Ist unsere Demokratie gefährdet? Das Problem der schwindenden Öffentlichkeit als Gefahr nach Hannah Arendt


Bachelorarbeit, 2013

30 Seiten, Note: 2,0

Thomas Bäcker (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitende Überlegung zur Gefährdung der Demokratie

2.0 Existentielle Grundlagen der Demokratie
2.1 Der öffentliche Raum der Antike
2.2 Die Aufwertung von Arbeit im Ausgang von Hannah Arendt

3.0 Der schwindende öffentliche Raum und dessen Folgen für die freiheitliche demokratische Grundordnung
3.1 Das Private und dessen Wanderung ins Öffentliche
3.2 Die Herrschaft des Niemand
3.3 Die abgeschaffte Öffentlichkeit und der Raum für das Böse
3.4 Die Banalität des Bösen
3.5 Die Bürokratie und die Funktion des sich Verhaltes

4.0 Ansätze die Demokratie zu wahren
4.1 Bedeutung für die heutige Gesellschaft
4.2 Brauchen wir eine andere Form der Gesellschaft?

5.0 Schlussfolgerung

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitende Überlegung zur Gefährdung der Demokratie

Menschen haben sich im Laufe der Geschichte vermehrt in sozialen Organisationsformen zusammengefunden. Der Mensch sei ein soziales Wesen heißt es. (vgl. Bahrdt, 1994: 78) Im Kollektiv ist es für die Menschen einfacher ökologischen und geographischen Schwierigkeiten zu begegnen, die Überlebenschancen der Spezies sind im Kollektiv um ein vielfaches höher. Die sozialen Organisationsformen wuchsen mit dem Lauf der Zeit auf eine größere Mitgliederzahl heran, (vgl. Korte/Schäfers, 2010: 130) die Ordnung in den sozialen Organisationsformen erfolgt durch politische Systeme. Für diese Erörterung ist die Demokratie als politisches System von Bedeutung. Der Begriff „Demokratie“ hat sich in seiner Bedeutung im Lauf der Geschichte verändert. Die ersten Demokratien traten in den Stadtstaaten der Antike auf. Die Demokratie ist eine Volksherrschaft und basiert auf Freiheit. In einer antiken Demokratie war der Raum, indem Politik betrieben wurde, die Polis. Die Mitglieder der Polis waren frei, hatten gleiche Befugnisse und befanden sich auf selber Autoritätsstufe. Die Demokratien der Antike gelten als Errungenschaften, weil sie Grundsteine, wie Gleichheit und Freiheit, legten, die auch noch in heutigen Demokratien vorzufinden sind. Allerdings gibt es zwischen der heutigen Demokratie und der antiken Demokratie erhebliche Unterschiede. Die Demokratien der Antike hatten einen öffentlichen Raum, welcher vor privaten Angelegenheiten geschützt war. Weiterführend gab es Einwohner der Stadtstaaten ohne Bürgerstatus, wie Sklaven, Frauen und Arbeiter. (vgl. Aristoteles, Politik I 3-5, 1253b: 5-33) Dieses Ausschlusskriterium der Antike widerspricht den Menschenrechten. In der westlichen Welt lautet die Regierungsform mit sehr großer Wahrscheinlichkeit: Demokratie. Die Menschenrechte und deren Schutz sind ein elementarer Bestandteil der heutigen Demokratien. Die Demokratie ist ein entscheidender Faktor für den mittlerweile über 60 Jährigen Frieden in Europa. Allerdings gibt es Stimmen, welche die Demokratie als nicht mehr gesichert und sehr gefährdet sehen. Die heutige Gefährdung der Demokratie gehe aus der Unmündigkeit der Bürger hervor, welche aus der Vernichtung von öffentlichem Raum und Privatem resultiere. Um diese These zu bekräftigen, sind die Ausführungen von Hannah Arendt sehr treffend, weil sie auf die Antike zurückgreift und zeigt was der heutigen Gesellschaft verloren ging. Die angesprochene Aufhebung der Bereiche privat und öffentlich, soll für die Unmündigkeit und Gewissenslosigkeit der Menschen sorgen. Sie verneinen eine Tat nicht nach Gewissen, sondern befolgen lediglich Gesetze. Die Gesetze und Regeln entscheiden, was die Menschen tun dürfen. Aber das verloren gegangene Denken bestimmt, was sie selbst tun können und was nicht. Das Gewissen existiert unabhängig von Regeln.

