Die globale Finanzkrise. Entstehung und Ursachen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangssituation für die Entstehung der Finanzkrise
2.1. Dotcom-Krise
2.2. Lebensweise der amerikanischen Bevölkerung

3. Ursachen für den Ausbruch der Finanzkrise in den USA
3.1. Leitzins der Federal Reserve
3.2. Immobilienmarkt
3.3. Neuartige Finanzprodukte
3.4. Ratingagenturen
3.5. Der Einfluss der Banken
3.6. Das Ende des „to big to fail“

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Leitzinsentwicklung der USA von 2000 bis

Abb. 2. Immobilienmarkt in den USA

Abb. 3. Verteilung der Hypothekendarlehen in den USA

Abb. 4. Ausfallrisiko unter gleichbleibenden Rahmenbedingungen

Abb. 5. Schema einer Verbriefung

Abb. 6. Ablauf des Ende des „too big to fail“

1. Einleitung

Als im Jahr 2008 nach dem Wort des Jahres gesucht wurde, war es nicht verwunderlich, dass nur ein Begriff in Frage kam: „ Finanzkrise“.

Das Platzen der Immobilienblase in den USA löste die Finanzkrise aus, die zu einer weltweiten Erschütterung der Finanzmärkte führte, deren Folgen bis heute noch nachwirken. Es kam zum Zusammenbruch des Interbankenmarktes, da Finanzinstitute auf der ganzen Welt an den US-Hypothekenkrediten beteiligt waren. Aufgrund der undurchsichtigen Entwicklungen gab es kein Vertrauen mehr bei der Kreditvergabe untereinander, deshalb gerieten die Finanzunternehmen zunehmend in Liquiditätsschwierigkeiten. Dies traf die Realwirtschaft hart und löste die weltweite Wirtschaftskrise aus. Viele Unternehmen mussten infolgedessen um ihre Existenz bangen.

Die Realwirtschaft zahlte für die Profitgier der Investmentbanker. Helmut Schmidt kommentierte diesen Zusammenhang in folgendem Zitat: „Ich teile die Menschheit in drei Kategorien: Wir normale Menschen, die irgendwann in ihrer Jugend mal Äpfel geklaut haben, die zweite hat eine kleine kriminelle Ader, und die dritte besteht aus Investmentbankern.“

Die Investmentbanker hatten zwar einen enormen Einfluss auf den Ausbruch der Finanzkrise 2007, doch diese waren nicht allein für die globale Wirtschaftskrise verantwortlich. Vielmehr war es ein Zusammenwirken von vielen verschiedenen Faktoren, die ihren Beitrag für den Zusammenbruch leisteten. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll deshalb die Frage geklärt werden, welche Ursachen für den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise verantwortlich sind. Hierbei soll zunächst die Ausgangsituation analysiert werden, bei der beleuchtet wird, inwiefern die Dotcom-Krise und die über ihren Möglichkeiten lebende amerikanische Bevölkerung als Grundlage für das Platzen der Immobilienblase gesehen werden kann. Bei der Ursachenanalyse werden dann die verschiedenen Akteure des Finanzmarktes und deren Umgang mit der Leitzinspolitik der US-Notenbank sowie mit den neuartigen Finanzprodukten untersucht.

2. Ausgangsituation für die Entstehung der Finanzkrise

Es gibt viele verschiedene Ansatzpunkte für die Erklärung der Finanzkrise. In diesem Kapital soll zunächst aufgezeigt werden, welche Punkte den Weg für die Entstehung der Finanzkrise ebnen, um dann im nächsten Kapitel anhand der Ausgangssituation die Ursachen für den Ausbruch der Finanzkrise ableiten zu können.

2.1. Dotcom-Krise

Um die Gründe für den Ausbruch der Finanzkrise 2007 zu verstehen, ist es unerlässlich, die zur Jahrtausendwende aufgetretene Dotcom-Krise zu untersuchen. Hierbei wurde mit Aktien von Internetunternehmen spekuliert, welche durch ihre technologischen Entwicklungen hohe Gewinnerwartungen bei den Anlegern auslöste. Da immer mehr Anleger von den steigenden Börsenbewertungen dieser Unternehmen profitieren wollten, kam es zu einer Boom-Phase und die Aktien der Internetunternehmen wurden überwertet.1 Mit der Zeit stellte sich nun heraus, dass die hohen Gewinnerwartungen nicht erfüllt werden konnten, sodass die überbewerteten Aktien an Wert verloren. Dies führte im März 2000 zum Platzen der Spekulationsblase und brachte eine globale Rezession mit sich, auf die einzig die US-Notenbank Federal Reserve (FED) mit einer stufenweisen Leitzinssenkung von 5,5 % reagierte. Inwiefern diese Leitzinssenkung als eine Ursache für den Ausbruch der Finanzkrise angesehen werden kann, wird in Kapital drei näher untersucht.2

