Die Zeichnung "Monument eines Feldherrn zu Pferd" von Jacopo Bellini. Analyse und Interpretation von fol. 27v des British Museum, London


Seminararbeit, 2014

26 Seiten, Note: 5.5//1-2

Sandra Stammler (Autor)


Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung

2) Monument eines Feldherrn zu Pferd
2.1 Technische und historische Angaben sowie Zustand des Bildes
2.2 Darstellungsbeschreibung
2.3 Analyse und Interpretation
2.4 Kadmos Mythos im Zusammenhang mit Este-Dynastie: Pro und Contra

3) Leon Battista Alberti
3.1 „Della Pittura“ in Verbindung mit fol. 27v
3.2 „De Equo animante“ in Verbindung mit fol. 27v

4) Vergleich mit einem antiken Vorbild und einer Bronzestatue
4.1 Antikes Vorbild: Marc Aurel
4.2 Bronzevorbild
4.2.1 Donatellos Gattamelata

5) Fazit

6) Literaturangabe

7) Abbildungsverzeichnis

1) Einleitung

Die nachfolgende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Zeichnung fol.27v des British Museums, von Jacopo Belini, mit dem Titel „Monument eines Feldherrn zu Pferd“. Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung, Analyse und Interpretation des Werkes gemacht, die auch ganz kurz auf die technischen und historischen Angaben eingeht. Mit dieser Beschreibung wird auch eine mögliche Erklärung geliefert, warum es sich bei der Reliefdarstellung um den Kadmos-Mythos handeln könnte, und was dieser mit der Este-Dynastie gemeinsam hat. Danach folgt in einem weiteren Hauptpunkt ein Vergleich der Skizze mit zwei Schriften von Alberti. Zum einen wäre das „Della Pittura“ und zum anderen „De Equo animante“, die Aufschluss geben sollen, wie sehr Alberti Einfluss auf Bellini hatte. Danach werden in einem abschließenden Punkt Antike-und Bronzevorbilder besprochen, um sie als mögliche Vorbilder charakterisieren oder ausschließen zu können. Als Hauptliteratur ist vor allem Degenhart und Schmitt zu nennen, die in ihrem sechsten Band eine Beschreibung des British-Museum-Bandes im Allgemeinen, sowie eine Beschreibung und Analyse der zu behandelnden Folie 27v. liefern. Dabei liegt bei ihnen das Hauptaugenmerk auf möglichen Vorbildern anstatt der Skizze an sich. Als weiteres Hauptwerk wurde in dieser Arbeit die Schrift von Eisler verwendet, welche nochmals grundsätzliche Informationen zum British-Museum-Band liefert und kurz auf die gewählte Zeichnung von Jacopo Bellini eingeht. Weiterhin wurden die beiden Schriften von Leon Battista Alberti ausgewertet, um einen Vergleich von fol. 27v. mit seinen Vorstellungen eines perfekten Bildes zu vergleichen, damit Gemeinsamkeiten oder aber auch Abweichungen herausgearbeitet werden können. Bezüglich des Kadmos-Mythos wurde das Werk „Helden und Gottheiten der Antike“ zu Rate gezogen, um dem Mythos nahe zu kommen. Für eine mögliche Verbindung mit der Este-Dynastie in Italien, wurde die Familiengeschichte der Este überflogen, um Gemeinsamkeiten zu finden. Abschließend werden mögliche Vorbilder für die Skizze vorgestellt, wie das Marc Aurel Standbild oder die Gattamelata, bevor ein Fazit die Arbeit beendet.

