Kriegsfotografien aus dem Ersten Weltkrieg. Bedeutung und Analyse


Hausarbeit, 2015
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Fotografie

3. Geschichte der Kriegsfotografie

4. Die Bedeutung der Fotografie für die Geschichtswissenschaften und ihre historische Einordnung und Verwendung

5. Analyse verschiedener Fotobände zum Ersten Weltkrieg

6. Gattungen
6.1. Das Bild eines Soldaten
6.2. Darstellung des Krieges
6.3. Bilderwelt an der dienenden Front
6.4. Auswirkungen des Krieges

7. Fazit

8. Literatur

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Fotoquellen

Internetquellen

Zeitschriften

Anhang

1. Einleitung

Am 28. Juli im Jahre 1914 hat die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg erklärt. Rund eine Woche später haben sich alle europäischen Großmächte im Kriegszustand befunden. Es ist der Anfang eines Krieges, der erst am 11. November 1918 für das Deutsche Reich im Wald von Compiègne bei Paris enden soll. Knapp mehr als vier Jahre hat Deutschland mit seinen Verbündeten unter anderem gegen Frankreich, Großbritannien, Russland und seit 1917 noch gegen die USA gekämpft. Im Herbst 1918 zwingt Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung. Grund hierfür ist der bevorstehende Zusammenbruch der deutschen Kriegswirtschaft. Sofortige Waffenstillstandsverhandlungen wurden von der obersten Heeresleitung unter Hindenburg gefordert und eine zivile Delegation eingeleitet. 9,5 Millionen Soldaten ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben und mehr als 21 Millionen Verwundete forderte der Krieg. Rund 12 bis 13 Millionen Zivilisten sind aufgrund von Hungersnot und der Seuchen während des Ersten Weltkrieges gestorben. Deutschland hat mit rund zwei Millionen gefallenen Soldaten den größten Verlust in diesem Krieg eingefahren. Gefolgt von Russland mit 1,85 Millionen Mann. Für Österreich-Ungarn ließen 1,5 Millionen, für Frankreich 1,3 Millionen, für Großbritannien und das Osmanische Reich 850.000 und für die USA 210.000 Soldaten ihr Leben.1 Die Menschen erlebten im Ersten Weltkrieg einen technischen Fortschritt, Flugzeuge, motorisierte Fahrzeuge, maschinelle Gewehre und Giftgas wurden eingesetzt und auch die Weiterentwicklung der Fotografie ermöglichte dem einfachen Volk sämtliche Aufnahmen von Situationen zu machen, die letztlich nach Hause geschickt wurden. Primär gilt die Fotografie, neben Chroniken, Tagebüchern, Briefen, Interviews und der Feldpost als historische Quelle für die Geschichtswissenschaften. Zu Beginn der Fotografie waren nur Standfotos möglich, die unter langen Belichtungszeiten lediglich für Portraitfotografie geeignet war. Bereits im Jahre 1846 tauchten erstmals Kriegsfotos während dem amerikanisch- mexikanischen Krieg auf. Auch der Krimkrieg (1853 - 1856) weist Kriegsbilder auf. Der Unterschied zu den Kriegsbildern des Ersten Weltkrieges ist dennoch erheblich. Die Kriegsbilder zu Zeiten des Bürgerkriegs und des Krimkriegs waren Bilder, die erst nach der Schlacht nachgestellt wurden. Denn durch die raschen Bewegungen und der unterschiedlichen Situationen, wäre es unmöglich gewesen anhand der hohen Belichtungszeiten, ein auch nur annähernd gutes Bild aufzunehmen.2 Zum Ersten Weltkrieg besaßen die Kameras schon ein hohes Maß an Qualität. Die Handhabung war sehr leicht gehalten. Auch die Fotos überzeugten an Qualität und dank der erschwinglichen Preise, war die Kamera für die gesamte breite Masse zugänglich. Aber genau wie in den vorherigen Kriegen, war es nur schwer möglich, scharfe Bilder bei Bewegung zu erzeugen, weshalb auch im Ersten Weltkrieg die meisten Fotografien nachgestellt wurden.

