Franchising in Deutschland. McDonald’s und Joey’s Pizza Service


Facharbeit (Schule), 2014

18 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Franchising
2.1. Definition
2.2. Historische Entwicklung
2.3. Merkmale des Franchisekonzepts
2.4. Vorteile für den Franchisegeber und -nehmer
2.5. Nachteile für den Franchisegeber und -nehmer

3. Franchising in der Praxis
3.1. McDonald’s Deutschland Inc
3.2. Joey’s Pizza Service (Deutschland) GmbH
3.3. Vergleich beider Unternehmen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Hinsichtlich meiner Facharbeit habe ich mich aus folgenden Gründen für das Thema Franchising entschieden. Zum einen zählen Zukunftsforscher Franchise-Systeme zu den künftig erfolgsversprechensten Vertriebsmethoden. Seit Jahren wächst Franchising in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern mit erheblichen Zuwachsraten.[1] In Deutschland gibt es derzeit ca. 1.000 Franchise-Systeme und rund 76.500 Franchise-nehmer. Es zählt somit zu den europäischen Ländern mit der größten Dichte an Franchiseunternehmen.[2] Rund 550.000 Menschen arbeiten momentan in der deutschen Franchisewirtschaft. Von 2002 bis 2012 ist der Gesamtumsatz um 157,2 % von 23,8 Mrd. Euro auf 61,2 Mrd. Euro gestiegen.[3] Zu den häufigsten Branchen, in denen Franchisebetriebe vertreten sind, gehören der Dienstleistungssektor (ca. 45 %), der Handel (ca. 25 %), die Gastronomie (ca. 18 %) sowie das Handwerk (ca. 12 %).[4] Zum anderen interessiere ich mich für dieses Themengebiet, da ich nach meiner Schulausbildung Betriebswirtschaftslehre studieren möchte. Vor diesem Hintergrund betrachte ich die Auswahl meines Themas als angebracht und als eine gute Vorbereitung auf mein Studium.

Zunächst beabsichtige ich nach der Einleitung den Begriff Franchising zu definieren und die historische Entwicklung dieses Systems kurz zu beschreiben. Anschließend möchte ich die Merkmale des Franchisekonzepts (u. a. Franchisevertrag, Franchisegebühren, Vertragslaufzeit) näher erläutern. Danach werde ich mich mit den Vor- und Nachteilen dieser Vertriebsart für den Franchisegeber sowie für den Franchisenehmer auseinandersetzen. Um sich in das Thema noch besser hineinversetzen zu können, folgt nach den theoretischen Aspekten die Betrachtung des Franchising in der Praxis. Hierbei sollen die Unternehmensbeispiele McDonald‘s Deutschland Inc. und Joey‘s Pizza Service (Deutschland) GmbH vorgestellt werden. Ein längeres Gespräch, das ich mit dem McDonald‘s-Franchisenehmer Herrn L. (6 Filialen) geführt habe, war für mich eine wichtige Grundlage mit vielen hilfreichen Informationen. Des Weiteren habe ich einen Einblick in das tägliche Geschäftsleben eines Franchisenehmers mit seinen persönlichen Erfahrungen (insbesondere das Verhältnis zum Franchisegeber und dem Personal) bekommen. Beide Franchiseunternehmen möchte ich dann noch kurz miteinander vergleichen. Beenden werde ich die Facharbeit mit einem Ausblick, der die Zukunftschancen und das Wachstumspotential vom Franchising darlegen soll.

Als nicht einfach stellte sich die Informationsbeschaffung der Zahlen, Daten und Fakten der Unternehmensbeispiele heraus. Viele Unternehmen sind leider nicht bereit, detaillierte Informationen ihres Franchisebetriebes herauszugeben.

2. Franchising

2.1. Definition

In der heutigen Literatur hat sich die aktuelle Definition des Deutschen Franchise-Verbandes e.V. zum Begriff des Franchising durchgesetzt: Beim Franchising handelt es sich um ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem mit dem Ziel Waren, Dienstleistungen und/oder Technologien zu vermarkten.[5] Ein Unternehmen, das als Franchisegeber auftritt, räumt dabei seinen Partnern (den Franchisenehmern) das Recht ein, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen unter seinem Namen ein Geschäft zu betreiben. Der Franchisegeber entwickelt ein multiplizierbares unternehmerisches Gesamtkonzept, das von seinen Franchisenehmern eigenständig an ihrem Standort umgesetzt wird. Der Franchisenehmer zahlt, für die vom Franchisegeber eingeräumten Rechte und Unterstützungsleistungen, Eintritts- bzw. Franchisegebühren.[6]

