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Lebensqualität in einer Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine vergleichende qualitative Befragung von Klienten und Mitarbeitern

Title: Lebensqualität in einer Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine vergleichende qualitative Befragung von Klienten und Mitarbeitern

Bachelor Thesis , 2013 , 79 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Bernhard Thielen (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention zwingt Staat und Gesellschaft dazu die Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung verstärkt unter der Perspektive von Inklusion und Teilhabe zu bewerten.

Auch wenn das Wohnen in den Bereich des Alltagserlebens von Menschen gehört, mit dem wir alle unsere Erfahrungen machen und Einstellungen dazu finden, was „Wohnung“, „wohnen“, „behagliches wohnen“, „Wohnkultur“ und „Unwohnlichkeit“ bedeuten, erleben Menschen ohne Behinderung nach Theodor Thesing ihr Wohnen im Gegensatz zu Menschen mit Behinderung häufig als selbstverständlich.

Sie seien kaum gezwungen es zu reflektieren beziehungsweise zu analysieren, da es von ihnen als sicher und nicht gefährdet wahrgenommen wird. Für Menschen mit Behinderung gelte dies hingegen nicht. Ihr Wohnen sei gekennzeichnet durch „Fremdunterbringung“ außerhalb der eigenen Familie und ein hohes Maß an „Institutionalisierung“. In der modernen Behindertenpädagogik werde der Mensch mit seiner Behinderung zwar als gesellschaftlich integrierbar und mit Rechten auf Selbstbestimmung und Teilhabe gesehen, Begriffe wie „Wohnversorgung“, „Fremdplatzierung“, „Stationäre Unterbringung“, „Pflegefälle und Pflegebedürftigkeit“ belegten jedoch diesen institutionalisierten Charakter.

Obwohl es im Rahmen von Inklusion und mit dem Gedanken von Selbstbestimmung und Teilhabe zunächst selbstverständlich erscheinen mag, dass gerade die Nutzer solcher institutionalisierten Wohneinrichtungen im Rahmen von Qualitätsentwicklung nach ihren Einschätzungen und Sichtweisen bezüglich ihrer Zufriedenheit gefragt werden, kommt dies in der Praxis heute noch sehr selten oder gar nicht vor.

In dieser Forschungsarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Kenntnisse von Experten – der Nutzer selbst und deren Betreuer – zum Aspekt der Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen im Rahmen von Dienstleistungen der Behindertenhilfe zugänglich zu machen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 Vorstellung des Forschungsfeldes und der Forschungsfragen

1.2 Methoden der Arbeit

1.3 Gliederung

2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN

2.1 Lebensqualität

2.1.1 Kerndimensionen nach Schalock & Verdugo

2.1.2 Objektive Wohlfahrt und subjektives Wohlbefinden nach Allardt

2.1.3 Wohlfahrtskonstellationen nach Zapf

2.1.4 Subjektive Lebensqualität

2.1.5 Zufriedenheit

2.1.6 Besonderheiten der Lebensqualitätskonzepte

2.2 Geistige Behinderung und Psychosoziale Dimension

2.2.1 Medizinische Klassifizierung

2.2.2 Psychodynamische Relation

2.2.3 Behinderung und Stigma

2.2.4 Systemtheoretischer Kontext

2.2.5 Behinderung im Bio-Psycho-Sozialen Modell

2.2.6 Kritische Ansätze und deren Bedeutung

2.3 Wohnheim

2.3.1 Wohnform ‚Wohnheim’ in der Praxis

2.3.2 Kritik an der Wohnform

2.3.2.1 Das Wohnheim als totale Institution nach Goffman

2.3.2.2 Das Wohnheim für Menschen mit Behinderung aus der Sicht der Eltern

2.3.3 Gruppenwohnen

2.3.4 Örtliche Besonderheiten und der Begriff „Wohnstätte“

3 METHODOLOGISCHER BEZUGSRAHMEN

3.1 Erhebung

3.1.1 Fragenleitfaden für Bewohner

3.1.2 Fragenleitfaden für Betreuer

3.1.3 Beschreibung der Durchführung der Interviews

3.1.3.1 Eigene Rolle als Interviewer

3.1.3.2 Ablauf der Befragungen

3.2 Aufbereitung und Auswertung

4 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE

4.1 Ergebnisse Befragungstandem X/V

4.2 Ergebnisse Befragungstandem Y/W

4.3 Theorieabgleich und Verdichtung der Ergebnisse

5 FAZIT

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung in einer stationären Wohneinrichtung unter Berücksichtigung von Inklusions- und Teilhabeaspekten zu untersuchen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die qualitative Erhebung der Sichtweisen von betroffenen Klienten sowie deren Betreuern, um subjektive Einschätzungen und professionelle Bewertungen zur Lebensqualität in der Behindertenhilfe vergleichbar zu machen.

