Die Memoria des Kaisers Augustus. Res Gestae Divi Augusti


Hausarbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 2

2. Die Quelle ... 3

3. Euphemismus und Realität ... 5
3.1 Analyse Kapitel 1 ... 6
3.2 Analyse Kapitel 2 ... 10
3.3 Analyse 3. Kapitel ... 11
3.4 Analyse Kapitel 34 ... 14
3.5. Analyse Kapitel 35 ... 16

4. Der Zweck der RGDA ... 17
4.1 Zusammenfassung ... 19

5. Quellen und Literaturverzeichnis ... 21

1. Einleitung

"Ἐρ εὶ δὲ
πάνυ καλῶς
πέπαισται,
δότε κρότον
Καὶ πάντες
ἡμᾶς μετὰ
χαρᾶς
προπέμψατε."[1]

Kaiser Augustus starb am 19. August 14 n. Chr. bei Nola in Campanien in seinem sechsundsiebzigsten Lebensjahr. Er verfügte, dass die Res Gestae mit seinem Testament veröffentlicht und am Eingang zu seinem Mausoleum auf dem Marsfeld aufgestellt werde. Im Jahre 1555 wurde in Angora, dem heutigen Ankara an den Wänden eines antiken Tempels - welcher als Tempel der dea Roma identifiziert wurde - eine griechische und lateinische Inschrift, von einer Gesandtschaft des späteren römischen Kaisers Ferdinand I., entdeckt. Das Monumentum Ancyranum, die Res Gestae Divi Augusti (in der Folge RGDA genannt).

Es wurde sehr viel über die RGDA geschrieben und es gibt viele Theorien – gleichlautend oder widersprüchlich über den Inhalt, die Gattung und den Zweck. Selbst über das Entstehungsdatum ist man sich nicht ganz einig. Was aber macht die RGDA zu solch einem einzigartigen Zeugnis antiker Schriftkultur und was macht den Unterschied zu anderen - im Studienbrief erwähnten- Memoria aus? Zunächst bietet die RGDA einen unschätzbaren Einblick in die politische Ideologie der augusteischen Ära, mit den Worten des Kaisers selbst.[2] Warum aber war Kaiser Augustus daran interessiert, nach seinem Tod, eine so selbstdarstellerische Eigenwerbung für sich und seine Taten zu veröffentlichen?

Es soll in dieser Arbeit gezeigt werden, dass Augustus mit seiner Memoria nicht nur Fakten über seine Herrschaft aufzeichnete, sondern diese Fakten in einem für ihn positiven Licht darstellte. Es wird der Grund hinter dieser absichtlichen Veränderung von Tatsachen aufgezeigt werden und damit der Zweck der RGDA sowie der Unterschied zu anderen Memoria.

Da der Umfang der Arbeit nicht zulässt alle Aspekte dieser Theorie zu beleuchten, werde ich mich auf die Analyse verschiedener Aussagen des Kaisers und deren Wahrheitsgehalt beschränken – also die darin enthaltene Schönfärberei des Kaisers fokussieren, um so zu zeigen, dass ein "perfektes" politisches Handeln und ein "perfekter" politischer Lebenslauf notwendig waren, um ein Handbuch bzw. eine Erklärung des Prinzipat hinterlassen zu können, um damit der Nachwelt seine gloria – der Nachruhm der seinen Tod weit überdauern sollte – vor Augen zu führen.

2. Die Quelle

Beim ersten Treffen des Senates nach Augustus Tod 14.n.Chr. las Drusus (der Jüngere),der Sohn des Tiberius, das Testament des Augustus sowie drei andere Dokumente - darunter die RGDA - laut vor.[3] Augustus ordnete an, dass seineRes Gestea in bronzenen Tafeln eingraviert, vor seinem Mausoleum auf dem Marsfeld (Campus Martius) aufgestellt werden solle. Die Verwendung von Bronze stellte die RGDA auf eine Stufe mit römischen Gesetzestafeln und anderen wichtigen offiziellen Dokumenten und erweckte damit den Anschein der Heiligkeit und Langlebigkeit.[4] Ebenso war der Aufstellungsort symbolträchtig. Das Mausoleum des Augustus war flankiert vom Altar des augusteischen Friedens (area Pacis Augustea) - welchen der Senat gestiftet hatte - sowie der großen Sonnenuhr, entlang der Via Flaminia.[5] Man kann dieses große Mausoleum, welches ganz in der Tradition des Mausoleum von Harlikarnassos, einem der sieben antiken Weltwunder, gebaut wurde, als das Versprechen des Octavian ansehen, mit Sicherheit in Rom begraben zu werden - ganz im Kontrast zur Kundmachung des Antonius in seinem Testament - neben seiner Frau Kleopatra in Ägypten beigesetzt zu werden. Ebenso lässt sich ein Bezug zu den Grabmälern der Trojanischen Prinzen ziehen, welche als legendäre Vorfahren der julischen Familie dienten oder auch zu Alexander dem Großen.[6]

