Die steigende Multinationalisierung von Konzernen und Unternehmensinvestitionen in den letzten Jahren, hat zu einer zunehmenden Implementierung von Steuervermeidungsstrategien in international agierenden Konzernen und damit einhergehend, in den führenden Industrieländern zu sinkenden Steuereinnahmen geführt. Der Prozess der Globalisierung brachte nicht nur eine höhere Mobilität der Unternehmensaktivitäten mit sich, sondern, durch Innovationen und Liberalisierungen auf den Finanzmärkten, auch eine gewisse finanzielle Mobilität, die das Durchführen und Anwenden solcher internationaler Steuervermeidungsstrategien erheblich vereinfachten. Die gestiegene Mobilität von Gütern und Dienstleistungen eignet sich in diesem Zusammenhang ideal, um Bemessungsgrundlagen bei der Unternehmensbesteuerung in Hochsteuerländern zu minimieren und den Wettbewerb internationaler Steuerverwaltungen zu erhöhen, indem die Verbuchung von steuerbaren Erträgen in Niedrigsteuerländer verschoben wird.
Im Rahmen dieser Arbeit wird ausschließlich die von internationalen Großkonzernen betriebene aggressive Steuerplanung thematisiert und analysiert. Um einzelne Strategien zu erkennen und steuerliche Regelungslücken aufzudecken, ist es zunächst notwendig die Grundzüge diverser internationaler Unternehmensbesteuerungssysteme zu diskutieren (Kapitel 2). Dabei wird ein großer Fokus auf das US-amerikanische System gelegt, sowie auf die unternehmenssteuerlichen Regelungen der irischen, niederländischen und luxemburgischen Finanzverwaltungen.
Anschließend wird ein Überblick über die Problematik der internationalen Doppelbesteuerung folgen, der mit der Beleuchtung verschiedener Maßnahmen der Doppelbesteuerung entgegenzuwirken abschließen wird. In Kapitel 3 wird eine detaillierte Analyse der bekanntesten internationalen steuerplanerischen Gestaltungsstrategien durchgeführt, die in Verbindung mit den Kapiteln 2 und 3 die Grundbasis für die forensische Steuerplanungsanalyse von IKEA, Apple, Google und Caterpillar dienen werden. In Kapitel 4 folgt dann die detaillierte Rekonstruktion und Analyse der steuerplanerischen Strategien der genannten Unternehmen. Abschließend wird in Kapitel 5 auf die identifizierten Regelungslücken und Problematiken in der internationalen Unternehmensbesteuerung und auf den derzeitigen Stand der eingeleiteten Gegenmaßnahmen einzelner Finanzverwaltungen eingegangen.
1 Einleitung
2 Grundzüge der internationalen Unternehmensbesteuerung
2.1 Unternehmensbesteuerung im US-amerikanischen Steuerrecht
2.1.1 Die Hinzurechnungsbesteuerung im US-amerikanischen Steuerrecht
2.1.2 Die „Check-the-box“ – Regelung
2.1.3 Die „Same Country Exception“ – Regelung
2.1.4 Die „Manufacturing Exception“ – Regelung
2.2 Grundzüge der Unternehmensbesteuerung innerhalb der EU
2.2.1 Grundzüge der Unternehmensbesteuerung in Irland
2.2.2 Grundzüge der Unternehmensbesteuerung in den Niederlanden
2.2.3 Grundzüge der Unternehmensbesteuerung in Luxemburg
2.3 Die Problematik der Doppelbesteuerung
2.3.1 Unilaterale Maßnahmen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
2.3.2 Bilaterale Maßnahmen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
2.4 Die Identifikation von Steueroasen und Steuervermeidung
2.4.1 Begriffsabgrenzung
2.4.2 Die größten Steueroasen auf Basis der investierten Auslandsvermögen
3 Internationale Gestaltungsstrategien der Steuerplanung
3.1 Gestaltungsstrategien zur optimalen Repatriierung von Dividendenerträgen
3.1.1 Treaty Shopping
3.1.2 Directive Shopping
3.1.3 Participation Exemption Shopping
3.1.4 Deferral Shopping
3.2 Gestaltungsstrategien in Zusammenhang mit der Umformung und der Verlagerung von konzerninternen Einkünften
3.2.1 Rule Shopping
3.2.2 Tax Rate Shopping
3.3 Gestaltungsstrategien zur optimalen Allokation von konzernexternen Einkünften
3.3.1 Capital Gain Exemption Shopping
3.3.2 Deduction Shopping
3.3.3 Debt-push-down
3.3.4 (Cross Border) Group Relief Shopping
4 Rekonstruktion der Steuervermeidungsstrategien ausgewählter internationaler Großkonzerne
4.1 Das IKEA Konglomerat
4.1.1 Indizien für eine aggressive Steuervermeidung innerhalb von IKEA
4.1.2 Die Inter IKEA Group
4.1.3 Die INGKA Group
4.1.4 Die IKANO Group
4.1.5 Zusammenfassung der Steuervermeidungsstrategie von IKEA
4.2 Der Konzern um die Apple Inc.
4.2.1 Indizien für eine aggressive Steuervermeidung der Apple Inc.
4.2.2 Die globale Konzernstruktur des Apple – Konzerns
4.2.2.1 Apple Operations International (AOI)
4.2.2.2 Apple Operations Europe (AOE)
4.2.2.3 Apple Sales International (ASI)
4.2.3 Das Cost-Sharing Agreement zwischen Apple Inc. und der ASI
4.2.4 Zusammenfassung der Steuervermeidungsstrategie von Apple
4.3 Der Konzern um die Google Inc.
4.3.1 Indizien für eine aggressive Steuervermeidung der Google Inc.
4.3.2 Die globale Konzernstruktur des Google – Konzerns
4.3.2.1 Die Google Deutschland GmbH
4.3.2.2 Die Google Ireland Ltd.
4.3.2.3 Die Google Netherlands Holdings B.V.
4.3.2.4 Die Google Holdings Ireland Ltd.
4.3.3 Zusammenfassung der Steuervermeidungsstrategie von Google
4.4 Der Konzern um die Caterpillar Inc.
4.4.1 Indizien für eine aggressive Steuervermeidung der Caterpillar Inc.
4.4.2 Die globale Konzernstruktur des Caterpillar – Konzerns
4.4.3 Die Steuervermeidungsstrategie der Caterpillar Inc.
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Das Hauptziel dieser Master-Thesis ist die Analyse und forensische Rekonstruktion aggressiver Steuervermeidungsstrategien bei multinationalen Großkonzernen, um die eingesetzten Mechanismen zur Gewinnverlagerung und Steuerminimierung aufzudecken.
- Grundzüge internationaler Unternehmensbesteuerung (USA und EU-Staaten)
- Problematiken der internationalen Doppelbesteuerung
- Systematische Analyse gängiger Gestaltungsstrategien (z.B. Treaty Shopping, Debt-push-down)
- Fallstudien zu IKEA, Apple, Google und Caterpillar
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Das Cost-Sharing Agreement zwischen Apple Inc. und der ASI
Um die Lizenzgebühren in die Verrechnungspreise zwischen der ASI und der ADI einpreisen zu können, ist in der Regel eine Übertragung der Apple-Lizenzrechte von der Apple Inc., der Lizenzrechteinhaberin, auf die ASI erforderlich. Apple löste dies, indem die Apple Inc. ein sogenanntes cost-sharing agreement mit der ASI abschloss. In dieser Vereinbarung stimmten beide Parteien zu, die Forschungs- und Entwicklungskosten für Apple Produkte untereinander aufzuteilen, um im Gegenzug einen Anteil der Lizenzrechte an diesen entwickelten Produkten für eine bestimmte geografische Region zu erlangen. Ausgangspunkt bei der Berechnung der jeweiligen Kostenanteile bilden die weltweit angefallenen Forschungs- und Entwicklungskosten des Applekonzerns. Die jeweilige Kostenbeteiligung der Gesellschaften richtet sich nach den anteiligen Umsatzerlösen ihrer Zuständigkeitsbereiche.
