„Die Zielbildung in gewinnorientierten Unternehmen wird im wesentlichen bestimmt von der Unternehmensverfassung.“1 Eine Unternehmensverfassung beinhaltet alle Regelungen und Bestimmungen zur Leitung und Kontrolle einer Unternehmung, diese beziehen sich im besonderem Maße auf die Verantwortlichen der Unternehmen (z.B. bei einer Aktiengesellschaft: auf den Vorstand und den Aufsichtsrat).2 Ergo wird durch die Unternehmensverfassung die Rollenverteilung innerhalb einer Unternehmung wiedergespiegelt. Ziel dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung ist es die Grundlagen und Inhalte der Deutschen Unternehmensverfassung und des Begriffes des Corporate Governance Codex aufzuzeigen, das Konfliktpotential zwischen Shareholderund Stakeholder-Ansatz zu verdeutlichen, sowie einen Vergleich mit angelsächsischen Unternehmensverfassungen darzustellen. Diese komplexen Systeme werden anhand von Fallbeispielen verdeutlicht. Zunächst wird ein Überblick zur Deutschen Unternehmensverfassung gegeben und die Kontroverse zwischen Share- und Stakeholder-Ansatz aufgezeigt. Ebenfalls bedarf es einer Einführung zum Begriff des Corporate Governance Codex. Hierfür werden dann im Anschluss einigen Beispiele aufgeführt. Im Anschluss hierzu wird die angelsächsische Unternehmensverfassung betrachtet und durch Beispiele nähergebracht. Abschließend erfolgt eine kritische Würdigung der unterschiedlichen Prinzipien. 1 Bea, Strategisches Management, 3. neu bearb. Aufl., Lucius & Lucius, Stuttgart, 2001, S. 75. 2 Vgl. Kutschker, Internationales Management, 2. bearb. Aufl., Oldenbourg, München, S. 562.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Deutsche Unternehmensverfassung
3. Kontroverse „Shareholder-versus-Stakeholder-Ansatz“
3.1 Stakeholder-Ansatz
3.2 Shareholder-Ansatz
3.3 Kritikpunkte
4. Deutscher Corporate Governance Kodex
4.1 Grundlagen zum Deutschen Corporate Governance Kodex
4.2 Einflussfaktoren - Kodex wir kaum noch befolgt
4.3 Hohe Akzeptanz der Kodex-Empfehlungen
4.4 Kodex-Anpassungen / neue Entwicklungen
5. Beispiele für Deutschland
5.1 Adidas-Salomon AG
5.2 Siemens AG
6. Angelsächsische Unternehmensverfassung
6.1 Das anglo-amerikanische Modell
6.2 Der Sarbanes-Oxley Act (SOA) 2002 – C.G. USA
7. Beispiel für die angelsächsische Unternehmensverfassung
7.1 Vodafone Group Plc
8. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit analysiert die grundlegenden Unterschiede zwischen der deutschen und der angelsächsischen Unternehmensverfassung unter besonderer Berücksichtigung der Kontroverse zwischen dem Stakeholder- und dem Shareholder-Value-Prinzip. Ziel ist es, die Funktionsweisen beider Systeme sowie die Auswirkungen internationaler Standards wie des Corporate Governance Kodex und des Sarbanes-Oxley Acts anhand konkreter Praxisbeispiele kritisch zu vergleichen.
- Grundlagen und Besonderheiten der deutschen dualen Unternehmensverfassung.
- Gegenüberstellung des Stakeholder- und des Shareholder-Value-Ansatzes.
- Rolle und Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex.
- Analyse angelsächsischer Corporate-Governance-Modelle am Beispiel des Sarbanes-Oxley Acts.
- Praktische Untersuchung anhand der Unternehmen Adidas-Salomon AG, Siemens AG und Vodafone Group Plc.
Auszug aus dem Buch
3.2 Shareholder-Ansatz
Beim Shareholder-Ansatz hingegen werden nur die Interessen der Kapitalgeber berücksichtigt. Es wird versucht den sogenannten Shareholder-Value (SV) als alleinigen Maßstab für die Kontrolle der Unternehmensführung zu bestimmen und diesen durch die Geschäftsführung zu maximieren.
„Zweifellos ist heute ein Trend zu Gunsten des Shareholder-Value-Ansatzes festzustellen.“ Dieser Trend wird ebenfalls hervorgerufen durch den Wettbewerb auf dem Markt bedingt durch die Globalisierung, die Knappheit des Kapitals und die wachsende Bereitschaft in der Bevölkerung zum Engagement für Beteiligungen an Unternehmen.
Kennzahlen für die Bestimmung des Shareholder-Value sind z.B.: der DCF (Discounted Cashflow), CFROI (Cahsflow Return ON Investment), CVA (Cash Value Added) und der EVA (Economic Value Added). Ebenfalls sind die Kennzahlen ROI (Return on Investment), RoE (Return on Equity) und Cash Flow (CF) zu nennen. Nach Rappaport wird der Shareholder-Value (SV), wie in Abbildung 4 gezeigt, errechnet; wobei hier CFt als Cash Flow für eine bestimmte Periode steht. Der SV ist definiert als Unternehmenswert abzüglich des Marktwertes des Fremdkapitals. Im sogenannten Residualwert wird der über den expliziten Prognosezeitraum hinaus erzielbare Cash Flow erfasst. Der Diskontierungsfaktor wird als Weighted Average Cost of Capital (WACC) beschrieben, der die Mindestrenditeerwartung der Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber zum Ausdruck bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Unternehmensverfassung für die Zielbildung ein und definiert das Ziel der Arbeit, die deutschen und angelsächsischen Systeme zu vergleichen.
