Spiegeln Organigramme die realen Machtverhältnisse in Organisationen wider?

Verlässlicher Gradmesser oder beschränkte Aussagekraft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung ...1
1.1 Vorgehensweise ...1
1.2 Untersuchungsgegenstand ...1
1.3 Wissenschaftliche Relevanz ...2

2 Theoretische Grundlagen ...2
2.1 Definition des Begriffes Macht ...2
2.2 Organigramme in der wissenschaftlichen Arbeit ...3
2.3 Mikropolitik in Organisationen ...3
2.4 Formale Hierarchien vs. Mikropolitik ...5

3 Machtverteilung in der Praxis ...6
3.1 Formale Machtverteilung in Großunternehmen ...6
3.2 Beispiel 1: IT-Leitung ...6
3.3 Beispiel 2: Mitarbeiter der Post-/Versandstelle ...8
3.4 Reale Machtverteilung ...9

4 Schlussbetrachtung ...10
4.1 Zusammenfassung ...10
4.2 Resümee ...10

5 Verwendete Quellen ...12

1 Einleitung

1.1 Vorgehensweise

Untersucht man eine Organisation nach wissenschaftlichen Maßstäben, steht das Organigramm häufig am Anfang der Arbeit. Diese grobe Übersicht über Akteure und Handlungseinheiten ist in der Regel schnell verfügbar und zeigt auch Organisationsfremden auf einen Blick, wie die Entscheider miteinander verbunden sind, wie die Organisation aufgebaut ist und wie die Hierarchiestränge festgelegt sind. Doch zeigt dieses formale Abbild der Organisation die reale Machtverteilung? Wird in der Praxis genau anhand der definierten Stränge von oben nach unten hin entschieden? Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob formale Organigramme die reale Machtverteilung einer Organisation tatsächlich widerspiegeln.

Nach einer Definition des hier zugrundeliegenden Begriffs von Macht wird ein kurzer Überblick über hierfür themenrelevanten Theorieansätze aus der Organisationssoziologie gegeben, insbesondere darüber was genau Mikropolitik in Organisationen ausmacht. Der Ansatz der Mikropolitik, der unter anderem die realen Machtbeziehungen zwischen Akteuren in Organisationen zu beschreiben versucht, soll einen Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. In einem Praxis-Exkurs soll die Machtverteilung dann anhand von zwei Beispielen – dem Leiter der IT-Abteilung sowie einem Mitarbeiter der Versandabteilung eines Großunternehmens – diskutiert werde. Ein Resümee der Untersuchungen wird in der Schlussbetrachtung gezogen.

1.2 Untersuchungsgegenstand

Auch wenn die Erkenntnisse sicherlich auf eine Vielzahl von Organisationstypen wie Parteien, Vereine oder Verbände projiziert werden könnten, möchte ich in dieser Arbeit beispielhaft die Machtverhältnisse eines Großunternehmens mit mehr als 500 Mitarbeitern zugrunde liegen. Da es hier um eine theoretische Analyse und nicht um eine empirische Untersuchung geht, sind alle in dieser Arbeit verwendeten Beispiele fiktiv. Sie sind allerdings angelehnt an die Realität eines Versicherungsunternehmens bzw. eines Großverlags, die als Beispielhaft für Organisationen dieser Art gelten können.

1.3 Wissenschaftliche Relevanz

Verlassen wir die Theorie und untersuchen wissenschaftlich die realen Machtverhältnisse in einer existierenden Organisation, sind empirische Untersuchungen in der Regel unumgänglich. Da diese beispielsweise in Form von Interviews mit den handelnden Akteure oder standardisierten Fragebögen erfolgen, ist sowohl die Datenerhebung als auch die -auswertung zeitaufwändig und arbeitsintensiv. Um einen Überblick zu erhalten, wie die Macht in der zu untersuchende Organisation verteilt sein könnte, bieten sich formale Organigramme an. Sie zeigen festgelegte Hierarchien auf, an ihnen lässt sich beispielsweise ablesen, wer gegenüber wem weisungsbefugt ist – daraus lassen sich, so die Grundannahme, erste Rückschlüsse auf eine Machtverteilung ziehen. Auch die Auswahl von Akteuren, die für eine empirische Erhebung eine Rolle spielen könnten, könnte anhand des Organigramms getroffen werden. Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich nun untersuchen, ob diese niedergeschriebenen Organigramme auch die tatsächliche Machtverteilung widerspiegeln – und ob sie damit als erster Schritt einer fundierten wissenschaftlichen Untersuchung der Organisation, die auch die Aspekte der Mikropolitik berücksichtigt, überhaupt geeignet sind oder ob sie doch nur eine beschränkte Aussagekraft besitzen und damit für den Wissenschaftler ungeeignet sind.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition des Begriffes Macht

