Der belastete Sozialarbeiter zwischen Burnout und Sekundärer Traumatisierung


Bachelorarbeit, 2012

66 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

I. Teil - Burnout
2. Einführung Teil I
2.1 Definition von Burnout
2.2 Anforderungen an Sozialarbeiter
2.3 Burnout als Phasen-Prozess
3. Ursachen eines Burnout
3.1 Persönlichkeitszentrierte Ursachen
3.2 Arbeits- und Organisationspsychologische Ursachen
4. Symptome
5. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten
5.1 Präventionsmaßnahmen
5.2 Interventionsmaßnahmen

II. Teil - Sekundäre Traumatisierung
6. Einführung Teil II - Sekundäre Traumatisierung
6.1 Trauma als Grundstein
6.2 Definitionsfindung
7. Ursachen einer Sekundären Traumatisierung
8. Symptome
9. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten
9.1 Präventionsmaßnahmen
9.2 Interventionsmaßnahmen
10. Bedeutung der Leiden für den Sozialarbeiter
11. Zusammenfassung
12. Literatur

1. Einleitung

ÄImmer mehr, immer schneller… immer besser!“ (Poulsen, 2011) So könnte man die Anforderungen beschreiben, die heutzutage an die Bevölkerung gerichtet sind.

Doch was macht diese Leistungsanforderung mit den einzelnen Menschen? Die Sorge um den Arbeitsplatz, hoher Arbeitseinsatz, Leistungsdruck und ständig Überstunden ableisten, die dann als privates Engagement verbucht werden, sind eine zunehmende Belastung für jeden Einzelnen. Besonders von Fachkräften im sozialen Bereich wird sehr viel erwartet. An sie werden vielerlei Ansprüche aus den verschiedensten Richtungen gestellt und somit kann man davon ausgehen, dass sie einer überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind.

An sich sind Arbeitsbelastungen nichts Ungewöhnliches in einer modernen, Kapital orientierten Gesellschaft, wie man sie in Deutschland vorfindet. Das oben genannte Motto könnte wohl auf dem Banner vieler Unternehmen stehen, und doch müssen die Menschen sich mit ihren gegebenen Umweltbedingungen, wozu Stress unter anderem unweigerlich zählt, arrangieren und damit arbeiten.

Doch was, wenn diese Strapazen in ihrer Intensität immer stärker und ihrer Dauer immer langwieriger werden? Es ist biologisch nicht möglich, einen immer wehrenden Erregungs- und damit Leistungsstandard von 100% aufrecht zu erhalten. Der Körper benötigt Ruhephasen und Pausen, um seine Kräfte zu regenerieren und zu erneuern. Durch andauernde Inanspruchnahme und das Übernehmen vielschichtiger Verantwortlichkeiten, wie sie in der sozialen Arbeit gefordert werden, entstehen ein steter Leistungsdruck und hohe Erwartungen, denen der Einzelne zu entsprechen versucht.

P6: Ä(M)an kriegte n schlechtes Gewissen: ‚du musst doch aber‘ und ‚du kannst doch jetzt nicht sitzen‘ und ‚du musst doch jetzt irgendwas tun‘ (…).“

Doch wie oben bereits erläutert, ist der Körper für diese Dauerbelastung nicht konzipiert. Es drängen sich demnach die Fragen auf, „wie Fachkräfte auf diese Einflüsse reagieren, wie gewichtig dieses Thema in den Arbeitsalltag einfließt und welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um diesem Problem adäquat begegnen zu können.“

Der nachfolgenden Bachelor-Arbeit liegt deshalb das Thema: „Der belastete Sozialarbeiter zwischen Burnout und sekundärer Traumatisierung“ zugrunde. Hierbei soll auf zwei der zahlreichen Folgeerscheinungen von permanenter Überlastung durch das alltägliche Arbeitsgeschehen der Sozialarbeiter genauer eingegangen werden.

