Selbsteinschätzung von Gewicht, Größe und BMI im Krankenhaus mit anschließender Kontrolle


Magisterarbeit, 2012
136 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung

2.Zielsetzung

3.Körpergewicht und Gesundheitsverhalten-eine Frage der Zeit und der Mode?

4.Forschungsüberblick
4.1 Selbstwahrnehmung
4.2 Körpergewicht
4.3 Körpergröße
4.3.1 Größenverlust im Alter
4.4 BMI
4.4.1 Das Idealgewicht
4.5 Sicherheit und Ökonomie
4.6 RKI und ÖBIG
4.7 Qualitätsmanagement

5.Methodik

6.Forschungsfragen

7.Ergebnisse

8.Diskussion

9.Ausblick

10.Literaturliste

11.Abbildungsverzeichnis/ Tabellen

12.Abkürzungsverzeichnis

Anhang

Vorwort:

Mein großer Dank gilt meinem Betreuer Univ.-Prof. Dr. Harald Stummer, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand.

Ein großer Dank gilt auch dem Vorstand des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz, im besonderen Frau Rosa Schwarzbauer und dem Abteilungsvorstand Univ.-Prof. Prim. Dr. Werner Langsteger, die mir die Möglichkeit gegeben haben, diese Untersuchung durchführen zu können.

Ein großer Dank auch an MMag. Iris Radler, MMag. Robert Brandstetter und Dr. Franz Weissenböck (Statistik), die mich während dieser Zeit begleitet und unterstützt haben.

Der größte Dank gilt meiner Lebensgefährtin Sylvia Hörmaier für die Unterstützung, und vor allem für das Verständnis während dieser Zeit.

Ich widme diese Arbeit allen Menschen, die im zweiten Bildungsweg berufsbegleitend studieren.

Abstract:

Since the beginning of my health science studies I was interested in patient in the hospital. I have been dealing with patient data since 2 years and I have noticed that the data, which are collected in the context of an anamnesis often differ from real data.

The present thesis examines a sample (N = 250) from Linz hospital patients (adults), how the subjective assessment of body weight and height from the control data agrees. It was found that the self-reported height and weight differ considerably from the measured values. By observing the criteria explored in this work could improve the quality of medical examinations in hospital long term will work with the anthropometric data.

Result: On average, the size was overestimated and the weight was correctly estimated in essential. A difference was found between the respected body measure index and the body measured in the connection measure index. However, with increasing age the subjective dimensions appraisal raised the self-reported BMI decreases. The analysis made clear that there are no large gender differences in self-assessment. The consequence of this study is that no trust may be given to the self declared data of the patient weight (gramme) and size (centimeter) these are to be checked. To optimize the regional level data information, it requires further research on their effectiveness and implementation.

Zusammenfassung:

Bereits seit Beginn meines Gesundheitswissenschaftsstudiums habe ich mich für den Patienten im Krankenhaus interessiert. Ich habe mich seit 2 Jahren mit Patientendaten auseinandergesetzt und habe bemerkt, dass sich die Einschätzungen der Patienten, die im Rahmen einer Anamnese gemacht werden, oftmals von den erhobenen Kontrolldaten unterscheiden.

Diese Diplomarbeit untersucht anhand einer Stichprobe (N=250) von Linzer Krankenhauspatienten (Erwachsenen), inwiefern die subjektive Einschätzung des Körpergewichts und Körpergröße von den erhobenen Kontrolldaten übereinstimmt. Ziel der Arbeit ist es, anhand der Selbsteinschätzung der Probanden in Bezug auf Größe und Gewicht mit anschließender Kontrolle zu vergleichen um einen möglichen Qualitätsmangel aufzuzeigen.

Denn falls die Selbstwahrnehmung der Patienten signifikant von den Kontrolldaten abweicht, besteht Handlungsbedarf, was in der täglichen Arbeit im Krankenhaus berücksichtigt werden sollte.

Ergebnis: Es wurde festgestellt, dass die Größe überschätzt und das Gewicht im wesentlichem korrekt eingeschätzt wurde. Es gab häufig einen signifikanten Unterschied zwischen dem geschätzten Body Mass Index und dem im Anschluss gemessenen Body Mass Index. Mit zunehmendem Alter stieg die subjektive Größeneinschätzung und der selbst berichtete BMI verringert sich. Die Analyse machte deutlich, dass es bei der Selbsteinschätzung keine großen Geschlechtsunterschiede gibt.

Die Konsequenz dieser Studie ist, dass den selbstangegebenen Daten der Patienten zu Gewicht (Gramm) und Größe (Zentimeter) kein Vertrauen geschenkt werden darf und diese nachzuprüfen sind.

Um einen Ausblick für die Forschung zu ermöglichen, bedarf es weiterer Datenakquisition, wenn möglich in anderen Krankenhäusern, um die Wirksamkeit dieser Arbeit zu kontrollieren.

1.Einleitung

Ein Modus der Selbstwahrnehmung ist der Blick in den Spiegel, und da kann bei vielen die Optik der Selbstbetrachtung einen Streich spielen.

Wer sich selbst schätzt, schätzt, aber sollte nicht urteilen. Dieser Satz sagt schon einiges über sich selbst aus; Urteilen sollten eher schon Maßangaben, Zahlen und Fakten, die verglichen werden mit vielen Daten, die statistisch erhoben wurden. Dann und nur dann kann geurteilt und verbessert werden.

In Krankenhäusern wird der Gesundheitszustand unter anderem mit einer Anamnese erstellt. In vielen Fällen werden diese Eigenangaben im Krankenhaus auch nicht überprüft. Diese Anamnese wird im Gespräch mit dem Patienten ausgefüllt. Viele Fragen zielen auf körperliche Parameter ab. Darunter auch die Frage nach Körpergewicht und Körpergröße. Körperlängenwachstum und Gewichtszunahme sind die anthropometrischen Parameter, die im Rahmen von Untersuchungen zur Beurteilung des Gesundheitszustandes verwendet werden.

Würde Sie jemand zu diesem Zeitpunkt fragen: „Wie groß oder schwer sind Sie“? Wie genau könnten Sie diese Frage beantworten? Nun, sind sie zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht Patient in einem Krankenhaus oder Mitglied bei Weight Watchers. Aber wann wurden ihre Daten zum letzten Mal überprüft?

2. Zielsetzung

Man könnte davon ausgehen, dass ein Zentimeter mehr oder weniger für den Alltag keine besondere Rolle spielt. Aber im Zusammenhang mit dem Body Mass Index (BMI) spielt ein Kilogramm mehr oder weniger eine Rolle. Das Problem entsteht, wenn der BMI zur Berechnung von Medikamentendosen und Therapien oder bei Berechnungen in einem Krankenhaus herangezogen wird. Bei körperbezogenen Daten für Messungen sollte genau darauf geachtet werden, wie dieser BMI - Wert ermittelt worden ist. Deswegen und im Sinne von Qualitätsmanagement sollte ein Augenmerk darauf gelegt, wie Daten erhoben werden. Die Auswirkungen verfälschter Daten können in der Medizin negative Folgen für die Patienten haben. Die geplante Arbeit will aufzeigen, wie der Unterschied der Selbsteinschätzung mit der anschließenden Kontrolle im Krankenhaus ein Problem darstellen könnte. Manche Mitarbeiter in Krankenhäusern fragen nur nach dem Gewicht bzw. der Größe, ohne diese Parameter zu überprüfen. Anhand eines Beispiels aus der Nuklearmedizin wird versucht, einen Bezug zur Verwendung des BMI im Krankenhaus herzustellen.

