"Die Brücke" von Franz Kafka. Stoffsammlung, Analyse und Interpretation


Prüfungsvorbereitung, 2015

20 Seiten

Dieter Pross (Autor)


Leseprobe

Vorbemerkung:

Diese Schrift soll interessierten Schülerinnen und Schülern helfen, zu erkennen, wie sie vielleicht besser Aufsätze schreiben können. Wert gelegt wurde dabei besonders darauf, den TEXT als Grundlage jeglicher Interpretation zu nehmen. Auch auf richtiges Zitieren wurde geachtet sowie ein Kopf an den Anfang gesetzt. (Die Gliederung wurde aus Zeit- und anderen Gründen nicht fertiggestellt.)

Der Umfang dieses Aufsatzes soll niemanden erstaunen: 180 Minuten haben dafür nicht gereicht, höchstens gerade für das Vorschreiben von Hand, was hier nicht dokumentiert ist!

Der Verfasser hat versucht, sich in die Lage der Schülerinnen und Schüler zu versetzen und der Klausuraufgabe (Analysieren und interpretieren Sie Franz Kafkas „Die Brücke“) gerecht zu werden. Das Ergebnis dieses Experimentes besteht neben dem vorliegenden Aufsatz in der erneuten Bestätigung der schon vorhandenen Gewissheit, dass die festgelegten 180 Minuten für eine Deutschklausur nicht ausreichen.

Stoffsammlung

Syntax:

Parataxe, Wirkung: absolut, Charakter: Feststellung von Tatsachen, Verzicht auf Darstellung von Zusammenhängen, Bezügen, die also unausgesprochen, aber textimmanent (zwischen den Zeilen) spürbar sind

Lexik: repräsentiert Gefühle

1. negativ: steif, kalt. eisig, lärmte, unwegsam: Abwesenheit menschlichen Kontakts/Wärme

2. Tendenz ins Positive: Verwirrung weicht Erregung (wärmt), wenngleich mit negativer Vorahnung („dunkler rauschte“), durch neues Geräusch („hörte ich einen Mannesschritt“)/Kontakt/Aufhebung der Einsamkeit und Sinnlosigkeit - Aktivität entsteht: Ausrufe, Bereitmachen für Vorhaben, Selbstaufforderung zur Aufgabenerfüllung („halte den Anvertrauten“)

3. Kontakt: Brücke noch nicht in Ordnung („Rockschöße und ordnete sie“) dennoch: Brücke gedanklich verbunden mit dem „Anvertrauten“ („träumte […] ihm nach“) dann Erschauern, wilder Schmerz, Unwissenheit, Erkenntnissuche („Wer war es?) ohne Ergebnis*, stattdessen Selbsterkenntnis: Ausruf „Brücke dreht sich um!“ Ist es das Beklagen/Feststellen eines Fehlers/einer Idiotie oder die Bekundung einer eigenständig vollzogenen Veränderung? Ist es Ironie oder das Benennen eines Paradoxons? (* indirekte Antwort: Selbstmörder, Versucher, Vernichter, da vermutlich beide stürzen)

Deutungshypothese : … stellt Kafka ein tragisches Beziehungsmuster dar, gemäß dem der Ich-Erzähler, dessen Lebenssituation von Einsamkeit und Zerbrechlichkeit geprägt ist, im Anfangsstadium einer Beziehung zum leidenden Objekt des ersehnten Partners wird und beim Versuch, diese Rolle zu verändern, seine Existenzgrundlage verliert, womit K. schreibend ein erlittenes Trauma zu bewältigen suchen könnte.

Beispiel

Name:

Datum:

Semester:

Fach:

Klausur Nummer:

Aufgabenstellung:

„Die Brücke“ (1917) von Franz Kafka, Analyse und Interpretation

Gliederung:
1. Einleitung, „Die Brücke“
1.1. Aktuelle Relevanz: Probleme des Individuums
1.2. Deutungshypothese: Bewältigung eines Traumas
1.3. Inhaltsangabe
2. Hauptteil: Analyse und Interpretation
2.1. Ich-Erzähler
2.2 […]

Vorschlag: Interessierte Schülerinnen und Schüler vervollständigen zur Übung die Gliederung.

Grundlegende Fragen des Lebens, seines Sinns, der Moral, Fragen zur Situation des Individuums in der Gesellschaft, problematische Beziehungen zwischen Menschen haben Künstler aller Formen der Kunst thematisiert, um Antworten auf die offenen Fragen zu finden und diese darzustellen. Dies tut auch Franz Kafka in „Die Brücke“, deren Bedeutung daher nach vorläufigem Eindruck auch in der Gegenwart der 21sten Jahrhunderts für den Leser relevant ist.

In der Kurzprosa „Die Brücke“ aus dem Jahre 1917 stellt Kafka ein tragisches Beziehungsmuster dar, gemäß dem der Ich-Erzähler, dessen Lebenssituation von Einsamkeit und Zerbrechlichkeit geprägt ist, im Anfangsstadium einer Beziehung zum leidenden Objekt des ersehnten Partners wird und beim Versuch, diese Rolle zu verändern, seine Existenzgrundlage verliert, womit der Erzähler schreibend ein erlittenes Trauma zu bewältigen versuchen könnte, das in der Erfahrung der Unerfüllbarkeit der Bedürfnisse und der Ausweglosigkeit der eigenen dramatischen Lebenssituation besteht.

Der Ich-Erzähler existiert über einen unbestimmten Zeitraum als Brücke über einem Abgrund in einer unwirtlichen unberührten Gebirgsregion, bis sich ihm eine männliche Person nähert, der er ein sicheres Überqueren des Abgrundes ermöglichen möchte. Der unerwartete Sprung des Ankömmlings auf den Körper des Erzählers lässt diesen nach der Identität des Mannes fragen und eine Drehung vollziehen, was zum Absturz, zur Zerstörung und zum Ende seines Daseins als Brücke führt.

Wenngleich der Titel des Textes „Die Brücke“ lautet, wird aus der Perspektive dessen erzählt, der einst „Brücke“ gewesen ist. Der Erzähler „[…] war eine Brücke“ (Z.1), ist dies jedoch am Ende der Erzählung nicht mehr, sondern ist hier „[…] zerrissen und aufgespießt […]“ (Z. 18). Die Existenz des Textes beweist, dass der Erzähler in der Gegenwart des Verfassens des Textes nicht Brücke ist, sondern Literat, bzw. Chronist und Analytiker eines vergangenen Abschnitts aus seinem Leben. Damit liegt es auch nahe, „Brücke“ als Bild zu nehmen für die Verfassung des Erzählers in dem Lebensabschnitt, den er in diesem Text thematisiert.

Entsprechend erfolgt der Gebrauch der Tempi: Die Berichterstattung über den Lebensabschnitt, in dem er als Brücke „ […] lag […] (Z.1), steht im Präteritum, die kurzen reflektierenden Passagen wie „ohne abzustürzen kann […]“, (Z.5), „ich weiß nicht“, (Z.7), „Brücke dreht sich um!“, (Z.17) stehen im Präsens.

[...]


Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Die Brücke" von Franz Kafka. Stoffsammlung, Analyse und Interpretation
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V311988
ISBN (eBook)
9783668112087
ISBN (Buch)
9783668112094
Dateigröße
882 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka, Brücke, interpretation, close reading
Arbeit zitieren
Dieter Pross (Autor), 2015, "Die Brücke" von Franz Kafka. Stoffsammlung, Analyse und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311988

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