Der Auslöser für die demokratiezersetzenden Prozesse liege in der absurden Rangerhöhung von Arbeit. Hannah Arendt unterscheidet zwischen drei Tätigkeiten: Arbeit, Herstellung und Handlung. Die Arbeit hat den niedrigsten Rang und die Handlung besetzt den höchsten Rang. Gesellschaftliche Entwicklungen ermöglichten, dass die Arbeit auf den höchsten Rang gesetzt wurde und die Handlung bedeutungslos wurde. Die heutige Gesellschaft wird im Allgemeinen als Arbeitsgesellschaft angesehen und bezeichnet. (vgl. Brose 2011: 11) Die Arbeit hat sich auf alle Bereich der heutigen Gesellschaft ausgebreitet und wird durch Sozialisation von klein auf gelehrt. (vgl. Geßner 2003: 206) Arbeiten ist in der heutigen Gesellschaft mehr als nur eine Tätigkeit. Arbeit ist Identität, Selbstverwirklichung und Persönlichkeit für die Menschen. Es scheint, als wären andere Tätigkeiten nebensächlich oder nur Hobbys. Im Zuge der Globalisierung wurden viele Produktionsstätten verlagert und Arbeitsplätze werden durch Automatisierung überflüssig. Eine Gesellschaft, die komplett auf Arbeit ausgerichtet ist, beginnt anscheinend ihre Basis zu verlieren.

Um die Frage: „Ist die Demokratie gefährdet?“ zu beantworten, wird die bundesrepublikanische Demokratie und deren gesellschaftliche Entwicklung untersucht. Anstoß dafür liefern die Ausführungen des Philosophen Oskar Negt.

„Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs und vor allen Dingen auch in einer Zwischenwelt der Ratlosigkeit. Die Probleme unserer Arbeitsgesellschaft spitzen sich derart krisenhaft zu, dass der innere Zusammenhalt des demokratischen Gemeinwesens nicht mehr gesichert scheint.“ (Negt 2010)

Demnach sieht er die Demokratie gefährdet, weil elementare Bestandteile einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr geschützt würden und an Aufmerksamkeit verlieren würden. „Der Rückzug ins Private - die alten Griechen nannten das übrigens Idiotie, im Doppelsinn von Privatheit und Torheit: der unpolitische Mensch war der Idiot - verstellt den Blick auf Verschiebungen im Herrschafts- und Gesellschaftsgefüge. Die Bürger stumpfen ab, die Kräfte des Widerstands erlahmen, die Politik erodiert und entleert sich ihres Sinns.“ (vgl. Negt 2010) Besonderes Augenmerk legt Negt auf das Verschwinden der Öffentlichkeit, dieses Verschwinden ginge einher mit der Gefährdung der Freiheit. (vgl. Negt 2010)

Die Demokratie ist demzufolge akut gefährdet und die gesellschaftliche Ordnung steht vor einem Umbruch. „Aber auch unsere Gesellschaft kann umkippen, wenn die Politik keine für die Menschen sichtbare Lösung der Zentralprobleme der Arbeitsgesellschaft bringt.“ (Negt 2010) Daher bestünde akuter politischer Handlungsbedarf, um den demokratiezersetzenden Prozessen zu entgegnen. Mit Hilfe einer historischen Abhandlung durch die Epochen, wird aufgezeigt, wie das Private ins Öffentliche gerückt wurde. Des Weiteren wird erläutert, was eine Demokratie ausmacht und ergänzend wird skizziert, weshalb und in welcher Form unsere Demokratie gefährdet sein könnte. Es wird außerdem erörtert, welche Prozesse für die heutige Gefährdung der Demokratie verantwortlich sein könnten. Ausgegangen wird hierbei von der Antike und den ersten Demokratien im Stadtstaat Athen und deren Definition von Öffentlichkeit.

