Die NPD im Netz. Internetpräsenz der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands auf Facebook und Youtube

Eine Analyse


Seminararbeit, 2014
21 Seiten, Note: 2,0
Ignar Kremski (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition Rechtsextremismus
1. Zusammenfassung des Begriffes „Rechtsextremismus“

III. Homepage der NPD

IV. Die NPD auf Facebook

V. Die NPD auf YouTube

VI. Fazit

VII. Quellenverzeichnis

I. Einleitung

Auch der Rechtsextremismus hat seinen Weg ins 21 Jahrhundert gefunden. Mussten vor rund zwei Jahrzehnten neue Mitglieder durch mühselige Mund zu Mund Propaganda und mehr schlecht als recht gefertigte Flyer geworben werden, stellt sich heute, wie für alle anderen auch das Internet als Treffpunkt für eine riesige Anzahl an Menschen dar, die sich schnell und ohne Probleme der rechten Szene nähern können. Die Zahl an verschiedenen Möglichkeiten ist dabei schier endlos. Jeder kann in kürzester Zeit ein Diskussionsforum erstellen und dort seine Meinung kund tun. Dabei kann er einerseits durch den Deckmantel der so genannten „Nicknames“ anonym bleiben. Auf der anderen Seite ist von behördlicher Seite eine ständige Kontrolle dieses Netzwerkes fast unmöglich. Dadurch wird das Internet zum wichtigsten Verständigungs- und Publicitymittel von Rechtsextremen.

Informationen der Internetseite www.jugendschutz.net zu Folge gab es im Jahr 2012 über 7000 Homepages mit rechtsextremen Inhalten und damit 1600 mehr als im Vorjahr 2011.1

Die Beschäftigung mit dem Rechtsextremismus findet seit 1945 statt, als Folge der historischen Geschehnisse und den Verbrechen zur Zeit des Dritten Reiches. Der heute vorkommende Rechtsextremismus wurde immer als Folge dieser lange zurückliegenden Ereignisse betrachtet.2

Nachdem das Internet aber immer populärer wurde und sich um 1985 wie ein Lauffeuer ausbreitete, wurde schnell deutlich, dass es den Rechtsextremismus auch ohne die Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg gibt.3 Dieser hat sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. Mit diesen Charakteristika der rechtsextremen Propagandamaschinerie im Internet befasst sich die Wissenschaft erst seit kurzer Zeit4. Dabei wurden zwei Merkmale besonders deutlich: einerseits werden rechtsextreme Inhalte sehr offensiv verbreitet. Auf der anderen Seite sind diese oftmals auf den ersten Blick nicht als rechtes Gedankengut zu verstehen.5 Die folgende Arbeit soll sich mit diesem Thema am Beispiel der NPD und deren Internetauftritt beschäftigen.

Nachdem in einem ersten Schritt versucht wird, den Begriff Rechtsextremismus zu definieren, wird in dieser Ausarbeitung die offizielle Homepage der NPD, deren Auftritt bei Facebook sowie der NPD-Kanal auf YouTube analysiert, um schließlich die gewonnen Erkenntnisse. in einem Fazit zusammenzufassen Die Ausarbeitungen beziehen sich dabei auf den Zeitraum vom 10.-29.05.2014.

II. Definition Rechtsextremismus

Zunächst bedarf es jedoch einer genauen Begriffsklärung, die sich beim Begriff „Rechtsextremismus“ als schwierig darstellt. Probleme diesbezüglich stellen sich an folgenden Stellen dar: Auf der einen Seite werden in der Öffentlichkeit aber auch in der Wissenschaft unkorrekte Termini bezüglich des oben genannten Begriffes genutzt. So nutzen einige Antifaschisten diesen, um das komplette rechtskonservative Lager als rechtsextrem zu bezeichnen und somit im politischen Sinne zu missbrauchen6. Auch wird der Begriff immer öfter mit anderen Bezeichnungen verwechselt, wie zum Beispiel „Rechtsradikalismus“ oder „Neo-Nazismus“.7 So werden diese von den Nachrichtenagenturen sowohl im Fernsehen als auch in der Zeitung in der Weise benutzt, als hätten sie die gleiche Bedeutung. Dabei wird keine Rücksicht auf das verfassungswidrige Handeln von rechtsextremistischen Parteien und im Gegensatz dazu das verfassungskonforme Handeln von rechtsradikalen Parteien genommen.8 Außerdem kristallisiere sich heraus, dass dieser Begriff von verschiedenen Seiten beleuchtet werden könne. Er stelle sich als Sammelbegriff für viele verschiedene politische Erscheinungsformen dar und müsse aus diesem Grund von vergleichbaren Tendenzen wie zum Beispiel dem Linksextremismus und den entsprechenden Charakteristika wie zum Beispiel deren Ideologie und dem Vorkommen von Gewalt zu separieren sein.9

Es bestünde weder eine angesehene Definition für den Begriff Rechtsextremismus, noch sei er eindeutig umschrieben.10 Aus diesem Grund kann dieser Punkt hier nicht abschließend geklärt werden. Folgend soll jedoch auf der Grundlage von verschiedenen Versuchen einer Definition eine Zusammenfassung dieses Begriffes dargestellt werden, welche als Grundlage für diese Arbeit stehen soll.