Die Phänomene Burnout und sekundäre Traumatisierung wurden ganz bewusst zusammen für diese Arbeit ausgewählt. Sie sind Aspekte der Sozialen Arbeit, die deutlich machen, wie wichtig eine angemessene Fürsorge nicht nur den Klienten, sondern auch sich selbst gegenüber ist. Auch aus einem starken persönlichen Interesse kam dieses Thema zustande.

Daher sollen hier einige der theoretischen Blickwinkel der Fachwelt, diese Erscheinungen betreffend, dargestellt werden.

Um dem Geschriebenem eine gewisse Praxisnähe zu verleihen, werden zusammengefasste Zitate aus 2 vorab durchgeführten Interviews im Text mit eingebaut.

Die Ausarbeitung wird in zwei Blöcke gegliedert, um zunächst jedem Leiden eine theoretische Basis zu geben. An diese schließt dann eine Deutung und Bezugnahme zur oben aufgestellten Frage an.

Der erste Block beschäftigt sich mit dem Burnout. Zu Beginn erfolgt eine Definitionsfindung unter Berücksichtigung verschiedener fachlicher Vertreter, so zum Beispiel des Psychologen Herbert Freudenberger. Nachdem ein Grundverständnis über den Begriff des Burnouts vermittelt wurde, werden kurz die Anforderungen an Sozialarbeiter umrissen, um ein grundlegendes Verständnis der Belastungssituationen herzustellen. Der dritte Aspekt dieses Themenpunktes dient der Darstellung des Burnout- Prozesses, anlehnend an die Ausführungen der Psychotherapeutin Sabine Fabach.

Im Dritten Kapitel wird eine Ursachenforschung aus zwei vorrangig diskutierten Ansätzen präsentiert. Diese sind zum einen der Persönlichkeitszentrierte und zum anderen der Sozial-, Arbeits- und Organisationspsychologische Erklärungsansatz.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den vielschichtigen Symptomen, die bei einem Burnout auftreten können. An diesen Punkt schließen die Interventions- und Präventionsmaßnahmen an, die den Helfern zur Hand stehen.

Der zweite Block wendet sich der sekundären Traumatisierung zu. Wie bereits im vorangegangenen Block, wird auch hier die Definitionsfindung in der Einführung eine wichtige Rolle spielen. Zuvor wird der Blick jedoch auf das Trauma eines anderen Menschen als auslösende Instanz gerichtet.

Im siebten Kapitel steht der Fokus auf den Ursachen einer sekundären Traumatisierung. Hierbei gibt es durchaus Parallelen zu den BurnoutUrsachen die im dritten Punkt angeführt werden.

Bei den Symptomen sind ebenfalls Übereinstimmungen zu finden, doch, wie bei den Ursachen, werden auch hier die Unterschiede im Zentrum der Betrachtung stehen.

Abschließend werden im zweiten theoretischen Block mögliche Interventions- und Präventionsmaßnahmen einer sekundären Traumatisierung aufgezeigt.

Im Anschluss an die wissenschaftliche Basis erfolgt die Deutung und Bezugnahme dieser Problematiken auf eine Handlungsempfehlung in der Sozialen Arbeit. Zusammenfassend werden alle Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal kurz und knapp aufgegriffen.

Alle sich im Text befindlichen Formulierungen werden in der männlichen Schriftform aufgegriffen, umschließen dabei aber immer das weibliche Pendent.

I Teil - Burnout

2. Einführung Teil I

Burnout ist ein schleichender Prozess. Dieser Umstand macht es oft so schwierig, es selbst zu erkennen. Irmhild Poulsen hielt in ihrer Studie mit Fachkräften aus sozialen Bereichen einige Einstellungen fest, die das Entstehen eines Burnout zumindest begünstigen.

