Risikomanagement durch Portfoliobildung

Ansätze der Bewertung, Messung und Steuerung


Hausarbeit, 2014

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risiken
2.1 Kreditrisiken
2.2 Marktpreisrisiken

3. Risikomanagement und Portfoliobildung
3.1 Diversifizierungseffekte
3.2 Kreditportfoliomodelle
3.2.1 CreditRisk+
3.2.2 Das Modell CreditMetrics
3.3 Das Varianz-Kovarianz-Modell auf Portfolioebene

4. Asset Securitization

5. Asset-Liability-Management

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3.1 Kreditportfoliomodelle

Abbildung 3.2 CreditMetrics-Modell

Abbildung 4.1 Grundstruktur der echten Verbriefung

Abbildung 4.2 Grundstruktur von Credit Default Swaps und Credit Linked Notes

1. Einleitung

„A man should always place his money, one-third into land, a third into merchandise and keep a third in hand“ (Levy, Duchin, 2009, S. 97). Dieses Zitat stammt ursprünglich aus dem Talmud und zeigt, dass Diversifikation und damit Portfoliobildung bereits lange vor unserer Zeitrechnung angewendet wurden. Ziel war und ist es, potenzielle Verluste zu reduzieren, zu messen und zu steuern. Diese Aufgaben übernimmt heutzutage die Risikomanagementabteilung eines Unternehmens bzw. Kreditinstituts.1

Die Bedeutung des Risikomanagements für ein Kreditinstitut wird anhand ihrer getätigten Bankgeschäfte deutlich. Aufgrund der Tatsache, dass derartige Geschäfte eine Vielzahl von operativen Marktpreis- und Ausfallrisiken bergen, wird die Notwendigkeit der Risikosteuerung erkennbar. Zweifellos wird die Wirtschaftlichkeit dieser Bankgeschäfte durch die Risikomessung, -bewertung und -steuerung maßgeblich beeinflusst (vgl. Jorion, 2007, S. 3; Albrecht, 2005, S. 25). Die Anwendung der Portfoliobildung stellt dabei ein weitverbreitetes Instrument des Risikomanagements dar. Hierbei werden unterschiedliche Risiko- und Renditepositionen zu einer gemeinsamen Portfoliogröße vereinheitlicht (vgl. Spremann, 2006, S. 5; Kealhofer, 1998, S. 17). Auf der Grundlage unterschiedlichster Ansätze kann dann die Bewertung, Messung und Steuerung dieser Portfoliogrößen gestaltet werden, um so individuelle Geschäfts- bzw. Portfoliostrategien entwickeln zu können. In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie das Risikomanagement eines Portfolios im Hinblick auf die Risikomessung und -steuerung gestaltet werden kann. Hierbei richtet sich die Analyse schwerpunktmäßig auf Kreditportfolios. Dazu werden im zweiten Kapitel Kredit- und Marktpreisrisiken aufgezeigt; außerdem wird deren Wirkung auf den wirtschaftlichen Erfolg von Bankgeschäfte dargelegt. Im dritten Kapitel erfolgt das eigentliche Risikomanagement auf Portfolioebene. Hierzu werden unterschiedliche Gründe der Portfoliobildung dargestellt, wobei insbesondere auf die Diversifikation von unterschiedlichen Kapitalanlagen eingegangen wird. Zudem werden verschiedene Kreditrisikomodelle und das Varianz-Kovarianz-Modell, die zur Messung sowie Steuerung von Kredit- und Marktpreisrisiken verwendet werden, dargestellt. Im vierten Kapitel erfolgt die Analyse durch die Methode der Asset Securitization. Hierbei werden unterschiedliche Verbriefungsmethoden aufgezeigt und analysiert. Darauf aufbauend wird im fünften Kapitel der Ansatz des Asset- Liability-Managements erläutert. Das sechste und letzte Kapitel dieser Arbeit fasst diese noch einmal zusammen und gibt einen Ausblick in Bezug auf die Bedeutung der Portfoliobildung im Risikomanagement.