2.0 Existentielle Grundlagen der Demokratie

Demokratie bedeutet, dass das Volk regiert. Die Bürger sind also unmittelbar an den politischen Entscheidungen und der Politik beteiligt. Das Volk ist der Souverän in einer Demokratie. Für den Gegenstand der Erörterung ist es passend, die Bundesrepublik Deutschland exemplarisch als Beispiel für eine Demokratie zu betrachten. Die Bunderepublik Deutschland ist eine repräsentative Demokratie, das bedeutet die Bürger haben ein Wahlrecht. Dieses ist allgemein, frei, geheim, unmittelbar und gleich. Durch die Wahl wählen die Bürger Volksvertreter. Die Macht wird ihnen auf Zeit verliehen. Seit Bestehen der Bundesrepublik, organisieren sich die Volksvertreter in Parteien. Die Parteien sind von demokratischer Grundordnung, auch Verbände und sonstige politische Zusammenschlüsse, müssen einen demokratischen Grundsatz haben. Die Teilnahme am politischen Willensbildungsprozess setzt eine demokratische Grundhaltung voraus. Das Wahlrecht erhält jeder Staatsbürger mit der Vollendung des 18ten Lebensjahres. Im Gegensatz zur Diktatur, wo nur eine Meinung geduldet wird, existiert in der Bundesrepublik der Pluralismus. Weiterführend bedeutet dieses, dass viele Meinungen am Meinungsbildungsprozess teilhaben und in diesen einfließen. Neben dem Recht zu wählen, verfügt jeder Bürger über das passive Wahlrecht. Die Politik ist allen Bürgern des Staates somit direkt zugänglich gemacht. Durch die Wahl erhält das Grundgesetz seine Legitimation und die Wahlen sind eine indirekte Zustimmung zur Demokratie. Durch jede weitere Wahl gewinnt das Grundgesetz an Verankerung und Rückhalt.

Besonders bedeutend für die bundesrepublikanische Demokratie ist Artikel 20 des Grundgesetzes, aus dem hervorgeht, dass die Demokratie wehrhaft und vielfach geschützt ist. Ein besonders wichtiger Aspekt, welcher ebenfalls in Artikel 20 festgehalten wird, ist die Gewaltenteilung. Die Gewaltenteilung, wie sie auch im politischen System der USA etabliert ist, ermöglicht es keiner Einzelperson die vollkommene Macht über den Staat und dessen Organe zu haben. Exekutive, Judikative und Legislative sind voneinander getrennt und kontrollieren sich so gegenseitig. Die Judikative wird in der Bundesrepublik vom Bundesverfassungsgericht, den Bundesgerichten und den Gerichten der Bundesländer ausgeübt. Die Exekutive wird von der Regierung und der öffentlichen Verwaltung ausgeübt. Die Legislative wird durch den Bundestag und den Bundesrat vertreten.

Ein weiteres besonderes Abwehrrecht des Staates ist die Ewigkeitsklausel in Bezug auf die Artikel 1 und 20. „(3) Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“ (GG, Artikel 79.3)

Somit ist die demokratische Ordnung, rechtlich mehrfach geschützt. In Artikel 79.3 wird auch Artikel 1 erwähnt. Dieser angesprochene Artikel ist elementar und unverzichtbar für die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik. Artikel 1 gewährt jedem menschlichen Wesen die Grundrechte innerhalb des Staatsgebietes der Bundesrepublik. Neben Artikel 1 gibt es weitere Abwehrrechte gegenüber dem Staat. Die freie Berufswahl (vgl. GG, Artikel 12) ist für die hiesige Untersuchung ebenfalls interessant. Die Arbeit ist in der Bundesrepublik von so großer Bedeutung, dass ihretwegen Gesetze formuliert wurden. Das Gesetz beinhaltet die Freiheit den Beruf zu wählen, wodurch erzwungenen und unfreiwilligen Tätigkeiten Einhalt geboten wird. Auf der anderen Seite zeigt das Gesetz, dass Arbeit ein wichtiger Aspekt innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft ist. Des Weiteren gibt es in der Ressortaufteilung des Bundeskabinetts einen Arbeitsbereich der sich der Arbeit widmet. Die Arbeit ist mit allen Bereichen der Politik verflechtet.

Nachdem die Tätigkeit des Arbeitens vom Privaten ins Öffentliche gerückt wurde, erfuhr sie eine Aufwertung. Arbeit ist etwas Vortreffliches geworden. (vgl. Arendt 2010: 38-47) Besonders in den westlichen Gesellschaften ist durch die positive Aufwertung der Arbeit ein Arbeitsethos erstanden. Daher wird harte Arbeit heute mehr respektiert als in der Antike und Arbeit wird etwas vollkommen Legitimes und Gutes. Sogar Politik fällt heute in den Bereich der Arbeit: Politiker ist ein Beruf.

Die Menschen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft der Gegenwart repräsentieren sich durch Arbeit. Sie schaffen sich eigene Existenzen und verwirklichen ihre Vorstellungen. Die Arbeit ist die Grundlage allen Erfolgs in der heutigen Gesellschaft. Die Menschen werden anhand ihrer Qualifikationen am Arbeitsmarkt gewürdigt und nach ihrer Arbeitsleistung honoriert. (vgl. Pfau-Effinger 2002: 86) Die Arbeit dominiert alle gesellschaftlichen Bereiche. Sowohl die Öffentlichkeit, als auch das Private wird heute durch Arbeit bestimmt. Die Arbeit ist das Statussymbol der Menschen und ein Aushängeschild für ihre Persönlichkeit geworden. Es ist also zutreffend, dass die heutige Gesellschaft eine Arbeitsgesellschaft ist.

Aus Sicht der antiken Definition von Demokratie, ist die Vermischung von Arbeit und Öffentlichkeit undenkbar. Wie schon in der Einleitung erwähnt, hatten Arbeiter und Sklaven keinen Platz im öffentlichen Raum der Antike. Arbeit war also ein Ausschlusskriterium, um das politische Leben innerhalb der Polis zu genießen. Jedoch sind der öffentliche Raum und dessen Besonderheiten nicht mehr existent. Die Öffentlichkeit ist heute durchdrungen von Privatangelegenheiten. Der öffentliche Raum der Antike hingegen, war rein öffentlichen und politischen Anliegen vorbehalten. Um positive Aspekte des öffentlichen Raums der Antike zu beleuchten, werden nun seine bedeutenden Merkmale skizziert und in den Zusammenhang gebracht.

2.1 Der öffentliche Raum der Antike

Athen war das Zentrum der antiken griechischen Kultur. Die attische Demokratie basierte auf einer Volksversammlung, dem Volksgericht und dem Rat der 500. Die Volkssouveränität bestand auf allen Ebenen. Zwischen 30000 und 40000 Einwohner des Staates Attika hatten den Bürgerstatus inne. Die Regierungsbeteiligung konnte erzwungen werden. (vgl. Welwei 1998: 146) Das Gewaltmonopol des Staats war vorhanden und es gab Gesetzte die das Recht der attischen Demokratie bildeten. Hier sind vor allem die Isegoria und die Isonomia zu nennen. Die Isegoria gab allen Bürgern das gleiche Recht, was insbesondere bei Volksversammlung von großer Bedeutung war. Jeder der Anwesenden hatte das gleiche Recht zu sprechen. Selbst bei der Mindestzahl an Anwesenheit von 6000 Bürgern, zeugt das Recht von einer enormen Freiheit. Isonomia beinhaltet die Gleichheits- und Ebenwürdigkeitsrechte innerhalb der Polis. Die Mehrheit durfte bei allen Fragen entscheiden. Allerdings waren dies alles Bürgerrechte. Menschenrechte existierten in dem Maße, wie wir es heute kennen, nicht. Bürger konnte nur derjenige sein, der vollkommen frei ist. Freiheit erlangte jeder männliche Athener sobald er über 20 Jahre alt war. „Wer sklavenähnliche Tätigkeiten ausübt kann nicht frei sein.“( Aristoteles, Politik I 3-5, 1253b: 5-33) Sklaven, Ortsfremde, Kinder und Frauen hatten keine Bürgerrechte. Eine Gewaltenteilung im heutigen Sinne gab es auch nicht, allerdings existierte in dem Athen der Antike eine strikte Trennung zwischen Öffentlichem und Privatem. Das Private war ein Bereich, welcher von Notwendigkeit durchdrungen war. Die Öffentlichkeit hingegen war ein Raum der Freiheit. Genauer gesagt war die Polis der öffentliche Raum, welcher nicht der Notwendigkeit verbunden war. Der Zugang zu politischen Ämtern war nur freien Bürgern vorenthalten. Ein freier Bürger nach oben angeführter Definition war somit Mitglied der Polis und zugleich Hausherr.

Der Hausherr war Bürger und organisierte privat das Geschehen in seinem Haushalt. Öffentlich hingegen widmete er sich der Polis. Die Haushaltsführung unterlag purer Notwendigkeit, aber die Polis war von Denken und Handlung geprägt. Schließlich hatte die Polis Vorrang vor dem Haushalt. So konnte sich der freie Bürger entlastet auf die Polis und die Politik konzentrieren.

