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Entwicklungsgeschichtliches Denken in der Romantik. Novalis Ästhetisierung und Resakralisierung der Geschichtsphilosophie

Title: Entwicklungsgeschichtliches Denken in der Romantik. Novalis Ästhetisierung und Resakralisierung der Geschichtsphilosophie

Essay , 2015 , 5 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Heese (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Während die Aufklärung aufgrund eines ausgesprochenen Gegenwartsoptimismus die bisherige Geschichte als unvernünftige Kindheitsstufe der Menschheit abwertet, steht die Konstruktion des romantischen Geschichtsmodells unter entgegengesetzten Vorzeichen. Im Zuge der Aufbruchsstimmung der Französischen Revolution mit ihrem sozial-ökonomisch und politisch bedingten Krisenbewusstsein verspüren die Romantiker eine Zerrissenheit des gegenwärtigen Seins in den Oppositionen von Welt – Individuum, Vergangenheit – Jetzt, Wirklichkeit – Phantasie, Form – Freiheit. Schwärmerisch wenden sie sich deswegen dem Volkstümlichen und der vermeintlich harmonischen Vergangenheit eines goldenen Zeitalters zu.

Um das Ungenügen an der alltäglichen Normalität zu überwinden, fordert Novalis alle Lebensbereiche zu romantisieren, d.h. „dem Endlichen einen unendlichen Schein zu geben“ (Novalis). Der Essay zeigt auf, dass die Ästhetik und Religiösität bei der Realisierung dieses Projekts und der Auswahl dafür geeigneter Praktiken eine besondere Bedeutung spielt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Das vorliegende Dokument enthält kein explizites Inhaltsverzeichnis. Die strukturellen Schwerpunkte der Analyse sind wie folgt gegliedert:

1. Einleitung in die romantische Geschichtsphilosophie

2. Novalis’ Kritik an der Aufklärung und das Streben nach Universalpoesie

3. Das goldene Zeitalter und die dialektische Überwindung der Trennung

4. Die Methode der Romantisierung und die Rolle des Dichters

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das geschichtsphilosophische Denken von Novalis, insbesondere wie dieser durch eine Ästhetisierung und Resakralisierung versucht, die Zerrissenheit der Moderne zu überwinden und eine neue Einheit zu stiften.

  • Analyse des romantischen Geschichtsbegriffs im Gegensatz zur Aufklärung
  • Untersuchung der Rolle der Universalpoesie bei Novalis
  • Deutung der geschichtsphilosophischen Trias: Unschuld, Entfremdung, Wiedervereinigung
  • Die Funktion der Romantisierung als Lebens- und Weltgestaltung
  • Novalis als Dichter-Priester in einer säkularen Welt

Auszug aus dem Buch

Novalis’ Ästhetisierung und Resakralisierung der Geschichtsphilosophie

Hindurchgegangen durch den Prozess der Geschichte und das Bewusstsein der Menschheit ist die Gegenwart für den frühromantischen Dichter und Philosophen Novalis nichts weiter als eine Illusion, die über die „Erhebung des Menschen über sich selbst“ (II, 327) entlarvt werden soll. Er bemerkt, dass in Wahrheit die Menschen auch „nirgends weniger als in der Gegenwart“ leben (III, 278), sondern stets von der Vergangenheit und Zukunft geleitet sind. Aufgrund der Vorstellung, „daß die Möglichkeit der Vervollkommnung des Menschen unbegrenzt ist“2, wird eine neue Kunst (Universalpoesie), ein neues Denken und Leben praktiziert, das den harmonisch postulierten Urzustand (des biblischen Paradieses vor dem Sündenfall) im prophezeiten Endzustand der Menschheit wiederherstellen soll (Wiedergeburt Christus’ „als neuer Adam“). Diese Erneuerung der Welt vollzieht sich nach Novalis repräsentativ im einzelnen Menschen: Jedes Menschen Geschichte soll eine Bibel sein – wird eine Bibel sein (III, 128).

Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass die Entfaltung der Geschichte nach der idealisierten Frühzeit – insbesondere die entseelte und zweckgerichtete Gegenwart – dabei vorzugsweise in Vergessenheit geraten solle, soll sie nach romantischer Ansicht gerade nicht rückgängig gemacht werden. Erst sie brachte Individualität und Mannigfaltigkeit in die Welt, wodurch die anvisierte Einheit vor der Eintönigkeit bewahrt wird. Novalis konstatiert: „Wie vermeidet man bei Darstellung des Vollkommenen die Langeweile?“ (III, 163). Denn die idealisierte Frühzeit hat nach Novalis den Haken, aufgrund des Fehlens von Bewusstsein und Wissen, lediglich von Instinkt durchdrungen zu sein und deshalb monoton zu sein. Polytonie gilt für Novalis als unumgängliche Komponente der künftigen Harmonie, sodass der Weg der Geschichte für ihn von der Monotonie über die Disharmonie zur Harmonie verläuft.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung in die romantische Geschichtsphilosophie: Einführung in die Abkehr vom Fortschrittsoptimismus der Aufklärung und die Hinwendung zur romantischen Sehnsucht nach einem verlorenen Ursprung.

Novalis’ Kritik an der Aufklärung und das Streben nach Universalpoesie: Darstellung der philosophischen Bestrebungen des Dichters, die entfremdete Welt durch eine neue Kunst und ein neues Geschichtsbewusstsein wieder zu einen.

Das goldene Zeitalter und die dialektische Überwindung der Trennung: Erläuterung des Konzepts der goldenen Zeit als Synthese, die nicht durch Löschung des Vergangenen, sondern durch deren höhere Integration erreicht wird.

Die Methode der Romantisierung und die Rolle des Dichters: Betrachtung der poetischen Praxis als Mittel zur Transformation der Alltagsrealität und zur Einlösung des Anspruchs des Dichters als spiritueller Bildner der Menschheit.

Schlüsselwörter

Novalis, Romantik, Geschichtsphilosophie, Universalpoesie, Aufklärung, Goldene Zeit, Ästhetisierung, Resakralisierung, Entfremdung, Identität, Religion, Subjektivität, Bewusstsein, Transformation, Sinnstiftung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das geschichtsphilosophische Denken des Romantikers Novalis und seine Antwort auf die moderne Entfremdung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Geschichte und Bewusstsein, die Kritik am aufklärerischen Fortschrittsglauben und die ästhetische Gestaltung des Lebens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Novalis durch die Ästhetisierung und Resakralisierung der Welt eine spirituelle Einheit gegen die wahrgenommene Zerrissenheit der Moderne entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Textanalyse, die auf primären philosophischen Schriften und einschlägiger Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der geschichtsphilosophischen Trias der Romantik sowie der Rolle der Universalpoesie zur Überwindung der Monotonie und Disharmonie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Novalis, Geschichtsphilosophie, Universalpoesie, Romantisierung und das Goldene Zeitalter.

Wie bewertet Novalis die moderne Gegenwart?

Novalis empfindet die Gegenwart als einen entfremdeten Zustand und eine Illusion, in der der Mensch sich nicht in der Wirklichkeit, sondern in einer durch Spaltung geprägten Zeit befindet.

Warum ist die "Eintönigkeit" der idealisierten Frühzeit problematisch für Novalis?

Obwohl die Frühzeit idealisiert wird, fehlt ihr das reflektierte Wissen. Novalis benötigt die durch die Geschichte gewonnene Individualität und Mannigfaltigkeit als "Polytonie", um eine höhere Form der Harmonie zu erreichen.

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Details

Title
Entwicklungsgeschichtliches Denken in der Romantik. Novalis Ästhetisierung und Resakralisierung der Geschichtsphilosophie
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophische Fakultät)
Course
Proseminar Romantik
Grade
1,0
Author
Julia Heese (Author)
Publication Year
2015
Pages
5
Catalog Number
V312122
ISBN (eBook)
9783668109827
Language
German
Tags
dem Endlichen einen unendlichen Schein zu geben Geschichtsphilosophie Novalis Romantik Resakralisierung Ästhetik Ästhetisierung Sakralisierung Goldenes Zeitalter triadisches Schema Religiösität Aufklärung Individualität Monotonie Harmonie Sehnsucht Heimat Klassik Annihilitation des Jetzigen Paradies Alltag Traum Fantastik Unbewusstes Bewusstsein Universal Kunst Rausch Liebe Kindsein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Heese (Author), 2015, Entwicklungsgeschichtliches Denken in der Romantik. Novalis Ästhetisierung und Resakralisierung der Geschichtsphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312122
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