Sätze wie: „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“, ÄNur wenn ich es mache, wird es richtig gemacht.“, ÄIch habe jetzt keine Zeit, mich zu entspannen, ich hab zu viel zu tun.“, ÄIch muss schneller, besser und effizienter sein, als alle anderen, sonst komme ich nicht weiter.“, und ÄErst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ zeigen deutlich, dass die Priorität immer auf der Leistung und dem Erfolg im Arbeitsleben liegt. Entspannung und Ausgleich durch das Privatleben sind jedoch wichtige Bestandteile für eine physische und psychische Gesundheit (vgl. Poulsen, 2009, S. 9).

Um Burnout besser identifizieren und frühzeitig reagieren zu können, ist es vorteilhaft, die Warnsymptome der Anfangsphase zu kennen. Diese Phase ist auf der einen Seite geprägt durch Hyperaktivität, das freiwillige Übernehmen von unbezahlter Mehrarbeit, einem Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit sowie dem Gefühl, nie Zeit zu haben. Auch beginnen Betroffene die eigenen Bedürfnisse zu leugnen und dezimieren ihre sozialen Kontakte häufig nur noch auf ihre Klienten. Auf der anderen Seite stellt sich oft eine chronische Müdigkeit ein, die mit Energiemangel und Unausgeschlafenheit einhergehen kann (vgl. Reiners-Kröncke und Röhring, 2010, S. 16).

Doch was ist Burnout? Um diesem Problem besser begegnen zu können, ist es zunächst nötig, die in der Fachwelt geltende Definition von Burnout zu kennen.

2.1 Definition von Burnout

In der Fachwelt gibt es keine allgemeingültige Definition von Burnout, zumindest konnte man sich noch nicht für eine entscheiden. Im Allgemeinen wird Burnout aber mit dem Begriff des „Ausbrennens“ übersetzt. Um einen besseren Überblick über die verschiedensten Ansichten zu bekommen, werden hierfür vier unterschiedliche Ansichten exemplarisch angegeben.

Für die Psychotherapeutin, Sabine Fabach, ist das Burnout-Syndrom keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eher ein Bündel von körperlichen und seelischen Reaktionen auf zu hohen und langanhaltenden negativen Stress (vgl. Fabach, 2011, S.17).

Frau Fabach spricht in ihrer Definition von langanhaltend negativem Stress. Stress ist ein Begriff, der im alltäglichen Gebrauch als negativ verstanden wird, doch ist Stress eher als eine Reaktion physiologischer und psychischer Erregung zu verstehen. Er ist weder gut noch schlecht, sondern vielmehr eine Reaktion auf eine Herausforderung aus der Umwelt und dient primär unserem Überleben (vgl. Fengler, 2011, S. 16). Es wird dem Körper signalisiert, ob man einer Herausfordeung gewachsen ist, man also eine freudige Aufregung verspürt (Eustress) oder, ob die Situation als belastend oder gar bedrohlich zu sehen ist (Disstess) und man sie lieber vermeiden sollte (vgl. Fengler, 2011, S.16). Wird in dieser Arbeit der Begriff Stress benutzt, so ist hier der Disstress gemeint, es sei denn, es wird explizit anders benannt.

M. Burisch, ein deutscher Psychologe, gibt eher eine psychologisch- metaphorische Bedeutung zur Veranschaulichung. Für ihn handelt es sich um eine langandauernd zu hohe Energieabgabe, für zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub (vgl. Burisch, 2006, S.18f). Er schildert dies noch bildlicher und vergleicht den Prozess des „Ausbrennens“ mit einer Autobatterie, die sehr viel Energie zum Leuchten benötigt und dabei aber keinen neuen Energienachschub erfährt. Betrachtet man dieses Bild, wird deutlich, dass man nicht ewig „leuchten“ kann und auch mal Pausen und Ausgleich benötigt.

In einer Dokumentation zum Thema Burnout wurden von Betroffenen ähnliche Dinge geäußert.