2. Risiken

Kreditinstitute tätigen eine Vielzahl von unterschiedlichen Bankgeschäften.2 Diese Geschäfte reichen von Kredit- bis hin zu Investmentgeschäften. Neben der elementaren Bedeutung dieser Aktivitäten bezüglich des Unternehmenserfolgs gewinnt der Aspekt der wirtschaftlichen Variabilität, von Bankgeschäften, durch operative Risiken enorm an Bedeutung. Der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) zufolge können bei operativen Risiken Ausfall- und (Markt-)Preisänderungsrisiken unterschieden werden (vgl. Schierenbeck, Lister, Kirmße, 2008, S. 3ff.). Dabei lassen sich Ausfallrisiken in Kredit- und Länderrisiken und (Markt-)Preisänderungsrisiken in Zinsänderungs-, Wechselkurs- und Aktienkursrisiken differenzieren, wobei Letztere aus der Veränderung von Marktvariablen (z. B. Zinsen, Aktienkurse) resultieren (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 43f.). In dieser Arbeit werden vor allem Kredit-, Aktienkurs- und Zinsänderungsrisiken auf der Ebene des Portfolio- Risikomanagements behandelt. Wechselkurs- und Länderrisiken werden vernachlässigt. In den folgenden Abschnitten werden die ausgewählten Preisänderungsrisiken und Kreditrisiken beschrieben, wodurch ihr bedeutsamer Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Bankgeschäften deutlich wird.

2.1 Kreditrisiken

Das Kreditrisiko bezeichnet die Gefahr, dass eine Forderung nicht vollständig, rechtzeitig oder nur partiell beglichen werden kann. Dabei lassen sich Forderungen in einem solchen Fall als Zins- und/oder Tilgungsleistungen verstehen, die aus Krediten oder Anleihen resultieren (vgl. Müller, 2000, S. 7). Das Kreditrisiko besteht aus zwei Teilkomponenten, die voneinander zu unterscheiden sind (Ausfall- und Bonitätsänderungsrisiko). Das (Adressen-)Ausfallrisiko (Default Risk) steht für die konkrete Gefahr, dass ein Kredit nicht mehr ganz oder nur teilweise zurückgezahlt werden kann. Das Bonitätsänderungsrisiko3 (Spread-Widening Risk) hingegen bildet den Wertverlust einer Position, der durch das Steigen der Ausfallwahrscheinlichkeit, der sogenannten Bonitätsverschlechterung, entsteht (vgl. Burghof et al., 2005, S. 5f.; Cremers et al., 2007, S. 9). Dabei lässt sich die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers in der Regel durch die klassische Methode des Ratings bestimmen. Hierzu werden Kreditnehmer anhand fundamentaler Faktoren in sogenannte Ratingklassen eingeordnet, die unterschiedlich kategorisierte Ausfallwahrscheinlichkeiten für Kreditnehmer umfassen (vgl. Krahnen, 2005, S. 507). Der Unterschied dieser beiden Teilkomponenten liegt in der Betrachtung des Zeitaspekts. Im Fall des Ausfallrisikos wird eine Ausfallwahrscheinlichkeit bestimmt, die bis zum Abschluss der Forderung beibehalten wird. Das Bonitätsänderungsrisiko berücksichtigt darüber hinaus die Gefahr, dass es während der Laufzeit des Kredits zu einer Ratingveränderung kommen kann (vgl. Albrecht, 2005, S. 26). Derartige Gefahren gelten als erwartete Risiken und werden demnach durch Risikoprämien in die individuellen Kreditgeschäfte mit einkalkuliert.

Neben Kreditrisiken stellen auch (Markt-)Preisänderungsrisiken eine hohe Gefahr für die Wirtschaftlichkeit von Bankgeschäften dar. Aufgrund dessen werden im folgenden Kapitel Aktienkurs- und Zinsänderungsrisiken exemplarisch behandelt. Damit wird ein Überblick über bedeutungsvolle Risiken in Bezug auf Bankgeschäfte gegeben und eine Grundlage für die Notwendigkeit von Portfoliobildung geschaffen.