Allein die Definition des Begriffes Macht könnte diese Arbeit sprengen. Ich möchte deshalb hier einen Machtbegriff zugrunde liegen, der ausschließlich auf Beziehungsverhältnisse von Akteuren innerhalb einer Organisation bezogen ist. Als prägnant und geeignet für die Untersuchung bewerte ich den Erklärungsansatz von Michel Crozier und Erhard Friedberg. Demnach ist Macht die Fähigkeit von Akteuren, Ressourcen wie Expertenwissen, Umweltbeziehungen, Kontrolle von Informations- und Kommunikationskanälen sowie die Nutzung von Organisationsregeln für die eigenen Interessen zu mobilisieren.[1] Jörg Bogumil und Josef Schmid ergänzen diese Ausführungen passend: „Macht entfaltet sich in den Austauschbeziehungen der Akteure und wird zum Ausdruck des Handelns. Wer eine für einen anderen Akteur relevante Unwissenheitsquelle kontrolliert, verfügt über Macht.“[2]

2.2 Organigramme in der wissenschaftlichen Arbeit

Ein Organigramm zeigt auf, wie einzelne Einheiten und Positionen einer Organisation zueinander angeordnet sind. Ein Organigramm kann die Arbeitsteilung erleichtern und zeigt gleichzeitig Hierarchien auf. Dem Wissenschaftler dient es somit dazu, den Untersuchungsgegenstand Organisation besser zu verstehen und einen Überblick über den gewollten Aufbau der Organisation zu erhalten. Auch lassen sich Rückschlüsse ziehen, welche Intentionen mit der Festlegung der Hierarchien verfolgt wurden. Doch Organisationen sind nicht nur durch ein theoretisches Hierarchiegerüst geprägt, sondern auch durch die individuell handelnden Akteure innerhalb der Organisation. Sylvia Marlene Wilz bemerkt dazu: „Es (das Entscheiden, der Autor) besteht darin, dass sich die Organisationsmitglieder als denkende und handelnde Akteure einander gegenüber treten, dass diese in Interaktionen miteinander treten, Entscheidungen treffen und sich wechselseitig Entscheidungen zuschreiben.“[3] Durch diese Betrachtungsweise rückt für die wissenschaftliche Analyse der Machtverhältnisse in einer Organisation anhand eines Organigramms auch die Mikropolitik innerhalb der Organisation in den Fokus des Forschers.

2.3 Mikropolitik in Organisationen

Entscheidungen in Organisationen folgen selten dem „Top-Down-Prinzip“. Umgesetzt auf ein Großunternehmen ist es demnach keine feste Regel, dass eine Entscheidung der Geschäftsführung über alle Ebenen kommentarlos und unverändert bis in die untersten Abteilungen entgegengenommen und abgearbeitet wird.

[...]


[1] Crozier/Friedberg, S. 49 ff., vgl. auch Bogumil/Schmid, S. 57 f.

[2] Bogumil/Schmid, S. 57 f.

[3] Wilz, S. 26

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Spiegeln Organigramme die realen Machtverhältnisse in Organisationen wider?
Untertitel
Verlässlicher Gradmesser oder beschränkte Aussagekraft?
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Organisationssoziologische Grundlagen
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V312605
ISBN (eBook)
9783668116450
ISBN (Buch)
9783668116467
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit erfolgte im B.A. Politik und Verwaltungswissenschaft, Modul 2.8 (VS) Organisationssoziologische Grundlagen, der FernUni Hagen.
Schlagworte
Organisationen, Mikropolitik, Organigramme, Soziologie, Unternehmen, Organisationssoziologie, Verwaltungswissenschaft, Macht, Machtverhältnisse
Arbeit zitieren
Kai Gerullis (Autor), 2009, Spiegeln Organigramme die realen Machtverhältnisse in Organisationen wider?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312605

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