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Hintergrundfähigkeiten und die Erklärung gesellschaftlicher Erscheinungen

Title: Hintergrundfähigkeiten und die Erklärung gesellschaftlicher Erscheinungen

Seminar Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1-

Autor:in: B.A. Philosophie David Egli (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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In Franz Kafkas Erzählung ‚Vor dem Gesetz’ versucht ein Mann vom Lande, Eintritt zum Gesetz zu erlangen und obwohl er es sein Leben lang versucht, will es ihm nicht gelingen.1 Andeutungsweise schneidet Kafka in seiner kurzen Erzählung einen Teil jener Problematik an, die sich in John R. Searles Begriff der so genannten Hintergrundfähigkeiten zeigt. Diesen Fähigkeiten möchte ich mich in dieser Arbeit widmen.

Der Begriff stellt einen Erklärungsversuch dar, mit dem aufgezeigt werden soll, wie wir ohne bewusstes Wissen um Regeln und Gesetze in der Welt zurechtkommen. Genauer in einer Welt, die aus unzähligen menschlichen Institutionen besteht, die auf Regeln und Gesetzen basieren. Das wir es können steht fest. Doch deckt Searles Konzeption die Schwierigkeiten auf, die dadurch entstehen: Wie können Regeln überhaupt eine kausale Rolle spielen, wenn wir sie für unser Handeln nicht bewusst anwenden? Um diese Problematik aber verständlich zu machen, muss ich zuerst erläutern wie Searle sich die Schaffung solcher Institutionen oder allgemeiner einer Institutionellen Wirklichkeit vorstellt. Oder anders formuliert, wie man zu Gesetzen und Regeln kommt und worin sie bestehen. Sobald dies geklärt ist, möchte ich dann zu dem was Searle Hintergrund nennt vorstossen und abklären wie er funktioniert. Um schliesslich zu zeigen wie man den Hintergrund auf die institutionelle Wirklichkeit anwendet. Zum Schluss möchte ich auf eine Problematik eingehen, die mir bei der gesamten Konzeption des Hintergrundbegriffs aufgetaucht sind. Um darauf basierend einen Einwand zu machen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Institutionelle Wirklichkeit

2.1. Rohe und institutionelle Tatsachen

2.2. Schaffung einer institutionellen Wirklichkeit

3. Der Hintergrund

3.1. Funktionsweise des Hintergrunds

3.2. Manifestationen des Hintergrundes

3.3. Hintergrundverursachung

4. Schlussbemerkungen

4.1. Zusammenfassung

4.2. Kritik

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht John R. Searles Konzept der Hintergrundfähigkeiten, um zu erklären, wie Menschen in einer durch Regeln und Institutionen geprägten Welt navigieren, ohne diese Regeln bewusst anwenden zu müssen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der kausalen Rolle von Regeln bei menschlichem Handeln, wenn diese weder bewusst noch unbewusst befolgt werden.

  • Unterscheidung zwischen rohen und institutionellen Tatsachen.
  • Die Entstehung institutioneller Wirklichkeit durch kollektive Intentionalität und konstitutive Regeln.
  • Analyse der Funktionsweise und Manifestationen des Hintergrunds.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Searles Abgrenzung des Hintergrundbegriffs vom Unbewussten.

Auszug aus dem Buch

3.2. Manifestationen des Hintergrundes

Searle liefert sieben Typen von Manifestationen wie Hintergrundfunktionen auftreten. Er ist sich dabei bewusst, dass er sicherlich niemals alle Arten erfasst hat. Sie sind aber sehr hilfreich um die Wirkungsweise des Hintergrunds darzulegen. Aus diesem Grund möchte ich sie kurz aufzählen und erläutern.

a) Der Hintergrund ermöglicht eine sprachliche Deutung: Diesen Fall haben wir schon behandelt. Wir verstehen Sätze mühelos, auch wenn die Bedeutung der einzelnen Sätze über ihren semantischen Gehalt hinausgeht. Der Kontext hat hier die Funktion des Hintergrundes.