2. Die Deutsche Unternehmensverfassung: Es wird das duale System der deutschen Aktiengesellschaft beschrieben, das durch die Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat sowie durch Mitbestimmungsrechte charakterisiert ist.
3. Kontroverse „Shareholder-versus-Stakeholder-Ansatz“: Dieses Kapitel stellt den Konflikt zwischen dem Stakeholder-Ansatz, der die Interessen aller Beteiligten wahren will, und dem auf Kapitalgeber fokussierten Shareholder-Value-Prinzip gegenüber.
4. Deutscher Corporate Governance Kodex: Hier werden die Grundlagen und Ziele des Kodex erläutert, die Akzeptanz und Umsetzung in der Praxis analysiert sowie notwendige Anpassungen diskutiert.
5. Beispiele für Deutschland: Anhand der Adidas-Salomon AG und der Siemens AG wird verdeutlicht, wie deutsche Konzerne mit den Empfehlungen des Corporate Governance Kodex umgehen.
6. Angelsächsische Unternehmensverfassung: Dieses Kapitel erläutert das Board-System im angelsächsischen Raum und beleuchtet die regulatorische Bedeutung des Sarbanes-Oxley Acts.
7. Beispiel für die angelsächsische Unternehmensverfassung: Die Vodafone Group Plc dient als praktisches Beispiel, um die Umsetzung der Corporate Governance im angelsächsischen Kontext darzustellen.
8. Conclusio: Das Fazit fasst die Notwendigkeit beider Systeme zusammen und plädiert für eine Annäherung, bei der nationale Eigenheiten als Chance verstanden werden.
Schlüsselwörter
Unternehmensverfassung, Stakeholder-Ansatz, Shareholder-Value, Corporate Governance Kodex, Mitbestimmung, Vorstand, Aufsichtsrat, Sarbanes-Oxley Act, Finanzierung, Unternehmensführung, Transparenz, Risikomanagement, Kapitalgeber, Aktienmarkt, Wirtschaftsethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der deutschen und angelsächsischen Unternehmensverfassung, insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Zielsetzungen der Unternehmensführung.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kontroverse zwischen Stakeholder- und Shareholder-Value-Ansatz, der deutsche Corporate Governance Kodex sowie regulatorische Rahmenbedingungen wie der US-amerikanische Sarbanes-Oxley Act.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Grundlagen beider Systeme aufzuzeigen, das jeweilige Konfliktpotential zu verdeutlichen und einen fundierten Vergleich anhand von Fallbeispielen zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Ausarbeitung, die durch Literaturanalyse und die qualitative Untersuchung von Fallbeispielen (Adidas-Salomon, Siemens, Vodafone) methodisch fundiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Verfassung (inkl. Mitbestimmung), die theoretische Kontroverse der Steuerungsansätze, die Analyse des deutschen Corporate Governance Kodex sowie die angelsächsische Perspektive mittels Board-Strukturen und dem Sarbanes-Oxley Act.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensverfassung, Shareholder-Value, Stakeholder-Prinzip, Corporate Governance, Mitbestimmungsgesetz und duales Führungssystem.
Wie unterscheidet sich die deutsche von der angelsächsischen Board-Struktur?
In Deutschland herrscht ein duales System mit einer strikten Trennung von Leitung (Vorstand) und Kontrolle (Aufsichtsrat), während das angelsächsische Modell auf ein einheitliches Organ, das Board of Directors, setzt.
Warum wird der Sarbanes-Oxley Act im Dokument thematisiert?
Der Act wird als zentrale regulatorische Reaktion auf Bilanzskandale in den USA dargestellt, die auch Auswirkungen auf international agierende Konzerne hat, da er die Anforderungen an Transparenz und persönliche Verantwortung der Führungskräfte verschärft.
Welchen Einfluss hat das Mitbestimmungsgesetz auf deutsche Unternehmen?
Das Mitbestimmungsgesetz regelt die paritätische oder qualifizierte Besetzung der Aufsichtsräte mit Arbeitnehmervertretern, was eine Besonderheit der deutschen Unternehmensverfassung darstellt und die Machtverhältnisse im Kontrollgremium beeinflusst.
Welche Rolle spielt die Siemens AG als Fallbeispiel?
Siemens dient als Beispiel für einen deutschen Konzern, der aufgrund seiner Notierung an der New York Stock Exchange sowohl den deutschen Corporate Governance Kodex als auch die strikten Vorgaben des US-amerikanischen Sarbanes-Oxley Acts umsetzen muss.
- Arbeit zitieren
- Steffen F. Käfer (Autor:in), 2003, Unternehmensverfassung - Deutsche und angelsächsische Unternehmensverfassung im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31218