Von der ehernen RGDA in Rom sind über die Jahrtausende keine Fragmente zurückgeblieben (auch die von Mussolini durchgeführten Grabungen erbrachten kein Ergebnis) - wahrscheinlich wurden sie schon vor Jahrhunderten wie die bronzenen Platten mit denen der Dachstuhl des Pronaos des Pantheons in Rom verkleidet waren[7], eingeschmolzen. An ihrer statt wurden Kopien in einem Tempel der dea Roma in Ancyra (Hauptstadt der Provinz Galatien) - das Monument Ancyranum gefunden. Ebenso wurden geringfügige Reste einer rein griechischen Abschrift im Jahre 1821 in Apollonia (Provinz Galatien), welche einst an sieben Kolumnen einer großen Basis die Standbilder des Augustus und seiner Familie getragen hatten, das Monumentum Apolloniense, entdeckt. Zwischen 1914 und 1924 wurden abschließend circa zweihundertsiebzig Splitter einer ausschließlich lateinischen Kopie - das Monumentum Antiochenum - in Antiochia (Provinz Pisidien) gefunden. Als Anbringungsort dieser Kopie vermutet man den Sockel eines Reiterstandbildes oder den Durchgang eines Prunktores.[8]

Der markanteste Unterschied zwischen dem lateinischen Original in Rom und den Kopien im Reich mag wohl die Überschrift sein. Sie erstreckt sich zum Beispiel beim Monumentum Ancyranum über die Kolumnen I bis III und liest sich so: "Nachstehend die Abschrift des auf zwei in Rom aufgestellten Bronzepfeilern eingegrabenen Berichtes von den Taten des göttlichen Augustus, durch welche er den Erdkreis der Herrschaft des römischen Volkes unterwarf, und von den Aufwendungen, die er für Staat und Volk von Rom machte."[9]

Diese Einleitung appellierte an den Stolz und den Patriotismus der römischen Bürger, die sich stellvertretend durch Augustus, den Erdkreis und somit auch die Provinz, in welcher die RGDA aufgestellt wurde, untertan gemacht hatten. Die Wiederholung von populus Romanus in den klingenden Phrasen imperio populi Rom[a]ni und in rem publicam populumque Romanum, kam direkt aus der besten römischen Tradition, und hatte mit Sicherheit den gewünschten Effekt auf den gefälligen römischen Leser.[10]

Der Fund von drei Kopien in derselben römischen Provinz (Galatien) sowie der Text der RGDA wirft die Frage nach der Verteilung bzw. der Publizierung der RGDA im römischen Reich auf. Man kann sich vorstellen, dass die Aufzählungen von largitiones und congiaria, der Spiele und Theaterstücke, welche in Rom aufgeführt wurden, relativ wenig Interesse bei den Bewohnern von Apollonia, Antiochia oder Ancyra, hervorgerufen hatten.[11] Die griechische Version ist gemäß Prof. Cooley eine "[...] sehr geschickte Adaptierung der Worte Augustus´ für ein weit entferntes Publikum." Ebenso sei der Anhang, welcher sicherlich nicht von Augustus selbst verfasst wurde, da die Verben von der ersten in die dritte Person wechseln, ganz präzise auf die provinziellen Leser abgestimmt worden. Zum Beispiel wurden die Summen die Augustus ausgegeben hatte im Appendix in denarii anstattsestertii angegeben, eine Einheit die eher in den griechischen Provinzen denn in Rom verwendet wurde.[12] Ein weiteres Problem bei der Annahme die RGDA wäre im ganzen Reich verteilt worden, ist die Tatsache, dass der Senat keine imperiumweiten Befehle erteilte, um Dokumente als monumentale Inschriften aufzustellen. Die Verbreitung eines Dokumentes in dieser Art war eher von Mitgliedern der örtlichen Elite für einen speziellen Zweck und eine elitäre Leserschaft vorgesehen. Sehr selten erteilte der Imperator oder der Senat den Befehl ein universell zugängliches Dokument im Reich zu publizieren.[13] Es ist eher plausibel anzunehmen, dass die RGDA und ihre Publizierung in den Händen der zuständigen Provinz - also des Statthalters - und/oder des Provinzrates (τó κοινóν), welcher die Huldigung des Imperator auf provinzieller Ebene überwachte, lag.[14] Selbst wenn es die Sache des Statthalters und des Provinzrates gewesen ist die RGDA aufzustellen, zeigen die drei verschiedenen Aufstellungarten, in derselben Provinz, dass die lokalen Eliten möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Form der Publizierung innehatten. Das soll nicht heissen dass Rom nichts mehr damit zu tun gehabt hatte - viel eher ist es anzunehmen, dass Rom in jeder Phase der Verbreitung eingebunden war, da die Texte der Genehmigung aus Rom bedurften. Da aber die beiden griechischen Versionen dem selben Muster folgen (sogar die gleichen Schreibfehler teilen), kann von einer genehmigten offiziellen griechischen Übersetzung, die in Griechenland hergestellt wurde, ausgegangen werden.[15]

