Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Problemen der sozialen Sicherungssysteme in der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Insbesondere wird hierbei das Thema gesetzliche Krankenversicherung (GKV) detailliert behandelt. Dabei werden der Vorschlag der Bürgerversicherung und der Bürgerpauschale detailliert verglichen und Lösungen gesucht.
In den letzten 40 Jahren war es seitens der Politik immer wieder erforderlich das Gesundheitssystem zu reformieren. Ausschlaggebend waren hierfür die steigenden Kosten im Gesundheitswesen, der technologische Fortschritt sowie der demographische Wandel. Um dem Kostenanstieg entgegenzuwirken, führte man im Jahr 1977 das sogenannte „Kostendämpfungsgesetz“ ein. Dies hatte erstmalig Höchstbeträge und Zuzahlungen für Arzneimittel zur Folge. 1989 wurde eine Negativliste für unwirtschaftlich beurteilte Medikamente gültig und Zahnersatz wurde nur noch zu 50 % von der Krankenkasse übernommen. Darüber hinaus wurde das Sterbegeld der Krankenversicherung gekürzt.
Durch die Gesundheitsreform im Jahr 2004 wurde bei gleichzeitiger Streichung des Sterbegeldes aus dem Leistungskatalog der GKV erstmalig die Praxisgebühr eingeführt, welche eine Zuzahlung von 10 Euro pro Quartal bei einem Arztbesuch vorsieht. Die genannten Leistungseinschränkungen und Finanzierungsbeteiligungen der Versicherten stellen gleichwohl nur einen kleinen Bestandteil der jeweiligen Reformen dar.
Bedingt durch den demographischen Wandel und der seit Jahren konstant hohen Arbeitslosenquote stehen die sozialen Sicherungssysteme vor einem monumentalen Finanzierungsproblem. Aus der aktuellen Politik gibt es verschiedene Lösungsansätze, die dieser Problematik entgegenwirken sollen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte „Bürgerversicherung“ (repräsentiert von SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke) und um die „Bürgerpauschale“ gemäß Jahresgutachten 2004/2005 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, welche eine Synthese aus Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämie/Kopfpauschale (vertreten durch CDU und FDP) darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Soziale Sicherungssysteme (Sozialversicherung)
1.1 Allgemeines – Was bedeutet Sozialversicherung?
1.2 Entstehung der Sozialversicherung
1.3 Bedeutung der Sozialversicherung in der Volkswirtschaft
1.4 Schwachpunkte der Sozialversicherung am Exempel der GKV
1.4.1 Demographischer Wandel
1.4.2 Medizinisch-technischer Fortschritt
1.4.3 Globalisierung und Arbeitslosigkeit
1.5 Aktuelle Finanzlage der GKV in Deutschland und Zukunftsaussichten
2. Aktuelle Reformvorschläge für die GKV aus der Politik
2.1 Bürgerversicherung
2.1.1 Vergrößerung des Versichertenkreises
2.1.2 Erweiterung der Beitragsbemessungsgrundlage
2.1.3 Weitere Eigenschaften und Auswirkungen
2.2 Bürgerpauschale
2.2.1 Vergrößerung des Versichertenkreises nach dem Modell der Bürgerversicherung
2.2.2 Beitragsgestaltung nach dem Modell der Gesundheitsprämie
2.2.3 Steuerfinanzierter Sozialausgleich
3. Bürgerversicherung und Bürgerpauschale im Vergleich
3.1 Beitrags- und Finanzierungseffekte der Reformvorschläge
3.1.1 Finanzielle Auswirkungen im Modell der Bürgerversicherung
3.1.2 Finanzielle Auswirkungen im Modell der Bürgerpauschale
3.2 Bestehende Mängel der Reformvorschläge
3.2.1 Schwachstellen der Bürgerversicherung
3.2.2 Schwachstellen der Bürgerpauschale
4. Schweden als alternatives europäisches Modell einer GKV
4.1 Finanzierung
4.2 Vorteile gegenüber dem GKV-System in Deutschland
5. Fazit und persönlicher Lösungsvorschlag
5.1 Fazit
5.2 Persönlicher Lösungsvorschlag
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Probleme der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland, insbesondere der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), kritisch zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die Reformmodelle „Bürgerversicherung“ und „Bürgerpauschale“ geeignete Lösungsansätze für die finanzielle Instabilität des Systems bieten und welche Auswirkungen diese auf die Bevölkerung haben.
- Analyse der Ursachen für die finanzielle Krise der GKV (Demografie, Fortschritt, Globalisierung).
- Kritische Untersuchung und Vergleich des Modells der Bürgerversicherung.
- Kritische Untersuchung und Vergleich des Modells der Bürgerpauschale.
- Gegenüberstellung beider Modelle hinsichtlich Finanzierungs- und Beitragseffekten.
- Betrachtung des schwedischen Gesundheitssystems als alternative Perspektive.
Auszug aus dem Buch
1.4.1 Demographischer Wandel
Das Wort Demographie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Beschreibung des Volkes“ (von démos – Volk und grafé – Beschreibung). Die Demographie befasst sich mit der wissenschaftlichen und statistisch belegten Struktur- und Altersentwicklung von Bevölkerungen.