Heute liegen uns zahlreiche Dokumente und Fotografien vor, die es uns ermöglichen eine neue Perspektive auf den Ersten Weltkrieg zu zeigen. Aus dem Gros der zahlreichen Fotografien sollen in der vorliegenden Arbeit ein paar ausgewählt, systematisch eingeordnet sowie analysiert werden.

2. Entwicklung der Fotografie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 3

3. Geschichte der Kriegsfotografie

Bereits im Jahre 1826 wurde das erste Foto von Joseph Nicéphore Niépce, der Erfinder der Heliofotografie, geschossen. 20 Jahre später entstand im mexikanisch- amerikanischen Krieg (1846 - 1848) das erste Foto im Krieg. Anders als im Jahre 1826 handelt es sich bei den Aufnahmen um Daguerreotypien. Daguerreotypie ist eine Fotografie, die fein strukturierte und gut nuancierte Bilder liefert. Die Kriegsfotografie entstand im Krimkrieg 1853 - 1856 und im Amerikanischen Bürgerkrieg, genannt auch Sezessionskrieg, 1861 - 1865. Die professionellen Studiofotografen gingen nach Beenden der Kämpfe und Schlachten auf die Schlachtfelder um der Öffentlichkeit erste, wirkliche Abbilder präsentieren zu können. Dies war natürlich ein großer Fortschritt zu den vorhergehenden Verfahren, die sich in der Historienmalerei wiederspiegeln.

Im Amerikanischen Bürgerkrieg wurden 22 Einheiten an professionellen Teams unter der Leitung von Mathew Brady von den Nordstaaten eingesetzt. Die Teams wurden dabei komplett mit fahrbaren Entwicklungs- und Vergrößerungslabors ausgestattet. Besonders zu erwähnen sind die Fotografien nach dem Krieg, die vor allem auch Invalide und Amputationsopfer darstellen. Die Fotografien sind für die heutige Medizingeschichte unerlässlich. Auch für die Plastische Chirurgie sind die Bilder von enormer Bedeutung gewesen, denn durch sie, konnte man den Verletzten ein annähernd menschenwürdigeres Leben zurückgeben.

Im Krimkrieg wurde der Fotograf Robert Fenton vom englischen König beauftragt, nur die positiven Momente des Krieges zu fotografieren.4 Der englische König wollte weder Kriegshandlungen noch Tod und Leid in Bildern festhalten (s.Abb.1 und 2).

In den 1890-er Jahren kam es zu einer radikalen Erweiterung sowie Neuausrichtung der Kriegsfotografie. Es wurden zum aller ersten Mal Fotografien in der illustrierten Massenpresse gedruckt. Dennoch hat sich nach vielen Jahren herausgestellt, dass sehr viele Fotoaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen erst nach Ende der Kämpfe fotografiert wurden. Dabei hat es sich um gestellte Aufnahmen gehandelt, die so sogar noch im Zweiten Weltkrieg umgesetzt wurden.

Die Fotografie hat im Ersten Weltkrieg vor allem auch zur bildlichen Kriegsberichterstattung und für eine systematische umfassende Propaganda gedient. Dies hat dazu geführt, dass Staaten in großen Kriegen selbstständige Fotopropagandastellen gehabt haben. Für die deutsche Fotopropaganda wurde das 1917 gegründete ÄBild- und Filmamt“ (BUFA) gegründet und ist für die Fotografien zuständig gewesen. Auch Österreich-Ungarn, Frankreich und die Briten haben Bildpropagandastellen aufgebaut, welche durch das stetig wachsende Interesse der Presse für Fotomaterial, zentralisiert und militärisch kontrolliert wurde.