2.2. Historische Entwicklung

Ursprünglich stammt der Begriff „Franchise“ aus dem mittelalterlichen Frankreich, womit die Vergabe von Privilegien an Dritte bezeichnet wurde, die gegen eine Gebühr im staatlichen Interesse produzieren oder Handel betreiben durften.[7] Die „Erfindung“ der eigentlichen Vertriebsform Franchising wird der amerikanischen Singer Sewing Machine Company zugeschrieben. Sie gilt als Pionier der „ersten modernen Generation des Franchising, da sie als erste Unternehmung 1863 rechtlich selbständigen und mobilen Händlern das Exklusivrecht zum Verkauf ihrer Erzeugnisse gewährte.“[8] Seit den frühen 1970er Jahren gibt es Franchising in Deutschland.[9] Insbesondere durch Marken wie TUI, McDonald´s, Burger King sowie OBI ist die Franchisewirtschaft hierzulande bekannt geworden. Die Reputation dieser Marken hat eine gewisse Sogwirkung zur Folge gehabt.[10]

2.3. Merkmale des Franchisekonzepts

Folgende Merkmale unterscheiden das Franchise-System von anderen Vertriebsarten (z.B. Filialsystem, Handelsvertreter, Vertragshändler):

Das Absatzsystem im Franchising ist dezentral organisiert, d.h. der Vertrieb wird nicht vom Franchisegeber, sondern von den jeweiligen Franchisenehmern vor Ort gesteuert.[11] Durch die Kundennähe der Franchisenehmer kann schnell und flexibel auf neue Marktgegebenheiten reagiert werden.[12]

Die Leistung des Franchisegebers besteht darin, dem Franchisenehmer ein schlüsselfertiges Gesamtkonzept (Beschaffungs-, Vertriebs-, Marketing-und Organisationskonzept) für den Aufbau und den Betrieb eines Geschäftes zu liefern.[13] Ferner enthält das Leistungsprogramm die Ausbildung der Partner, die laufende aktive Unterstützung und die permanente Weiterentwicklung des Systems.[14]

Zu den Leistungen des Franchisenehmers gehören sein Arbeits- und Kapitaleinsatz. Des Weiteren übermittelt er die Markt- und Erfolgsinformationen an die Franchisegeberzentrale zur professionellen Auswertung.[15]

Eine weitere Besonderheit des Systems ist der rechtliche Status: Der Franchisegeber sowie der Franchisenehmer sind selbstständige Unternehmer, die in eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeiten. Der Franchisegeber verfügt lediglich über richtlinienähnliche Kompetenzen, die es möglich machen, systemkonformes Verhalten durchzusetzen.[16]

Die Organisation eines Franchise-Systems ist vertikal strukturiert, d.h. der Franchisenehmer sichert sich seinen wirtschaftlichen Erfolg durch das vom Franchisegeber zur Verfügung gestellte und bewährte Geschäftskonzept. Darüber hinaus gibt es eine Arbeitsteilung, die eine Spezialisierung ermöglicht: jeder macht das, was er am besten kann.[17]

Franchise-Unternehmen zeichnen sich durch einen einheitlichen Marktauftritt aus, denn die verschiedenen Franchisenehmer nutzen eine gemeinsame Marke, ein einheitliches Marketing und standardisierte Prozesse, Produkte sowie Dienstleistungen.[18] Somit wird das Gesamterscheinungsbild gestärkt und der Bekanntheitsgrad gesteigert.[19]

Die rechtliche Basis einer Franchisepartnerschaft wird in der Regel durch den Franchisevertrag geregelt. Wegen der hohen Investitionen basiert der Vertrag auf eine längerfristige Zusammenarbeit. Eine Laufzeit von fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahren ist üblich.[20] Der Vertrag stellt das Rückgrat eines jeden Franchise-Systems dar und definiert die innere Struktur des Systems. Er beinhaltet die Rechte und Pflichten der Vertragspartner sowie die Höhe der einmaligen und laufenden Franchisegebühren. Auch die Definitionen bestimmter Standards (Qualität, Corporate Identity) sind darin festgelegt.[21]

Zusammenfassend kann das Beziehungsgeflecht zwischen Franchisegeber, Franchisenehmer und Kunden in einer Abbildung (siehe Anhang) vereinfacht dargestellt werden.

