Der Gottesname und die göttlichen Attribute in Exodus 34,6. Eine philologisch-exegetische Studie


Seminararbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der biblische Kontext

2 Hauptteil
Der Gottesname הוה יהוה א ל1
Rahum ve hannun רחום וחנון2
a) Rahum רחום
b) Hannun חנון

3 Erekh appaïm א רך אפים3

4 Rav hesed ve emet רב־חסד ואמת4
a) Rav hesed רב־חסד
b) Emet אמת

Konklusion

Offene Fragen

Literaturverzeichnis

Der Gottesname und die göttlichen Attribute in Exodus 34, 6 philologisch exegetische Studie

Einleitung

In dieser kleinen Studie betrachten wir im Besonderen den Vers 6 aus dem Kapitel 34 im Buch Exodus. Wenn wir verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten im Detail untersuchen, so soll dies dem tieferen Verständnis und der Betrachtung der dort offenbarten göttlichen Attribute dienen.

Dank der Arbeit eines befreundeten Priesters über die Bedeutung des Namens Johannes ( ) wurde ich auf die Theophanie am Berg Sinai aufmerksam. Seitdem bearbeitet michיוחנן diese Bibelstelle von innen her. Ihre zentrale Wichtigkeit für die gesamte Offenbarung wird mit immer bewusster. Es handelt sich ganz klar um einen grundlegenden Moment in der göttlichen Offenbarung, in Wichtigkeit und Inhalt vergleichbar mit Exodus 3, 14 oder Deu- teronomium 6, 4.

In unserem Seminar über das Neue Testament bearbeite ich nun, mit expliziter Erlaubnis des zuständigen Professors, einen Text aus dem Alten Testament. Dieser Umstand hat mir etwas mehr eröffnet wie sehr der Alte Bund in den Neuen hinein genommen ist. „ Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekom- men aufzuheben, sondern zu erf ü llen. “ Matth ä us 5, 17. 1 Wenn wir bei der Untersuchung unseres Textes aus dem Buch Exodus im Hinterkopf, oder besser im Herzen bewahren, dass die gesamte Schrift über Christus spricht2 so sollten wir ihm am Ende etwas näher ge- kommen sein. In einer Zukünftigen Arbeit möchten wir dann gerne im Detail heraus arbei- ten in wie fern dieser Text von Christus spricht und wie Christus erfüllt was da gesagt wird.

Das Thema unseres Seminars lautet „ Mich dr ä ngt ´ s den Urtext aufzuschlagen. “ Wir werden also diesen Text im Hebräischen3 und in 13 unterschiedlichen Übersetzungen4 lesen. Der Vergleich verschiedener Übersetzungen ist interessant, führt aber mit Bestimmtheit zu der Frage, ob es wohl eine zureichende Übersetzung gibt oder geben kann. Für das Verständnis des Urtexts versuchen wir uns, so gut uns das als Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts gelingen mag, in die hebräische Sprache hineinzufühlen, indem wir uns von der Bildlichkeit, ja der Körperbezogenheit der Sprache führen lassen.

Nachdem wir kurz den biblischen Kontext aus dem Buch Exodus erläutert haben wollen wir ins Kapitel 34 einsteigen. Dort betrachten wir im Detail den Vers 6: den Gottesnamen und die fünf Attribute Gottes.

Der biblische Kontext

In Exodus 19 kommt Israel am Fuß des Sinai an. Dort schließt der Herr mit seinem Volk einen Bund (Kapitel 24) und gibt ihm sein Gesetz. Mose übergibt dort dem Volk alle gött- lichen Anordnungen, das Zeltheiligtum und die Einsetzung des Priestertums betreffend.

Exodus 32 erzählt wie das Volk den Bund bricht indem es sich ein goldenes Kalb fabriziert und es an die Stelle Gottes setzt: „ Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ä gypten gef ü hrt hat! “ Exodus 32, 4

Nach dem Vorfall mit dem goldenen Kalb hält Mose im Begegnungszelt Fürsprache für Israel und versucht, den Herrn dazu zu bewegen sein Volk nicht zu verlassen und weiter mit im zu ziehen. Gott hatte ihm nämlich gesagt:

„ Auf, ziehe fort von hier, du und das Volk, das du aus dem Ä gypterland gef ü hrt hast, in das Land, das ich dem Abraham, Isaak und Jakob eidlich zugesichert habe mit den Worten: Dei - ner Nachkommenschaft will ich es geben [...] Ich will dich in ein Land bringen, das von Milch und Honig flie ß t. Ich selbst kann nicht in deiner Mitte hinaufziehen, denn du bist ein halsstarriges Volk; sonst m üß te ich dich unterwegs vertilgen. “ Exodus 33, 1-3

Also betet Mose für sein Volk:

„ O weh, dies Volk hat eine gro ß e S ü nde begangen; sie haben sich einen Gott aus Gold ver fertigt. Und nun vergib ihnen doch ihre S ü ndenschuld; wenn nicht, so streiche mich aus dei nem Buch, das du geschrieben hast! “ Exodus 32, 31-32

Dabei bietet er Gott sein eigenes Leben als Sühne an; er, der sich nicht mit dem Volk versündigt hat.

In Exodus 33, 18 spricht Mose diese unglaublich kühne Bitte aus: „ Zeige mir doch deine Herrlichkeit! “ Dieses Gebet, so werden wir sehen, wird reiche Konsequenzen haben. Der Herr Antwortet ihm: „ Ich will all meinen Reichtum an dir vor ü berziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. “ v 19. In der Septuaginta (LXX) steht für die beiden Wörter Herrlichkeit und Reichtum dasselbe Wort, nämlich doxa (δόξα); im Hebräischen ) Gottes sehen zuכבודwerden sie hingegen unterschieden: Mo ses bi ttet darum die kabod ( ),טוב) zu zeigen. Tub kommt von de m Ve rb tob (טובdürfen ; Go tt verspricht ihm s eine tub (gut sein im weitesten Sinne.5 In der ganzen Bibel spricht Gott nur hier davon, dass er seine tub, seine G ü te, seine Sch ö nheit zeigen werde.6

Dann lesen wir wie Gott Mose auf diese ganz besondere Begegnung vorbereitet:

„ Mein Angesicht kannst du nicht schauen; denn kein Mensch kann mich schauen und dabei am Leben bleiben! Siehe, hier in meiner N ä he ist ein Platz, da stelle dich auf den Felsen! Wenn meine Herrlichkeit (kabod) vor ü berzieht, stelle ich dich in die Felsenh ö hle und bede ­ cke dich mit meiner Hand, bis ich vor ü ber bin. Nehme ich dann meine Hand weg, so kannst du meine R ü ckseite schauen. Doch mein Angesicht darf man nicht schauen. “ Exodus 33, 20 ­ 23

Hier spricht Gott ganz klar von seiner kabod. Er verneint also nicht im geringsten seine Herrlichkeit, aber er offenbart Mose einen neuen Zugang zu ihr: durch Gottes Güte zu seiner Herrlichkeit.

Wir befinden uns also im Kontext des Bundesschlusses, seines Bruches und Moses Für­ sprache um Vergebung.

2. Hauptteil

Das Kapitel 34 beginnt mit einigen genauen Anweisungen:

spra ch zu Moses: „ Haue dir zwei Steintafeln zurecht, wie die ersten waren; auf יהוה Der diese Tafeln schreibe ich die Worte, die auf den ersten Tafeln standen, die du zertr ü mmert hast. Halte dich f ü r morgen fr ü h bereit! Steige am Morgen auf den Berg Sinai und tritt dort vor mich hin auf der Spitze des Berges! “ Exodus 34, 1-2

Wenn Gott Mose auffordert zwei neue Steintafeln mitzunehmen, so lässt er bereits erah- nen dass er den gerade gebrochenen Bund wieder erneuern will. Die folgende Theopha- nie geschieht also im Kontext des Bundes, genauer gesagt, der Sünde (Exodus 32) die den Bundesbruch darstellt, und der Bundeserneuerung (Exodus 34, 10). „ Da hieb er sich zwei Steintafeln nach der Art der ersten zurecht. Er machte sich am andern Morgen in der Fr ü he auf und bestieg den Sinai nach des Herrn Befehl. “ Exodus 34, 4. Weil er Got- tes Befehl gehorsam befolgt, kann er auch seine Offenbarung empfangen. „ Da kam der Herr in der Wolke herab. Moses stellte sich dort bei ihm auf und rief den Namen des Herrn an. “ Exodus 34, 5. Der Herr stiegt herab, Mose steigt auf den Berg hinauf. Die Wolke zeigt dass Gott versteckt bleibt. Da ist eine Manifestation, etwas Sichtbares, aber das ist nicht Er: „ Doch mein Angesicht kannst du nicht schauen. “ Exodus 33, 20