1. Zusammenfassung des Begriffes „Rechtsextremismus“

Bislang gibt es lediglich staatliche und politikwissenschaftliche Versuche, diesem Begriff näher zu kommen. Grundlegend dafür sei die Bestimmung des politischen Extremismus, der sich aus staatlicher Sicht über die Ablehnung der Ordnung des demokratischen Verfassungsstaates mit dessen Regeln und Prinzipien definiere.11

„Extremisten wollen das freiheitlich-demokratische politische System überwinden“12 Dazu gehörten sowohl Anstrengungen aus politischer Sicht gegen das Mehrheitsprinzip, die Volkssouveränität sowie die Verfassung, welche auf den Menschenrechten basiere.13

Außerdem unterscheide man zwischen verschiedenen Mustern des Verhaltens und der Einstellung. So sei die Einstellung von Rechtsextremen geprägt durch Autoritarismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Nationalismus. Diese seien Grundlage für das Verhalten der Rechtsextremen und ließe sich an deren politischen Aktionen und dem Anwenden von Gewalt ablesen. Dabei sei jedoch zu beachten, dass jemand, der eine rechtsextremistische Einstellung hat, sich auch automatisch so verhält. Auf der Stufe der Ideologie weise der Rechtsextremismus Merkmale spezieller Natur auf. So gehe der rechtsextrem eingestellte Mensch davon aus, seine eigene Rasse habe eine höhere Bedeutung als andere. Als Schlussfolgerung auf dieses Denken unterdrücke er andere Menschen auf Grund derer Ethnie oder auf Grund von körperlichen oder geistigen Unterschieden. Diesen stünde er in der Regel feindlich gegenüber. Das Verständnis einer funktionierenden Gesellschaft zeichne sich durch die Volksgemeinschaft aus. Dabei bilden die Regierenden und die, die regiert werden eine Arbeitsgemeinschaft, eine „Volksgemeinschaft“. Innerhalb dieses Systems ordne sich der Bürger der Gesellschaft und dem Staat unter.14 Darüber zeichne sich der Rechtsextremismus dadurch aus, dass dessen Anhänger den Holocaust leugnen oder die Vernichtung von Millionen von Juden verharmlosen. Das Gleiche gilt darüber hinaus für die komplette Geschichte des Rechtsextremismus zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese Eigenschaften ließen sich aber nicht generell auf allen Rechtsextremen übertragen. So gebe es auf der einen Seite Gruppen, deren Handeln sich auf Versuche konzentriert, den demokratischen Staat zu stürzen, und auf der anderen Seite Gruppierungen, deren Handeln sich dadurch auszeichnet, dass sie gezielt Straftaten begehen wie Volksverhetzung oder Gewalttaten gegen Minderheiten sowie das öffentliche Leugnen des Holocaust.15

III. Homepage der NPD

Die offizielle Internetseite der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands ging bereits 1996 online und ist seit dem unter der Adresse www.npd.de für jeden abrufbar. Damit stellt sie die erste rechtsextreme Partei im Internet dar, an der sich viele andere rechtsextreme Parteien orientieren16.

Einen besonderen Wert für die Partei hat diese Internetpräsenz in den Gebieten, in denen sie in Land- oder Kreistagen sitzt. Daher wird nun im folgenden Abschnitt die Internetpräsenz, allem voran die offizielle Homepage der NPD im Hinblick auf Zielgruppen, äußere Form und die Inhalte untersucht.