ÄIch fühle mich, wie wenn man aus einer laufenden Maschine den Stecker zieht.“ Oder ÄDer Akku ist leer.“ (Vox-Dokumentation, 05.05.2012) H. Freudenberger, ein deutsch-amerikanischer Psychologe und Psychoanalytiker, der den Begriff Burnout wesentlich geprägt hat, vertritt in der Definitionsfrage ähnliche Ansichten wie Burisch. Er meint: „Bei Burnout versiegt alle Energie, und man hat das Gefühl, man würde von Problemen anderer überwältigt“ (vgl. Poulsen, 2009, S.19). Kritisch zu betrachten ist hierbei, dass er sich nur auf die Probleme anderer bezieht. Vergleicht man seine Aussage mit den beiden oberen, fällt die größere Verallgemeinerung seines Statements auf. Er wird nicht konkret in den Merkmalen, wie beispielsweise Sabine Fabach, die sich explizit auf körperliche und seelische Reaktionen festlegt.

Die Vierte und letzte Aussage, die dazu in dieser Arbeit genannt wird, ist die von der Hirnforscherin Mc Gee-Cooper. Für sie resultiert Burnout aus einer unausgeglichenen Lebensweise, die typisch für den Teufelskreis; „immer nur Arbeiten, keine Entspannung“, ist (vgl. Poulsen, 2009, S.19).

In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen 10, kurz ICD- 10 (Dilling, 2008), lässt sich der Begriff Burnout jedoch nicht finden. Es handelt sich demnach nicht um eine eigenständig anerkannte psychische Störung. Daher bestehen die vielen unterschiedlichen Definitionen und die unterschiedlichen Annahmen.

Obwohl sich die Theorien der Fachwelt voneinander unterscheiden, können doch verschiedene Punkte herauskristallisiert werden, die alle gemein haben.

a) Der Burnout-Prozess verläuft individuell.
b) Burnout ist ein innerer psychischer Prozess, in dessen Verlauf bestimmte Gefühle, Motive, Verhaltensweisen und Erwartungen an den Tag gelegt werden.
c) Es handelt sich um eine negative Erfahrung für das Individuum und es geht einher mit emotionalem Druck, Unbehagen und Dysfunktionen. Dysfunktionen sind gestörte Funktionen.
d) Es herrscht psychisch emotionale Erschöpfung, die eine Gleichgültigkeit und Mangel an Vertrauen nach sich zieht.
e) Die negativen Gefühle werden mit der Zeit immer stärker und dem Klienten in Form von Depersonalisation entgegen gebracht. Bei Depersonalisation handelt es sich um einen Verlust des Persönlichkeitsgefühls.
f) Man hat sich selbst und den eigenen Leistungen gegenüber eine negative Grundeinstellung.
g) Der Burnout-Begriff wurde auch auf Spannungen außerhalb des Berufslebens erweitert.
h) Burnout hat einen chronischen, sich also langsam entwickelnden Charakter.
i) Burnout ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Risikofaktor, der zu einer Reihe von Krankheiten führen kann (vgl. Maroon, 2008, S. 21).

Ein Versuch, alle Definitionen zu Einer zusammenzufassen, lautet wie folgt: „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‚normaler‘ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (Disstress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstigen Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“ (Burisch, 2006, S. 19).

Demnach lässt sich herauskristallisieren, dass Burnout durchaus als Prozess verstanden werden kann, dem ein völliges Ausgebrannt sein und eine Handlungsunfähigkeit als Endresultat folgt. Es ist jedoch noch keine eigenständige im ICD-10 klassifizierte psychische Krankheit.

2.2 Anforderungen an Sozialarbeiter

Jede Berufsgruppe besitzt bestimmte Merkmale, die diese charakteristisch machen. Nicht anders ist es mit dem Beruf der Sozialen Arbeit. Jürgen Klapprott (1987) hat verschiedenste Studien und Statistiken ausgewertet und dabei die Tätigkeitsmerkmale herausgearbeitet, mit besonderem Augenmerk auf die Erwartungen der Träger bezüglich dieser Rolle.