2.2 Marktpreisrisiken

Aktienkursrisiken gehören zu der Kategorie der Marktpreisrisiken und bezeichnen die Gefahr der negativen Auswirkung von Kursvolatilitäten auf Aktienwerte. Demnach gilt das Aktienkursrisiko als die negative Abweichung von einer geplanten Zielgröße (vgl. Wolke, 2008, S. 157). Auch hier werden verschiedene Teilkomponenten der Aktienkursrisiken unterschieden. Das Aktienkursrisiko lässt sich dabei in firmenspezifische bzw. unsystematische und systematische Risiken unterteilen. Firmenspezifische Risiken resultieren aus unternehmensbezogenen Ereignissen, die den Aktienkurs des jeweiligen Unternehmens negativ beeinflussen können. Diese Teilkomponente lässt sich auch als die Standardabweichung der Unternehmensaktie definieren. Demgegenüber wird das systematische Risiko als das Marktrisiko definiert. Damit drückt es die Gefahr aus, dass eine gesamte Branche negativ beeinflusst wird - und kann demnach als die Volatilität des Aktienindizes der jeweiligen Branche verstanden werden (vgl. Steiner, Bruns, 2007, S. 21ff.).

Genauso unterschiedlich wie die Ermittlung der Teilkomponenten der Aktienkursrisiken ist auch die Steuerung dieser Teilrisiken. So lassen sich, im Rahmen des Risikomanagements, das unsystematische Risiko durch die Portfoliobildung und das systematische Risiko durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente steuern (vgl. Rudolph, Schäfer, 2010, S. 6; Horsch, Schulte, 2010, S. 51).

Neben Aktienkursrisiken stellen Zinsänderungsrisiken eine immense Gefahr hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Bankgeschäfte oder auf der Ebene eines Portfolios dar. Dabei wird unter dem Zinsänderungsrisiko die marktzinsbedingte Wertvolatilität des betroffenen Vermögens bzw. der Zinsposition verstanden. Die Zinsposition steht in diesem Zusammenhang für das Volumen, das von einem Zinsänderungsrisiko betroffen ist (vgl. Wolke, 2008, S. 106).

Demnach liegt ein Zinsänderungsrisiko dann vor, wenn Ungewissheit über spätere Zinsen herrscht und marktzinsbedingte Wertvolatilitäten bezüglich eines Bankgeschäfts oder eines Portfolios entstehen (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 253).

Um den Vorgang der Risikosteuerung eines Portfolios zu veranschaulichen, werden im folgenden Kapitel Portfoliobildung, Risikomessung auf Portfolioebene und Diversifikationseffekte von unterschiedlichen Risiken dargestellt.

3. Risikomanagement und Portfoliobildung

Die elementarsten Aufgaben des Risikomanagements eines Unternehmens liegen in der Erkennung, Messung und Steuerung von Risikoquellen. Dies ist jedoch nur durch eine korrekte Quantifizierung unterschiedlicher Risiken - mit der Berücksichtigung von Verbundeffekten (Diversifikationseffekten) - möglich (vgl. Wolke, 2008, S. 1). Ein weitverbreitetes und effektives Instrument zur Erfüllung dieser Aufgaben ist die Bildung eines Portfolios. Die Entscheidung über eine Portfoliobildung resultiert aus der Notwendigkeit der Risikosteuerung oder Informationsgewinnung von Geschäften (Kapitalanlagen). Dabei werden Kapitalanlagen nicht einzeln, sondern simultan behandelt. Demnach werden die einzelnen Risiko- und Renditepositionen zu einer einheitlichen Portfoliogröße zusammengefasst (vgl. Spremann, 2006, S. 5; Kealhofer, 1998, S. 17).

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Portfoliobildung jedoch aufgrund der möglichen Risikoreduzierung, die sich durch die Diversifikation4 der Kapitalanlagen ergibt. Der Erfolg einer solchen Risikoreduzierung hängt von der (negativen) Korrelation der Risiken innerhalb des Portfolios ab. Diesen Zusammenhang stellte Markowitz, der unter anderem als der Begründer der Portfoliotheorie bekannt ist, durch die Quantifizierung der Risikodiversifizierung hinsichtlich eines Aktienportfolios dar. Hierbei kann die Standardabweichung der Gesamtpositionen durch die Diversifikation eines Portfolios geringer ausfallen als die durchschnittliche Standardabweichung.5 Dementsprechend ist es das Ziel einer Portfoliobildung, die erwartete Rendite zu maximieren und das Risiko zu minimieren. Die Diversifizierung von (Aktien-)Portfolios, die zur Risikosteuerung auf Portfolioebene genutzt wird, spielt demnach in diesem Zusammenhang eine elementare Rolle (vgl. Markowitz, 1952, S. 77ff.).

