Ratingagenturen sind seit vielen Jahren auf den Finanzmärkten tätig und prüfen die Bonität und Ausfallwahrscheinlichkeit der Schuldner. Durch ihr Alleinstellungsmerkmal und ihre Legitimierung haben sie marktbeherrschenden Einfluss auf den Finanzmärkten. Mit dem Ausbruch der Subprime Krise 2007 und den darauf folgenden Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrisen in Europa gelangten Ratingagenturen vielfach in den Blickpunkt der Presse, Anleger und Investoren. So wurden die Agenturen des Öfteren mit den Vorwürfen konfrontiert, dass sie nicht essenziell seien und nur öffentlich zugängliche Daten aufbereiten. Außerdem wurden sie aufgrund
der Ratingveränderungen unter anderem für die drohenden Staatsbankrotte mitverantwortlich gemacht. Die Kritik fußte vor allem auf dem Vorwurf der willkürlichen Abstufung der Krisenländer Europas und somit der Verantwortung für eine Verschärfung der Krise.
Auch die Wissenschaft beschäftigt sich kontinuierlich mit dem Einfluss der Ratingagenturen auf die unterschiedlichen Finanzmärkte und kommt zu keiner einheitlichen Meinung.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Frage wie Ratingveränderungen auf Länder und ihre Staatsanleihen wirken. Es wird untersucht ob und wie die Staatsanleihen der PIIGS Länder bei externen Ratingimpulsen durch die Ratingagentur Moody’s Investors Service (Moody’s) reagieren. Ebenso soll die Analyse der Anleihenmärkte und Credit Default Swaps Märkte hinsichtlich der Reaktionen durch die Impulse im Vordergrund stehen. Ziel ist es einen kurzen Überblick über die theoretischen Grundlagen des Ratings, der Anleihebewertung und den Krisen ab 2007 zu ermöglichen. Darüber hinaus sind die Relevanz und der Einfluss von Ratingimpulsen mittels einer Ereignisstudie auf die Staatsanleihen der Krisenländer zu testen und empirisch zu untersuchen.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Zu Beginn werden die Grundlagen des Ratings, im Speziellen die Ratingmethodik dargelegt und das Länderrating durch Moody‘s kurz skizziert. Im Anschluss wird die Bewertung von Staatsanleihen durch die Risikomaße der Renditen und CDS-Spreads analysiert und aufbereitet. Im vierten Kapitel werden die theoretischen Beziehungen zwischen dem Rating und den Bewertungen der Staatsanleihen aufgezeigt.
Anschließend wird im fünften Kapitel der historische Verlauf der Subprime-, Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise vorgestellt und die maßgeblichen Gründe herausgearbeitet. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Ratingprozess
2.1 Ratingmethodik
2.2 Länderratings
3 Bewertung von Staatsanleihen
3.1 Bewertung durch Renditen
3.2 Bewertung durch Credit Default Swaps
4 Die theoretische Beziehung zwischen Länderratings und die Bewertung ihrer Anleihen
5 Krisen ab 2007
5.1 Subprime Krise in den USA
5.2 Finanzmarktkrise
5.3 Europäische Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise
6 Empirische Analyse
6.1 Einleitung und Forschungsübersicht
6.2 Datenbasis und Aufbau der Analyse
6.3 Durchführung der Analyse
6.3.1 Durchführung der grafische Analyse
6.3.2 Durchführung der Datenanalyse
6.4 Ergebnisse der Analyse
7 Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Ratingveränderungen der Ratingagentur Moody’s auf die Sekundärmärkte, spezifisch auf Staatsanleihen und Credit Default Swaps (CDS), für die sogenannten PIIGS-Länder vor dem Hintergrund der Krisen ab 2007.
- Methodische Grundlagen des Ratingprozesses bei Moody’s
- Barwert-basierte Bewertung von Staatsanleihen unter Berücksichtigung von Ausfallrisiken
- Funktionsweise und Bedeutung von Credit Default Swaps als Risikomaß
- Empirische Ereignisstudie zur Marktreaktion auf Ratingimpulse (Downgrades, Upgrades, Watchlist)
- Vergleichende Analyse zwischen den PIIGS-Staaten und der Benchmark Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.2 Bewertung durch Credit Default Swaps
Obwohl Credit Default Swaps vergleichsweise erst kurz auf dem Markt gehandelt werden, haben sie sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Kreditderivat entwickelt. Dies belegen auch die stark angestiegenen Volumen der CDS Geschäfte. CDS ähneln den klassischen Versicherungen beziehungsweise Garantien und werden fast ausschließlich Over-the-Counter (OTC), also außerbörslich, gehandelt. Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) bemüht sich mittels Rahmenverträgen um eine weitgehende Standardisierung der CDS Geschäfte. Die wichtigsten Rahmenpunkte bei einem CDS Geschäft umfassen die folgenden Inhalte:
- Referenzschuldner
- Nominalwert des Geschäftes
- Laufzeit
- Höhe der Prämie
- Art des Kreditereignisses
- Art der Leistung bei Eintritt des Kreditereignisses
Gekennzeichnet ist ein bilaterales CDS Geschäft dadurch, dass sich der Sicherungsnehmer (Sicherungskäufer) beim Sicherungsgeber (Sicherungsverkäufer) gegen Zahlung einer laufenden Prämie für ein ex-ante spezifiziertes Kreditereignis aus einem Basis- bzw. Referenzgeschäft absichert. Die Prämie, der sogenannte CDS-Spread, wird quartalsweise gezahlt und in Basispunkten angegeben.