3. Euphemismus und Realität

Da nun genug der Worte über die Quelle gesagt wurden, sollen nun die Unterschiede, die Kaiser Augustus - wohl bewusst ihrer Tragweite - eingefügt hatte, analysiert werden. Die Kapiteln 1 bis 3 geben einen Einblick in die frühen Jahre des Octavian. Im ersten Kapitel wird der politische Aufstieg des neunzehn Jahre alten Octavian nachgezeichnet. Von der Verfolgung der Caesermörder über die Vernichtung von Antonius bis hin zu all seinen militärischen Erfolgen und Ehrungen durch Senat und Volk. Die Kapitel 34 und 35 schließen seinen politischen und privaten Weg mit allen Höhepunkten seiner Karriere ab. Er legt darin dar, dass durch die ersten Schritte alle seine weiteren Entschlüsse und Taten folgerichtig waren und dass all dies nicht ob seiner Person, sondern wegen der Größe Roms und der Macht des Schicksals passierte - immer zum Wohl des Volkes und des Senats. Gerade diese zwei Teile seiner Memoria - der Anfang und der Schluss - sind als Erklärung und Rechtfertigung am wichtigsten für Augustus. An diesen Kapiteln kann man gut erkennen, welche Themen und Tatsachen weggelassen wurden und welche nur als Halbwahrheit zur Erhöhung des Augustus wiedergegeben wurden. Der Umfang der Arbeit lässt eine vollständige Analyse nicht zu. Daher werden aus den Kapiteln nur einige Aussagen analysiert und gegenübergestellt. Es wird die Übersetzung von Ekkehard Weber in Augustus - Meine Taten verwendet.

3.1 Analyse Kapitel 1

Annos undeviginti natus exercitum privato consilio et privata impensa comparavi,[…]
Im Alter von neunzehn Jahren habe ich als Privatmann aus eigenem Entschluss und aus eigenen Mitteln ein Heer aufgestellt […]

Im ersten Kapitel wird der Leser sofort in die Zeit nach der Ermordung des Gaius Julius Caesar versetzt (44 v. Chr.). Der Kaiser beginnt mit dem Hinweis auf sein Alter und die Aufstellung einer Armee aus privaten Mitteln. Sein jugendliches Alter mochte er womöglich in einem positiven Aspekt mit anderen jugendlichen Helden der römischen Geschichte in Verbindung gesetzt sehen. Scipio Africanus, der das imperium mit vierundzwanzig Jahren verliehen bekam ohne vorher als Praetor oder Konsul gedient zu haben oder der dreiundzwanzigjährige Pompeius, welcher mit der Unterstützung von Sulla eine Armee aus privaten Mitteln finanzierte, würden zu dieser Annahme passen.[16]

Die aufzufindende Schönfärberei des Kaisers beginnt sofort im ersten Satz, denn alleine die Aufstellung eines Heeres, als Privatmann, war ein ungesetzlicher und aufwieglerischer Akt. Augustus bezieht sich hier auf die Aufstellung bzw. den Ankauf der Caeserianischen Veteranen in Campania, Mitte Oktober 44.v.Chr.. Octavian hielt sich - als sein Großonkel ermordet wurde - auf dessen Geheiß in Apollonia (Macedonia) auf, um die Vorbereitung der Truppen für den geplanten Angriff gegen die Parther zu überwachen. Die griechische Übersetzung des Textes gibt das erwähnte privato nur als "meinen" wieder und verabsäumt damit die technische Bedeutung von privatus wiederzugeben - nämlich eine Person, die weder ein Magistrat ist, noch auf Grund eines verliehen imperium handelt.[17]