Die Homepage der Nationaldemokraten erscheint in einem modernen Gewand. Dabei erscheinen fast alle Schriftzüge in schlichtem rot/weiß, entsprechend der Parteifarben, was einen seriösen Eindruck vermittelt. Das Hauptelement dieser Seite stellen die unter den drei Reitern „AKTUELLES“, „INFORMIEREN“ und „MITHELFEN“ Grafiken dar, die sich alle 10 Sekunden abwechseln und durch jeweils eine kleine Infobox erste Auskünfte über gegenwartsnahe Themen geben. Die erste Grafik bildet eine in die Kamera lachende junge Frau ab, die ein schwarz-gelbes Schild mit dem aktuellen Slogan der Partei „Europa wählt Rechts“ in den Händen hält, wobei der Teil des Schildes mit dem Aufdruck „Rechts“ einen nach rechts weisenden Pfeil darstellt. Die Frau an sich blickt, wie bereits erwähnt mit einem sympathischen Lächeln in die Kamera. Somit wird dem Besucher der Website gleich zu Beginn ein freundlicher „Empfang“ bereit. Durch den Slogan auf dem Schild und dessen Form wird dem Besucher unmittelbar die rechte Gesinnung der Partei offenbart. Von Aggression, wie man sie von einer rechtsextremen Partei erwartet, kann jedoch nicht die Rede sein. Der Besucher wird daher nicht direkt abgeschreckt. Vielmehr sollen die angesprochenen Infoboxen dazu verleiten, Interesse beim Leser zu wecken und sich somit weiterleiten zu lassen, um sich näher mit den Themen auseinanderzusetzen.

Bei zweien der drei Themen handelt es sich um aktuelle Themen, nämlich den Wahlkampf der Europawahl. Es wird unter Anderem darauf hingewiesen, dass es die 3% Hürde nicht mehr gebe und somit jede Partei in das Europaparlament einziehen könne, die etwa 1% aller abgegebenen Stimmen erhalten hat. Daraufhin erscheint ein Spendenaufruf. Ohne sich zu genieren wird der Besucher darauf aufmerksam gemacht, dass ein Wahlkampf viel Geld kostet und Spenden willkommen sind. Durch einen Klick erreicht man sofort eine Auswahl an verschiedenen Transfermöglichkeiten. Weder die CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen noch die FDP nutzen solch eine große Fläche, um zu Spenden aufzurufen. Dieses Vorgehen wirkt unseriös und suggeriert Schwäche, da die Partei scheinbar sehr von diesen Geldern neben den öffentlichen Mitteln abhängig ist.

Die dritte Grafik beschäftigt sich ebenfalls mit dem Wahlkampf, jedoch nur in indirekter Weise. So wird eindringlich in der zu der Grafik gehörenden Infobox darauf hingewiesen, dass es sich bei der NPD um eine Partei handelt, der ein verfassungskonformes Programm innewohnt. So wird eine „umfangreiche Dokumentation“ auf folgenden Seiten angeboten.

In diesem Zusammenhang stellen sich die Nationaldemokraten als Opfer dar. Dies wird beim Betrachten der eben angesprochen Infobox klar: „Die NPD wehrt sich“ heißt es an dieser Stelle als Überschrift. Um die Konformität der Partei zu unterstreichen, haben die Betreiber der Seite ein Bild von Justitia gewählt, die in der Mythologie der Römer als Inkarnation von Gerechtigkeit gilt. Es wird suggeriert, dass die Partei sich im Unrecht fühlt aber alles dafür tut, um die Leute vom Gegenteil zu überzeugen.

[...]


1 Glaser, Stefan, Rechtsextremismus Online - Beobachten und nachhaltig bekämpfen, Bericht über Recherchen und Maßnahmen im Jahr 2012, Mainz, 2013

2 Klärner, Andreas, Kohlstruck, Michael: Moderner Rechtsextremismus in Deutschland. 1. Auflage, Hamburger Edition, Hamburg 2006, S. 7

3 ebenfalls Seite 7

4 Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, S. 11

5 Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: Musik, Mode, Markenzeichen. Rechtsextremismus bei Jugendlichen, S. 59

6 Stöss, Richard, Rechtsextremismus im Wandel, S. 11

7 Stöss, Richard, Rechtsextremismus im Wandel, S.11

8 Stöss, Richard, Rechtsextremismus im Wandel, S. 12

9 Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, S. 11

10 Stöss, Richard, Rechtsextremismus im Wandel. S. 13

11 Grumke, Thomas: Rechtsextremismus in Deutschland: Begriff - Ideologie - Struktur, In: Glaser, Stefan;Pfeiffer, Thomas (Hrsg.): Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert, Hintergründe, Methoden, Praxis der Prävention, S. 24

12 Ebenfalls Grumke, S. 25

13 Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, S. 11

14 Ebenfalls Grumke, S. 28

15 Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, S. 11

16 Das Netz des Hasses - Rassistische, rechtsextreme und neonazistische Propaganda im Internet, S. 54

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die NPD im Netz. Internetpräsenz der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands auf Facebook und Youtube
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V312113
ISBN (eBook)
9783668114791
ISBN (Buch)
9783668114807
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, NPD, Nationaldemokratische Partei Deutschland, Internet
Arbeit zitieren
Ignar Kremski (Autor), 2014, Die NPD im Netz. Internetpräsenz der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands auf Facebook und Youtube, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312113

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