Anlehnend an diese Ergebnisse hat sich ergeben, dass von Sozialarbeitern vor allem folgende Tätigkeitshauptmerkmale (mit absteigender Bedeutsamkeit) sozialpädagogischen Handelns gefordert werden:

a) zu 74% aus Dingen wie Initiieren, Anstöße geben und Anregungen geben;
b) 67% richten sich auf das Knüpfen und Pflegen von Kontakten;
c) das Besprechen und Machen von Plänen wird mit 65% angeführt;
d) zu 63% gehört das Beraten im Sinne von Trösten und Zuwendung geben sowie auch emotional unterstützen und Zuhören zu dem Tätigkeitsbereich;
e) des Weiteren kommen mit 60% das Beraten im Sinne von Informieren und
f) zu 58% das Organisieren, Koordinieren, Durchsetzen und das aus dem Weg räumen von Hindernissen dazu.

Dies waren die prozentual als die wichtigsten anzusehenden Merkmale. Da diese Zahlen aus einer Befragung stammen, sind sie lediglich als Richtwerte anzusehen und können in den verschiedenen Berufszweigen, die Sozialpädagogen ausfüllen, nach oben bzw. nach unten variieren (vgl. Klapprott, 1987, S. 21f).

Aus einer andern Sicht betrachtet Hiltrud von Spiegel (2006) diese Anforderungen. Sie bringt in ihrem Werk verschiedene personenbezogene Kompetenzen mit ein, die ihrer Meinung nach unabdingbar sind. Zu den Charakteristika eines guten Sozialpädagogen zählen demnach unter anderem eine gewisse Neugier und Eigeninitiative sowie das Interesse an neuen Situationen und anderen Menschen. Des Weiteren erachtet sie eine gute Kommunikationsfähigkeit als wichtig, um auf andere Menschen angemessen zugehen zu können. Auch Teamfähigkeit zählt, Frau Spiegel zu Folge, zu diesen wichtigen Eigenschaften. Diese Kompetenz versteht sie als Fähigkeit, unterschiedliche Wissensstände und Persönlichkeitsstile in den Gruppenprozess zu integrieren und sich auf die Arbeitsschritte und eine sinnvolle Arbeitsteilung einigen zu können. Folglich ist zudem auch eine gute Konfliktfähigkeit zu nennen; diese bezieht sich hier auf Empathie und Sensibilität, die man zum Erkennen und zum konstruktiven Bearbeiten von Konflikten benötigt. Anschließend an dies ist auch noch Durchsetzungsvermögen erforderlich, durch welches man mit Hilfe verschiedener Einflussnahmen zu der Umsetzung eigener Ziele gelangt. Zum Schluss sind noch Flexibilität und ein ganzheitliches Denken in Bezug auf einen Rundumblick anzuschließen (vgl. von Spiegel, 2006 S. 83).

Kombiniert man die Aussagen von Klapprott und von Spiegel, lässt sich daraus schlussfolgern, dass für einen Beruf sowohl fachliche als auch personale Kompetenzen erforderlich sind und dass speziell im Berufsfeld der Sozialen Arbeit die persönlichkeitsbezogenen Komponenten eine große Rolle spielen.

Darüber hinaus werden methodisch professionelle Vorgehensweisen von den Sozialarbeitern gefordert und erwartet. So muss ein Angestellter im sozialen Bereich in der Lage sein, mit seinem Klienten ein gemeinsames Ziel der Hilfeleistung zu formulieren und dabei sowohl auf dessen Bedürfnisse und Vorstellungen als auch auf die Vorgaben durch den zuständigen Träger eingehen. Da der Angestellte und der, der die Hilfeleistung bekommt, oft unterschiedliche Wertvorstellungen haben, ist es von großer Wichtigkeit, dass der Sozialarbeiter gut mit diesen gegensätzlichen Vorstellungen arbeitet und dem Klienten den bestmöglichen Kompromiss entringt (vgl. von Spiegel, 2006, S100). Auch muss die Fachkraft in der Lage sein, jeden Klienten als einzigartiges Individuum anzusehen und die allgemein vorgegebenen Methoden auszuwählen und anzupassen, sodass eine Individualleistung erfolgt (vgl. von Spiegel, 2006, S.102). Andere methodische Grundoperationen, die ein Angestellter der Sozialen Arbeit beherrschen muss, sind: Analyse der Rahmenbedingungen, Situations- und Problemanalyse, Planung und Evaluation (vgl. von Spiegel, 2006, S.101).