Nur die nachträgliche – durch Cicero beantragte - Verleihung des imperium legalisierte diese Aktion. Marcus Tullius Cicero hatte dies schon früher in seinen Reden an den Senat am 20. Dezember 44.v.Chr. vorbereitet indem er Octavian und dessen Privatarmeeaufstellung,als mutigen und ehrbaren Akt darstellte, welcher Antonius daran hinderte ein Massaker in Rom anzurichten.[18] Als Octavian ohne rechtliche Grundlage die Legion aufstellte war eigentlich er - und nicht Antonius- der Feind des Staates.

Ebenso wenig konnte er dies alles aus "eignen Mitteln" bezahlen. Als er die Nachricht vom Tod Caesars durch einen Brief seiner Mutter Atia in Apollonia erhielt, stellte er fest, dass mit der Annahme des Erbes schwerwiegende finanzielle Verpflichtungen auf ihn warteten. Das gesamte Erbe seines Adoptivvaters Caesar wurde nämlich zuerst in die Hände des amtierenden Konsuls Marcus Antonius gelegt, der nicht daran dachte, Octavian als den rechtmäßigen Erben anzuerkennen. Um den 18. April kam Octavian von Apollonia in Brundisium an. Von der guten Stimmung der Soldaten, die dort vor Ort waren bekräftigt, meinte er (Augustus), die Adoption anzunehmen[19]

[…]


[1] WEBER, Ekkehard: Augustus Meine Taten. Seite 51, Düsseldorf 1999. „Wenn euch also das Spiel gefallen hat, so klatscht und leitet alle uns mit Dank nach Haus.

[2] COOLEY, Alison: RGDA, Text Translation, and Commentary, Seite 2,Cambridge 2010.

[3] CASSIUS,Dio: Römische Geschichte. 56.33.1

[4] COOLEY: RGDA (wie Anm. 2) S. 3

[5] STRABO: Geographie, 5.3.8

[6] COOLEY: RGDA (wie Anm. 2) S. 3

[7] Anmerkung des Verfassers: Papst Urban der VIII. ordnete dies an um aus der Bronze Kanonen gießen zu lassen. Teilweise wurde das Ziborium des Petersdoms damit errichtet. Daraufhin wurde von der Bevölkerung Roms folgendes Sprichwort geprägt:“ Qoud non fecerunt Barbari, fecerunt Barberini.

[8] WEBER: Augustus.(wie Anm. 1) S.7

[9] COOLEY: RGDA,(wie Anm. 2) S. 58:

[10] Nach: RAMAGE, Edwin S.: The nature and Purpose of Augustus´“Res Gestae“, S. 15, Stuttgart 1987.

[11] COOLEY: RGDA,(wie Anm. 2) S. 18

[12] COOLEY: RGDA,(wie Anm. 2) S. 19

[13] A nm. d. Verfassers: Als Beipiel hier 20.n.Chr: senatus consultum de Cn.Pisone patre =SCPP.

[14] COOLEY: RGDA,(wie Anm. 2) S. 21

[15] Anm. d. Verfassers: Die beiden griechischen Versionen wurden von SCHEID (2007) verglichen. lxviii-lxxi.

[16] COOLEY: RGDA,(wie Anm. 2) S. 106

[17] Ebd.

[18] CICERO,Marcus T.: Phillipica 3.3 -4 ; 4.2-4

[19] Vgl. Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 55 = Malitz, S. 50. Vgl. Schmitthenner, S. 66f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Memoria des Kaisers Augustus. Res Gestae Divi Augusti
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Modul G2 – Geschichte der Schriftkultur
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V312087
ISBN (eBook)
9783668109469
ISBN (Buch)
9783668109476
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
memoria, kaiser, augustus, gestae, divi, selbstdarstellerische, eigenwerbung
Arbeit zitieren
Markus Wawruschka (Autor), 2015, Die Memoria des Kaisers Augustus. Res Gestae Divi Augusti, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312087

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Memoria des Kaisers Augustus. Res Gestae Divi Augusti



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden