Bismarck im Film des Nationalsozialismus. "Die Entlassung" von Wolfgang Liebeneiner aus dem Jahr 1942


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Geschichtsvermittlung im Film: Chancen und Risiken

2) Bismarck

3) Der Film „Die Entlassung“ von 1942
3.1) Bismarck im Film der NS-Zeit
3.2) Die Produktionsbedingungen des Films
3.3) Die Handlung des Films

4) Der Umgang mit Geschichte im Film „Die Entlassung“ anhand ausgewählter Szenen
4.1) Das Gespräch Bismarcks mit Wilhelm II. über den Rückversicherungsvertrag
4.2) Der Kronrat
4.3) Bismarcks Gespräch mit von Holstein nach der Entlassung
4.4) Die letzte Szene des Films

Schluss

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Der erste Reichskanzler des deutschen Reiches, Otto von Bismarck, spaltet auch über 100 Jahre nach seinem Tod noch die Menschen. Einige verehren ihn als Gründer Deutschlands und Einiger der zersplitterten Fürsten, die anderen verteufeln ihn als Kriegstreiber und Erzpreußen, der den deutschen Fürsten ihre Unabhängigkeit nahm. Eine sehr eindeutige Meinung zu Bismarck jedoch gab es im Dritten Reich. Die Nationalsozialisten propagierten Bismarck als Vorreiter Hitlers und als Wegbereiter des Nationalsozialismus. Dies spiegelt sich vor allem mit dem Umgang des Bismarck-Bildes in der Öffentlichkeit wieder. Unter dem Regime Hitlers erreichte die Verehrung und Verklärung des sogenannten „Eisernen Kanzlers“ neue Höhen. Diese Verehrung und Nutzung des Reichskanzlers zu Propagandazwecken soll in der vorliegenden Arbeit beleuchtet werden, am Beispiel des Filmes „Die Entlassung“ von 1942. Zunächst soll dazu die Geschichtsvermittlung im Film im Allgemeinen beleuchtet werden, und hierbei allgemeine Chancen und Risiken betrachtet werden. Im Anschluss soll das Leben Bismarcks beleuchtet werden um einen historischen Hintergrund zu schaffen. Danach wird der Film „Die Entlassung“ von 1942 behandelt, hier soll zunächst die Rolle Bismarcks im NS-Film im Allgemeinen kurz betrachtet werden. Im zweiten und dritten Punkt dieses Kapitels wird es vor allem um den Film an sich gehen, also um Produktionsbedingungen und die Handlung. Anschließend werden vier Szenen des Films genauer betrachtet werden und auf die gezeigte Handlung sowie nationalsozialistische Propaganda untersucht werden.

Da der Film im Internet frei zugänglich ist, wurde die auf Youtube zu findende Fassung verwendet. Die Literatur zum Thema Spielfilm und Geschichte ist größtenteils beschränkt auf Aufsätze und Beiträge in Handbüchern. Als Literatur zu Geschichte im Spielfilm wurden hauptsächlich der Aufsatz von Arnold Sywottek zum Thema Film und Geschichte, Rainer Rothers Beitrag im Handbuch der Geschichtsdidaktik, Katharina Weigands Aufsatz über Geschichte im Spielfilm am Beispiel von Sissi, „Geschichte und Film - Film und Geschichte“ von Hilde Hoffmann, „Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen...“ von Natalie Zemon Davis sowie der Aufsatz Geschichte als Ereignis von Thomas Fischer verwendet. Seriöse Rezensionen des Filmes waren leider nicht zu finden, daher fanden sie auch keinen Eingang in diese Arbeit. Daten über den Film wurden der „Internet Movie Database“ entnommen. Für den historischen Hintergrund über das Leben Bismarcks wurden die Werke von Ernst Engelberg, Lothar Gall, und Eberhard Kolb verwendet.

1) Geschichtsvermittlung im Film: Chancen und Risiken

Ein Grundsatz beim Betrachten eines Filmes ist immer, dass sich der Zuschauer im Klaren sein muss, dass ein Film im Grunde nie neutral betrachtet werden kann. Man sollte sich stets folgende Fragen stellen: „Wer hatte die Idee, einen solchen Film zu drehen? Wer schrieb das Drehbuch, wer ist der Regisseur? Hatten diese Personen bereits zuvor Erfahrung gesammelt mit der Verfilmung von historischen Themen? [...] Allein der Umstand, von wem bzw. welcher Institution ein Film finanziert wurde, lässt wichtige Rückschlüsse auf die Zielrichtung des fertigen Produktes zu. In diesem Zusammenhang muss natürlich auch geklärt werden, wie die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Herstellung aussahen [...].“1 Dies gilt im Besonderen für den Historienfilm, dessen Anspruch es immer ist, etwas so realistisch wie möglich darzustellen: „Beim historischen Film wird uns fortlaufend vermittelt, es läge kein filmischer Code vor, der Geschichte nach Bild- und Erzählkonventionen gestaltet, sondern die Leinwand böte uns ein Fenster, durch das wir auf die Vergangenheit blicken könnten.“2

An dieser Stelle tritt häufig Kritik von Historikern auf, die befürchten, der Laie im Kino könnte die Geschichte auf der Leinwand für bare Münze nehmen und habe fortan im Kopf gespeichert, dass die historischen Abläufe tatsächlich so waren, wie im Film gezeigt. Dabei sind Kino und Fernsehen längst als Vermittler von Geschichte etabliert und akzeptiert.3 Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ein Kinofilm der ein geschichtliches Thema als Grundlage hat keinesfalls den Anspruch erhebt, wissenschaftlich zu sein. Der Sinn und Zweck eines Filmes - sei es nun im Kino oder im Fernsehen - ist zunächst einmal, zu unterhalten.

Während der Historiker sich bemüht herauszufinden, wie sich bestimmte Ereignisse zugetragen haben oder aus welchem Grund Personen so handeln wie sie es tun, ist der Film solchen Maximen eher selten unterlegen.4 Der Regisseur eines Historienfilmes wird eher andere Motive verfolgen, wie von Katharina Weigand im Folgenden beschrieben: „Einen Filmemacher wird wahrscheinlich viel mehr interessieren, ein bedeutendes historisches Ereignis von den Reflexionen der historiographischen Rekonstruktion geradezu zu befreien und dabei künstlerisch zu überformen. Gleichermaßen denkbar ist das Motiv, die Vergangenheit mit Deutungen aus der eigenen Gegenwart zu verbinden, die Schilderung historischer Begebenheiten somit in den Dienst zu nehmen für die Verbreitung eines aktuellen politischen Credos. Doch auch ein viel banaleres Motiv kann einem Filmprojekt zugrunde liegen: der Wunsch, das Publikum einfach nur gut zu unterhalten.“5 Dennoch, auch wenn man sich bewusst macht dass ein Film vor allem unterhalten will, eine kritische Beurteilung ist immer notwendig. So muss man sich bewusst sein, dass jeder Film eine geschlossene Erzählung darstellt „mit Anfang, Mitte und Schluss und einer moralischen Botschaft, die in der Regel von einer Veränderung zum Besseren und von menschlichem Fortschritt erzählt.“6

Hilde Hoffmann deckt noch ein weiteres Problem auf: „Filmische Geschichtsschreibung stellt sich häufig als Geschichte von Individuen dar [...]. Individuen stehen im Vordergrund des historischen Prozesses. Damit geht einher, dass persönliche Probleme für historische Problemlagen stehen und die Lösung der persönlichen Probleme auch als Lösung der historischen Konflikte erscheint.“7 Durch diese Fokussierung auf Personen erreicht der Film beim Zuschauer eine hohe Emotionalität, man identifiziert sich mit der Person und fühlt mit ihr. Ein weiteres Problem ist, dass die Verfilmung der historischen Ereignisse nie zum gleichen Zeitpunkt stattfindet wie das eigentliche Geschehen. Somit ist ein historischer Film auch immer ein Konstrukt, welches Anspruch auf Authentizität erhebt. „Diese Kategorie <<Glaubwürdigkeit>> oder <<Authentizität>> ist also nicht von vornherein in dem verwendeten Archivmaterial enthalten, sondern sie stellt sich erst durch die formale Gestaltung eines Films, d.h. die Erzählstrategie und die auf spezielle Weise montierten Bilder und Töne her.“8 Im Prinzip ist diese Vermittlung von Geschichte harmlos, sie dient, wie bereits erwähnt, vornehmlich der Unterhaltung. „Wirklich unseriös, ja gefährlich wird der Einsatz von Geschichte - auch im Film - freilich dann, wenn es um die Verbreitung ideologischer Grundsätze geht.“9

Auch beim Film ist somit eine kritische Betrachtung des Filmes an sich, sowie eine Sensibilisierung der Konsumenten für die Mittel und Methoden der Filmemacher absolut notwendig und erforderlich.10 Dies trifft in gesteigertem Maße für den Spielfilm der NSZeit zu, denn hier ist die Verbindung von Ideologie und Film nicht trennbar.

2) Bismarck

Otto von Bismarck wurde am 1.April 1815 in Schönhausen nahe der Elbe geboren.11 Väterlicherseits war er ein Spross eines alten Adelsgeschlechts aus der Altmark.12 Seiner Mutter verdankte der junge Bismarck ebenfalls eine Bildung, die keinesfalls dem typischen Werdegang eines Landadeligen entsprach, sondern ihn vielmehr auf den Eintritt in den Staatsdienst vorbereiten sollte.13 Die Schule besuchte er in Berlin, zunächst auf einem Internat, später dann besuchte Bismarck sowohl das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium wie auch das humanistisch geprägte Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster.14 Nach dem Abitur studierte Bismarck zunächst in Göttingen Rechtswissenschaften. Im Gegensatz zu vielen seiner Kommilitonen lehnte er allerdings die oppositionellen Burschenschaften ab und schloss sich vielmehr der schlagenden landsmannschaftlichen Studentenverbindung Corps Hannovera Göttingen an.15 Sein Studium beendete er 1835 mit dem Ersten Staatsexamen in Berlin. Von dem eintönigen Alltag eines Regierungsreferendars schnell gelangweilt, begann Bismarck Affären mit mehreren Frauen und verlor in diesem Zuge auch sein Referendariat.16 1838 leistete er schließlich seinen Militärdienst ab. Zunächst wurde er dem Garde-Jäger-Bataillon zugeteilt, wechselte gegen Ende des Dienstes allerdings nach Greifswald, wo er sich an der Königlichen Staats- und landwirtschaftlichen Akademie Eldena auf die Führung der Familienbetriebe vorbereitete.17

Nach dem Tode seine Mutter bezog Bismarck gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard die väterlichen Güter Kniephof, Külz, und Jarchlin.18 Nach dem Tode des Vaters kam auch noch die Verwaltung von Schönhausen dazu. Im Jahre 1847 heiratete Bismarck Johanna von Puttkamer, die Freundin einer Bekannten, welche er bei deren Hochzeit kennengelernt hatte.19

Politisch trat Bismarck zunächst nur auf kommunaler Ebene hervor. Als Verwalter von Gut Kniephof war er Abgeordneter des Kreises Naugard, 1845 wurde er dann Mitglied des Provinziallandtags von Pommern. Sein erstes öffentliches Amt erhielt er durch die Ernennung zum Deichhauptmann in Jerichow im Jahre 1846.20

[...]


1 Weigand, Katharina: Geschichte im Spielfilm. „Sissi“ zwischen Wissenschaft und Zelluloid, in: Fenn, Monika (Hrsg.): Aus der Werkstatt des Historikers. Didaktik der Geschichte versus Didaktik des Geschichtsunterrichts, München 2008, S.101f.

2 Hoffmann, Hilde: Geschichte und Film - Film und Geschichte, in: Horn, Sabine/ Sauer, Michael (Hrsg.): Geschichte und Öffentlichkeit. Orte - Medien - Institutionen, Göttingen 2009, S.139.

3 Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.93.

4 Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.96f.

5 Weigand: Geschichte im Spielfilm. S.97.

6 Hoffmann: Geschichte und Film, S.139.

7 Hoffmann: Geschichte und Film, S.140.

8 Fischer, Thomas: Geschichte als Ereignis. Das Format der Zeitgeschichte im Fernsehen, in: Crivellari, Fabio u.a. (Hrsg.): Die Medien der Geschichte, Konstanz 2004, S.520.

9 Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.98.

10 Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.98f.

11 Kolb, Eberhard: Otto von Bismarck. Eine Biographie, München 2014, S.12.

12 Kolb: Bismarck, S.11.

13 Kolb: Bismarck, S.14.

14 Kolb: Bismarck, S.13f.

15 Kolb: Bismarck, S.14.

16 Gall, Lothar: Bismarck. Der weiße Revolutionär, Frankfurt am Main 1980, S.38f.

17 Gall: Bismarck, S.40.

18 Gall: Bismarck, S.41f.

19 Gall: Bismarck, S.53.

20 Gall: Bismarck, S.76ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bismarck im Film des Nationalsozialismus. "Die Entlassung" von Wolfgang Liebeneiner aus dem Jahr 1942
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V312390
ISBN (eBook)
9783668115897
ISBN (Buch)
9783668115903
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bismarck, Nationalsozialismus, Die Entlassung
Arbeit zitieren
Benjamin Waldraff (Autor), 2015, Bismarck im Film des Nationalsozialismus. "Die Entlassung" von Wolfgang Liebeneiner aus dem Jahr 1942, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312390

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