Die Person muss folglich verschiedene Ebenen von Kompetenz besitzen und diese auch entsprechend anzuwenden wissen. Daraus wiederum ergibt sich eine umfassende Grunderwartung von außen, der die Fachkraft entsprechen muss.

2.3 Burnout als Phasen-Prozess

Wie in der Definition bereits erwähnt, handelt es sich bei dem sogenannten „Ausbrennen“ um einen langen, meist schleichenden Prozess.

P4: Ä(…) also der Zeitraum war ein längerer bis man es eigentlich bewusst wahrnimmt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist (…).“

Dieser lässt sich in mehrere Phasen oder Stufen einteilen. Wie schon in den Begriffsbestimmungen, herrschen auch hier verschiedene Ansichten und Modelle, die den Verlauf eines Burnouts unterteilen. In dieser Arbeit wird das Stufenmodell von der Personenzentrierten Psychotherapeutin Sabine Fabach (2011) dargestellt und erläutert. Der Verlauf des Burnout-Syndroms gliedert sich hier in 6 Stufen. Zur Veranschaulichung bindet Frau Fabach zusätzlich eine Grafik mit ein (vgl. Fabach, 2011, S21ff).

In dieser Darstellung ist eine Stresskurve eingetragen, die die einzelnen Stadien kennzeichnet. Im oberen Bereich wird sie gekennzeichnet durch einen „Höchststress-Bereich“, darunter ist der Normbereich angesiedelt und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

http://www.frauensache.at/zeitung/z_bilder/2010_2/stressmodell_kl.jpg

im unteren Teil ist der „Erschöpfungsbereich“ zu sehen.

Der Normbereich kennzeichnet sich durch einen steten Wechsel von Anstieg und Abfall von Stress. Das ist die gesunde Stresskurve, in der Menschen den Stress aushalten und auch eine gewisse Elastizität besitzen. Das heißt, es gibt Strategien die einsetzten, wenn die Kurve in den höheren Bereich geht, um dies dann wieder abzuschwächen.

Stufe 1: Burnout-Gefahr: Voller Einsatz: „Ich will“

In dieser Phase herrscht ein großer Übereifer, der gekennzeichnet ist von: freiwilligen unbezahlten Überstunden, einem klaren Umreißen und Bewältigen von Zielen in absehbarer Zeit, einem Zurückstecken im privaten Bereich und Minimieren persönlicher Bedürfnisse. Eine Person, die sich in dieser Phase befindet, wird nur schwer zu bremsen sein und das macht es noch schwieriger, die Gefahr zu erkennen. Im Blick des Menschen steht einzig die Aussicht auf Erfolg und die damit verbundene Anerkennung.

ÄIch muss schneller, besser und effizienter sein als alle anderen, sonst komme ich nicht weiter.“ (Poulsen, 2009,S.9 )

Stufe 2: Hohe Burnout-Gefahr - beeinträchtigte Selbstwahrnehmung: „Ich will … unbedingt“

Diese Stufe geht bereits deutlich häufiger in den „Höchststress-Bereich“ (siehe Abb. 1) und in ihr begleiten die Gedanken über berufliche Probleme die Personen bereits bis in die Freizeit. Oft ist zu beobachten, dass Alkohol- und Nikotinkonsum zunehmen und auch Schlafstörungen auftreten. Die Betroffenen wollen unbedingt erfolgreich sein und beweisen, dass sie etwas können. Oft ist hier ein fehlendes oder unzureichendes Zeitmanagement vorhanden, welches es nicht erlaubt, eine klare Abgrenzung und realistische Einschätzung von Herausforderungen und Problemen vorzunehmen.

