wolde jagen20 (V. 3886-3889). „Hartmann charakterisiert damit also das Benehmen des Löwen als wie es „sîn art“ sei.“21

Zum anderen ergibt sich daraus die Rolle des Löwen als Repräsentant der Tugend, um Iweins Streben nach Rückerlangung dieser vorausblicken zu lassen. Er ist „Sinnbild für die rechte Herrschertugend (…), Gewalt auszuüben gegen die Feinde, Großmut aber gegen die Niedrigen. [Iwein] wird ja eben dann zum Löwenritter, als er gerade diese Fähigkeiten zum ersten mal bewiesen, Graf Aliers zwar besiegt, jedoch nicht getötet hat.“22 Diese Aussage widerspricht nicht der vorherigen, dass der Löwe Fähigkeiten habe, die dem Protagonisten fehlen, sie zeigt lediglich, dass Iweins angeborene Anlagen gut sind und er nur deshalb fähig ist, seine Verfehlungen zu büßen.23 Des Löwen Rolle als Repräsentant der Tugend ist wesentlich für das Zusammenspiel der beiden Verbündeten. „Der Löwe ist nicht nur physisch stärker als der Ritter, sondern er ist auch der Edlere, weil er tiefer empfinden kann.“24 Der Löwe nimmt somit auch eine Vorbildfunktion für Iwein ein.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die komplexe Bedeutung von Tieren in der mittelalterlichen Literatur ein und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle des Löwen für Iweins ritterliche Entwicklung.

2 Iwein und der Löwe: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den höfischen Roman, den Autor Hartmann von Aue und den Inhalt des Werks, bevor es die Bedeutung des Löwen für Iweins Tugendwerdung analysiert.

2.1 Der höfische Roman Iwein: Hier werden die Entstehungsgeschichte, die handschriftliche Überlieferung und die Struktur des Romans sowie der Autor Hartmann von Aue kurz vorgestellt.

2.1.1 Der Autor Hartmann von Aue: Dieses Unterkapitel beleuchtet die biografischen Hintergründe und das dichterische Wirken Hartmanns von Aue anhand historischer Quellen und Textzeugnisse.

2.1.2 Inhalt des Romans: Es erfolgt eine Zusammenfassung der Handlung des "Iwein", von der Krise bis zur Wiedererlangung des gesellschaftlichen Ansehens durch die Taten als Löwenritter.

2.2 Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden: Dieser Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Analyse der Löwenfigur und deren Einfluss auf Iweins Wandlungsprozess.

2.2.1 Deutung der Rolle des Löwen: Hier werden die drei zentralen symbolischen Rollen des Löwen – als Repräsentant des Wilden, der Tugend und der Innerlichkeit – detailliert herausgearbeitet.

2.2.2 Auswirkungen auf Iwein: Die Untersuchung zeigt, wie die Löwenbegegnung Iwein vom passiven Objekt zum bewusst handelnden Ritter macht, der seine Fehler sühnen kann.

2.2.2.1 Äußerlichkeit und Innerlichkeit: Dieses Kapitel erläutert, wie Iweins innere Tugenden wie güete und Tapferkeit durch die Interaktion mit dem Löwen nach außen hin sichtbar werden.

2.2.2.2 truiwe als oberste Tugend: Hier wird die zentrale Bedeutung der Treue als wichtigstes Bindeglied zwischen Iwein und dem Löwen sowie als Voraussetzung für höfische Vollkommenheit analysiert.

2.2.2.3 Der Ritter mit dem Löwen: Der Fokus liegt auf dem Identitätswechsel Iweins, der durch die neue Bezeichnung als "Ritter mit dem Löwen" auch öffentlich bestätigt wird.

2.2.2.4 Höhere Ritterlichkeit: Das Kapitel beschreibt, wie Iwein durch die Integration tierischer Realität in die arthurische Welt eine neue, reifere Stufe der Ritterlichkeit erreicht.

3 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass der Löwe nicht nur moralische Kraft verleiht, sondern Iwein erst zu wahrer menschlicher Würde führt.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Iwein, Artusroman, höfische Tugenden, truiwe, güete, Löwenritter, Symbolik, Mittelalter, Identitätswechsel, ritterliche Vollkommenheit, Tier-Mensch-Beziehung, Literaturwissenschaft, Artusgesellschaft, Moral.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Löwen im Artusepos "Iwein" von Hartmann von Aue und analysiert dessen Einfluss auf die Entwicklung des Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die ritterliche Ethik, das mittelalterliche Tugendsystem, die Rolle der Tiere in der höfischen Dichtung sowie Identitätsfindung und -wechsel.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Gemeinschaft mit dem Löwen Iwein dabei unterstützt, seine ritterlichen Verfehlungen zu sühnen und zur höfischen Vollkommenheit zurückzufinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse und der Auswertung relevanter Forschungsliteratur zur mittelhochdeutschen Epik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die verschiedenen symbolischen Rollen des Löwen gedeutet und deren direkte Auswirkungen auf Iweins Handeln und seine ritterlichen Tugenden analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Hartmann von Aue, Iwein, truiwe (Treue), höfische Tugenden und die Identität als Löwenritter.

Warum ist die Tugend "truiwe" für Iwein so essenziell?

Die Treue ist das grundlegende Element für die Bindung zwischen Mensch und Tier sowie die Voraussetzung, um die Versäumnisse gegenüber Laudine zu korrigieren und die höfische Ehre wiederzuerlangen.

Inwiefern beeinflusst der Löwe Iweins Stellung in der Artusgesellschaft?

Die Gemeinschaft mit dem Tier lässt Iwein aus der begrenzten Sicht der Artusgesellschaft herauswachsen, da er das Höfische mit dem Natürlich-Tierischen verbindet, was von der Gesellschaft teilweise panisch reagiert wird.

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Details

Title
Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1,3
Author
Selina Winkler (Author)
Publication Year
2014
Pages
17
Catalog Number
V311856
ISBN (eBook)
9783668107625
ISBN (Book)
9783668107632
Language
German
Tags
Iwein Löwe Tugend Germanistik Hartmann von Aue
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Selina Winkler (Author), 2014, Die Bedeutung des Löwen für die Rückerlangung Iweins ritterlicher Tugenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311856
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