In Exodus 3, 13-15 hatte Gott offenbart wer er ist:

Moses sprach zu Gott: „ Wenn ich nun zu den Kindern Israels komme und zu ihnen spreche: „ Der Gott eurer V ä ter hat mich zu euch gesandt “ , und sie mich dann fragen werden: „ Wie hei ß t er? “ , was soll ich ihnen dann antworten? “ Gott entgegnete dem Moses: „ Ich bin, der ) “ Er fuh r fort: „So sol lst du zu den Israeliten sprechen: Der „ Ich bin אהיה אשר אהיה ich bin! ()“ hat mich zu euch gesandt. “ Und weiter sagte Gott zu Moses: „ So sollst du zu den אהיה ( ), der Gott eurer V ä ter, der Gott Abr ahams, der יהוה Kindern Israels sprechen: „ Der Herr ( Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt. Dies soll mein Name f ü r immer sein und dies mein Rufname von Geschlecht zu Geschlecht!

Das ich bin drückt wohl das fundamentalste Attribut Gottes aus: er ist. Im Kapitel 34 of- fenbart Gott etwas persönlicheres, wenn man so sagen darf. Er sagt Mose wie er ist.

Da zog der Herr an ihm vor ü ber und rief:Der Herr, der Herr, ein barmherziger und g ü ti ger Gott, langm ü tig, reich an Huld und Treue! “

יהוה יהוה אל רחום וחנון ארך אפים ורב־חסד ואמת

JHWH JHWH El rahum ve hannun, erekh appaïm ve rav hesed ve emet.

Exodus 34, 6

Der Gottesname 1יהוהיהוה אל

Bevor wir näher auf die verschiedenen Attribute Gottes eingehen, wollen wir den hier ver- ist ein Hapax in derיהוה יהוה אל:wendeten Gottesnamen betrachten, so zu sagen die Anrede gesamten Bibel. Vergleichen wir wie er in verschiedensten Übersetzungen wiedergegeben wird.

An erster Stelle lesen wir den Hebräischen Text aus der Biblia Hebraica Stuttgartensia. Er ist unser Bezugspunkt. Bis jetzt wissen wir nicht wie wir näher an den Urtext herankom­ men könnten. Als zweites lesen wir den Text der Septuaginta. Dann die Übersetzung der Vulgata, danach die Nova Vulgata und dann verschiedene Übersetzungen in modernen Sprachen.

Die unterschiedlichen Farben sollen helfen die einzelnen W ö rter in den verschiedenen Sprachen schnell und einfach wieder zu erkennen.

- Exodus 34, 6 wie wir ihn aus der Biblia Hebraica Stuttgartensia empfangen: סדואמתורב־חך אפיםארחנוןו

JHWH JHWH El rahum ve hannun erekh appaïm ve rav hesed ve emet

- Septuaginta (LXX)

κύριος ὁ θεος οἰκτίρμων και ἐλεήμων μακρόθυμος και πολυέλεος και ἀληθινος

Wir bemerken sofort, dass hier die Wiederholung des Gottesnamens ausgelassen wurde.

- Vulgata

Dominator Domine Deus misericors et clemens patiens et multae miserationis ac verus

Dominator könnte man als Superlativ von Dominus ansehen. Dominator Domine Deus ist auch in der Vulgata ein Hapax. Interessant ist auch dass dieser in der Nova Vulgata ver- schwindet.

- Nova Vulgata 1979

Dominus, Dominus Deus misericors et clemens patiens et multae miserationis ac verax

- Einheitsübersetzung 1980

Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue

- Buber-Rosenzweig-Übersetzung 1929

ER ER Gottheit, erbarmend, gönnend, langmütig, reich an Huld und Treue

- Luther Bibel 1545

HErr, HErr GOtt, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue

- André Chouraqui 2010

IHVH-Adonaï, IHVH-Adonaï, Él matriciel, graciant, long de narines, abondant en chérissement et vérité

- King James 1611

The LORD, The LORD God, merciful and gracious, longsuffering , and abundant in goodness and truth

- Nederlandse Staten Vertaling 1619

HEERE, HEERE, God, barmhartig en genadig, lankmoedig en groot van weldadigheid en waarheid.

