Vom Maastricht-Vertrag bis zum Start der Europäischen Währungsunion

Ein kleiner Überblick


Facharbeit (Schule), 2015

17 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Maastricht Vertrag
2.1 Vorgeschichte
2.2 Ziele der gemeinsamen Währung
2.3 Entstehung des Vertrags von Maastricht

3. Die Euro-Länder
3.1 Konvergenzkriterien
3.2 Erfüllung der Konvergenzkriterien
3.3 Mitgliedsstaaten zu Beginn der Währungsunion
3.4 Spätere Beitrittsländer zur Europäischen Währungsunion

4. Zeitlicher Ablauf bei der Einführung der EWU
4.1 Europäisches Währungsinstrument
4.2 Festlegung der Beitrittsländer
4.3 Gründung der EZB
4.4 Einführung des Euro-Buchgeldes
4.5 Einführung des Euro-Bargeldes

5. Die Entwicklung des Euro Außenwerts

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Weltwirtschaftskrise von 2007 ist das Ergebnis von hausgemachten Fehlern in den USA und des wirtschaftlichen Aufstiegs der Länder im fernen Osten. Durch die Krise verschuldeten sich viele EU-Länder, da die Wirtschaft in dieser Zeit sehr schlecht lief. Ein Land, das durch diese Krise sehr stark unter die Räder gekommen ist, ist Griechenland. Es hatte sich so stark verschuldet, dass es nicht mehr in der Lage war, die Schulden zurück zu zahlen. Nachdem Ende 2009 die Renditen der griechischen Staatsanleihen weiter stark anstiegen, beantragten sie am 23.April 2010 ein Dreijähriges Hilfspakt mit einem Volumen von 45 Milliarden Euro. Es wurden von der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union (EU) in den folgenden Jahren Kredite im Umfang von mehreren Hundert Milliarden Euro vergeben. Zwar ist die Schuldenkrise noch lange nicht überwunden, jedoch lässt sich jetzt schon sagen, dass Griechenland ohne die Hilfe von der EU die Krise nicht überstanden hätte. Deshalb führt die griechische Finanzkrise den Europäern täglich vor Augen, wie eng Europa durch seine Währung zusammengerückt ist. Bei aller Kritik und allen Ängsten wird dabei fast vergessen, dass es bis zur heutigen Union ein langer Weg war. Der Vertrag von Maastricht war einer der großen Meilensteine zur gemeinsamen Währung, einer Außen- und Sicherheitspolitik und weiterführenden Kooperationen. Er wurde vor über 20 Jahren beschlossen und stellt einen der wichtigsten Schritte für die europäische Integration dar. In der folgenden Arbeit mit dem Titel „Vom Maastricht-Vertrag bis zum Start der Europäischen Währungsunion (EWU)“ wird erläutert, wie es zur gemeinsamen Währungen gekommen ist, welche Hürden zu überwinden waren und welchen Stellenwert der heutige Euro in der Welt einnimmt.

2. Der Maastricht Vertrag

2.1 Vorgeschichte

Das Europäische Währungssystem (EWS) war der Vorgänger der Europäischen Währungsunion (EWU), welche im Maastricht Vertrag gegründet wurde. Es bestand vom 13. März 1979 bis zum 31. Dezember 1998.1 Der sogenannte Wechselkurs- mechanismus (WKM) war das Kernelement des EWS und sollte die Wechselkurs- fluktuationen innerhalb spezifisch festgelegter Bandbreiten halten. Diese damals untereinander vereinbarten Bandbreiten hatten enge Schwankungsbreiten, welche in der Regel nach oben und nach unten bei zweieinhalb Prozent lagen.2 Um diese Wechselkursfluktuationen zu kontrollieren brauchte man eine unveränderliche Bezugsgröße zum Umrechnen der Währungen untereinander. Deshalb wurde im EWS die „European Currency Unit“3 (ECU) geschaffen. Sie diente nur als Rechen- einheit und war deshalb auch keine Währung, sondern nur eine künstliche Einheit und setzte sich aus zwölf EU-Währungen zusammen. Die Mitgliedsländer waren formal alle Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft, jedoch wendeten nicht alle Länder den Wechselkursmechanismus an. Somit gehörten nur die Länder Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg und Niederlande anfänglich zum EWS. Zwischen 1989 und 1998 traten noch die Länder Spanien, Großbritannien, Portugal, Österreich, Finnland und Griechenland bei.4

