Der Bildungsbegriff hat sich auf Grund von Forschung und Wissenschaft stetig verändert und erweitert. Informelle Bildung als frühkindliche Bildung in den Tageseinrichtungen, Schulbildung, Berufsausbildung, berufliche Fortbildungen, lebenslanges Lernen sind genauso Bestandteil im Alltagsleben, wie das Denken von Bildung über die Schule hinaus. Der Begriff „Bildungslandschaften“ impliziert Bildung als Auftrag für kommunales Engagement und Auftrag zur nicht formellen Bildung im sozialen Raum. Diese nicht formellen Bildungsorte eröffnen den Zugang der Profession Soziale Arbeit. (vgl. ebenda: 108 f.) Sich daraus ergebende Bildungsziele und –inhalte werden in der Hausarbeit dargestellt.
Nicht zuletzt mit Erscheinen der jeweiligen PISA-Studien wird über Bildungs- und Chancengleichheit diskutiert und als soziale Frage definiert. Bildungsgerechtigkeit herzustellen, wird eine zukunftsweisende Aufgabe der Gesellschaft und der Sozialen Arbeit, auch im Bereich der frühkindlichen Bildung in der Kindertagesstätte. (vgl. ebenda: 106) Bildung findet unter den Bedingungen von Ungleichheit statt (vgl. Braun/Wetzel, 2010a: 36). Verschiedene Differenzkategorien bestimmen den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten. In der vorliegenden Arbeit wird speziell die Differenzkategorie Geschlecht im Bildungskontext untersucht.
Meine These, dass in der Vorschulerziehung derzeit keine geschlechterdemokratische Bildung stattfindet, wird auf Richtigkeit geprüft. Ich gehe darauf aufbauend der Frage nach, wie es durch Soziale Arbeit in der Kindertagesstätte gelingen kann, geschlechtsspezifische Ungleichproblematiken zu erkennen, eigene Konstruktionen wahrzunehmen und kritisch zu hinterfragen. Es wird ausgeführt, welche Beachtung die Differenzkategorie Geschlecht in gesetzlichen Vorgaben und speziell im Sächsischen Bildungsplan findet. Weiterhin wird untersucht, welche Herausforderungen es für zeitgemäße Bildungsprozesse in den Kindertageseinrichtungen im Kontext der Differenzkategorie Geschlecht gibt. Die Wichtigkeit neuer pädagogischer Handlungsformen wird aus theoretischen Überlegungen abgeleitet und am Beispiel meines Arbeitsfeldes, einer Kindertagesstätte, untersucht und dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Bildungsbegriff
2.1 Definition Bildung
2.2 Bildungsziele
2.3 Bildungsinhalte
3. Herausforderungen für zeitgemäße Bildungsprozesse in den Kindertageseinrichtungen im Kontext der Differenzkategorie Geschlecht
3.1 Biologisches und soziales Geschlecht
3.2 Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit - der Weg vom Grundgesetz zum Sächsischen Bildungsplan
3.3 Soziale Ungleichheit als Lernprodukt
3.4 Konsequenzen für geschlechtergerechte pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Förderung von Bildungsgerechtigkeit in Kindertagesstätten, wobei der Fokus insbesondere auf der Differenzkategorie Geschlecht liegt. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit aktuelle pädagogische Ansätze zur Überwindung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten beitragen können.