Es stellen sich anhand der vorliegenden Arbeit folgende Fragen:

- Gibt es eine Überschätzung der Größe bzw. eine Unterschätzung des Gewichtes in Abweichungen zwischen Schätz- und Messwerten?

- Gibt es einen Unterschied zwischen dem geschätzten BMI und dem gemessenen BMI?
- Gibt es einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Patienten in Bezug auf deren Angaben.
- Gibt es in der Selbsteinschätzung einen Unterschied im Bezug auf Alter, Gewicht, Größe, BMI.

Die Untersuchungsfragen werden, nachdem die Patienten im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz um Erlaubnis gefragt wurden, anhand folgender Daten ausgewertet :

- Geschlecht,
- Alter,
- Körpergröße in Zentimetern,
- Körpergewicht in Kilogramm,
- Body - Mass - Index

Die Probanden wurden mit Krankenhauskleidung gemessen und gewogen.

In den folgenden Kapiteln wird ein Forschungsüberblick anhand Selbstwahrnehmung, Größe, Gewicht und BMI vorgestellt. Im Anschluss werden die Forschungsfragen beschrieben. Dann werden die Ergebnisse dargestellt, interpretiert und mit einem Ausblick abgeschlossen.

Aus diesem Grund untersucht diese Arbeit anhand einer Stichprobe von Patienten (N= 250), inwiefern die subjektive Einschätzung der Körpergröße und des Gewichts mit einer anschließenden Kontrolle übereinstimmen. Im Zuge dieser Tätigkeit wurden alle Daten über einen Zeitraum von 4 Monaten - vom Juni bis September 2010 - gesammelt und dokumentiert. Viele Untersuchungen, wie die Filtrationsrate der Nieren oder die Positronen Emission Tomografie / Computertomografie (PET/CT) - Untersuchung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz orientieren sich explizit an den Gewichts- bzw. Körpergrößenangaben der Patienten.

3. Körpergewicht und Gesundheitsverhalten - eine Frage der Zeit und der Mode?

Die öffentliche Wahrnehmung über Größe und Gewicht unterliegt zu einem hohen Anteil kulturellen Normen und auch Moden. Diese Moden oder Verhältnisse, in denen wir leben, sind in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft in manchen Ländern auf „schlank“ ausgerichtet. Oft scheinen Extreme ein „Trend“ der Zeit zu sein. Muskulöse Männer und gut proportionierte Frauen ohne Falten im Gesicht werden in den Medien als Vorzeigefiguren benutzt (Keffel 2007/2008). Das erhöht den Druck auf die Bevölkerung und deren Ideale. Manche formen ihren Körper mit viel Disziplin, treiben Sport, ernähren sich gesund oder hungern auch und kaufen Anti - Aging - Cremes und Lotion.

Ein ganz anderes Schönheitsideal als heute definierten die Menschen in Europa etwa vor dem 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit betrachtete man Dicksein als Statussymbol für Wohlstand und Wohlbefinden. Wie man aus verschiedenen Gemälden und Schriften dieser Zeit schließen kann, war ein höheres Körpergewicht angestrebt und sehr angesehen (Keffel 2007/2008).

Häufig zeigt sich die Wahrnehmung eines Ideals in der reflexiven Wahrnehmung durch die Gesellschaft, an der Zahl der jungen Mädchen mit Essstörungen, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Allgemein kann gesagt werden, dass die klassischen 90-60-90 Maße nur wenige Frauen in Realität haben, durch manche „Casting-Shows“ wird auch etwas anderes suggeriert: Junge Frauen mit Kleidergröße 32 und mindestens 1,75m Körpergröße. Hierbei könnten einerseits industrielle oder auch medienpolitische Interessen unterstellt werden, was oft - gerade bei Jugendlichen - auch langfristig eine gesellschaftspolitische Dimension erreichen könnte. Diese Wahrnehmung und kulturelle Widerspiegelung könnte dazu führen, dass ein „gesundes Gewichtsverständnis“ sowie der individuelle „Wohlfühlfaktor“ mit einem Realitätsverlust einhergeht. Ernährungs-, Bewegungs- und Sozialverhalten scheinen sich sehr zu unterscheiden (Keffel 2007/2008).

Die junge Generation ist möglicherweise im Gegensatz zur älteren Generation kaum genussfähig. Gesundheit, so scheint es, wird eher zur Besessenheit einzelner und wahrgenommenes Übergewicht - bei Kleidergröße 34 bei 1,75m kann man wohl kaum von Übergewicht sprechen - hängt stark mit unserem modernen Lebenswandel zusammen.

Dennoch nehmen die Extreme zu, neben der Wahrnehmung von idealisierten, nicht der Gesundheit zurechenbaren Körpermaßen, nimmt in der westlichen Welt auch das Übergewicht zu. Allgemein wird Übergewicht meist als das Ergebnis von übermäßigem Konsum fleischreicher und süßer Nahrung, reduzierter Bewegung bzw. einer Kombination aus beiden beschrieben. Verschiedene Faktoren können in der modernen Gesellschaft eine Rolle spielen, dass sich das allgemeine Gesundheitsverhalten verändert hat. Zum Einen eine veränderte Zeiteinteilung während eines Tages. Frühstück, Mittagessen und Abendessen haben, so scheint es, ihre klassischen Rollen verloren. Zum Anderen kann aggressives Marketing von Fast Food ein wesentlicher Einflussfaktor sein. Die Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist wahrscheinlich ein weiterer möglicher Multiplikator für eine gesunde oder ungesunde Ernährung. In diesem Zusammenhang könnte die Schrebergarten-Bewegung (gesunde Lebensmittel vor Ort) unter einem neuen Blickwinkel wiederbelebt werden. Ein Verweis auf unterschiedliche kulturelle Eigenheiten, bezogen auf das Essverhalten, sollte ebenso stärker ins Blickfeld gerückt werden. Der Einfluss von Schulen, die mit einer Gesundheitserziehung ab der Vorschule persönliche Gesundheitsaspekte und Umweltaspekte prägen, sollte nicht unterschätzt werden (Gugel&Jäger 1997).

Vielleicht könnte mehr Regionalität bezogen auf eine gesunde Ernährung ein Lösungsansatz zur Steuerung von Ernährungsproblemen der Zukunft sein.

Der tägliche Gebrauch des Autos hat sicherlich zu weniger Bewegung beigetragen. Ein Überangebot an Nahrungsmittel und eine veränderte Sichtweise zur körperlichen Aktivität und Sport (Vergnügen oder Spitzensport) sollten in der Aufzählung nicht fehlen. Einen Bezug zu Ernährung finden viele Menschen in Ratgebern. Diese Ratschläge, meist einschlägige Literatur, werden aufgrund der steigenden Unübersichtlichkeit und Widersprüchlichkeit immer schwieriger zu verstehen.

Wir leben in einer Welt der Überkonsumation. Einer Studie von Wang et al. (2008) zufolge werden im Jahr 2048 annähernd alle Amerikaner übergewichtig oder adipös sein. Die Situation in Europa ist unterschiedlich. Einige Länder (z.B. Frankreich) profitieren von Tradition im Ernährungsverhalten. Bekannt ist, dass die Österreicher zu den größten Fleischkonsumenten innerhalb Europas zählen (Wang et al. 2008).

Ernährungstechnisch scheint eine besondere Gefahr von den künstlichen Aromen auszugehen, da der Geschmackssinn durch Verwendung von Süßungsmitteln, Geschmacksverstärkern etc. getäuscht wird. Wie bereits erwähnt, erliegt der Mensch Moden und Werbung. Werbungen für Lebensmittel sind an vielen Transparenten zu sehen. Vielleicht hilft, wie auf europäischer Ebene diskutiert, ein Kennzeichnungssystem und Aufklärungsarbeit. Das Ampelkennzeichnungssystem von Lebensmitteln ist auf europäischer Ebene aufgrund von Interessenskonflikten der Industrie nicht realisiert worden. Diese Ampelkennzeichnung könnte aus Konsumentensicht möglicherweise gut sein. Ob Menschen mit einer Essstörung dieses Angebot nutzen würden, kann daraus nicht abgeleitet werden.

Es scheint, dass das ideale, optimale Körpergewicht für Menschen aus vielen Gründen schwer erreichbar ist. Vielleicht ist das derzeitige Mode - Idealbild, das sich an extremen Schlankheitsidealen orientiert, schuld an diesem Dilemma. Der Österreichische Nationale Aktionsplan Ernährung (NAPe) 2011 soll eine schrittweise Umstellung der Ernährungsgewohnheit der österreichischen Bevölkerung als Teil eines gesunden Lebensstils erreichen. Damit soll der Trend in der Zunahme von Übergewichtigen bis 2020 gestoppt werden.

Der NAPe konzentriert sich auf folgende Aktionsfelder:

1. Stärkung des Bereichs Ernährung im Gesundheitswesen und öffentlichen Bereich
2. Durchführung integrativer Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention
3. Ausbau einer Datenbasis zur evidenzbasierten Vorgehensweise und Qualitätskontrolle (NAPe 2011)

Die Stärkung des öffentlichen Bereiches ist deshalb so wichtig, da gerade in den Schulen der junge Mensch für die Zukunft vorbereitet und ausgebildet wird.

Dramatisch ist die Entwicklung bei Kindern in Sachen Gewicht und Körperfett. Allein in den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der Übergewichtigen unter den Zehnbis Zwölfjährigen um 20 Prozent, so die Studie des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMBS) (2010). Ein Ausschnitt der Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen zeigte, dass die die Ergebnisse alarmierend sind. An Wiener Sportmittelschulen wurden von 2004 bis 2006 1.100 Kinder vermessen, jedes Vierte hatte einen Körperfettanteil von mehr als 20 Prozent.

Bei erneuten Untersuchungen 2010 stellte sich dann heraus, dass der Anteil der Normalgewichtigen seit 2006 von 52 auf 34 Prozent gesunken und jener der Übergewichtigen von 24 auf 44 Prozent gestiegen ist. Es gibt nur eine Gruppe, in der der Fettanteil wachstumsbedingt sinkt - bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 13 und 25 Jahren. Rund 15.000 Personen (73 Prozent davon männlich) aller Altersklassen, vom Nicht- bis zum Leistungssportler, wurden in fast 30 Jahren für die Untersuchung des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB) in Maria Enzersdorf in Niederösterreich einer Körpervermessung unterzogen (IMBS 2010).

Hans Holdhaus, Direktor des IMSB bilanzierte aus dieser Studie 2010, dass eine kranke Gesellschaft entwickelt werde.

Dicke Kinder haben, allgemein gesprochen, manchmal an Diskriminierungen aus dem sozialen Umfeld zu leiden und im jungen Erwachsenenalter müssen sie oftmals mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Unzweifelhaft bewiesen ist, dass mit überschüssigen Fettpolstern der Grundstein zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und degenerativen Skeletterkrankungen gelegt wird.

Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Missverhältnis zwischen Verbrauch und Zufuhr von Energie. Die zunehmende sitzende Lebensweise mit geringer körperlicher Aktivität ist ein wesentlicher Risikofaktor, an einer der beschriebenen Krankheiten in einer frühen Lebensphase zu erkranken. Allgemein Schuld daran sind die geringe Fettverbrennung, ein niedriger Energieverbrauch und eine niedrige Muskelmasse. Es ist in Österreich wünschenswert, dass eine zentrale internetbasierte Erfassung und Auswertung von erhobenen Daten in Zukunft eingerichtet wird. Mehr Gewicht sollte auf Bewegung als auf das Körpergewicht gelegt werden. Wei et al. (1999) stellten fest, dass körperliche Bewegung im Bereich der Sport- und Bewegungswissenschaften als bedeutender Faktor für die Erhaltung der Gesundheit ist. Fitte Erwachsene hatten gegenüber stark übergewichtigen Erwachsenen eine nur halb so hohe Gefahr, an irgendeiner Krankheit verfrüht zu sterben als normalgewichtige, aber körperlich unfitte Erwachsene. Interessant scheint die generelle Erkenntnis, dass eine positive Gesundheitsauswirkung durch körperliche Bewegung erreicht wird. Die Schlussfolgerung der Autoren ist, dass man doch mehr Gewicht auf die Bewegung legen solle und keinen so großen Fokus auf das Abnehmen.

Geplante Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit in der Bevölkerung zielen immer noch auf das Erreichen eines Normalgewichts, definiert über den Body Mass Index von 18 bis kleiner 25 kg/m2. Der BMI wird in dieser Arbeit in einem eigenen Kapitel behandelt (Burdach 2007/ 2008).

Gesundheitsorganisationen, die Empfehlungen auf Basis des BMI abgeben, sollten von evidenzbasierten Erkenntnissen ausgehen. Die mangelnde Fähigkeit, das eigene Körpergewicht richtig einzuschätzen, könnte in Bezug auf Medikamentenverabreichung ein Problem darstellen.

In einer Ausgabe der Nutrition Reviews fassten Simonson et al. (2008) einige Studien zusammen, in denen der Zusammenhang zwischen absichtlichem Gewichtsverlust bei zuvor gesunden Menschen und Gesamtsterblichkeitsrisiko untersucht wurden. Das Ergebnis lautete, dass kein einheitliches Bild vorliegt.

Stefan et al. (2008) haben über den Body Mass Index ermittelt, dass Übergewicht nicht gleich Übergewicht ist. Ein Teil der untersuchten und stark übergewichtigen Erwachsenen hatten keinen verschlechterten Blutzuckerstoffwechsel und auch der Gehalt diverser anderer Risikomessgrößen war nicht von den Gehalten der normalgewichtigen Erwachsenen unterschiedlich. Beim anderen Teil der stark Übergewichtigen konnte hingegen aufgrund der Gehalte der Risikomessgrößen ein erhöhtes Risiko ermittelt werden. Ein zentraler Unterschied, der mit dem unterschiedlichen Risikoprofil bei den stark Übergewichtigen einher ging, war der Verfettungsgrad der Leber: je fetter, umso höher das Risiko.

Um die Bedeutung von Patientendaten im allgemeinen Gesundheitsverhalten besser darstellen zu können, werden nun drei Studien vorgestellt, die einen Bezug zu Körperdaten haben. Die Beziehung des Body Mass Index zu den Nüchternglukosewerten und der kardiovaskulären Morbidität - Evaluierungen entsprechend Altersdekaden von 20 bis 80 Jahren erforschten Dzien et al. (2010). Dzien et al. schrieben (2010), dass die Bedeutung von Übergewicht und Adipositas hinsichtlich des metabolischen Risikos und der kardiovaskulären Morbidität bei älteren Menschen - im Gegensatz zu jüngeren - kontroversiell beurteilt wird. Das Ziel Ihrer Studie war es, die Korrelation des Body Mass Index (BMI) zu den Nüchternglukose- und Plasmalipidwerten, sowie der kardiovaskulären Morbidität in Altersgruppen <20 bis zu >80 Jahren zu erfassen.

Der BMI zeigte einen kontinuierlichen Anstieg von der Altersgruppe <20 (21,5±4,4kg/m2) bis 60 - 69 Jahre (26,1+4,4 kg/m2), ältere Patienten wiesen niedrigere BMI-Werte auf. Innerhalb aller Altersdekaden war der BMI von Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen höher als bei Patienten ohne kardiovaskuläre Komplikationen. Bei Patienten ohne kardiovaskuläre Ereignisse zeigten die Nüchternglukosewerte einen kontinuierlichen altersassoziierten Anstieg von 85,7 + 15,9mg/dL in der Altersgruppe <20 bis r-115,6±40,4mg/dL in der Altersgruppen 80 Jahre. Dzien et al. (2010) folgerten unter anderem, dass der Nüchternzuckerwert einen kontinuierlichen Anstieg aufzeigt und empfehlen Präventivprogramme.

Eine andere Studie von Dzien et al. (2010) über die Beziehung der Schlafdauer zu Übergewicht, Adipositas und metabolischem Risiko bei Männern und Frauen belegte, dass eine verkürzte Schlafdauer das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöht. Keine publizierten Ergebnisse lagen zuvor über einen möglichen Unterschied in der Beziehung zwischen Schlafdauer, Body Mass Index und kardiovaskulären Risikofaktoren bei Männern und Frauen vor. Die Schlafdauer zeigte bei Frauen und Männern in den Gruppen mit Übergewicht und Adipositas eine Verkürzung gegenüber der Normalgewichtsgruppe (Frauen/Männer: BMI < 25 kg/m2: 7,5±2,9h /7,4±l, 2h; BMI>26kg/m2: 7,24±l, 3h/7,3±l, lh; BMI > 30 kg/m2: 7,1 ±1,8 h/7,1 ± 1,3 h). Parallel dazu fand sich bei Frauen und Männern ein Anstieg der Nüchternglukose-, Plasmatriglyzerid- und Blutdruckwerte. Sie folgerten, dass Frauen und Männer mit Übergewicht und Adipositas gegenüber Patienten mit Normalgewicht ein höheres Lebensalter und eine verkürzte Schlafdauer zeigten. Hinsichtlich präventivmedizinischer und therapeutischer Maßnahmen sollte der Risikofaktor Schlafstörung in der klinischen Praxis an Bedeutung gewinnen. Diese beiden letzten Beispiele belegen die Verwendung von Körperdaten in der Forschung. Wie die Daten erhoben wurden, durch Befragung der Probanden oder Kontrolle, ist leider nicht nachvollziehbar.

Das nun folgende Beispiel zeigt die enorme Wichtigkeit des BMI in der Intensivmedizin: Schimack et al. (2010) erforschten Methoden zur Erhebung des Energie - und Hauptnährstoffbedarfs von adipösen Intensivpatientinnen. Das Ergebnis zeigte, dass 79% der befragten Intensivstationen den Energiebedarf ermitteln. Am häufigsten (77 %) wird mit Formeln (z. B. Formel nach Harris Benedict) gerechnet. 79% rechnen dabei für alle Patienten mit einem reduzierten Körpergewicht, 68% der Abteilungen berücksichtigt einen Stressfaktor.

Die indirekte Kalorimetrie, welche unter den gegebenen Umständen die genaueste Methode wäre, wird von keiner der teilnehmenden Intensivstationen angewandt. 58 % der Abteilungen ermitteln den Nährstoffbedarf. Ausgegangen wird dabei von einer bestimmten Nährstoffmenge in g/kg KG/Tag. Keine der Intensivstationen gab an, das Konzept der hypokalorischen, proteinreichen Ernährung anzuwenden.

Schimack et al. (2010) schlussfolgerten, dass die in der Literatur empfohlenen Methoden in der Praxis (noch) keine Anwendung finden. Sie fordern, dass die Bedarfsberechnung auf tatsächlich gemessene/s Körpergröße und -gewicht abzustimmen seien und der Einsatz von Ernährungsfachkräften einen Sinn machen würde.

Die Frage nach dem Gewicht an eine Person wird daher auf die Wahrnehmung, der Passung in rein kulturelles von Moden geprägtes Bild treffen. Vielleicht führt dieses gesellschaftlich kaum erreichbare Ideal zu einer Verzerrung der Eigenwahrnehmung.

Dieser allgemeine Teil über das Gesundheitsverhalten der Menschen sollte als Überblick dienen und den Lesern für das Thema Selbsteinschätzung von Körpergröße, Gewicht und BMI zu sensibilisieren. Das folgende Kapitel Forschungsüberblick wird auf die einzelnen Bereiche Körpergröße, Gewicht und BMI näher eingehen. Der Themenkreis Selbstwahrnehmung wird im nächsten Kapitel miteinbezogen.

4. Forschungsüberblick

In der kontinentaleuropäischen Literatur wird der Thematik Selbsteinschätzung versus Kontrolldaten von Größe und Gewicht kaum Raum gegeben. Dennoch handelt es sich um eine wichtige Thematik - so nicht automatisch Kontrolldaten verwendet werden - wie folgendes Beispiel illustrieren soll.

Anhand der folgenden Parameter am PET/CT soll das Problem dargestellt werden. Die Positronen Emission Tomografie Computer Tomografie (PET/CT) ( ) Diagnosetechnik wie auch die Single Photonen Emission Computer Tomografie (SPECT/CT) Technik helfen Therapien festzulegen, überflüssige Operationen zu vermeiden und Behandlungsergebnisse präzise zu erkennen. Die PET/CT Diagnosetechnik hilft durch die Kombination aus PET und CT die Position einer Erkrankung zu eruieren. Die potenziellen Risiken der Strahlenbelastung durch Selbsteinschätzung von Größe und Gewicht und dem berechneten Body Mass Index (BMI) (2) wurden bislang nicht untersucht. In der Nuklearmedizin muss im Sinne des Patienten und des Personals ein größtmöglicher Strahlenschutz berücksichtigt werden. Grundsätzlich sollten Patienten nur mit einer genauen Indikationsstellung untersucht werden. Da die ionisierende Strahlung an allen Organen des Körpers einschließlich der Keimzellen Schäden hervorrufen kann, sollte die Strahlenexposition für Patienten möglichst gering sein. Dazu zählt vor allem die Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen. Es ist aber auch zwischen Untersuchungsmethoden mit entsprechender Strahlenbelastung und dem zu erwartenden Informationsgewinn abzuwägen. Das potenzielle Strahlenrisiko durch die Diagnostik bei Patienten mit Krebserkrankungen, im Hinblick auf die ohnehin meist eingeschränkte Lebenserwartung aufgrund der Erkrankung selbst, sollte eher relativ gesehen werden. Außerdem werden viele Patienten im Rahmen der therapeutischen Maßnahmen wie Strahlen- und/oder Chemotherapie weitaus höheren Risiken ausgesetzt. Bei der Positronen Emission Tomografie (PET) bekommen die Patienten schwach radiomarkierte Substanzen injiziert. Die Analyse dieser Studie zeigt sehr gut die Abhängigkeit zwischen BMI und Strahlendosis durch die verabreichte Dosis mittels Radionuklid - Tracer.

(1) Erklärung PET/CT: Den Patienten wird eine radioaktive Zuckerlösung appliziert, Tumorzellen benötigen mehr Energie, durch die Darstellung von CT und PET wird eine Anreicherung zugeordnet.
(2) Der Body Mass Index wird in einem späteren Zeitpunkt, Kapitel Gewicht, näher erklärt.

Gestützt auf Daten einschlägiger Literatur kann bezüglich der gefundenen Differenzen davon ausgegangen werden, dass diese Daten eine klinische Relevanz aufweisen könnten. Entsprechend spielen die untersuchten Faktoren eine Rolle, da die Strahlenbelastung während einer PET/CT insgesamt hoch ist. Für die Diagnostik am PET/CT sind zur Berechnung des Standard Uptake Value (SUV)(3) die Größe und das Gewicht des Patienten zu erfassen (Zincirkeser et al. 2008). Diese Aufgabe übernehmen meist die zuweisenden Ärzte infolge der Anamnese oder das dafür bestimmte Personal mit Hilfe eines Anamneseblattes. Leider werden oftmals die Patienten „nur“ gefragt, wie groß bzw. schwer sie sind. Aus diesem Grunde werden die Patienten vom Fachpersonal am PET/CT nachgemessen/gewogen. Das sogenannte „Patientenprotokoll“ am PET/CT wird von der Berufsgruppe der Radiologietechnologen erstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Auszug aus der Patientendatei

Abbildung 1 zeigt einen Auszug der Patientendatei. Hier wird deutlich, dass eine Selbstangabe der Größe und des Gewichtes zu einer falschen Dosisverabreichung führen kann. 10 mCi (erste Zeile, rot hinterlegt) würden nach der Selbstangabe verabreicht, also „zuwenig“, 12 mCi (erste Zeile, blau hinterlegt) wären „richtig“ gewesen. Ein weiteres Beispiel 4 Zeilen weiter: hier würde „zuviel“ verabreicht werden (4.Zeile, rot hinterlegt), 8 mCi (4.Zeile, blau hinterlegt) wären „richtig“. Laut den Aufzeichnungen dieser Studie wären 17 Berechnungen „falsch“.

(3)Erklärung SUV: beim Standard Uptake Value, wird angenommen wird, das sich der Tracer im Körper gleich verteilt, Wert 1 oder 2, bei höheren Ergebnissen könnte sich die Anreicherung um einen Tumor handeln.

Zu den Computertomografien (CT) und Magnetresonanztomografien (MRT) - Untersuchungen kann ein direkter Bezug hergestellt werden. Bei diesen Untersuchungen spielt die Größe/Gewicht auch eine Rolle, da sich die Röntgendosis oder Signalstärke bei festgelegten Programmen individuell unterscheidet. Eine nicht richtige Einstellung kann zu erhöhter Strahlendosis bzw. schlechterem Signal/Rauschverhältnis führen (Coppenrath 2001).

Das könnte zu Problemen beim Befund führen. Das Flächendosisprodukt der Röntgenröhre eines Patienten, welches in Millisievert (mSv) angeben wird, ist abhängig von mehreren Faktoren, wie das Gewicht des bestrahlten Patienten, Größe und Art der durchstrahlten Materie sowie Art der Strahlung. Eine Abdomen-Leer- Aufnahme, welche mit 0,3-0,5 mSv angegeben wird, kann soweit am Aufnahmegerät die Taste für dicke Patienten gedrückt wird, um vielleicht eine bessere Bildqualität zu erhalten, sich um einige mSv im 0-Komma Bereich erhöhen. Diese Beispiele lassen zwei Dinge klar darstellen: Erstens die Häufigkeit von Untersuchungsmöglichkeiten, an Großgeräten, zweitens den Einfluss von Patientendaten (Coppenrath 2001).

Verschiedene Faktoren spielen in dieser Arbeit eine Rolle: die Selbstwahrnehmung, die schwer messbar ist, Gewicht und Größe und der berechnete BMI. Zum ersten Faktor, der Selbstwahrnehmung wird im folgenden Kapitel eingegangen. Selbstgewissheit ist nicht, wenn die Ansicht des Philosophen René Descartes vertreten wird, Sache der Selbstwahrnehmung, sondern Ergebnis eines rationalen Denkaktes. Die Selbstwahrnehmungstheorie (im englischen Original self - perception theory) von Daryl Bem (1967) ist eine psychologische Theorie, die als eine Strategie zur Selbsterkenntnis verstanden werden kann. Eigene Gefühle und Einstellungen können demnach, wenn man sich über sie unsicher ist, durch Analyse des vergangenen eigenen Verhaltens erschlossen werden, sofern das Verhalten freiwillig gewählt wurde, also intrinsisch motiviert war (Smith 2000. S.105).

4.1 Selbstwahrnehmung

Selbstwahrnehmung oder Eigenwahrnehmung ist die Wahrnehmung des Selbst, der eigenen Person. Der Gegenbegriff zur Selbstwahrnehmung ist die Fremdwahrnehmung, also die Wahrnehmung einer Person durch andere (Smith 2000).

Das Selbstbild wird in der Psychologie durch die Summe der Selbstwahrnehmungen geformt, ergänzt durch Mitteilungen aus Fremdwahrnehmungen.

Selbstwahrnehmung geschieht durch nach außen gerichtete Wahrnehmung durch die Exterorezeptoren, also von Gesichts-, Gehör-, Geruchssinn u. a., und nach innen gerichtete Wahrnehmung durch die Propriozeptoren, also Schmerz- und Muskelsinn usw., zusammen mit Informationen der Selbstbeobachtung und Bewertung (BEM 1972).

Manche Menschen schämen sich zuzugeben, dick zu sein oder sie glauben, andere äußere Mängel zu haben. Scham ist leider eine vertane Sensibilität, weil Scham negative Selbstwahrnehmung ist, die durch die Wahrnehmungen und Meinungen der anderen noch unterstützt und verstärkt wird. Sehr viele Menschen leben ein Spiegelbild der anderen. Besser wäre, ein Spiegelbild unseres authentischen Selbst zu leben (BEM 1972).

Die Grundlage anderer Wahrnehmungen, die eng mit Selbstwertgefühlen verknüpft sind, könnte auch eine verzerrte und negative Selbstwahrnehmung vorspiegeln. Ursachen sind wahrscheinlich unerreichte eigene Wunschbilder darüber, wie man gerne wirken möchte, wie man gerne sein möchte. Möglicherweise könnten Probanden versuchen, ihr Gewicht geheim zu halten. Erwachsene wie auch Kinder könnten Probleme haben, ihrer flüchtigen Selbstbeobachtung habhaft zu werden. In psychisch instabilen Zuständen (z.B. akute Angst, Schlafmangel, Erschöpfung, Stress) könnte es problematisch sein, sich auf das eigene Erleben zu konzentrieren. Dadurch könnten Probanden möglicherweise zu falschen Angaben neigen. Informationen, wie groß und schwer wir sind, kann das Gehirn nicht über das Nervensystem gewinnen; es gibt keinen zellulären Sensor, der die Länge des mittleren Fingerglieds angibt oder wie viele Zentimeter der Bauchumfang zählt. Grundsätzlich könnte gesagt werden, dass dem Gehirn zu wenige Informationen darüber vorliegen, welcher Teil des Körpers sich zu einer bestimmten Zeit in welcher Ausdehnung irgendwo im menschlichen Körper befindet (Gräbner 2010).

Die britischen Neurologen Matthew Longe und Patrick Haggard beschreiben in einer Veröffentlichung an der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS), dass sich Studienteilnehmer von ihrem erkennbaren Körperbild trennten. In diesem Fall verbargen die Probanden ihre rechte Hand unter einem undurchsichtigen Brett. Anschließend erhielten die Teilnehmer die Aufgabe, die Position jedes Gelenks und jeder Fingerspitze auf dem Brett zu markieren. Die Ergebnisse der Veröffentlichung waren Fehleinschätzungen der Probanden.

Ähnlich verhielten sich die Fehleinschätzungen über ihr Gewicht selbst in der richtigen Gewichtsklasse (Longo/Haggard 2011). In der Sinnesphysiologie wird Tiefensensibilität oder Propriozeption als eigene Körperwahrnehmung bezeichnet. Wie sehr die Probanden auf ihren Körper achten, kann sehr schwer evaluiert werden. Aber mit Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness ist diejenige geistige Einstellung gemeint, in der man sich um ein breites Achtgeben auf alle Phänomene bemüht.