b) Der Hintergrund ermöglicht eine Wahrnehmungsdeutung: Allgemein könnte man sagen, dass etwas als etwas Bestimmtes wahrgenommen wird. Der Hintergrund hat hier die Funktion, dass wir schon immer etwas als etwas wahrnehmen. Nehmen wir das Beispiel eines zentral-perspektivischen Bildes eines Hauses. Die Wahrheitsbedingungen die von unserem Hintergrund gebildet werden sind: Das Bild zeigt z.B. ein Haus im Raum und es hat eine räumliche Ausdehnung. Nur aufgrund der Anordnung von Strichen und Linien wird darüber nichts ausgesagt, es könnte alles Mögliche gezeigt werden. Dank unseres Hintergrundes, wird dem Bild etwas beigefügt, dass es uns ermöglicht, es so und nicht anders zu erkennen. Beim Strichmännchen oder einem Smiley geschieht dasselbe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik menschlichen Handelns in sozialen Institutionen und Vorstellung des Fokus auf John R. Searles Begriff der Hintergrundfähigkeiten.

2. Die Institutionelle Wirklichkeit: Definition der Differenz zwischen rohen Tatsachen und einer durch kollektive Intentionalität und konstitutive Regeln geschaffenen gesellschaftlichen Wirklichkeit.

3. Der Hintergrund: Erläuterung der nicht-intentionalen Fähigkeiten, die unser tägliches Navigieren in der Welt ermöglichen, sowie deren Manifestationen und kausale Wirkung.

4. Schlussbemerkungen: Zusammenfassung der Thesen zur institutionellen Wirklichkeit und kritische Reflexion des Hintergrundbegriffs im Vergleich zu psychologischen Konzepten des Unbewussten.

Schlüsselwörter

John R. Searle, Hintergrundfähigkeiten, institutionelle Wirklichkeit, konstitutive Regeln, kollektive Intentionalität, Funktionszuweisung, kausale Verursachung, Nicht-Intentionalität, Wahrnehmungsdeutung, soziale Institutionen, Sprachphilosophie, Bewusstsein, Dispositionen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung, wie Menschen in einer Welt leben, die auf komplexen sozialen Institutionen und Regeln basiert, ohne diese Regeln explizit im täglichen Handeln bewusst abrufen zu müssen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Ontologie der sozialen Welt, die Theorie der Sprechakte und Intentionalität sowie die Analyse der sogenannten Hintergrundfähigkeiten als Vermittler zwischen Individuum und institutionellen Strukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Paradoxie zu lösen, wie Regeln eine kausale Rolle für unser Verhalten spielen können, obwohl wir sie nicht bewusst anwenden, und dabei den Begriff des Hintergrunds von Searle zu evaluieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende theoretische Analyse der Werke von John R. Searle, insbesondere auf das Buch "Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit", ergänzt durch kritische Vergleiche mit kognitionspsychologischen Ansätzen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Fundierung der institutionellen Wirklichkeit, die detaillierte Funktionsweise des Hintergrunds anhand von Beispielen (z. B. Sprachverständnis, Sport) und die Analyse der Hintergrundverursachung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Hintergrundfähigkeiten", "konstitutive Regeln", "kollektive Intentionalität" und "institutionelle Wirklichkeit" geprägt.

Wie unterscheidet Searle zwischen regulativen und konstitutiven Regeln?

Regulative Regeln steuern bereits existierendes Verhalten (wie Verkehrsregeln), während konstitutive Regeln ein Phänomen erst ermöglichen oder definieren, wie etwa das Schachspiel, das ohne seine Regeln nicht existieren würde.

Warum hält der Verfasser die Abgrenzung von Hintergrund und Unbewusstem für problematisch?

Der Verfasser argumentiert, dass der Begriff des "Unbewussten" aus der Kognitionspsychologie bereits viele Eigenschaften abdeckt, die Searle dem "Hintergrund" zuschreibt, weshalb eine klare theoretische Trennung schwer nachvollziehbar erscheint.

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Details

Title
Hintergrundfähigkeiten und die Erklärung gesellschaftlicher Erscheinungen
College
University of Luzern
Course
John R. Searle - Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit
Grade
1-
Author
B.A. Philosophie David Egli (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V31246
ISBN (eBook)
9783638323086
ISBN (Book)
9783638928748
Language
German
Tags
Hintergrundfähigkeiten Erklärung Erscheinungen John Searle Konstruktion Wirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Philosophie David Egli (Author), 2004, Hintergrundfähigkeiten und die Erklärung gesellschaftlicher Erscheinungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31246
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