Gegliedert ist die Arbeit in sechs Abschnitte, wobei sich der erste Abschnitt mit der Frage befasst, was Aufmerksamkeit ist und wie das Konstrukt definiert werden kann. Danach werden erste psychologische Experimente zum Hörvorgang vorgestellt, die zur Filtertheorie der Aufmerksamkeit von Broadbent führten. Das Filtermodell wird beschrieben und empirische Gegenbefunde dargestellt. Anschließend werden zwei weitere Modelle zur Aufmerksamkeit vorgestellt, die von Treisman und Deutsch/Deutsch stammen. Eine alternative Theorie, welche sich von den Modellen von Broadbent, Treisman und Deutsch/Deutsch unterscheidet, formulierten die Forscher Johnston/Heinz. Diese alternative Theorie wird im fünften Abschnitt vorgestellt. Es schließt sich schlussendlich ein Fazit an, welches die Erkenntnisse zusammenfasst und einen Ausblick gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Aufmerksamkeit?
3. Erste richtungsweisende Untersuchungen zur auditiven Aufmerksamkeit
4. Filtermodell von Broadbent
5. Theorien von Treisman und Deutsch/Deutsch
6. Theorie von Johnston & Heinz
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den psychologischen Theorien zur auditiven Aufmerksamkeit auseinander, um zu klären, wie der Mensch Informationen selektiert und welche Mechanismen dabei im Filtermodell eine Rolle spielen.
- Definition und theoretische Grundlagen der Aufmerksamkeit
- Empirische Untersuchungen zum dichotischen Hören
- Vergleichende Analyse von frühen und späten Selektionsmodellen
- Flexibilität von Aufmerksamkeitsfiltern in Abhängigkeit von Anforderungen
- Bedeutung der Aufmerksamkeitsforschung für klinische Störungsbilder
Auszug aus dem Buch
3. Erste richtungsweisende Untersuchungen zur auditiven Aufmerksamkeit
Cherrys Untersuchungen 1953 führten zur Entwicklung eines Verfahrens, welches heute als Standardmethode bei der Untersuchung der Aufmerksamkeit während des Hörvorgangs gilt. Das Verfahren ist unter der Bezeichnung „dichotisches Hören“ bekannt. Bei dieser Methode wird eine typische Alltagssituation simuliert, bei welcher man sich in einer Gruppe von redenden Personen einer dieser Personen zuwendet und Aufmerksamkeit schenkt. Die Testpersonen (TP) tragen dabei einen Kopfhörer, wobei die Ohren jeweils mit verschiedenen Nachrichten beschallt werden. Nun ist die Aufgabe der TP, sich auf eine der beiden dargebotenen Nachrichten zu konzentrieren. Die Konzentration auf eine Information wird durch das Nachsprechen ebendieser Information erreicht. Cherry fand in diesem Experiment heraus, dass nur wenig von der unbeachteten Nachricht verarbeitet und damit bewusst wurde. Es war den TP allerdings möglich zu sagen, ob die unbeachtete Information von einer femininen oder maskulinen Stimme präsentiert wurde. Die TP waren allerdings nicht in der Lage, sich an den Inhalt der unbeachteten Nachricht zu erinnern. Sie filterten so gut wie alle Reize aus, auf die sie sich nicht fokussiert hatten.
Broadbent zeigte in einem ähnlich aufgebauten Experiment zum dichotischen Hören im Jahre 1954, dass keine semantische Verarbeitung der dargebotenen Nachrichten festzustellen war, hingegen aber eine Verarbeitung nach dem jeweiligen Ohr. In dem Experiment wurden keine Textinformationen wie bei Cherry genutzt, sondern Ziffern. Den TP wurden simultan drei Ziffernpaare links und rechts über Kopfhörer übermittelt, wobei sie nachher alle sechs Ziffern berichten sollten. Die Wiedergabe der Ziffern erfolgte bevorzugt nach Ohr und nicht semantisch nach Ziffernpaaren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Themenfeld der kognitiven Aufmerksamkeitsforschung ein und gibt einen Überblick über die geplante Struktur der Arbeit, die sich auf auditive Wahrnehmungsprozesse fokussiert.
2. Was ist Aufmerksamkeit?: Dieses Kapitel beleuchtet die theoretische Definition des Konstrukts „Aufmerksamkeit“ unter Einbeziehung historischer Sichtweisen wie der von William James.
3. Erste richtungsweisende Untersuchungen zur auditiven Aufmerksamkeit: Hier werden die klassischen Experimente von Cherry und Broadbent vorgestellt, die den Grundstein für die Erforschung des dichotischen Hörens legten.
4. Filtermodell von Broadbent: Das Kapitel analysiert das 1958 entwickelte Filtermodell sowie dessen spätere wissenschaftliche Kritik durch Experimente zu unbewussten semantischen Verarbeitungen.
5. Theorien von Treisman und Deutsch/Deutsch: Gegenüberstellung der Abschwächungstheorie von Treisman und der Theorie der späten Selektion von Deutsch/Deutsch zur Erklärung der Reizverarbeitung.
6. Theorie von Johnston & Heinz: Darstellung des flexiblen Selektionsansatzes, der die starr geführte Debatte über frühe versus späte Selektionsmodelle infrage stellt.
7. Fazit: Die Zusammenfassung resümiert die Debatte über Aufmerksamkeitsmodelle und betont die Relevanz dieser Forschung für das Verständnis psychischer Störungen.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeit, kognitive Psychologie, auditive Aufmerksamkeit, dichotisches Hören, Filtertheorie, Broadbent, Treisman, späte Selektion, Reizverarbeitung, Aufmerksamkeitsstörungen, ADHS, Wahrnehmung, Selektivität, Informationsverarbeitung, kognitive Modelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den kognitionspsychologischen Grundlagen der Aufmerksamkeit und analysiert, wie Menschen Informationen aus ihrer Umwelt selektieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen Theorien zur auditiven Aufmerksamkeit, experimentelle Nachweise zur Reizselektion sowie die Diskussion um die Leistungsfähigkeit des menschlichen Wahrnehmungssystems.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung der verschiedenen Filtertheorien nachzuvollziehen und zu prüfen, inwieweit diese Modelle die menschliche Informationsverarbeitung erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär diskutiert?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf die Methode des dichotischen Hörens und deren empirische Anwendung in verschiedenen psychologischen Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Filtermodelle, deren empirische Überprüfung sowie die Diskussion weiterentwickelter, flexibler Selektionstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Aufmerksamkeit, Selektivität, Filtertheorie, dichotisches Hören und kognitive Informationsverarbeitung.
Warum kritisierte man das ursprüngliche Filtermodell von Broadbent?
Die Kritik entzündete sich an dem Befund, dass Menschen auch auf unbeachteten Kanälen (z.B. bei Nennung des eigenen Namens) Informationen wahrnehmen können, was einer totalen Blockade widerspricht.
Was unterscheidet das Modell von Johnston & Heinz von früheren Theorien?
Dieses Modell geht von einem flexiblen Filter aus, der sich je nach Aufgabenanforderung an verschiedenen Stellen des Verarbeitungsprozesses positionieren kann.
- Arbeit zitieren
- Alexander Gaida (Autor:in), 2015, Auditive Aufmerksamkeit. Theorien von Broadbent, Treisman, Deutsch & Deutsch und Johnston & Heinz im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312371