Zu differenzieren ist zwischen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Mit Achtsamkeit ist umgangssprachlich beispielsweise am ehesten eine erhöhte, vielleicht auch gezielt gelenkte, bewusst kontrollierte Aufmerksamkeit gemeint. Auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung kann gesteigert sein, die persönliche Willensbildung umsichtiger gestaltet und die Selbststeuerung genauer, differenziert und auf diese Weise besser auf die Realität abgestimmt werden (Germer 2009). Die Forscher vermuten auch, dass das interne Körpermodell in seiner Verzerrung dem sensorischen Homunculus ähnelt, der jeden Körperteil entsprechend seiner nervlichen Kopplung im Gehirn präsentiert. Die Bedeutung der Selbsteinschätzung oder Selbstwahrnehmung von Körpergröße und Gewicht hat auch einen ökonomischen Hintergrund, da die Erfragung gerade bei Studien mit großen Stichproben eine Alternative darstellt. Natürlich darf die Frage nach der Zuverlässigkeit solcher Selbstauskünfte nicht außer Acht gelassen werden. Nun können diese verzerrten Angaben Prävalenzen und eine Unterschätzung für Übergewicht und Adipositas suggerieren (Gräbner 2010).

An den Beispielen Depressionen und Essverhalten kann erklärt werden, das diese manchmal nicht voneinander trennbar sind. Man kann annehmen, dass Depressionen eher zu einer Gewichtsabnahme führen, manche Menschen haben aber eher die gegenteilige Erfahrung gemacht.

Im Hinblick auf den Zusammenhang mit Gewicht wird angenommen, dass die Depression eher zu einer Gewichtstabnahme bei nachlassendem Appetit führen würde. Im Bezug zu Depressionen sollten Nahrungsmittel, wenn sie den Botenstoff Serotonin enthalten, bevorzugt gegen Traurigkeit eingesetzt werden (Grautoff 2009).

Dieses Beispiel sollte zeigen wie Hormone den Körper steuern. Ein anderes Beispiel zeigt, wie z. B. die Adrenalinausschüttung den Grundumsatz verändert. Zum Grundumsatz kann kurz gesagt werden, dass dieser bei Mann und Frau, wie von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Vor allem Hormone beeinflussen den Grundumsatz des Menschen. Stress erhöht den Grundumsatz, wie noch viele andere psychische Faktoren. Auch Vererbung und Familiengeschichte, medizinischen Erkrankungen, in Extremfällen Drogen, Medikamenten oder andere Umstände können das Gewicht des Menschen beeinflussen (Knopf 2000).

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, das Fettsüchtige manchmal das Gefühl haben, wegen ihrer Körpermasse angefeindet zu werden. Große und schwere Menschen haben zudem auch mehr Gewebsmasse, die versorgt werden muss. Mit zunehmender Größe und zunehmendem Gewicht steigt deshalb auch der Grundumsatz, denn eine größere Körperoberfläche gibt mehr Wärme ab als eine kleinere und benötigt deshalb mehr Energie (ein Teufelskreis!).

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis ist der folgende Lungenfunktionsbefund (Abbildung 2). Diesen Lungenfunktionsbefund, den ich an mir selbst durchführen ließ, um meine Selbstwahrnehmung darstellen zu können, sollte dafür dienen, wie wichtig das Wissen von der eigenen Körpergröße und des Körpergewichtes sein kann. Für diesen Befund wird die Größe und das Gewicht ermittelt und berechnet. Daran ist zu erkennen, dass eine falsche Angabe von Größe und Gewicht einen Einfluss auf die Auswertung des Befundes gehabt hätte.

Da es sich hier um eine Diplomarbeit handelt, können nicht alle Faktoren berücksichtig werden; zum Beispiel andere Untersuchungen (siehe Lunge), die konfundierende Variablen haben um den Rahmen nicht zu sprengen. Die Daten dieser Lungenfunktionsmessung wurden nicht mit anderen Größen und Gewichtsangaben verglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: 2 Lungenfunktionsbefund Dietmar Hans Hofstetter KH BHS Linz

4.2 Körpergewicht

Das Körpergewicht wird üblicherweise in Kilogramm (kg) angegeben. Das Körpergewicht ist ein biometrisches Merkmal und bezeichnet die physikalische Masse eines Menschen. Es ist kurz nach der Geburt am geringsten und nimmt dann bis zum Erwachsenenalter bei normaler Entwicklung zusammen mit der Körpergröße stetig zu. Dieses Kilogramm - oder besser beschrieben das Urkilogramm - wird in einem Tresor in Paris aufbewahrt und weltweit werden seit 1928 Kopien zur Eichung von Waagen verwendet. Körpergewichte in Verhältnis mit der Körpergröße können in verschiedene Klassen eingeteilt werden. Dieses Verhältnis wird als Body Mass Index bezeichnet.

4.3 Körpergröße

Zur Körpergröße kann gesagt werden, dass das im Personalausweis stehende Maß die Größe des aufrecht stehenden Menschen von der Fußsohle bis zum Scheitel bezeichnet. Die körperliche Entwicklung eines Heranwachsenden wird als Diagramm oder Somatogramm dargestellt. Ernährung, Vererbung und genetische Konstitution sind die Basis für die erreichte Größe. Aus der Vergangenheit stehen medizinische und anthropometrische Beobachtungen aus der Zeit des 19. Jahrhunderts zur Verfügung. Die Studien von Franz Boas (1912) an Einwanderern in New York zeigten, dass bei einer Spanne von 2 cm bis plus 4 cm, etwa zwei Drittel der Menschen, Männer im Mittel 168 cm und Frauen im Mittel 156 cm hatten. In den Gesundheitssurveys vom Robert Koch Institut kann man auch Daten zu den Körpergrößen finden, unterschieden zwischen Männern und Frauen. Ein deutscher Mann ist durchschnittlich 176,2 cm und eine deutsche Frau 163,3 cm groß. Das deutsche Gesundheitswesen schrieb im Mai 2003 über die Körpergröße der Bevölkerung, dass Männer 178 cm und Frauen 165 cm hatten. Entsprechend einer Sendung im lexi-tv.de gelten in Deutschland mehr als vier Millionen Männer über 1,92 Meter und Frauen über 1,80 Meter als hochwüchsig. Der Hoch oder Großwuchs genannt Makrosomie (Männer über 1,92 Meter und Frauen über 1,80 Meter) und Gigantismus oder Riesenwuchs genannt (Männer über 2,00 Meter und Frauen über 1,85 Meter), sind seltener als der Minderwuchs, Endgröße bei Frauen nicht über 140 cm und bei Männern nicht über 150 cm (Ranke 2000).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.:3 Körpergröße der männlichen Bevölkerung (Komlos J. et al., 2004)

Die Abbildung 3 ist eine Studie von Wissenschaftlern der Münchner Ludwig- Maximilians - Universität (LMU) und der amerikanischen Princeton - Universität. Sie untersuchten die Körpergrößen der Menschen verschiedenster Länder als Indikator für wirtschaftliches Wachstum und fanden heraus, dass die durchschnittliche Größe in den letzten 150 Jahren um fast 20 cm zugenommen hat, während der Größenzuwachs bei den Amerikanern nur etwa 6 cm betrug. Abbildung 3 zeigt die Durchschnittsgrößen der Menschen in den westeuropäischen Ländern im Vergleich mit den USA, einmal vor 150 Jahren (hellblau eingefärbt) und im Jahr 2000 (dunkelblau). Die Skala an der linken Seite zeigt die Größe in Zentimeter. Am unteren Ende auf den Figuren sind Zahlen zu sehen, die eine Rangliste darstellen sollen und unter ihnen ist noch einmal die durchschnittliche Größe als Zahl angegeben. Die Menschen in den westeuropäischen Ländern, wie die Niederlande mit 20,9 cm, haben wirklich einen viel größeren Wachstumsschub erfahren im Vergleich zur Bevölkerung der USA.