Der Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten in Richtung der älteren Generationen verschoben. Allein in den vergangenen Jahren stieg der Anteil der 60-Jährigen und Älteren an der Bevölkerung deutlich an. Im Jahr 2007 gehörten dieser Altersgruppe 20,8 Mio. Personen an (25,3 % der Bevölkerung). Die Bevölkerungszahl der jungen und mittleren Generation ist dagegen seit Mitte der 1990er-Jahre - trotz der Einwanderungsüberschüsse - rückläufig.9 Bei näherer Betrachtung der Alterspyramide und der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist zu erkennen, dass zukünftig der Anteil der Rentenbezieher an der Gesamtbevölkerung größer sein wird, als der Anteil der Erwerbstätigen. Im Jahr 2001 lag der Altenquotient bei 27,5 %, das heißt, 100 Angehörige der aktiven Generation standen 27,5 Rentnern gegenüber.
Im Jahr 2050 wird sich dieser Quotient auf fast 55 erhöhen. Anders formuliert bedeutet dies: Im Jahr 2001 entfielen auf die Altersgruppe der ab 65-Jährigen noch knapp vier Angehörige der aktiven Generation - im Jahr 2050 werden es nicht einmal mehr zwei Aktive pro Rentner sein.10 Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist, dass die Geburtenrate ab Mitte der 60er-Jahre unter die Sterberate gefallen ist und es seitdem, bis heute, Jahr für Jahr mehr Todesfälle als Geburten gegeben hat.11 Ursächlich für den Geburtenrückgang sind sowohl die Einführung der Antibabypille (sog. „Pillenknick“) als auch die Veränderung des klassischen Rollenschemas zwischen Männern und Frauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Soziale Sicherungssysteme (Sozialversicherung): Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen, Entstehung und volkswirtschaftliche Bedeutung der Sozialversicherung sowie die spezifischen Herausforderungen am Beispiel der GKV.
2. Aktuelle Reformvorschläge für die GKV aus der Politik: Es werden die zwei zentralen politischen Reformansätze „Bürgerversicherung“ und „Bürgerpauschale“ detailliert vorgestellt und ihre Strukturmerkmale beschrieben.
3. Bürgerversicherung und Bürgerpauschale im Vergleich: In diesem Teil erfolgt ein direkter Vergleich beider Modelle hinsichtlich ihrer finanziellen Auswirkungen und es werden die bestehenden Kritikpunkte und Mängel herausgearbeitet.
4. Schweden als alternatives europäisches Modell einer GKV: Das Kapitel betrachtet das schwedische Gesundheitssystem als europäisches Vergleichsmodell, insbesondere dessen Steuerfinanzierung und strukturelle Vorteile.
5. Fazit und persönlicher Lösungsvorschlag: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein eigener Lösungsvorschlag zur Neugestaltung des deutschen Gesundheitswesens präsentiert.
Schlüsselwörter
Sozialversicherung, Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Bürgerversicherung, Bürgerpauschale, Demographischer Wandel, Solidaritätsprinzip, Gesundheitsprämie, Finanzierung, Sozialausgleich, Reformpolitik, Gesundheitswesen, Versicherungsbeiträge, Beitragssatz, Leistungskatalog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den finanziellen Problemen des deutschen Systems der gesetzlichen Krankenversicherung und analysiert, ob die vorgeschlagenen Reformmodelle eine nachhaltige Lösung bieten können.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Analyse der Finanzierungsgrundlagen der GKV, die Auswirkungen des demografischen Wandels sowie der kritische Vergleich zwischen der Bürgerversicherung und der Bürgerpauschale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Untersuchung beider Lösungsansätze, um herauszufinden, welches Modell für die Bevölkerung und die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland besser geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse und einen direkten systemischen Vergleich der Reformvorschläge, ergänzt durch eine Auswertung volkswirtschaftlicher Daten und internationaler Beispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aktuellen Probleme, die detaillierte Beschreibung der Reformmodelle, den Vergleich beider Konzepte und die Betrachtung des schwedischen Modells als Alternative.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem GKV-Finanzierung, Demografischer Wandel, Bürgerversicherung, Bürgerpauschale, Gesundheitsreform und soziale Gerechtigkeit.
Warum wird das schwedische System im vierten Kapitel als Vergleich herangezogen?
Schweden dient als Beispiel für ein staatlich geprägtes, steuerfinanziertes System, dessen Strukturmerkmale wie die Beteiligung aller Einkommensarten bereits Elemente der diskutierten deutschen Reformmodelle enthalten.
Welchen Lösungsvorschlag bringt der Autor ein?
Der Autor schlägt einen gestaffelten Leistungskatalog vor, der von einer steuerfinanzierten Minimalabsicherung bis hin zu privat zu tragenden Luxusleistungen reicht, wobei Ärzte als Staatsangestellte nach einem festen Tarif bezahlt werden sollen.
- Quote paper
- Sozialversicherungsfachwirt Tom Commander (Author), 2011, Probleme der sozialen Sicherungssysteme. Ein kritischer Vergleich der Lösungsansätze „Bürgerversicherung“ und „Bürgerpauschale“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312992