Diversifikations- bzw. Korrelationseffekte können auch zur Reduktion des allgemeinen Kreditrisikos eines Kreditportfolios genutzt werden. Dazu müssen die Ausfallwahrscheinlichkeiten der einzelnen Kreditnehmer in einem Portfolio negativ zueinander korreliert sein (vgl. Saunders, Allen, 2010, S. 148; Lipponer, 2000, S. 19f.). Da die Ausfallwahrscheinlichkeiten der Kreditnehmer nicht additiv miteinander in Verbindung gebracht werden können, müssen Ausfallkorrelationen der Kreditnehmer untereinander einbezogen werden (vgl. Cremers et al., 2007, S. 15). Eine Portfoliobildung auf der Ebene von Kreditgeschäften gewinnt unter anderem auch durch die Informationsfunktion an Relevanz. Demnach sind Banken durch Portfolioeffekte in der Lage, das gesamte Risiko des Kreditbereichs zu bestimmen, um eventuelle Kapitalunterlegungen gewährleisten zu können. Kapitalunterlegungen dienen dabei dem Zweck der Geschäftsabsicherung, um bei möglichen Kreditausfällen weiterhin Verpflichtungen gegenüber Gläubigern erfüllen zu können.6 Zudem können Kreditportfolios für die Preisfindung von neuen Krediten genutzt werden, indem der Einfluss bestimmt wird, den zusätzliche Risiken eines neuen Kredits auf das Gesamtrisiko eines Kreditportfolios haben (vgl. Kealhofer, 1998, S. 17; Lipponer, 2000, S. 24; Wahrenburg, Niethen, 2000, S. 492).

Oft wird das Risiko bzw. die Risikoverteilung eines Portfolios durch die Risikogröße Value at Risk definiert. Hierzu wird die Auftrittswahrscheinlichkeit des höchstmöglichen Verlusts in einem bestimmten Zeitraum festgelegt, der nicht überschritten wird (vgl. Glasserman et al., 2002, S. 239ff.). Demnach kann das Risiko eines Portfolios durch die Risikomessung, einer risikobasierten Kapitalunterlegung und Diversifizierung von Kapitalanlagen gemanagt werden. Folglich nehmen diese Aspekte eine elementare Rolle in der Portfoliobildung ein und werden dementsprechend in den nächsten Abschnitten behandelt. Hierbei wird die Diversifizierung und Risikomessung auf Portfolioebene in Aktien- sowie Kreditportfolios unterschieden und dahin gehend differenziert betrachtet.

3.1 Diversifizierungseffekte

Der Hauptgrund einer Portfoliobildung - sei es ein Aktien- oder Kreditportfolio - liegt in der Erzielung von Diversifizierungseffekten. Durch diese können Risiken nicht nur gesteuert, sondern auch eliminiert werden. Dabei tragen besonders negativ korrelierte Positionen zur Verringerung des Portfoliorisikos bei (vgl. Markowitz, 1952, S. 79; Hartmann-Wendels, 2000, S. 548). So kann beispielsweise das Portfoliorisiko (σ2 p) eines Aktienportfolios durch den prozentualen Anteil einer Aktie (Xi oder Xi) in dem Portfolio, die individuellen Risiken (σ2 i) und die Korrelation (σij) zwischen den Aktien bestimmt werden (vgl. Saunders, Allen, 2010, S. 149). Demnach wird der Diversifikationsansatz innerhalb eines Portfolios wie folgt modelliert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folglich führt eine negative Korrelation des gemeinsamen Risikos7 (Kovarianz) innerhalb eines Portfolios zur Erzielung von Diversifizierungseffekten. Somit können auf der Portfolioebene höhere Renditen bei gleichbleibenden Risiken erwirtschaftet werden.