Oftmals korrelliert das Wachstum und damit auch die Größe aber auch mit Wohlstand. Es gibt eine Menge Körpermaße, die man an einem Menschen bestimmen kann und diese sind zu großen Teilen wichtig unter anderem auch für die Größe eines Kleidungsstücks, wie zum Beispiel Brust-, Taillen- und Hüftumfang, Arm- und Schrittlänge, um nur einige von Ihnen zu nennen. Die Körper der Menschen veränderten sich im Laufe der Jahre durch Veränderung ihrer Ernährung, ihres Lebensstils und der Gesamtlebenssituation. Studien zu folge sind die Menschen nicht nur größer, sondern Frauen beispielweise haben heute weniger Taille und mehr Brustumfang und Männer größere Bierbäuche als vor ein paar Jahren (Keffel 2007/2008).

4.3.1 Größenverlust im Alter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.:4 Körpergrößen Deutschland 1999 (Keffel S., 2007/2008 S.15)

Die Abbildung 4 zeigt die Größe der Männer und der Frauen in den verschiedenen Altersklassen im Jahr 1999 in Deutschland.

Welche Ursachen kann ein solcher Größenverlust haben? Eine Antwort auf diese Frage könnte die Abweichungen von der normalen Körperhaltung sein. Eine Sammelbezeichnung für diese Abweichungen sind Haltungsschäden. Diese werden als Posturographie bezeichnet. Bei Haltungsschäden sind vor allem Gelenke, Knochen, Muskeln und Bänder betroffen. Manchmal können Dauerbelastungen die Wirbelsäule schädigen und das ständige Wirken des Körpers gegen die Schwerkraft kann Haltungsschäden mit sich bringen.

Diese Schädigung der Haltung, ein Mensch hat viele unterschiedliche Körperhaltungen, kann manchmal durch Stress beeinflusst werden. Die Medizin entwickelte Messmethoden zur Feststellung von Haltungsschäden. Meist ist das schon beschriebene Übergewicht schuld an Haltungsschäden. Übergewicht zählt auch zu den wichtigsten Risikofaktoren für Rückenleiden und kann dazu beitragen, Körpergröße zu verlieren. Die Angabe der Körpergröße wird in einem Krankenhaus auch im Rahmen einer Osteoporose - Untersuchung gemacht. Auf diese Weise sollen mögliche Wirbelkörpereinbrüche entdeckt und einer ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung zugeführt werden. Der Hintergrund: Wirbelkörperfrakturen sind die häufigsten durch Osteoporose bedingten Brüche und gleichzeitig die am seltensten diagnostizierten. Ein Hilfsmittel der Medizin ist die Knochendichtemessung, um eine Diagnose stellen zu können. Vom 20. bis etwa zum 40. Lebensjahr bleibt die Knochenmasse konstant, nachher beginnt sie - als natürlicher Alterungsprozess - wieder abzunehmen, im Normalfall etwa um ein Prozent pro Jahr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.:5 © World Health Organization Collaborating Centre for Metabolic Bone Diseases, (University of Sheffield, UK 2011)

Die Abbildung 5 zeigt FRAX, das von der WHO Fracture Risk Assement Tool, das verwendete Tool wird zur Osteoporose Diagnose herangezogen.

FRAX ist eine Berechnungshilfe für Patienten, die eine Knochendichteuntersuchung bekommen. Diese Diagnosehilfen werden vermehrt auch im Internet angeboten. Bei diesem Tool muss unter anderem auch das Gewicht und die Größe eingetragen werden. FRAX ist ein weiteres Beispiel, welchen Einfluss Patientendaten haben können.

4.4 BMI

Allgemein beschreibt der BMI (Body Mass Index) das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße, und ist somit aussagekräftiger als die alleinige Beurteilung des Gewichtes anhand einer Waage. Kromeyer - Hauschild schrieben (2001), der Body Mass Index errechnet sich aus dem Quotienten des Körpergewichtes in Kilogramm und der Körpergröße in Metern zum Quadrat, das unterscheidet sich nicht zu der Erstveröffentlichung aus dem Jahr 1871 von Adolphe Quetelet. BMI = Körpergewicht in Kilogramm / (Körpergröße in Metern)².

Der Body Mass Index oder BMI sollte als ein Begriff gesehen werden. Er unterteilt das Körpergewicht in die Kategorien Untergewicht (kleiner 18.5 kg/m2), Normalgewicht (18.5 bis kleiner 25.0 kg/m2), Übergewicht (25.0 bis kleiner 30.0 kg/m2) und starkes Übergewicht (über 30 kg/m2). Oftmals werden die Grenzen die der BMI zieht, (kleiner, über), als Regel betrachtet.

Der BMI wird auch von der World Health Organisation verwendet (WHO). Die folgende Abbildung 3 zeigt die Gewichtklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (WHO, 2008). Der BMI unterscheidet weder Statur und Geschlecht noch FettMuskelgewebe eines Menschen. Der französische Arzt Broca (1824-1880) entwickelte etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Normalgewicht „kg - 100 cm“. Der Broca-Index ist lediglich eine grobe Einschätzung und trifft für den Bereich mittlerer Körpergrößen am Besten zu.

Je größer bzw. je kleiner eine Person ist, umso weniger eignet er sich. Heute gilt dieser als veraltet, denn Besonderheiten des jeweiligen Körperbaus, wie zum Beispiel der Körperfettanteil, bleiben gänzlich unberücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: 6 Body-Mass-Index, Diabetiker in Hannover Webside (Sander W. ,1998)

In Abbildung 6 wurde das Untergewicht weggelassen, dieses kann im hellen, gelben Abschnitt identifiziert werden.

Diese Darstellung macht eine Berechnung des BMI möglich. Hier wird nur das Wissen um Körpergröße und Gewicht benötigt und man kann sofort ablesen, zu welcher Gewichtsklasse man zählt (Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/07).

4.4.1 Das Idealgewicht

Das Idealgewicht wird nach Broca „kg - 110“ cm berechnet. An dieser Stelle wird der Ponderal - Index erwähnt, „kg/m³“, Werte zwischen 11 und 14 gelten als normal. Zur Übergewichtsbestimmung werden weitere Indizes eingesetzt, wie das Taille-Hüft- Verhältnis (Waist - Hip - Ratio) und das Verhältnis von Körperhöhe zu Taille (Waist - to - Height - Ratio), die zur Übergewichtsbestimmung eingesetzt werden.

Ancel Keys, ein Wissenschaftler, empfahl 1972 den BMI für statistische Vergleiche von Populationen. Diese statistischen Grundlagen sind auch heute noch eine Basis für manche Lebensversicherungen.