2.2 Ziele der gemeinsamen Währung

Eine gemeinsame Währung ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch äußerst sinnvoll und hat nach der ESZB-Satzung vorrangig das Ziel, „die Preisstabilität zu gewährleisten“.5 Dadurch soll das Währungssystem die Stabilität der Kaufkraft der gemeinsamen Währung (Euro) sicherstellen und eine Inflation verhindern. Dieses Ziel gilt als erfüllt, wenn der durchschnittliche Anstieg der Verbraucherpreise den Wert von zwei Prozent nicht übersteigt. Dadurch sollen die Erwartungen der Haushalte und Unternehmen stabilisiert werden. Solange diese Preisniveaustabilität erhalten bleibt, werden auch andere Absichten verfolgt. Ein weiteres Ziel ist es, die europäische Wirtschaft anzutreiben, indem die Währungswechselkosten entfallen und sich somit der internationale Handel im Euro-Raum deutlich erleichtert.6 Hinzu kommt, dass eine einheitliche Währung in einem so großen Raum (EU-Raum) diese sehr konkurrenzfähig und unabhängig gegenüber dem amerikanischen Dollar macht, und ihr somit eine gewichtigere Stimme in der Welt verliehen wird. Darüber hinaus würde eine solche Währung zur Ergänzung des Binnenmarktes beitragen und dessen Effizienz steigen lassen.

2.3 Entstehung des Vertrags von Maastricht

Der Vertrag von Maastricht war eine Ausweitung der Gründungsverträge zur Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und „stellt eine neue Stufe bei der Verwirklichung einer immer engeren Union der Völker Europas dar, in der die Entscheidungen möglichst bürgernah getroffen werden.“7 Ebenso wurde die Europäische Union geschaffen, welche auf drei Säulen basiert, nämlich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), der Europäischen Gemeinschaften (EG) und der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen (JI).8 Er war das Ergebnis von diskreten und äußerlichen Einflüssen. So trugen der Zusammenbruch des Kommunismus und die absehbare Wieder- vereinigung auf außenpolitischer Ebene dazu bei, dass man sich entschloss, die internationale Position der Gemeinschaften zu stärken. Ebenfalls wollten die Mitgliedsstaaten die erreichten Fortschritte durch Reformen wie zum Beispiel durch die Einheitliche Europäische Akte sichern und darauf aufbauen. Anhand von diesen Faktoren, gab der Europäische Rat einer Sachverständigengruppe unter Jacques Delors den Auftrag, konkrete Schritte zur Schaffung einer Wirtschaftsunion vorzuschlagen. Die entsprechenden Vorschläge wurden schließlich am neunten und zehnten Oktober 1991 auf einem Gipfeltreffen in Maastricht besprochen und abgeschlossen.9 Der Ausschuss unter Delors entwarf dabei den sogenannten Delors-Bericht, der ein Fahrplan zur Schaffung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sein sollte. Dabei schlug Delors einen Weg in drei Stufen vor. Die erste Stufe begann am ersten Juli 1990 mit dem schrittweisen Abbau von Kapitalkontrollen. Die zweite Stufe begann ab 1994 und es wurden die Voraus- setzungen für eine stabile gemeinsame Währung geschaffen. Die dritte und letzte Stufe war ab Ende 1998 mit der Festlegung endgültiger Umrechnungskurse der nationalen Währungen zum Euro. Nach weiteren Überarbeitungen wurde der Vertrag über die Europäische Union am 07.02.1992 in der niederländischen Stadt Maastricht von zwölf Staaten unterzeichnet.10 Da jedoch Dänemark 2012 in einem Referendum den Maastricht-Vertrag mit 50,3 Prozent ablehnte und Deutschland eine Verfassungsklage gegen die parlamentarische Zustimmung zum Vertrag einlegte, kam es zur Verzögerung der Vertragseinführung. Nachdem 1993 ein weiteres Referendum in Dänemark durchgeführt wurde und die Mehrheit für die Europäische Union stimmte, trat schließlich am 01.11.1993 der Vertrag über die Europäische Union in Kraft.11

3. Die Euro-Länder

3.1 Konvergenzkriterien

Jeder EU-Mitgliedsstaat war dazu verpflichtet, die durch den Vertrag von Maastricht vorgegebenen Konvergenzkriterien oder auch sogenannten Kopenhagener Kriterien einzuhalten. Ebenso mussten Länder, die erst später zur Währungsunion beitraten, diese Voraussetzungen erfüllen, bei denen es sich sowohl um politische als auch wirtschaftliche Kriterien handelt.12 Aus der Anwendung des Vertrages von Maastricht ergeben sich im Einzelnen folgende Eintrittsbedingungen. Ein Kriterium schreibt vor, dass die durchschnittliche jährliche Inflationsrate des jeweiligen Landes nicht mehr als eineinhalb Prozentpunkte über den drei preisstabilsten Mitgliedsstaaten der EU liegen darf. Des Weiteren muss der langfristige Zinssatz des Mitgliedsstaates, welches sich um die Einführung des Euro bewirbt, weniger als zwei Prozent über dem Referenzwert liegen. Dieser ergibt sich aus der Berechnung des durchschnittlichen langfristigen Zinssatzes der drei EU-Länder, die die besten Ergebnisse im Bereich der Preisstabilität vorweisen. Das Wechselkurskriterium schreibt vor, dass der jeweilige Staat innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Konvergenzprüfung am Wechselkursmechanismus beziehungsweise am Wechselkursmechanismus Ⅱ spannungslos teilgenommen hat. Eine weitere Voraussetzung ist die sogenannte Defizit- und Schuldenquote. Hierbei muss eine entsprechende Haushaltsdisziplin über längere Zeit erkennbar sein. So dürfen die Schulden, die ein Staat aufnimmt, nicht höher als drei Prozent des Bruttoinlands- produktes (BIP) sein und der öffentliche Bruttoschuldenstand darf nicht mehr als 60 Prozent des nominalen BIP betragen.13