4. Die Bedeutung der Fotografie für die Geschichtswissenschaften und ihre historische Einordnung und Verwendung

Die Quellenlage der Geschichtswissenschaft veränderte sich im 19. Jahrhundert gemeinsam mit der Entwicklung und Verbreitung der Fotografie in allen gesellschaftlichen Schichten. Dies war nur möglich aufgrund der niedrigen Anschaffungskosten. Ab den 1880 er Jahren herrschte in der Gesellschaft ein großes Interesse für die Fotografie.5 Hauptsächlich Familienfotos und Kriegsbilder aus dem Krimkrieg kennzeichneten den Äersten Medienkrieg“6 Die Geschichtsforschung konzentrierte sich zuvor auf schriftlich überlieferte Quellen. Dank der Fotografie wurden neue Dimensionen geöffnet. Kriegsverläufe mussten nicht mehr ausschließlich dokumentiert werden, die Fotografie ermöglichte eine objektive, wertneutrale Wahrnehmung. Dies war ein großer Vorteil, da schriftliche Quellen oft nur schwer objektiv einzuordnen waren, aufgrund möglicher Verfälschungen etc.

Professionelle Fotografen, Pressefotografen und Private Hobbyfotografen markierten den Anfang der Fotografie. Dank der Untertitel, der bei den meisten Fotografien auf den Autor und die abgebildete Szene hinweist, lassen sich die Fotografien geschichtlich einordnen. Die meisten der uns vorliegenden Bildbände sind entweder unmittelbar nach dem Krieg oder in den 20er und 30er Jahren des 20.Jahrhunderts entstanden und dienten in der damaligen Zeit für politische Instrumentalisierung durch das Äkonservativ-nationale Lager“7.

Die überlieferten Fotografien, verhelfen den Historikern heute den genauen Kriegsverlauf zu rekonstruieren. Die Fotografien stellen eine Art ÄReisetagebuch“ dar und überliefern uns genaue Dokumentationen des Frontverlaufs, sowie der Truppenstärke und Truppenverschiebung. Dennoch schwand mit jedem weiteren Kriegsjahr die Glaubwürdigkeit der Fotografie als objektive Quelle. Dies führt darauf zurück, weil die Deutsche Heeresführung grundsätzlich als Sieger dargestellt wurde und die Briefe der Soldaten an ihre Familie leider etwas anderes sagten. Der einzig positive Aspekt ist, dass man sich durch die Diskrepanz von propagandistischer Darstellung später die entstehende Weimarer Republik destabilisieren und sich den Dolchstoßlegenden nähren konnte.

Dennoch sollte man, um eine grundlegende Analyse zu gewährleisten, jede Perspektive offenhalten sowie die Vielfalt der Bilder und ihrer Entstehung berücksichtigen.

5. Analyse verschiedener Fotobände zum Ersten Weltkrieg

„Den Toten zum ehrenden Gedächtnis, kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung!“8 Ein Denkmal, das den Gefallenen zum ehrenden Gedächtnis vermacht worden ist. „Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht.“9

Worte, die man unter jedem Erinnerungsband, Fotoband, Ehrenmal etc. finden kann und vom Autor verfasst wurden. Durch die verschiedenen Regimenter stellen solche Bände einen hohen Grad an Objektivität dar, da sie ohne politische Absichten den Dienst eines jeden Soldaten an der Front aufzeigen. Die Regimentsbücher dienten zur eigenen Erinnerung der kämpfenden Soldaten während der Kriegsgeschehen. Dabei waren die Regimentsbücher nicht politisch verzerrt, sondern sollten an die gefallenen Brüder und Kameraden gedenken und diesen ÄHelden“ ein Ehrenmal setzen. Nach genauerer Betrachtung der Regimentsbücher lassen sich viele verschiedene Motive ausmachen. Einerseits dokumentierten die Soldaten die Geschehnisse außerhalb ihrer Heimat, dies deutet wie bereits erwähnt auf ein ÄReisetagebuch“, das sich durch die wechselnden Orte und auch durch Festhalten von möglichen Plattitüden kennzeichnet. Die Fotografien aus den Reisetagebüchern umfassen ein großes Spektrum. Es wurde vor allem neben Gruppenfotos auch viele Bilder von Kriegsgräbern, Landschaften, Gebäuden, Gottesdiensten etc. während des gesamten Kriegsverlaufes aufgenommen. Dies ermöglicht dem Betrachter das Geschehen von Anfang bis Ende zu verfolgen und dadurch rückschließend die Veränderung durch den Krieg wahrzunehmen. Der Großteil der Fotografien umfasst jedoch Gruppenfotos, die neu entstandene Freundschaften während des Krieges sowie Bekanntschaften darstellen. Mit rund zwei Millionen deutschen Gefallenen, dienen die aufgenommenen Gruppenfotos vor allem auch als Erinnerung an die Soldaten und schenken ihnen eine Art Ehrweisung.