Die Betrachtung der Dotcom-Krise hilft, um ein Verständnis für den Ablauf von Krisen zu erhalten. Laut Nouriel Roubini, Professor an der Universität New York, sind der Auslöser für Krisen, häufig technologische Entwicklung, auf denen basierend jedoch unternehmerische Möglichkeiten für die Zukunft entstehen. Die Dotcom-Krise hinterließ eine neue Infrastruktur, mit aus der Krise gewonnenen Erfahrungen, welche den Weg für die Zukunft des Internets ebnete. Wohingegen die Innovationen der Finanzkrise vor allem aus Produkten des

Finanzdienstleistungssektors stammten, welche nach dem Ausbruch der Finanzkrise jedoch keinen wirklichen Wert zurück ließen.3

Nach dem Platzen der Dotcomblase hatten viele Anleger das Vertrauen in die Aktien verloren und so rückten Immobiliengeschäfte als lukrative Anlageform in den Focus. Vor diesem Hintergrund ergibt sich das Verständnis, wieso die hochriskanten, unseriösen Finanzprodukte mit großem Erfolg entwickelt und vermarktet werden konnten.

2.2. Lebensweise der amerikanischen Bevölkerung

Wie auch die Dotcom-Krise liefert die Lebensweise der amerikanischen Bevölkerung eine entscheidende Grundlage für das Verständnis der Ursachen, die zur Entstehung der Immobilienblase beigetragen haben. Das Konsumentenverhalten der US-Amerikaner unterscheidet sich deutlich von dem der Europäer. Reichtum hat einen deutlichen höheren Stellenwert in der Gesellschaft als in Europa, sodass der durchschnittliche US-Amerikaner versucht über Statussymbole seinen Platz in der Gesellschaft zu behaupten.4 So ist es üblich fast ausschließlich mit Kreditkarten anstatt mit Bargeld zu bezahlen, um auch bei nicht ausreichendem Vermögen den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Im Unterschied zu Deutschland muss der Betrag mit dem das Kreditkonto belastet ist in den USA am Ende des Monats nicht beglichen sein, so dass nicht getilgte Schulden aufsummiert werden.5 Diese Verhaltensweise führte dazu, dass es für die amerikanischen, privaten Haushalte zur Normalität geworden ist, mehr Geld auszugeben als sie einnehmen.6 Es ist somit selbstverständlich geworden mehrere Kreditkarten gleichzeitig zu besitzen und diese auch zu nutzen. Dieser Trend hat dazu geführt, dass mittlerweile 900 Mrd. USD Schulden auf Kreditkarten lasten. Diese Summe macht deutlich, dass in den USA eine auf Schulden basierende Kultur entstanden ist.7

Bezüglich der zukünftigen Einkommenserwartungen sowie der Wertsteigerung eigener Wertpapiere und Immobilien ist die amerikanische Bevölkerung positiv gestimmt.8 So ist es nicht verwunderlich, dass der zur Jahrtausendwende aufkommende Trend von Eigenheimen dazu führte, dass die amerikanische Bevölkerung in großem Stil einstieg. Viele US-Bürger verwirklichten den Traum vom eigenen Haus, obwohl sie sich den Kredit eigentlich nicht leisten konnten. Die Immobilie wurde nicht nur zum Eigenbedarf errichtet, sondern diente auch als Spekulationsmittel.9

Das sogenannte „House Flipping“ wurde zum Trend. Man kaufte ein unterbewertetes Haus, sanierte es und verkaufte dieses nach kurzer Zeit mit hohem Gewinn. Diese Methode war mit erheblichen Risiken verbunden und unterstreicht, dass die risikofreudige Lebensweise der Amerikaner den Grundstein für den Ausbruch der Finanzkrise legte.10

3. Ursachen für den Ausbruch der Finanzkrise in USA

Wie in Kapitel 2 angesprochen, hinterlassen Krisen häufig unternehmerische Möglichkeiten. Hinter dem Immobilienboom steckte jedoch keine wirkliche technologische Neuerung. Es stellt sich die Frage, welches der Antreiber für die Entstehung der Immobilienblase und den Ausbruch der Finanzkrise war. Die Ursachen für das Entstehen dieser Katastrophe sollen in diesem Kapital genauer analysiert werden.