- Historische und theoretische Entwicklung des Bildungsbegriffs
- Differenzierung zwischen biologischem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender)
- Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen, insbesondere des Sächsischen Bildungsplans
- Untersuchung von Rollenzuschreibungen und sozialen Ungleichheiten als "Lernprodukte" im Kita-Alltag
- Strategien zur Implementierung geschlechterdemokratischer Arbeitsweisen
Auszug aus dem Buch
3.1 Biologisches und soziales Geschlecht
Zur Unterscheidung des biologischen und sozialen Geschlechts begründete Stoller 1968 die Begriffe sex und gender. Mit sex wird die biologische Grundtatsache bezeichnet, dass es männliche und weibliche Menschen gibt, wobei es Ausnahmen wie zum Beispiel der, der Transsexualität gibt. (vgl. Rohrmann/Thoma, 1998: 104) Für die Ausprägung der weiblichen oder männlichen Geschlechtsorgane sind rein biologisch betrachtet die X- beziehungsweise Y-Chromosomen verantwortlich. Von den Geschlechtsorganen abgesehen, sind die tatsächlich erkennbaren körperlichen Geschlechtsunterschiede im Kindesalter gering, da sich diese erst in der Periode der Pubertät sichtbar entwickeln. Mit gender werden soziale und kulturelle Aspekte der Geschlechterunterschiede bezeichnet. (vgl. ebenda: 101) Gesellschaftliche Ungleichheit der Geschlechter ergibt sich nicht aus dem biologischen Unterschied (sex), sondern aus Zuschreibungen bezüglich der Geschlechterrollen und Geschlechterstereotypen (gender). Hier werden kulturelle Erwartungen, Verhaltensweisen, Einstellungen und Persönlichkeitseinstellungen für Männer und Frauen zugeordnet. Diese sind dabei nicht für alle Zeit festgeschrieben, sondern einem gesellschaftlichen Wandel unterworfen. (vgl. ebenda: 105) Geschlechtergerechtigkeit zielt deshalb als politischer Auftrag darauf ab, generell die ungleichen Lebenssituationen von Männern und Frauen zu berücksichtigen (vgl. Walter, 2005: 54).
Für die Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung bedeutet dies in der Folge:
- Geschlechterstereotypen erkennen und abbauen,
- Bildungs- und Erziehungskonzepte kritisch auf Geschlechtergerechtigkeit prüfen,
- Erwartungshaltungen in Bezug auf Geschlechterklischees von „typisch“ weiblich oder männlich werden vermieden (vgl. ebenda).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Bildung im Kontext der Sozialen Arbeit und formuliert die Forschungsfrage bezüglich geschlechterdemokratischer Bildung in der Vorschulerziehung.
2. Der Bildungsbegriff: Dieses Kapitel definiert Bildung als zukunftsoffenen, lebenslangen Prozess und erläutert Ziele sowie Inhalte im Rahmen der modernen Frühpädagogik.
3. Herausforderungen für zeitgemäße Bildungsprozesse in den Kindertageseinrichtungen im Kontext der Differenzkategorie Geschlecht: Dieser Hauptteil analysiert die theoretischen und praktischen Hürden bei der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in Kitas unter Berücksichtigung rechtlicher und sozialer Aspekte.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, geschlechtergerechte Pädagogik als Querschnittsaufgabe in der frühkindlichen Bildung zu verankern.
Schlüsselwörter
Bildungsgerechtigkeit, Soziale Arbeit, Kindertagesstätte, Geschlecht, Gender, Geschlechtergerechtigkeit, Vorschulerziehung, Sächsischer Bildungsplan, Rollenzuschreibungen, soziale Ungleichheit, Pädagogik, Identitätsentwicklung, Chancengleichheit, Gender Mainstreaming, Frühpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Geschlechts auf Bildungschancen von Kindern in Kindertagesstätten und der Rolle der Sozialen Arbeit dabei.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören der Bildungsbegriff, die Differenzierung von Geschlecht (sex/gender), die rechtliche Situation in Sachsen und die praktischen Anforderungen an Erzieher_innen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, ob in der aktuellen Vorschulerziehung bereits eine geschlechterdemokratische Bildung stattfindet und wie Soziale Arbeit hier verbessernd eingreifen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie ihre eigenen praktischen Erfahrungen aus der pädagogischen Arbeit in verschiedenen Kindertageseinrichtungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die begrifflichen Grundlagen, die rechtlichen Vorgaben (Grundgesetz, Bildungsplan), die Entstehung sozialer Ungleichheit und konkrete Handlungsfolgen für das pädagogische Personal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Gender, Kindertagesstätte, soziale Ungleichheit und Soziale Arbeit.
Was bedeutet "Soziale Ungleichheit als Lernprodukt" in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt, wie Kinder durch gesellschaftliche Vorbilder und das Verhalten von Erzieher_innen bereits früh in geschlechtsspezifische Rollen gedrängt werden, was ihre Bildungswege einschränkt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle männlicher Erzieher?
Die Autorin sieht in der Gewinnung männlicher Erzieher eine Chance für vielfältigere Vorbilder, stellt jedoch fest, dass diese oft in Leitungspositionen oder traditionell "männliche" Aufgabenbereiche gedrängt werden.
- Quote paper
- Ute Novke (Author), 2015, Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit. Bildungsgerechtigkeit in der Kindertagesstätte im Kontext Differenzkategorie Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312632