6. Gattungen

Die Vielzahl an Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg ermöglicht eine unvollständige Systematik, die trotzdem zur vereinfachten Orientierung dient. Im Folgenden werden vier Motivgruppen dargestellt. Das Äberühmte“ Gruppenfoto ist als Subkategorie zum ÄBild eines Soldaten“ und auch zu den anderen drei Motivgruppen zu sehen.

Es ist ebenso wichtig, innerhalb der Gattungen den Kontext zu berücksichtigen, in dem die Bilder entstanden sind. So wird ein Soldat - von staatlich-publizistischer Seite aus - glorifizierend und im bestmöglichen Zustand abgebildet. ÄKaum ein Klischee wurde ausgelassen, von der ‚Einsamen Wacht‘ bis zum pflügenden Soldaten im Feindesland wurde alles photographisch dokumentiert.“10 Diese Bilder sind nicht für den privaten Gebraucht bestimmt gewesen, denn diese wurden definitiv anders aufgenommen. ÄSobald die Produktion der Erinnerungsphotographien in den Händen der Soldaten selbst lag, waren es natürlich persönliche Ambitionen, die ein intimeres Bild der Soldaten freigaben.“11

[...]


1 http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/politikfeld_inneres/Erster_Weltkrieg/Hintergrund/index.jsp Zugriff am 10.07.2015

2 http://www.sueddeutsche.de/kultur/bildergalerie-geschichte-der-kriegsfotografie-1.341769-4 Zugriff am 28.07.2015

3 http://www.kodak.de/ek/DE/de/About_Kodak/Our_Company/Geschichte_von_Kodak.htm Zugriff am 24.07.2015

4 http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/krieg-in-den-medien/130707/geschichte-der- kriegspropaganda?type=galerie&show=image&i=130708 Zugriff am 24.07.2015

5 Vgl. Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S.60

6 Ebd. S.9

7 Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S.61

8 Sodenstem, Hans von (Major a.D. Hauptmann und Kompaniechef 3/90): Kriegsgeschichte des Großherzoglichen Füsillier-Regiments Nr.90 Kaiser Wilhelm 1914-1918, Rostock 1923-1924, S.6

9 Chronik Mühlhausen-Ülzen: Kriegerdenkmal

10 Dewitz, Bodo von/ Rother, Rainer (Hrsg.): Zur Geschichte der Kriegsfotografie, in: Die letzten Tage der Menschheit: Bilder des Ersten Weltkrieges, Berlin 1994. S.170

11 Ebd. S.171

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kriegsfotografien aus dem Ersten Weltkrieg. Bedeutung und Analyse
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V311916
ISBN (eBook)
9783668108684
ISBN (Buch)
9783668108691
Dateigröße
1851 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weltkrieg, fotografie, krieg, kriegsbilder, erster weltkrieg
Arbeit zitieren
Gabriele Kuhn (Autor), 2015, Kriegsfotografien aus dem Ersten Weltkrieg. Bedeutung und Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311916

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