In der politischen Diskussion waren alle Teilnehmer gleichberechtigt und ihr Wort hatte gleiches Gewicht. Innerhalb der Polis ging es lediglich um die reine Handlung. Die Interaktion in der Polis erfolgte durch Sprechen, der wahrscheinlichsten Form einer Handlung. (vgl. Arendt 2010:) Die Mitglieder der Polis trafen sich aus freien Gründen ohne Zwang, um sich bedeutenden Themenbereichen der Politik zu widmen. Politik und Freiheit waren in der Antike eng miteinander verknüpft. Die Verflechtung der beiden Begriffe wird an folgendem Zitat Arendts deutlich: „[…] der Sitz der Freiheit ausschließlich im politischen Bereich lokalisiert ist […]“ (Arendt, 2010: 41) Freiheit war das erstrebenswerte Glück im Athen der Antike und in der Polis wurde weder geherrscht noch beherrscht. (vgl. Arendt, 2010: 41f)

Zusammenfassend gab es drei nennenswerte Klassifikationen an Tätigkeiten in der Antike. Die Handlung, welche ausschließlich im freien Bereich des öffentlichen Raums angesiedelt war und zugleich die höchste Tätigkeit war. Die Handlung ist ein aktives Mittel um das Miteinander der Menschen zu gestalten. Eine sehr häufig verwendete Form der Handlung ist das Sprechen und streng genommen ist Handeln ohne Sprache nicht möglich. (vgl. Arendt 2010: 217)

Des Weiteren wurde noch zwischen Herstellen und Arbeit unterschieden. Die Arbeit diente lediglich der Erhaltung, war von Notwendigkeit durchdrungen und wurde als niederste Tätigkeit eingeordnet. Das Herstellen war eine endliche Tätigkeit, welche ein Produkt hervorbrachte. Alle drei Tätigkeitsformen waren strikt voneinander getrennt. Jedoch ist fraglich, weshalb die Arbeit heute alle gesellschaftlichen Bereiche dominiert. Hannah Arendt sieht im öffentlichen Raum der Antike einen Lösungsansatz für die Probleme unserer Gesellschaft.

2.2 Die Aufwertung von Arbeit im Ausgang von Hannah Arendt

Die drei erwähnten Tätigkeiten der Handlung, Herstellung und Arbeit sind in der Vita activa zusammengefügt. (vgl. Arendt 2010 :16) Wie schon vorweggegriffen, wurde die Hierarchie der Tätigkeiten ursprünglich von der Handlung angeführt. Die Arbeit hatte den untersten Rang inne. Mit Arbeit wurde Mühsal und Notwendigkeit assoziiert. (vgl. Arendt, 2010: 125) In der Antike waren Arbeit und Sklaverei Gründe, Individuen von der Politik fern zu halten, denn der Bereich der Politik war nur freien Bürgern vorenthalten. „Wer sklavenähnliche Tätigkeiten ausübt kann nicht frei sein.“( Aristoteles, Politik I 3-5, 1253b: 5-33) Die Sklaverei war eine Methode, um die Humanität vor der Arbeit zu schützen. In der Antike war Arbeiten und Mensch sein nicht miteinander vereinbar. (vgl. Arendt 2010: 102) Das Leben eines freien Bürgers war von Genuss, schönen Taten und der Erforschung des Unvergänglichen bestimmt, (vgl. Arendt 2010: 23) die Arbeit hingegen war eine reine Notwendigkeit und war durch Monotonie und Wiederholung geprägt. Arbeit endet nicht und bringt auch kein Endprodukt hervor, die Abläufe kehren immer unverändert wieder. Ein sehr treffendes Beispiel dafür sind die Erhaltungsprozesse des Körpers, welche sich ständig wiederholen. (vgl. Arendt 2010: 117) Arbeit war in der Antike keine Ausbeutung, sondern lediglich eine unliebsame Notwendigkeit. (vgl. Arendt 2010: 118f) So war es beispielsweise üblich, lediglich den Eigenbedarf an Lebensmitteln zu decken. Die Möglichkeit einen Überschuss an Lebensmitteln zu produzieren, wurde nicht ausgeschöpft. Allerdings ist an dieser Stelle schon etwas vorwegzugreifen: Der Mensch verfügt über mehr Kraft als notwendig ist, um Lebensmittel für den Eigenbedarf anzubauen.

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Ist unsere Demokratie gefährdet? Das Problem der schwindenden Öffentlichkeit als Gefahr nach Hannah Arendt
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Philosophie)
Veranstaltung
Vita activa
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V312104
ISBN (eBook)
9783668114739
ISBN (Buch)
9783668114746
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie, Öffentlichkeit, Hannah Arendt
Arbeit zitieren
Thomas Bäcker (Autor), 2013, Ist unsere Demokratie gefährdet? Das Problem der schwindenden Öffentlichkeit als Gefahr nach Hannah Arendt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312104

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