Determinante der CDS-Prämie ist der erwartete Verlust aus dem Referenzgeschäft, der wiederum maßgeblich von der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Recovery Rate bzw. dem Loss Given Default abhängt. Die Höhe der Prämie wird des Weiteren von dem Volumen des Referenzgeschäftes und dessen Laufzeit bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Rolle von Ratingagenturen und deren kontroverse Wahrnehmung in der Finanzkrise dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen von Ratingimpulsen auf Staatsanleihen.
2 Der Ratingprozess: Dieses Kapitel erläutert die Methodik externer Ratings sowie die spezifischen Kriterien und das Scoring-Modell von Moody’s für Länderratings.
3 Bewertung von Staatsanleihen: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Bewertung von Staatsanleihen mittels Renditen sowie die Funktionsweise von Credit Default Swaps als alternatives Risikomaß beschrieben.
4 Die theoretische Beziehung zwischen Länderratings und die Bewertung ihrer Anleihen: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Rating-Konzepte mit der Marktbewertung von Anleihen und formuliert die Verhaltenshypothesen für die empirische Untersuchung.
5 Krisen ab 2007: Eine historische Aufarbeitung der Subprime-Krise, der Finanzmarktkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise, um den Kontext der empirischen Analyse zu liefern.
6 Empirische Analyse: Der methodische Teil umfasst die Datenbasis, die Durchführung der Ereignisstudie mittels T-Tests und die grafische Auswertung der Auswirkungen von Ratingimpulsen.
7 Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Validität der Hypothesen und reflektiert die Grenzen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Ratingagenturen, Staatsanleihen, Finanzkrise, PIIGS-Länder, Moody's, Credit Default Swaps, Ausfallrisiko, Ereignisstudie, Rendite, CDS-Spread, Ratingimpulse, Bonität, Marktliquidität, Arbitrage, Staatsverschuldung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Ratingveränderungen durch die Ratingagentur Moody’s die Renditen von Staatsanleihen und die CDS-Spreads der PIIGS-Länder während der Krisenjahre beeinflusst haben.
Welche Länder sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) im Vergleich zur Benchmark Deutschland.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und wie die Staatsanleihen und CDS-Märkte auf externe Ratingimpulse reagieren und ob diese Reaktionen den theoretischen Erwartungen entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Ereignisstudie, bei der Rendite- und CDS-Daten grafisch in Relation zu Ratingereignissen gesetzt und mittels einseitiger T-Tests auf Signifikanz geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Ratingprozess, Anleihebewertung), die historische Analyse der Krisen ab 2007 sowie die empirische Auswertung der Marktdaten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Ratingagenturen, PIIGS, Staatsanleihen, Credit Default Swaps, Ausfallwahrscheinlichkeit und Ereignisstudie.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Investment Grade" und "Speculative Grade" eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist regulatorisch entscheidend, da viele institutionelle Anleger aus aufsichtsrechtlichen Gründen keine Wertpapiere mit einem schlechteren Rating als dem "Investment Grade"-Bereich halten dürfen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Staatsanleihen von der von Unternehmen?
Während bei Unternehmensanleihen oft klare Sicherheiten eine Rolle spielen, hängt das Rating für Staaten maßgeblich von der fiskalischen Stärke, der ökonomischen Widerstandsfähigkeit und der politischen Bereitschaft zur Schuldentilgung ab.
Was sind die Hauptergebnisse der Analyse bezüglich "Downgrades"?
Die Analyse zeigt, dass "Downgrades" in den untersuchten Daten meist nicht den theoretisch erwarteten starken Anstieg der Renditen nach sich ziehen, sondern dass die Marktreaktionen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ausfallen.
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- Michael Schmid (Author), 2015, Das Rating von Staaten und die Bewertung ihrer Anleihen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312526