Das heißt: Wer eine Lebensversicherung abschließt, wird der Frage nach Größe und Gewicht mit Sicherheit nicht ausweichen können, da das Übergewicht in der Prämie berücksichtigt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: 7. Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (nach WHO, Stand 2008)

Ein Kommentar in der Fachzeitschrift Lancet von Lopez-Jimenez (2009) trägt den Titel “Aussprechbare und nicht aussprechbare Tatsachen zu BMI und Sterblichkeit.” In diesem Kommentar wird festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen Körpergewicht - gemessen über den BMI - und der Gefahr, verfrüht an irgendeiner Krankheit zu sterben, gibt. Die Sterblichkeitsgefahr scheint bei einem BMI von 18.5 bis 22.5 kg/m2 verglichen mit einem BMI von 27.5 bis 30.0 kg/m2 höher zu sein. Von großem Interesse scheint zu sein, dass ein BMI von 18.5 bis 22.5 als Teil des “gesunden” Gewichtsbereiches gilt, währenddem 27.5 bis 30.0 schon im Bereich des “ungesunden” Übergewichts liegt. Wie bei diversen Ernährungsempfehlungen basiert somit auch beim BMI als der aktuelle Zielwert.

Der BMI ist oftmals (k)ein guter Indikator und wird zur Ermittlung von Übergewicht, Untergewicht und normalem Körpergewicht verwendet und als dieser gilt er als guter Faktor für das Krankheitsrisiko. Unter- und Übergewicht wurden mit einem generell erhöhten Risiko in Verbindung gebracht, das normale Körpergewicht mit einem BMI zwischen 18.5 und 25 kg/m2 galt dabei als Zielgewicht mit dem tiefsten Risiko.

In den letzten Jahren erschienen aber mehr und mehr Studien, in denen diese Zusammenhänge alles andere als klar beobachtet wurden.

Lee et al. (2008) haben in ihrer Forschung nach dem Indikator für Übergewicht gesucht, der am besten mit dem Risiko für Herz - Kreislauf - Erkrankungen in Verbindung gebracht werden konnte.

Neben dem BMI standen der Bauchumfang, das Verhältnis von Bauch zu Hüfte und das Verhältnis von Bauch zu Körpergrösse als Indikatoren zur Auswahl. Der BMI hat dabei generell etwas schlechter als die anderen Indikatoren abgeschlossen.

Die Forschenden halten aber fest, dass das schlechtere Abschneiden zwar erfassbar, aber vielleicht nicht stark genug war, um dem BMI den Rücken zu kehren. Die Körpermaße - allgemein gesprochen - ist als grober Richtwert anzusehen. Dies lässt die Aussage zu, dass der BMI nur begrenzt anwendbar und aussagefähig ist. Verschiedene Quellen, wie eben dargestellt, definieren die Grenzwerte zwischen den einzelnen Gewichtsklassen unterschiedlich.

Einige Studien beziehen sich auf Kinder und Jugendliche (Adoleszenten). Kromeyer - Hauschild (2001) lassen in einer Studie, die auf der Basis der Größen- und Gewichtsangaben von 17147 Buben und 17275 Mädchen im Alter von 0-18 Jahren errechnet wurden, eine Prognose über die weitere Gewichtsentwicklung und die Abschätzung eines eventuellen Gesundheitsrisikos aufgrund der „BMI - Perzentilen“ zu. In den Jahren 1975, 1985 und 1995 fanden unter Kromeyer - Hauschild Untersuchungen von Kindern zur Festlegung von anthropometrischer Normwerttabellen statt (Kromeyer - Hauschild und Jaeger 1998; Kromeyer - Hauschild et al 1999; Zellner et al. 1996). Bei Kindern ist der BMI nach der Geburt in Abhängigkeit vom Geschlecht bis zum Alter von 8-9 Monaten ansteigend, dann sinkt er wieder bis zum 4-5 Lebensjahr, um kontinuierlich wieder anzusteigen. Mädchen zeigen zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr einen höheren BMI als Buben, danach kommt es zu einer Umkehrung. Das Geschlecht und vor allem das Alter dürften eine bedeutsame Rolle spielen (Kromeyer - Hauschild 2001).

Das heißt der BMI kann im Laufe eines Lebens verschiedene Werte annehmen. Einige dieser „alten“ Werte könnten sich in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt haben.

Die nächsten Grafiken die in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden, sollten zeigen, wie auch diese unbewusst Einfluss auf die Menschen nehmen könnten. Denn viele identifizieren sich mit einer Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen. Abbildung 8 zeigt die Daten der Jahre 1999, 2003 und 2005 der BMI Verteilung in Deutschland. Hierbei wurden aber die Bereiche für starkes und krankhaftes Übergewicht als ein Parameter (BMI > 30) zusammengefasst.

Zu erkennen ist die Tatsache, dass Untergewicht eher bei Frauen verbreitet ist als bei Männern. In diesem Bereich sind ebenfalls die Zahlen der Magersüchtigen integriert.

Dieses Balkendiagramm zeigt auch, dass es einen größeren Anteil von Frauen mit Normal- als mit Übergewicht gibt, wobei es bei den Männern in etwa gleich ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.:8 BMI- Gesamt Frauen + Männer (Keffel S., 2007/2008 S.10)

In einem europäischen Vergleich der „International Association of Obesity“ (IASO) wurde bei einer Studie vom März 2007 unter anderem eine Grafik veröffentlicht, die den Übergewicht - Sachverhalt darstellen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb:9 Übergewicht und Fettleibigkeit in 25 EU-Staaten, (International Association for the Study of Obesity 2007)

Zu sehen sind in Abbildung 9 die 25 EU-Staaten und der prozentuale Anteil der adipösen Menschen in den jeweiligen Ländern. Adipös sind in dieser Abbildung diejenigen, die einen BMI-Wert über 30 haben. Die heller rot und blau eingefärbten Bereiche stellen den Anteil übergewichtiger Menschen dar, die dunkleren Balken den adipösen Teil. Daher nutzen viele Übergewichtige die Angebote der Industrie und Medizin zur Gewichtsreduktion. Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keine allgemein gültige oder akzeptierte Definition für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion. Die IASO veröffentlichte Grafiken, in denen die Verbreitung von Übergewicht in vielen Ländern der Welt verglichen wird. Übergewicht führt aber häufig auch zu Krankheiten, sei es im koronaren Bereich oder als einer der zunehmenden Epidemien der westlichen Welt, Diabetes. Die Inzidenz, das ist die Rate der Neuerkrankungen bei Diabetes, ist weltweit im Steigen begriffen. Weltweit werden jährlich 65.000 neue Fälle von Diabetes bekannt, die jährliche Steigerungsrate wird auf drei Prozent geschätzt.

Im deutschen Sprachraum war die Inzidenz von Diabetes bei Kindern bis zum Alter von 14 Jahren im Jahr 2003 in Deutschland bei 12,2 Fällen pro 100.000 pro Jahr, in Österreich bei 9,5 und in der Schweiz bei 7,9 (Diabetes Atlas 2006).

Wie schon beschrieben, scheint Übergewicht schuld an vielen Krankheiten zu sein. Die folgenden Grafiken veranschaulichen das weltweite Problem Übergewicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: 10 und 11 International Obesity Taskforce (London, IASO 2007)

Abbildung 10 und 11 zeigen prozentual den jeweiligen krankhaften übergewichtigen (adipösen) Bevölkerungsanteil.

[...]

Ende der Leseprobe aus 136 Seiten

Details

Titel
Selbsteinschätzung von Gewicht, Größe und BMI im Krankenhaus mit anschließender Kontrolle
Hochschule
UMIT Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik
Note
Gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
136
Katalognummer
V311925
ISBN (eBook)
9783668111943
ISBN (Buch)
9783668111950
Dateigröße
3296 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbsteinschätzung, gewichtes/größe, kontrolle, auswirkungen, falschangaben, krankenhaus
Arbeit zitieren
Dietmar Hofstetter (Autor), 2012, Selbsteinschätzung von Gewicht, Größe und BMI im Krankenhaus mit anschließender Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311925

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