2.4. Vorteile für den Franchisegeber und -nehmer

Franchising weist gegenüber anderen Vertriebsorganisationen systeminterne Vorzüge auf, die vor allem Wettbewerbsvorteile schaffen. Dies verdeutlicht insbesondere ein Vergleich zum Filialbetrieb, der eine Alternative zum Franchising ist. Ein entscheidender Vorteil des Franchising für den Franchisegeber liegt in dem geringeren Bedarf an finanziellen Mitteln. Die Anfangs- und Folgeinvestitionen (u.a. Personalkosten) für die Verkaufsstellen fallen nicht bei ihm an, sondern bei den Franchisenehmern. Außerdem übernimmt der Franchisenehmer durch die zu zahlende Eintrittsgebühr einen Teil der Aufbau- und Entwicklungskosten des Systems.[22] Aufgrund des geringeren Kapitalbedarfs hat der Systemträger den finanziellen Spielraum um eine schnelle Expansion zu erreichen.[23] Eine zusätzliche Einnahmequelle für den Franchisegeber sind die laufenden Franchisegebühren (z.B. für Werbung, Schulung, Unterstützung), die ein Franchisenehmer zu zahlen hat.[24]

Auch für den Franchisenehmer ergeben sich zahlreiche Vorteile. Er profitiert von dem Know-How und den Erfahrungen der Systemzentrale. So erhält er vom Franchisegeber ein Betriebshandbuch und eine auf das System zugeschnittene Ausbildung in technischer, kaufmännischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht.[25] Somit stellt ihm der Franchisegeber ein erprobtes Geschäftskonzept und ein komplettes Leistungspaket zur Verfügung.[26] Dadurch verringert er Anlaufkosten und negative Erfahrungen bei der Gründung seines Unternehmens.[27] Daraus folgt, dass das unternehmerische Risiko reduziert wird und die Kreditwürdigkeit höher ist.[28] Unabhängige Existenzgründer müssen sich den Zugang zur Kundschaft mittels kostenintensiver Werbe- und Marketingmaßnahmen erarbeiten. Franchisenehmer hingegen profitieren von Anfang an von der etablierten Marke sowie vom Marktanteil ihres Franchisesystems.[29] Des Weiteren kann der Franchisenehmer Größenvorteile (Rabatte), wie z.B. beim Einkauf oder bei den Werbeaktionen, nutzen.[30] Franchisenehmer sind immer in einem kleineren oder größeren Verbund tätig, sodass sich in einem durchdachten System ein Zugehörigkeitsgefühl unter den Systemteilnehmern entwickelt. Es entsteht eine Art System-Familie, die den Franchisenehmern einen guten Informationsaustausch und einen gefühlsmäßigen Rückhalt bietet.[31]

[...]


[1] Vgl. Boehm 2008, S. 12

[2] Vgl. DFV 2014, S. 10

[3] Vgl. DFV 2013, S. 3ff.

[4] Vgl. DFV 2014, S. 10

[5] Vgl. Duong Dinh/Gehrmann/Ahlert 2010, S. 31

[6] Vgl. DFV o. J., o. S. http://www.franchiseverband.com/franchise-geber/franchising-
definition/#

[7] Vgl. Bellone/Matla 2013, S. 13

[8] Hass 2010, S. 9

[9] Vgl. Brodersen 2010, S. 130

[10] Vgl. Brodersen 2010, S. 111

[11] Vgl. DFV 2014, S. 8

[12] Vgl. DFV 2013, S. 5

[13] Vgl. Duong Dinh/Gehrmann/Ahlert 2010, S. 32

[14] Vgl. DFV 2014, S. 8

[15] Vgl. DFV 2014, S. 8

[16] Vgl. DFV 2014, S. 8

[17] Vgl. DFV 2014, S. 8

[18] Vgl. Duong Dinh/Gehrmann/Ahlert 2010, S. 41

[19] Vgl. DFV 2014, S. 8

[20] Vgl. Seidel 1997, S. 34ff.

[21] Vgl. Küster 2000, S. 81f.

[22] Vgl. Schlüter 2001, S. 31f.

[23] Vgl. Seidel 1997, S. 43

[24] Vgl. Skaupy 1995, S. 54

[25] Vgl. Skaupy 1995. S. 57f.

[26] Vgl. Wikipedia o. J., o. S. http://de.wikipedia.org/wiki/Franchising

[27] Vgl. Küster 2000, S. 30

[28] Vgl. Wikipedia o. J., o. S. http://de.wikipedia.org/wiki/Franchising

[29] Vgl. DFV 2014, S. 48

[30] Vgl. Küster 2000, S. 30

[31] Vgl. Skaupy 1995, S. 61

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Franchising in Deutschland. McDonald’s und Joey’s Pizza Service
Note
15
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V312444
ISBN (eBook)
9783668114128
ISBN (Buch)
9783668114135
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
franchising, deutschland, mcdonald’s, joey’s, pizza, service
Arbeit zitieren
Heiner Brandes (Autor), 2014, Franchising in Deutschland. McDonald’s und Joey’s Pizza Service, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312444

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