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Torquato Tassos "La Gerusalemme liberata". Residuen des Renaissance-Diskurses in der gegenreformatorischen Formation

Title: Torquato Tassos "La Gerusalemme liberata". Residuen des Renaissance-Diskurses in der gegenreformatorischen Formation

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Rebecca Stelzer (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Die Renaissance gilt bis heute als Zeit des Umbruchs, der erneuten Rezeption antiker Schriften sowie der Erfindung und Entdeckungen, die um die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts bis Ende des 16. Jahrhunderts anzusiedeln ist. In der Epoche der Wiedergeburt werden die kulturellen Leistungen der Antike nach der dunklen Zeit des Mittelalters neu belebt. Das Menschenbild verändert sich im Zuge literarischer und philosophischer Schriften und wird zum Maßstab eines neuen Ordnungssystems, das das theozentrische Weltbild ablöst.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden diese neuen Werte jedoch zunehmend verdrängt durch die gegenreformatorischen Bestrebungen der katholischen Kirche. Dieser kulturelle und zeitliche Umbruch zwischen der Renaissance und ihrer nachfolgenden Epoche des Barocks schlägt sich in der Gesellschaft und Literatur in Form von Unsicherheit und Zerrissenheit nieder. Einer der bedeutendsten Schriftsteller in diesem angespannten Umschwung, der diese innere Zerrissenheit zweier Zeiten selber empfindet und in seinen Werken zum Ausdruck bringt, ist Torquato Tasso (1544-1595). In seinem Hauptwerk "La Gerusalemme liberata" (dt. ‚das befreite Jerusalem‘), das er im Jahr 1575 vollendet aber erst 1581 mit seinem Einverständnis veröffentlicht, ist diese Zerrissenheit zwischen verschiedenen Zeiten und deren Werten besonders präsent. Der junge Tasso, der eben in diesem Übergang zweier Epochen aufwächst und den Konflikt der katholischen Kirche gegenüber ihren Widersachern miterlebt, verarbeitet in seinem christlichen Epos die gegensätzlichen Aspekte seiner Zeit. Die geschichtlich-politische Situation seines Landes transferiert Tasso dabei in die Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahr 1099, in dem die Christen unter Goffredo di Buglione die heilige Stadt Jerusalem aus den Händen der Muslime befreien. Inwiefern dies im Zusammenhang mit dem Konflikt seiner eigenen Zeit steht, wird in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet, mit Fokus auf Residuen des Renaissance-Diskurses.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. La Gerusalemme liberata

II.I. Inhaltliche Angabe

II.II. Geschichtspolitischer Hintergrund

II.III. Das christliche Heldenepos- eine Gattungssymbiose

III. Zwei Wertesysteme

III.I Konträre Kodizes

III.II Armidas Garten

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Torquato Tassos Epos La Gerusalemme liberata vor dem Hintergrund des kulturellen Umbruchs zwischen Renaissance und Barock. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwiefern sich Residuen des Renaissance-Diskurses innerhalb der gegenreformatorischen Formation des Werkes identifizieren lassen und wie Tasso diese Spannungen in seinem Epos harmonisiert.

  • Die Gattungssymbiose zwischen antikem Epos und Romanzo bei Tasso.
  • Die Konfrontation und Vermittlung konträrer Wertesysteme (Christen vs. Heiden).
  • Die Rolle der Figur Rinaldo als „irrender Ritter“ zwischen Pflichterfüllung und individueller Leidenschaft.
  • Die Funktion von Armidas Garten als Ort irdischer Verlockung und barocker Vergänglichkeit.
  • Das poetologische Konzept der „discorde concordia“.

Auszug aus dem Buch

II.III. Das christliche Heldenepos- eine Gattungssymbiose

Das, für das Zeitalter Tassos typische, gleichzeitige Vorhandensein von Gegensätzen zieht sich durch das gesamte Werk der Gerusalemme liberata und stellt eines von dessen besonderen Charakteristika dar. Bereits die Gattung beinhaltet zwei kontrastierende Elemente, die des Romanzo und des antiken Epos‘, die in einer Symbiose zusammenfinden. Diese beiden, von Tasso zusammengeführten, literarischen Stränge entwickelt er weiter und schafft so eine neue Form, die des christlichen nachantiken Epos‘.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts setzt eine erneute Rezeption der aristotelischen Poetik ein, die die Kriterien ästhetischer Beurteilung bereitstellen sollte. Diese Produktionspoetik stieß auf das höchst erfolgreiche epische Genre des zeitgenössischen Romanzo, das den Kategorien der aristotelischen Epentheorie entgegenstand.