P4: Ä(…) ich hatte (…) einen erhöhten Alkoholkonsum. (…) also man ist von der Arbeit gekommen und um erst mal runter zu kommen, also wirklich n Glas Wein. Es wurd dann nachher auch heftiger, es blieb dann nicht mehr beim Wein, es musste dann auch n Martini sein, also dann wurd‘s noch n bisschen stärker.“

Stufe 3: Kampf an allen Fronten: „Ich will … ich muss!“

In der dritten Stufe wird der Arbeitseinsatz noch weiter erhöht, um trotz Müdigkeit und Schwierigkeiten den Plan erfüllen zu können. Betroffene Personen sind zu dieser Zeit meist gereizt und ungeduldig mit ihrer Umwelt. In ihrer Wahrnehmung sind andere zu langsam, zu begriffsstutzig, zu stur oder auch einfach zu unkooperativ. Es tritt der erste „Abfall“ in den „Erschöpfungsbereich“ ein. Des Weiteren treten jetzt schon deutliche körperliche Symptome auf, wie zum Beispiel: Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, schmerzhafte Verspannungen im Rücken sowie Schlafprobleme, die durch ärgerliche oder ängstliche Gedanken hervorgerufen werden.

P6: ÄJa (…) es fing dann an mit Schlaflosigkeit, weil man ständig an die Arbeit dachte; unter Druck stand. Was musst du morgen wieder machen? (…) Ja das (…) war der Anfang mit Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit, ständig in Bewegung, nirgends mal sitzen. (M)an kriegte n schlechtes Gewissen: ‚du musst doch aber‘ und ‚du kannst doch jetzt nicht sitzen‘ und ‚du musst doch jetzt irgendwas tun‘ (…). Und dann nachher (…) hat es sich schlagartig gewandelt, (so) dass man nur noch müde war, antriebslos, überhaupt nicht mehr hoch gekommen ist; also das war dann das blanke Gegenteil.“

Stufe 4: Hilflosigkeit und Frustration: „Ich muss …“

Zu diesem Zeitpunkt empfinden die Personen zunehmend große Verzweiflung und wissen nicht, wie sie das alles bewältigen sollen. Außerdem fühlen sich solche Menschen oft ausgenutzt und sind frustriert. Ihre Parole lautet schlicht: „Durchhalten“. Tief im Innern wissen sie aber auch, dass es längst Zeit für einen anderen Weg ist.

P8: Ä(…) ich hatte da nen Vorfall auf der Arbeit, der trug sich dann mit Eltern zu. Der wär wahrscheinlich so überhaupt nicht dramatisch gewesen, aber dadurch, dass meine Psyche so angeknackst gewesen war, war das für mich das i-Tüpfelchen. Ähm ich hatte dann abends mit meiner Tochter telefoniert und (…) dann bin ich da völlig zusammen gebrochen, hab dann geweint am Telefon (…). Ich sag ich kann nicht zum Arzt gehen, ich hab Spätdienst (…). So diese Gedanken hatte man dann aber trotz alledem immer noch.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Der belastete Sozialarbeiter zwischen Burnout und Sekundärer Traumatisierung
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
66
Katalognummer
V312427
ISBN (eBook)
9783668113145
ISBN (Buch)
9783668113152
Dateigröße
1101 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Sozialarbeiter, Sekündäre Traumatisierung, Prävention von Burnout
Arbeit zitieren
Stefanie Galetzka (Autor), 2012, Der belastete Sozialarbeiter zwischen Burnout und Sekundärer Traumatisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312427

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