Auf der Ebene eines Kreditportfolios kommt es in der Regel nicht zu großen Änderungen. Auch hier liegt der zentrale Bestandteil der Diversifizierung in der Korrelation der (Ausfall-)Risiken (vgl. Wolke, 2008, S. 175f.). Demnach wird auch das Risiko eines Kreditportfolios durch die Korrelation der Ausfallrisiken bestimmt. Aufgrund der Tatsache, dass sowohl eine negative als auch eine positive Standardabweichung als Gefahr angesehen wird, reicht das Kalkül der Standardabweichung für eine Entscheidungsfindung des Risikomanagements nicht aus. In der Regel werden Modelle herangezogen, die den Value at Risk von Portfolios bestimmen können (vgl. Rachev et al., 2009, S. 500). Die Bewertung bzw. Steuerung von Kredit- und Aktienportfolios in Kreditinstituten wird durch den Einsatz dieser Modelle gewährleistet. Im folgenden Kapitel werden unterschiedliche Kreditportfoliomodelle näher erläutert und deren Verfahrensweisen dargestellt.

3.2 Kreditportfoliomodelle

Da erwartete Verluste in Kreditgeschäften durch Risikoprämien abgedeckt werden, stellen die unerwarteten Verluste bzw. die Standardabweichung der erwarteten Verluste das eigentliche Risiko von Kreditgeschäften dar. Hierzu müssen von Kreditinstituten Kapitalunterlegungen bereitgestellt werden, um die Wirtschaftlichkeit eines Portfolios bzw. des Kreditinstituts selbst nicht zu gefährden. Im Hinblick auf ein Kreditportfolio wird dieses als Credit Value at Risk8 berechnet, das bezüglich der Kapitalunterlegung und somit der Risikosteuerung eine wesentliche Rolle spielt. Derartige Risiken müssen quantifiziert werden, um das eigentliche Kreditrisiko steuern zu können (vgl. Kroon, 2009, S. 4ff.). Hierzu kommen verschiedene Kreditportfoliomodelle, die von unterschiedlichen Instituten konzipiert worden sind, zum Einsatz. Kreditportfoliomodelle werden zur Messung und indirekten9 Steuerung von (unerwarteten) Kreditrisiken eingesetzt. Der wichtigste Bestandteil dieser Modelle ist die Betrachtung der Korrelation zwischen den Ausfall- bzw. Bonitätsrisiken. Demnach beruhen diese Ansätze auf portfoliotheoretischen Feststellungen. Das Ziel dieser Modelle liegt in der optimalen Eigenkapitalunterlegung hinsichtlich der unerwarteten Verluste (vgl. Huschens, Locarek-Junge, 2002, S. 89ff.).

Dabei wird eine Differenzierung zwischen Ausfallraten-Modellen und Firmenwert-Modellen durchgeführt. Der große Unterschied dieser beiden Ansätze besteht in der Modellierung der Kreditausfälle innerhalb eines Portfolios. Ausfallraten-Modelle definieren Kreditausfälle als stochastisches Element und verwenden Kreditausfallwahrscheinlichkeiten; FirmenwertModelle definieren Kreditausfälle als die Bonitätsveränderung des Kreditnehmers (vgl. Kroon, 2009, S. 48; Huschens, Locarek-Junge, 2000, S. 29).

Zu den bedeutungsvollsten und aussagekräftigsten Ausfallraten-Modellen gehören der CreditRisk+- und der Credit-Portfolio-View-Ansatz (vgl. Gupton et al. 1997; CSFP, 1997). Der CreditMetrics- und der CreditPortfolioManager-Ansatz lassen sich den Firmenwert-Modellen zuordnen (vgl. McKinsey, 1998; Kaelhofer, 1995a und b). Die folgende Abbildung gibt eine Übersicht über die Modellierungsunterschiede dieser Ansätze.

Abbildung 3.1 Kreditportfoliomodelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an Huschens, Locarek-Junge, 2000, S. 30f.

Aufgrund der Tatsache, dass die wichtigsten Informationen des CreditPortfolioManagerAnsatzes vertraulich gehandhabt werden, wird dieser Ansatz vernachlässigt (vgl. Klement, 2006, S. 140). In dieser Arbeit werden exemplarisch ein Ausfallraten-Modell und ein Firmenwert-Modell analysiert. Dementsprechend wird im folgenden Abschnitt der CreditRisk+-Ansatz dargestellt und analytisch hergeleitet.