- Reina Valera 1865 - überarbeitete Version 2014

Jehovah (el Eterno), Jehovah (el Eterno) EL (Dios) compasivo, y misericordioso; lento para iras, y grande para misericordia y verdad;

- Sacra Bibbia Nuova Riveduta 1994

Il SIGNORE! il SIGNORE! il Dio misericordioso e pietoso, lento all'ira, ricco in bontà e fedeltà

- Isländische Bibel 2007

Drottinn, Drottinn, miskunnsamur og líknsamur Guð, þolinmóður, gæskuríkur og harla trúfastur

- Vietnam Bible 2002

Ta là CHÚA, Ta là CHÚA, Đức Chúa Trời có lòng thương xót và nhân từ, chậm giận, đầy dẫy tình thương và thành tín

Das einzige was die verschiedenen Übersetzer wohl gemeinsam haben, ist dass sie sich mit dieser Stelle schwer tun. Die einen sehen die Wiederholung des Tetragrammes vielleicht als Abschreibfehler an und geben ihn nur einmal wieder, so die LXX und die Einheitsüber- setzung. Die grundlegende Schwierigkeit liegt hier in der Übersetzung des Gottesnamens. mit JHWH, mit Jehova, mit Adonai oder mit HERR umschrieben werden? JedeיהוהSoll der angeführten Möglichkeiten wird häufig verwendet, und auch andere sind im Umlauf. Das Vorwort der revidierten Elberfelder Übersetzung spricht über diese Schwierigkeit:

Die Israeliten haben nie "Jehova" gesagt, sondern wahrscheinlich "Jahwe". Sp ä ter wagte man nicht mehr, den heiligen Gottesnamen auszusprechen und sagte statt dessen "Adonaj" (= Herr). Damit man nun beim Vorlesen aus der Bibel daran erinnert wurde, "Adonaj" zu lesen und nicht versehentlich "Jahwe", setzten die Juden in ihren Bibelhandschriften zu den Konsonanten des Namens "Jahwe" (JHWH) die Vokale des Wortes "Adonaj" ( ê oa, wo- bei das Zeichen f ü r ê auch f ü r â stehen kann), so da ß Nichteingeweihte daraus "Jehovah" lesen mu ß ten. Daraus ergibt sich folgerichtig, da ß "Jehova" kein Name ist und man ihn deshalb auch in unserer Sprache nicht so schreiben und aussprechen sollte. “

Bei der Revision wurde daher "Jehova" durch "HERR" ersetzt, und zwar mit Gro ß schrei bung aller Buchstaben, damit der Leser erkennen kann, da ß an dieser Stelle im Grundtext die Buchstaben JHWH stehen. Da ß die Entscheidung f ü r "HERR" und nicht f ü r "Jahweh" getroffen wurde, hat vor allem zwei Gr ü nde:

[...]


1 Außer anders vermerkt verwenden wir in dieser Arbeit die Bibelübersetzung vom Pattloch Verlag, Aschaffenburg, AT 1962, NT 1979.

2 Siehe KKK 134.

3 In dieser Arbeit nehmen wir als „Urtext“ den Text der Biblia Hebraica Stuttgartensia an, ohne eine weite Textkritik zu unternehmen.

4 In der Aufgabenstellung wurde ausdrücklich gewünscht dass mehrere Übersetzungen verglichen wer- den.

5 J. STRONG, Strong's Exhaustive Concordance of the Bible, H8289, H2895.

6 Beim Propheten Jeremia spricht Gott noch einmal von seiner Güte, aber in einem anderen Sinn: „ Ich labe ) - Spruch des Herrn. “ Jeremia 31, 14. טובי die Priester mit Fett, mein Volk wird ges ä ttigt an meinem Segen (

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Gottesname und die göttlichen Attribute in Exodus 34,6. Eine philologisch-exegetische Studie
Hochschule
Hochschule Heiligenkreuz
Veranstaltung
NT Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V312372
ISBN (eBook)
9783668123991
ISBN (Buch)
9783668124004
Dateigröße
1015 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die SE-Arbeit ist (wie schon das Referat) ausgezeichnet!
Schlagworte
Exodus, Mose, Barmherzigkeit, Huld, Treue, Wahrheit, Theophanie, Sinai, Bundesschluss, Goldenes Kalb, Jonas, Kislich
Arbeit zitieren
Jonas Kislich (Autor), 2015, Der Gottesname und die göttlichen Attribute in Exodus 34,6. Eine philologisch-exegetische Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312372

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