3.2 Erfüllung der Konvergenzkriterien

Laut Görgens wurde „die erste Konvergenzprüfung im April / Mai 1998 auf der Grundlage der Konvergenzberichte der EU-Kommission und des EWI vorgenommen.“14 Nachdem die Konvergenzkriterien Ende März 1998 vorlagen, empfahl die EU-Kommission, dass elf Staaten (siehe 3.3) in die Währungsunion aufgenommen werden sollen. Betrachtet man nun jedoch einmal den Konvergenzbericht von 1998, so stellt man fest, dass viele Staaten die für die Währungsunion empfohlen worden sind, die Konvergenzkriterien nicht erfüllt haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht über die Konvergenzlage der EU-Staaten (1998)15

Laut der vorliegenden Tabelle hätten nur die Länder Finnland, Frankreich, Luxemburg und das Vereinigte Königreich zur Währungsunion beitreten dürfen, wobei Großbritannien durch die sogenannte „Opting-Out-Klausel“16 nach der Erfüllung der Konvergenzkriterien entscheiden konnte ob sie den Euro annehmen wollten oder nicht.

[...]


1 vgl. o. V., online: Homepage des Europaparlaments, http://europarl.europa.eu/brussels/website/media/modul_06/Hintergrundinformationen/Pdf/EWS_ECU. pdf, aufgerufen am 24.10.2015

2 vgl. o. V., online: Homepage der Deutschen Bundesbank, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_7.html?notFir st=true&docld=145152#chap, aufgerufen am 25.10.2015

3 Vieracker, A., Das Europäische Währungssystem EWS (2002), S.10

4 vgl. Vieracker, A., Das Europäische Währungssystem EWS (2002), S.8

5 o. V., online: Homepage der Europäischen Zentralbank, https://www.ecb.europa.eu/ecb/legal/pdf/c_32620121026de_protocol_4.pdf, aufgerufen am 26.10.2015, S.1

6 vgl. o. V., online: Homepage der Europäischen Zentralbank, https://www.ecb.europa.eu/economy_finance/euro/index_de.htm, aufgerufen am 26.10.2015

7 o. V., online: Homepage der Europäischen Union, http://europa.eu/eu-law/decision- making/treaties/pdf/treaty_on_european_union/treaty_on_european_union_de.pdf, aufgerufen am 28.10.2015, S.9

8 vgl. o. V., online: Homepage von Examen Europaeum, http://examen- europaeum.com/EEE/EEE2003/36DiedreiSaeulen.htm, aufgerufen am 28.10.2015

9 Görgens, E., u.a., Europäische Geldpolitik (2014), S.35

10 vgl. o. V., online: Homepage von EUR-Lex, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV:xy0026, aufgerufen am 28.10.2015

11 vgl. o .V., online: Homepage von EUR-Lex, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=uriserv:l25061, aufgerufen am 28.10.2015

12 vgl. Görgens, E., u.a., Europäische Geldpolitik (2014), S.46

13 vgl. Görgens, E., u.a., Europäische Geldpolitik (2014), S.47-50

14 Görgens, E., u.a., Europäische Geldpolitik (2014), S.51

15 o. V., online: Homepage der Deutschen Bundesbank, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/1998/1998 _04_monatsbericht.pdf?_blob=publicationFile, aufgerufen am 29.10.2015

16 o. V., online: Homepage von dem wirtschaftslexikon24, www.wirtschaftslexikon24.com/d/opting-out-klausel/opting-out-klausel.htm, aufgerufen am 29.10.2015

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vom Maastricht-Vertrag bis zum Start der Europäischen Währungsunion
Untertitel
Ein kleiner Überblick
Note
1,4
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V312892
ISBN (eBook)
9783668120945
ISBN (Buch)
9783668120952
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maastricht-Vertrag, Euro, Währung
Arbeit zitieren
Franz-Josef Lipp (Autor:in), 2015, Vom Maastricht-Vertrag bis zum Start der Europäischen Währungsunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312892

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