Als Theoretiker steht Tasso in der Tradition der aristotelischen Poetik, jedoch als Dichter ebenso in der Kontinuität des, insbesondere durch Ludovico Ariosto (1474-1533) berühmt gewordenen, Romanzo. Tasso versuchte beide Formen, der theoretischen Reflexion und der poetischen Praxis, zusammenzubringen, woraus die Idee einer neuen Form des Epos‘ entstand. Hierbei geht es insbesondere um die Zusammenführung der normativen aristotelischen Gattungstheorie und des Erwartungshorizontes eines konkreten Publikums, welches sich von einem Werk Vielfalt und Abwechslung verspricht. Die neue Form des Epos‘ sollte sich dem Romanzo nicht entgegensetzen, sondern diesen in sich integrieren, woraus sich die Notwendigkeit ergab, in einigen Punkten über die klassische Epentheorie des Aristoteles hinauszugehen und diese zu aktualisieren. Dies tat Tasso in seinen Discorsi dell’arte poetica, die er in den 1560er Jahren verfasste, und konstruierte theoretisch die Form des christlichen nachantiken Epos‘, welche er später mit La Gerusalemme liberata poetisch realisierte. Hierin verbindet er die zwei Momente des Wahrscheinlichen (‚verosimile‘) und Wunderbaren (‚meraviglioso‘), die bei Aristoteles noch im problematischen Zusammenhang standen. „Unter den Voraussetzungen der christlichen Religion erhält das Wunderbare die Legitimation des Wahrscheinlichen“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Umbruch zwischen Renaissance und Barock ein und benennt die Forschungsfrage hinsichtlich der Residuen des Renaissance-Diskurses in Tassos Werk.

II. La Gerusalemme liberata: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Zusammenfassung sowie eine Einordnung des Epos in den geschichtspolitischen Kontext der Gegenreformation und der Gattungssymbiose.

III. Zwei Wertesysteme: Hier wird der Konflikt zwischen christlichen und heidnischen Werten sowie die symbolische Bedeutung von Armidas Garten detailliert analysiert.

IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Tasso in seinem Epos die Spannungen seiner Zeit synthetisiert und das Werk trotz gegenreformatorischer Ausrichtung als einzigartige Vermittlung zwischen Renaissance-Idealen und neuer Ordnung etabliert.

Schlüsselwörter

Torquato Tasso, La Gerusalemme liberata, Renaissance, Barock, Gegenreformation, Epos, Romanzo, Gattungssymbiose, Rinaldo, Armida, discorde concordia, Wertesysteme, Christentum, Osmanenreich, Renaissance-Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Werk La Gerusalemme liberata von Torquato Tasso unter dem Aspekt der inneren Zerrissenheit des Autors und seiner Zeit zwischen den Werten der ausgehenden Renaissance und der aufkommenden Gegenreformation.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Gattungstheorie des Epos, die historische Situation des 16. Jahrhunderts (Türkenkriege, Reformation) sowie der Konflikt zwischen individueller Freiheit und religiös-kollektiver Pflicht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Tasso in seinem Werk trotz eines gegenreformatorischen Rahmens bewusst Elemente des Renaissance-Diskurses beibehält und diese in eine neue Form des „christlichen nachantiken Epos“ integriert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Epos mit poetologischen Schriften Tassos sowie zeitgenössischer Forschungsliteratur (wie Zatti, Caretti und Stierle) vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche und historische Einführung, eine Gattungsdiskussion und eine detaillierte Analyse der Wertesysteme, insbesondere am Beispiel des „irrenden Ritters“ Rinaldo und des Gartens der Zauberin Armida.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Renaissance-Diskurs, discorde concordia, Gattungssymbiose, Romanzo, Gegenreformation und die Ambivalenz zwischen Einheit und Vielfalt.

Warum wird der Begriff „bifrontismo spirituale“ zur Charakterisierung von Tasso verwendet?

Dieser von Lanfranco Caretti geprägte Begriff verdeutlicht die innere Zerrissenheit Tassos, der sowohl die religiösen Anforderungen seiner Zeit akzeptiert als auch eine starke Faszination für die weltlichen und individuellen Werte der Renaissance empfindet.

Wie unterscheidet sich Tassos „nachantikes Epos“ von der klassischen antiken Vorgabe?

Tasso integriert die Vielfalt und Abwechslung des Romanzo in die strenge aristotelische Einheit des Epos, um den Erwartungen seines Publikums zu entsprechen, ohne die epische Handlungsstruktur aufzulösen.

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Details

Title
Torquato Tassos "La Gerusalemme liberata". Residuen des Renaissance-Diskurses in der gegenreformatorischen Formation
College
Free University of Berlin  (Romanische Philologie)
Course
Renaissance und Barock in der Romania
Grade
1,3
Author
Rebecca Stelzer (Author)
Publication Year
2014
Pages
24
Catalog Number
V312564
ISBN (eBook)
9783668116375
ISBN (Book)
9783668116382
Language
German
Tags
Italienisch Literatur Renaissance Rinascimento Torquato Tasso Epos Ritterepos Reformation Katholisch Jerusalem Lyrik Ariost italiano Barock Romanistik Goffredo Gerusalemme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Stelzer (Author), 2014, Torquato Tassos "La Gerusalemme liberata". Residuen des Renaissance-Diskurses in der gegenreformatorischen Formation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312564
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