2) Monument eines Feldherrn zu Pferd

Der Punkt zwei der Arbeit wurde in mehrere Teilabschnitte unterteilt, um das Verständnis zu erleichtern. Bevor die Beschreibung mit anschließender Analyse und Interpretation erfolgt, werden kurz ein paar technische und historische Angaben zur Skizze gemacht und der Zustand des Bildes beschrieben, um einen Einstieg in das Bild zu bekommen. Abgeschlossen wird mit dem bereits mehrfach genannten eventuellen Kadmos-Mythos, also jener Szene im Relief. Bezüglich der technischen Angaben und der historischen Details stützt sich diese Arbeit vor allem auf die Website des British-Museums, sowie die Aussagen von Degenhart/Schmitt. Die Beschreibung des Zustandes und des Bildes im Allgemeinen werden weitestgehend aus eigenen Beobachtungen herausgearbeitet und ohne literarische Hilfe, welche erst wieder danach von Nöten sein wird, wenn analysiert und interpretiert wird.

2.1 Technische und historische Angaben sowie Zustand des Bildes

Während Degenhart/Schmitt die Skizze und das Gesamte British-Museums Zeichenbuch eher in die späten 1450er Jahre von Jacopo Bellinis Schaffenszeit datieren, findet man auf der Website des British Museums eine Datierung zwischen 1440 und 1470.[1] Das Gesamtwerk befindet sich seit 1855 in Besitz des British Museums und lässt sich unter der Inventarnummer 1855,0811.98. finden, in der Abteilung „Prints&Drawings“.[2] Fol 27v. befindet sich in Lage C des British Museum Bandes (vgl. Abb.1) und hat die Maße 41-41,5X32,8-33,5 cm ohne den Einband mit einzurechnen.[3]

Laut Degenhart/Schmitt wurde folgende Technik bei fol. 27v (vgl. Abb.2) verwendet

„Grauer Metallstift verschiedener Härtegrade, hellbraun lavierender Pinsel, weißer flächendeckender Pinsel (Pferdebeine). Feder im Sockel. Die in einem zweiten Arbeitsgang mit Lineal und Zirkel ausgeführten Linien in Feder schlagen durch das Papier und beeinträchtigen die Zeichnung auf fol. 27r.“[4]

Weiterhin ist zum Londoner Band im allgemeinen zu sagen, dass man zwei Inschriften fand, die wohl beide nachträglich eingefügt wurden. Zum einen fand sich ein Zettelchen mit der Inschrift „Dissegni di Giacomo Bellini Veneto anni 1430./l´appartieni alli signori Gerolamo Domenico Mantovani fino….Libreria di Famiglia“ [5], zum anderen die in spät-venezianischer Notarhandschrift verfasste Inschrift „De mano de ms. Iacopo bellini veneto, 1430. In venetia. [6]

Die gesamte Skizze ist in einem sehr guten Zustand, nur an den Seiten etwas verblasst, wie es an den Adlern deutlich zu erkennen ist. Leider wurde es etwas beschnitten, sodass bei der späteren Kompositionsanalyse leichte Abweichungen bezüglich eines Fluchtpunktes eintreffen können.

2.2 Darstellungsbeschreibung

Fol. 27v des British Museums zeigt einen Feldherrn auf einem Pferd, das auf einer rechteckigen Basis steht. Links und rechts wird die Szenerie durch zwei Adler flankiert (vgl. Abb.3), welche jeweils in die entgegengesetzte Richtung blicken und ihre Schwingen ausgebreitet haben. Bei der Basis handelt es sich um eine zweistufige Basis. Auf der Vorderseite der Basis befindet sich in einem Quadrat ein zweifach umfasster Kreis mit einer szenischen Darstellung eines nackten jungen Mannes und eines Drachens/Ungeheuers vor einem landschaftlichen Hintergrund. Diese Reliefdarstellung zeigt einen nackten Jüngling, der eiligen Schrittes und mit erhobenen Armen vor einem ihm folgenden Drachen/Ungeheuer davonläuft (vgl. Abb.4). Laut Aussage von Degenhart-Schmitt würde sich die Szene nicht deuten lassen, wohl aber eine mythologische Szene darstellen.[7] Auf diese Szene wird in Punkt 2.5 noch detaillierter eingegangen. Auf der rechteckigen Oberfläche der Basis steht ein Pferd im Vorwärtsgang mit Reiter, den rechten Huf erhoben, den Kopf nach rechts geneigt (vgl. Abb.5). Der Kopf weist stark ausgeprägte Nüstern und Gesichtszüge mit dargestellten Adern auf, sowie ein in leichten Zügen gemaltes Zaumzeug. Der Reiter hat eine Rüstung an, welche leicht verziert ist. Ob seine Beine in Beinschienen stecken, ist nicht genau ersichtlich, aber wohl anzunehmen, da diese Bestandteil einer Rüstung waren. Außerdem ist der Kniebereich stark knochig-spitz dargestellt, was der Anatomie des menschlichen Knies nicht entspricht und somit die Beinschienen bestätigen würde. Mit der rechten Hand umfasst er einen Feldherrenstab; die linke ist nicht erkennbar, wird aber wohl das Zaumzeug halten. Sein Blick ist starr geradeaus gerichtet.