3.1. Leitzins

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Leitzins der USA von 2000 bis 201511

In der Abbildung eins kann man die Leitzinsentwicklung der USA von 2000 bis 2015 verfolgen. Die für die Festlegung des Leitzinses zuständige amerikanische Zentralbank Fed wollte nach dem Platzen der Dotcom-Blase und dem Terroranschlag am 11. September 2001 eine Rezession verhindern. Wie in Abbildung eins ersichtlich, sollte dieses Vorhaben durch die Senkung des Leitzinses innerhalb von 3,5 Jahren um 5,56 % auf knapp ein Prozent erreicht werden. Bisher wurde nur bei der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1931 eine ähnlich starke Zinssenkung vollzogen. Die Leitzinssenkung der Fed bis zum

Jahr 2004 hatte zur Folge, dass die Banken sich günstiger refinanzieren konnten und der günstigere Zins über die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte weitergegeben wurde. Das Ziel der Leitzinsänderung wurde erreicht. Die US-Bürger nahmen die Gelegenheit der billigen Kreditaufnahme dankbar an und investierten im großen Stile in Immobilien. Das Ziel der Fed, durch die Leitzinsänderung die US-Konjunktur im Gang zu halten, schien erreicht.12

Im Jahr 2004 änderte sich die Politik der Fed. Alan Greenspan, damaliger Chef der Fed, war der Meinung, dass sich die Wirtschaft stabilisiert hatte. So wurde als neues Ziel die Preisstabilisierung ausgegeben. Wie aus Abbildung eins ersichtlich ist, wurde der Leitzins in Folge der geänderten Zielsetzung stufenweise erhöht, um eine Inflation zu verhindern.

Als dann im ersten Halbjahr 2006 der Immobiliensektor einen deutlichen Nachfragerückgang zu verzeichnen hatte, entschied sich die Fed den Leitzins nicht weiter zu erhöhen sondern bei 5,25 % zu belassen. Daraufhin folgte im ersten Halbjahr 2007 ein gravierender Rückgang der Immobiliennachfrage und im zweiten Halbjahr 2007 kam es zu erheblichen Zahlungsausfällen.13 Da viele der vergebenen Kredite variabel verzinslich ausgestattet waren und darüber hinaus auch an schlechte Kreditnehmer vergeben wurde, konnten diese die Zinszahlungen nicht mehr aufbringen.14 Hier stellt sich die Frage, wieso die Banken Kredite an schlechte Kreditnehmer vergaben. Auf diesen Punkt wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

Im August 2007 war es dann soweit, dass die Krise auch die weltweiten Finanzmärkte traf. Da die Konsumenten hoch verschuldet waren und eine Sparquote gegen Null blieb, hatte der neue Chef der Fed Ben Bernake keine andere Option, „als den „Fehler“ von Greenspan zu wiederholen und die Märkte mit Liquidität zu fluten.“15 Dies wurde umgesetzt indem der Leitzins im September 2007 zunächst auf 4,75 % und im Dezember dann auf 4,25 % gesenkt wurde:

[...]


1 Vgl. Glebe (2008), S. 104f.

2 Vgl. Guse (2009), S. 12f.

3 Vgl. Mihm, Roubini (2010), S. 91f.

4 Vgl. Czaykowski, Wink et al. (2009), S. 32f.

5 Vgl. Pohl (2008).

6 Vgl. Czaykowski, Wink et al. (2009), S. 34.

7 Vgl. Pohl (2008).

8 Vgl. Czaykowski, Wink et al. (2009), S. 34.

9 Vgl. Neubäumer (2008), S. 735.

10 Vgl. Reiner (k.A.).

11 Fed (2015).

12 Vgl. Guse (2009), S. 11,13.

13 Vgl. ebd., S. 17ff.

14 Vgl. Lanchester (2013), S. 52f.

15 Guse (2009), S. 19.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die globale Finanzkrise. Entstehung und Ursachen
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V312068
ISBN (eBook)
9783668109278
ISBN (Buch)
9783668109285
Dateigröße
1378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzkrise, entstehung, ursachen
Arbeit zitieren
Peter Kleinhans (Autor), 2015, Die globale Finanzkrise. Entstehung und Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312068

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