Während die Apple Inc. den gesamten amerikanischen Markt mit Apple-Produkten bedient, liegen Europa und Asien im Zuständigkeitsbereich der ASI. In 2013 beispielsweise entfielen etwa 37% der gesamten Umsatzerlöse Apples auf Amerika, was bedeutet, dass die Apple Inc. 37% der Forschungs- und Entwicklungskosten trug und 63% von der ASI gestemmt wurden. Jedoch findet die tatsächliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Cupertino, der Zentrale der Apple Inc. statt. In 2011 z.B. wurden 95% der gesamten Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Apple in den USA durchgeführt. Die Kostenbeteiligung der ASI hingegen belief sich 2011 auf USD 1,4 Mrd., was etwa 58% der gesamten Kosten für die angefallenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in 2011 entspricht. Es ist somit offensichtlich, dass das cost-sharing agreement nicht der verursachungsgerechten Aufteilung der angefallenen Forschungs- und Entwicklungskosten dient, sondern als Gewinnverschiebungsinstrument innerhalb des Apple – Konzerns fungiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende Bedeutung aggressiver Steuerplanung globaler Konzerne infolge der Globalisierung und definiert den Rahmen der Untersuchung.
2 Grundzüge der internationalen Unternehmensbesteuerung: Dieses Kapitel liefert das steuerrechtliche Fundament für die Analyse der verschiedenen Unternehmensbesteuerungssysteme in den USA sowie in Irland, den Niederlanden und Luxemburg.
3 Internationale Gestaltungsstrategien der Steuerplanung: Hier werden spezifische steuerliche Methoden zur Repatriierung von Gewinnen und zur Gewinnverlagerung theoretisch hergeleitet und systematisiert.
4 Rekonstruktion der Steuervermeidungsstrategien ausgewählter internationaler Großkonzerne: Das Kernstück der Arbeit rekonstruiert die tatsächlichen Steuervermeidungsmodelle von IKEA, Apple, Google und Caterpillar anhand der jeweiligen Konzernstrukturen.
5 Fazit und Ausblick: Diese Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Wirksamkeit der von verschiedenen Finanzverwaltungen eingeleiteten Gegenmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Aggressive Steuerplanung, Steuervermeidung, Konzernbesteuerung, Doppelbesteuerung, Gewinnverlagerung, Steueroasen, Verrechnungspreise, Cost-Sharing Agreement, Check-the-box, Treaty Shopping, Hinzurechnungsbesteuerung, internationale Steuerplanung, effektive Steuerbelastung, Offshore-Finanzzentren, Steuergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Methoden und Strategien, die internationale Großkonzerne nutzen, um ihre weltweite Steuerlast durch aggressive Steuerplanung zu minimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen internationale Steuersysteme (insb. USA und ausgewählte EU-Länder), Doppelbesteuerungsabkommen, Mechanismen zur Gewinnverschiebung und die Analyse konkreter Konzernstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine forensische Analyse der Steuerplanung von vier ausgewählten Großkonzernen die komplexen Mechanismen aufzudecken, die zur Reduzierung der effektiven Steuerquote eingesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen forensischen Ansatz zur Analyse von Konzernabschlüssen und internen Strukturen sowie eine theoretische Einordnung der steuerlichen Gestaltungsinstrumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der internationalen Besteuerung und gängige Gestaltungsstrategien dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Rekonstruktion der Steuervermeidungsstrategien von IKEA, Apple, Google und Caterpillar.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind aggressive Steuerplanung, Gewinnverlagerung, Steueroasen, Verrechnungspreise und internationale Konzernsteuerstrukturen.
Was zeichnet das „Double Irish Dutch Sandwich“-Modell konkret aus?
Es ist ein Steuersparmodell, das durch die Nutzung von zwei irischen Tochtergesellschaften in Kombination mit einer niederländischen Zwischengesellschaft gezielt die Quellenbesteuerung und die allgemeine Steuerlast auf Lizenzerträge im europäischen Raum minimiert.
Wie wird das „Cost-Sharing Agreement“ bei Apple als Strategie genutzt?
Apple nutzt diese Vereinbarung, um Forschungs- und Entwicklungskosten künstlich auf ausländische Tochtergesellschaften zu verlagern, wodurch hohe Lizenzgebühren einpreist werden können, die den steuerpflichtigen Gewinn in Hochsteuerländern reduzieren.
Warum ist die Struktur des IKEA-Konglomerats als besonders undurchsichtig zu bewerten?
Das IKEA-Konstrukt besteht aus mehreren, teilweise unabhängig agierenden Gruppen und Stiftungen, deren Abschlüsse aufgrund fehlender Börsennotierung nur eingeschränkt einsehbar sind, was die forensische Analyse erschwert.
- Quote paper
- Daniel Virag (Author), 2014, Steuervermeidungsstrategien internationaler Großkonzerne. Eine forensische Steuerplanungsanalyse ausgewählter Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312446