In der linken oberen Ecke findet sich eine Inschrift, welche weder in der Literatur erwähnt wird, noch bei Bearbeitung und intensiver Betrachtung des Bildes deutlich erkennbar wird. Es könnte sich eventuell um römische Ziffern handeln, die auf eine alte Folierung oder aber auf die Inventarnummer des Museums hinweisen, aber dies ist eine nicht belegbare These.

2.3 Analyse und Interpretation

Die Gestaltung des Reitermonumentes erinnert durch das Relief im Kreis an ein antikes Grabdenkmal, aber durch die gesamte Komposition auch an römische Ehrendenkmäler. Vollzieht man eine Kompositionsanalyse des Bildes mit Hilfe von vertikalen und horizontalen Linien sowie weiteren Hilfslinien erkennt man, dass sich Pferd und Reiter mittig des Blattes befinden und sich der Fluchtpunkt in etwa auf der Brusthöhe des Pferdes befindet (vgl. Abb.6). Ähnliche Reitermonumente werden in einem späteren Punkt noch genauer besprochen werden, aber als ganz wichtiges Vorbild sollen bereits hier die antiken Münzen genannt werden, die Bellini mit Sicherheit gesehen hat und als Inspirationsquelle verwendete (vgl. Abb.7+ Abb.7A). Die gesamte Komposition ist sehr stimmig in Proportion und Perspektive, wenn auch der Kopf des Pferdes etwas zu klein wirkt für den massigen Körper und die Füße des Reiters nicht schön ausgearbeitet wurden, da er links eher wie eine Flosse wirkt und rechts wie ein Klumpen. Wegen der beiden Adler und der Reliefszene vermuteten Degenhart/Schmitt bereits, dass eine Verbindung zur D´Este Familie gezogen werden könne, verwarfen diesen Gedanken aber wieder, da diese beiden Fakten zu allgemein wären und man dies auch einfach nur als Herrschaftssymbole interpretieren könne, welche für die Allgemeingültigkeit zu sehen sind.[8] Vielleicht aber, vermischt Bellini einfach wieder mehrere Szenen in eine und die Reiterstatue und die Basis stehen in gar keinem Bezug zueinander, sondern sind als zwei völlig individuelle Skizzen zu sehen und zu interpretieren, wie in etwa auch Degenhart/Schmitt der Meinung sind.[9]

2.4 Kadmos Mythos im Zusammenhang mit Este-Dynastie: Pro und Contra

Da die Reliefszene auf fol. 27v. (vgl. Abb.4) nirgends erwähnt wurde, und nicht einmal in der Beschreibung vorkommt, kam der Entschluss, einen Versuch der Interpretation der Szene zu wagen und diesen in Zusammenhang mit der Este-Dynastie zu bringen, dessen Reitermonument dargestellt sein könnte in fol. 27v. Im Folgenden soll der Mythos aus Lückes Werk „Helden und Gottheiten der Anitke“ in aller Kürze wiedergegeben werden:

„Zeus entführt Europa, und Agenor[10] schickt seine Söhne[11] aus, sie zu suchen. Mit ihnen geht Telephassa[12]. Nach vergeblicher Suche beschließen die Söhne-zumal der Vater sie gewarnt hat, nicht ohne die Schwester heimzukehren-, sich eine neue Heimstatt zu suchen, jeder an einem anderen Ort. (…) K. befragt das Orakel von Delphi um Europa und erhält zur Antwort, sich nicht weiter um die Schwester zu kümmern, sondern statt dessen dem Weg einer Kuh zu folgen und eine Stadt zu gründen dort, wo diese sich vor Müdigkeit niederlasse. (...) Er folgt dem Tier durch Boiotien, und an der Stelle, an der sich niederläßt, gründet er die Stadt, die heute Theben heißt. (…) Nun will er die Kuh der Athena opfern und schickt seine Leute aus, von der Quelle des Ares Wasser zu holen. Doch ein Drache (eine Schlange) bewacht den Ort. (…) Sie tötet die meisten der Männer. Da packt den K. blinder Zorn, er wappnet sich mit einem Löwenfell, das ihm als Schild dienen soll, als Waffe dienen ihm Lanze und Speer und sein Mut und er tötet das Tier. Nonnos sieht, wie es den Mann umschlingt und zu Boden zieht. Da erscheint ihm in höchster Not Athena, ermutigt ihn zum Kampf und rät, die Zähne des toten Reptils auszusäen. Daraus würden Krieger entstehen, die er alle vernichten solle bis auf fünf zum Ruhme des künftigen Thebens. (…).“[13]

Betrachtet man nun nochmals das Relief erscheint einem der Text nicht sonderlich umgesetzt, da dort geschrieben steht, dass Kadmos das Ungeheuer besiegt, und nicht davonläuft, aber im Vergleich mit einer Vasenmalerei (vgl. Abb.8) und einer Münzprägung (vgl. Abb.8A), erkennt man zumindest ein paar kleinere Gemeinsamkeiten, wie die Wegbewegung vom Ungeheuer oder einen Hauch von landschaftlichen Hintergrund, sowie natürlich das Ungeheuer. Unterschiedlich zu dem Relief, und was vielleicht als Indiz dafür gesehen werden könnte, dass hier nicht der Kadmos-Mythos dargestellt wurde, ist, dass Kadmos auf beiden Vergleichsbeispielen einen Löwenmantel und einen Speer besitzt, wie es im Mythos beschrieben ist.

[...]


[1] http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?objectId=3041893&partId=1&searchText=Jacopo+Bellini&page=1, am 02-07-2014.

[2] http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?objectId=3041893&partId=1&searchText=Jacopo+Bellini&page=1, am 02-07-2014.

[3] Degenhart-Schmitt 1990 (B), S. 467.

[4] Degenhart-Schmitt 1990 (B), S. 467.

[5] http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?objectid=3034177&partid=1&people=132720&peoA=132720-2-9&page=1, am 06-07-2014.

[6] Eisler 1989, S. 480.

[7] Degenhart-Schmitt 1990 (B), S. 471.

[8] Degenhart/Schmitt 1990 (B), S. 471.

[9] Degenhart/Schmitt 1990 (B), S. 471.

[10] Der Vater.

[11] Phoinix, Kilix, Thasos und Kadmos.

[12] Die Mutter.

[13] Lücke 2006, S. 352-253.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Zeichnung "Monument eines Feldherrn zu Pferd" von Jacopo Bellini. Analyse und Interpretation von fol. 27v des British Museum, London
Hochschule
Universität Bern  (Kunsthistorisches Institut)
Note
5.5//1-2
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V312458
ISBN (eBook)
9783668114418
ISBN (Buch)
9783668114425
Dateigröße
1371 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Note entspricht dem Schweizer Notensystem. In einer deutschen Note ausgedrückt wäre es eine Note zwischen 1-2
Schlagworte
British Musuem, Zeichnung, 15. Jahrhundert, Kunst, Geschichte, Bellini
Arbeit zitieren
Sandra Stammler (Autor), 2014, Die Zeichnung "Monument eines Feldherrn zu Pferd" von Jacopo Bellini. Analyse und Interpretation von fol. 27v des British Museum, London, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312458

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