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Die verleugnete Spur der Vernichtung. Psychische Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah

Title: Die verleugnete Spur der Vernichtung. Psychische Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah

Scientific Essay , 2014 , 18 Pages

Autor:in: Heiko Mussehl (Author)

Psychology - Miscellaneous
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Der Autor diskutiert zu Beginn seine persönlichen Erfahrungen in Begegnungen mit jüdischen Überlebenden der Shoah und ihren Nachkommen, wo er einer gewissen Unheimlichkeit begegnet sein will, die als “wissend, aber nicht im vollen Umfang der Gefühle begriffen” bezeichnen möchte.

Eine weitere Erörterung von Situationen von Impasse in psychoanalytischen Behandlungen, zusammen mit theoretischen Konzepten von Freud, Bion und Lacan sowie ihrer zeitgenössischen Schüler erlauben es, diese Leerstellen in der Wahrnehmung zum Mechanismus der Verleugnung in Beziehung zu setzen, die sich am Kern jener Leere zu befinden scheint, die vom unbewussten Vermeiden, dem Anderen zu begegnen, geschaffen sein könnte.

Die group-relation-conferences in der Nazareth-Serie wie auch die gruppenanalytische Konferenzserie, die u.a. von Robi Friedman initiiert wurde, versuchen, sich mit dieser Problematik auseinander zu setzen, indem sie berücksichtigen, dass nicht nur Wissen, sondern auch Courage gebraucht wird, um Verleugnungsprozesse zu verändern, die die Welt falscher Harmonie, die wir ansonsten so lustvoll bewohnen dürfen, bedrohen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Persönlich

2. Klinisch

3. Der innere Weg der Verleugnung in Gruppenerfahrungen

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die psychischen Folgen der Verleugnung der Shoah in der ostdeutschen Gesellschaft. Dabei analysiert der Autor, wie diese unbewusste Verleugnung als Abwehrmechanismus in persönlichen Erfahrungen, klinischen Behandlungen und Gruppenkonferenzen wirkt und welche Rolle die Konfrontation mit dieser verdrängten Realität für die Subjektbildung spielt.

  • Psychodynamik der Verleugnung von Vernichtungserfahrungen
  • Einfluss totalitärer Systeme auf die individuelle Wahrnehmung
  • Klinische Phänomenologie von Angst und Ohnmacht bei Betroffenen
  • Die Bedeutung der Begegnung mit dem "Anderen" zur Überwindung von Verleugnung
  • Reflexion über gesellschaftlich verankerte "Unschuldskomödien"

Auszug aus dem Buch

2. Klinisch

Der Verleugnung ist nicht einfach auf die Spur zu kommen: das Vorstellungsver mögen unzugänglich, die Affektivität blockiert, der Versuch, anscheinend harm lose Bilder an eine vorgeblich leere Stelle zu setzen. Herr F., ein wegen seiner Angstneurose in Behandlung gekommener Analysand, stellt sich, wenn seine Identität sich aufzulösen droht, oft vor, dass Züge fahren, leise, bequeme, pünktliche Züge, die endlos, nach perfektem Fahrplan meist durch die Nacht rollen. Auslösendes Moment dieser Zwangsgedanken sind Vorstellungen, in Konflikten von anderen zum Verschwinden gebracht zu werden, zu verlöschen. Dieses Gedankengerüst ist daher vielleicht zu verstehen als notdürftiges Zusammenhalten der narzisstischen Integrität. „Wenn beschädigt, muss sich der Narzissmus durch die gesamte Negation wieder aufrichten.“5 Dabei wird der Analysand immer schier wahnsinnig über die Frage, ob er sich eher ein möglichst großes System von Verbindungen vorstellen soll, oder doch die Übersicht behalten, wohin die einzelnen Züge fahren. Spät erst kommt zur Sprache, dass eine signifikante Person aus der Familie, der Großvater mütterlicherseits, „Karriere gemacht“ hatte, bei der Bahn, damals im Dritten Reich, dort im Osten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Persönlich: Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen und Irritationen im Kontext der Shoah, die den Ausgangspunkt für seine tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Verleugnung bilden.

2. Klinisch: Anhand von Fallvignetten wird analysiert, wie sich Verleugnung als Abwehrmechanismus in der klinischen Praxis manifestiert und in welchem Zusammenhang sie mit traumatischen Familiengeschichten steht.

3. Der innere Weg der Verleugnung in Gruppenerfahrungen: Dieses Kapitel beleuchtet durch die Teilnahme an Gruppenkonferenzen, wie die kollektive Verleugnung in intersubjektiven Prozessen bearbeitet und durch Mut zur Konfrontation mit dem Anderen aufgebrochen werden kann.

Schlüsselwörter

Shoah, Verleugnung, Ostdeutschland, Psychoanalyse, Traumaforschung, Angstneurose, totalitäre Objekte, Identifizierung, Gruppenanalyse, Nazareth-Konferenzen, Unbewusstes, Familiengeschichte, Triangulierung, Destruktivität, Erinnerungsarbeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die psychischen Mechanismen der Verleugnung der Shoah in der ostdeutschen Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die psychische Struktur des Einzelnen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Psychoanalyse der Verleugnung, der Einfluss totalitärer Systeme auf die Psyche, transgenerationale Traumata sowie die Dynamik in deutsch-israelischen Gruppenprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die unbewussten Abwehrmechanismen aufzudecken, die dazu führen, dass Wissen über die Shoah zwar vorhanden ist, aber emotional nicht integriert wird, und den notwendigen Prozess der bewussten Auseinandersetzung zu beschreiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt tiefenpsychologische und psychoanalytische Ansätze, insbesondere die Gruppenanalyse und die Auswertung von Fallvignetten sowie die klinische Supervision.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden klinische Fälle analysiert, in denen Verleugnungsprozesse (wie Zwangsvorstellungen) deutlich werden, sowie Erfahrungen aus Gruppenkonferenzen, die als therapeutische Settings für die Bearbeitung nationaler Traumata dienen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Verleugnung", "Shoah", "Psychoanalyse", "totalitäre Objekte" und "Identifizierung" definiert.

Welche Rolle spielt die "unbewusste Angst vor Vergeltung" bei den deutschen Teilnehmern der Konferenzen?

Sie fungiert als psychische Barriere, die eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verhindert, da die Angst vor der moralischen und psychischen Konfrontation mit den jüdischen Nachkommen verleugnet wird.

Was bedeutet der Begriff "Deckerinnerung" in diesem Kontext?

Der Autor nutzt diesen Begriff, um zu beschreiben, wie psychische Leerstellen durch harmlose oder verfälschte Erinnerungen ersetzt werden, um die Anerkennung der tatsächlichen, schmerzhaften historischen Vernichtung abzuwehren.

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Details

Title
Die verleugnete Spur der Vernichtung. Psychische Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah
Author
Heiko Mussehl (Author)
Publication Year
2014
Pages
18
Catalog Number
V312901
ISBN (eBook)
9783668116191
ISBN (Book)
9783668116207
Language
German
Tags
spur vernichtung psychische folgen verkennung shoah
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Mussehl (Author), 2014, Die verleugnete Spur der Vernichtung. Psychische Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312901
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