3.2.1 CreditRisk+

Das Modell CreditRisk+ gehört zu den ausfallratenbasierten Ansätzen und zielt auf die Modellierung der (stetigen) Ausfallverteilung hinsichtlich von Kreditportfolios ab.10 Um das unsystematische bzw. personenspezifische Ausfallrisiko zu modellieren, werden in diesem Modell Kredite bzw. Kreditnehmer erst kollektiv in Größenklassen (Exposure-Bänder) und im Anschluss in unabhängige Sektoren (Branchen, Länder etc.) eingeteilt. Durch die Verwendung der Ausfallmenge erleichtert es dieser Vorgang, die Verlustverteilung eines Portfolios zu bestimmen (vgl. Albrecht, 2005, S. 78; Kretschmer, 1999, S. 369). Dabei entstehen personenspezifische Kreditrisiken durch das Handeln bzw. die wirtschaftliche Lage des Kreditnehmers; systematische Kreditrisiken werden durch makroökonomische Faktoren (exogen) modelliert. Somit kann eine Differenzierung zwischen personenbezogenen und systematischen bzw. sektoralen Kreditrisiken vorgenommen werden (vgl. CSFP, 1997, S. 20). Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass die stochastische Ausfallwahrscheinlichkeit eines Sektors von nur einem externen Einflussfaktor bestimmt wird und diese einer Gammaverteilung folgen. Somit herrscht innerhalb eines Sektors eine hohe Ausfallkorrelation (vgl. Wahrenburg, Niethen, 2000, S. 512; CSFP, 1997, S. 14f.). Innerhalb dieses Modells werden zudem spezifische Kreditrisiken als konstante Ausfallraten der Kreditnehmer, die keine Abhängigkeit aufweisen, wahrgenommen (vgl. Gordy, 2000, S. 122).

Die Korrelationen zwischen den individuellen Ausfallraten der Kreditnehmer innerhalb eines Sektors kann damit als die Abhängigkeit individueller Ausfallraten von simultanen externen Einflussfaktoren (z. B. von der Konjunkturentwicklung) und somit durch die sektorale Einteilung der Kreditnehmer definiert werden (vgl. Gordy, 2000, S. 121; Overbeck, Stahl, 1998, S. 87).

Um den analytischen Vorgang der Ermittlung der Ausfallverteilung hinsichtlich eines Kreditportfolios darzustellen, muss ein Zusammenhang zwischen den individuellen Ausfallwahrscheinlichkeiten der einzelnen Kreditnehmer und dem zugehörigen Sektor modelliert werden (vgl. Schumann, 2006, S. 35f.). Dabei wird von den Annahmen ausgegangen, dass es sich um eine einjährige Betrachtung der Kreditereignisse handelt und Kredite bis zu ihrer Fälligkeit beibehalten werden. Somit kann die einjährige Betrachtung der Verteilung der Kreditausfälle als eine stetige Variable der Ausfallwahrscheinlichkeit modelliert werden (vgl. CSFP, 1997, S. 10ff.).

[...]


1 Im Folgenden wird die Perspektive eines Kreditinstitutes eingenommen.

2 Bankgeschäfte sind im § 1 KWG geregelt.

3 Wird auch als Migrationsrisiko (Credit Migration) bezeichnet.

4 In Abschnitt 3.1 wird dieses Thema näher behandelt.

5 Alle Arbeiten der Portfoliotheorie basieren in der Regel auf dem Werk „Portfolio Selection“ von Markowitz (vgl. Markowitz, 1952).

6 Diese Regelung wird durch den § 10 Abs. 1 Satz 1 KWG bestimmt.

7 Hier wird nur das unsystematische Risiko betrachtet.

8 Der Credit Value at Risk stellt den höchstmöglichen Verlust durch Kreditausfälle eines Kreditportfolios in einem bestimmten Zeithorizont mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit dar.

9 Die direkte Steuerung von Risiken, wird im fünften Kapitel dieser Arbeit behandelt.

10 Dieses Modell wurde von Credit Suisse Financial Products (CSFP) entwickelt (vgl. CSFP, 1997).

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Risikomanagement durch Portfoliobildung
Untertitel
Ansätze der Bewertung, Messung und Steuerung
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V313018
ISBN (eBook)
9783668117440
ISBN (Buch)
9783668117457
Dateigröße
980 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Riskmanagement, Riskmanagement Modelle, CreditRisk+, Das Modell CreditMetrics, Das Varianz-Kovarianz-Modell auf Portfolioebene, Asset Securitization, Asset-Liability-Management
Arbeit zitieren
Ridvan Yildirim (Autor), 2014, Risikomanagement durch Portfoliobildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313018

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