  • Analyse theoretischer Konzepte zur Lebensqualität und Behinderung
  • Untersuchung von Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung
  • Durchführung qualitativer Experten- und Nutzerinterviews (Tandem-Befragungen)
  • Darstellung von Ergebnissen zu Lebensqualität, Selbstbestimmung und Teilhabe
  • Diskussion über die Anwendbarkeit qualitativer Befragungsmethoden bei Menschen mit geistiger Behinderung

Auszug aus dem Buch

2.3.2.1 Das Wohnheim als totale Institution nach Goffman

Wohnheime gehören neben anderen Einrichtungen, wie zum Beispiel Anstalten und Krankenhäusern, zu den Prototypen einer stationären Form der Unterbringung, in dessen Bereich auch die atypischen modernen „Anbauten“ dieser Unterbringungsform für Menschen mit „geringerer Betreuungsintensität“ fallen, wie beispielsweise Außenwohngruppen oder (nicht ambulantes) betreutes Wohnen. Mit einem kritischen Blick haben Wohnheime für Menschen mit Behinderung je nach Ausprägung das Potential in Goffmans Modell der „totalen Institution“ aufzugehen. Unter totaler Institution versteht er eine Unterform der sozialen Institutionen (zum Beispiel Räume, Wohnungen, Gebäude oder Betriebe), in welchen regelmäßig eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt wird. Totale Institutionen unterscheiden sich demnach in Bezug auf Kriterien wie zum Beispiel Zugänglichkeit, Zielsetzung und Umfänglichkeit von normalen sozialen Institutionen. Bezogen auf diese letztgenannten Aspekten seien totale Institutionen Extremfälle, da sie durch „Beschränkungen des sozialen Verkehrs mit der Außenwelt“ einen “allumfassenden oder totalen Charakter“ annähmen, während soziale Institutionen nur einen Teil des Lebens beanspruchten. Der Einzelne erfahre, so Goffman, in solchen totalen Institutionen unter Anderem eine Beschränkung seiner Selbst und unterstehe Rationalisierungsprozessen mit demoralisierender und herabwürdigender Wirkung, die das Ziel hätten, „den Tagesablauf einer großen Zahl von Menschen auf beschränktem Raum und mit geringem Aufwand an Mitteln zu überwachen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung unter dem Aspekt der UN-Behindertenrechtskonvention sowie Vorstellung der Forschungsfragen.

2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN: Wissenschaftliche Fundierung der Begriffe Lebensqualität, geistige Behinderung sowie stationäres Wohnen anhand relevanter fachwissenschaftlicher Modelle.

3 METHODOLOGISCHER BEZUGSRAHMEN: Detaillierte Darstellung des Forschungsdesigns, insbesondere der Durchführung leitfadengestützter Tandem-Interviews mit Klienten und Betreuern.

4 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE: Präsentation der Interviewergebnisse in Bezug auf Schlüsselkategorien wie emotionales Wohlbefinden, Selbstbestimmung und soziale Beziehungen inklusive eines Theorieabgleichs.

5 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen sowie Diskussion der Erkenntnisse hinsichtlich der Anwendbarkeit qualitativer Forschung in diesem Feld.

Schlüsselwörter

Lebensqualität, Geistige Behinderung, Wohnheim, Qualitative Forschung, Tandem-Befragung, Selbstbestimmung, Teilhabe, Inklusion, Wohnstätte, Soziale Arbeit, Betreuer, Ergebnisqualität, Behindertenhilfe, stationäres Wohnen, Alltagserleben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Bachelorarbeit untersucht die Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung, die in einer speziellen Wohneinrichtung stationär leben, unter Einbeziehung sowohl der Nutzer als auch deren Betreuer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen theoretische Konzepte zur Lebensqualität, die Auswirkungen institutionalisierten Wohnens auf die Autonomie sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Inklusion und Selbstbestimmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, subjektive Einschätzungen zur Lebensqualität und Zufriedenheit zu erheben und zu hinterfragen, inwieweit diese durch institutionelle Rahmenbedingungen beeinflusst werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein qualitativer Ansatz verfolgt, der in Form von leitfadengestützten Interviews durchgeführt wurde, wobei ein sogenanntes „Tandem-Design“ (Befragung von Bewohner und Betreuer) zum Einsatz kam.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe, die methodische Reflexion der Untersuchung und die anschließende Analyse und Interpretation der gewonnenen Interviewdaten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Lebensqualität, Geistige Behinderung, stationäres Wohnen, Selbstbestimmung und qualitative Forschung sind die tragenden Begriffe der Arbeit.

Wie unterscheidet sich die Sicht der Betreuer von der der Bewohner?

Die Analyse zeigt Divergenzen in der Wahrnehmung: Während Betreuer oft pädagogische Konzepte und „Alltagsbegleitung“ im Fokus haben, betonen Bewohner häufig konkrete Einschränkungen ihrer Freiheit oder Bedürfnisse wie den Wunsch nach mehr Privatsphäre.

Welchen Einfluss haben institutionelle Regeln auf die Bewohner?

Die Untersuchung macht deutlich, dass viele Bewohner institutionelle Regeln (z.B. Essenszeiten, Mitbestimmung) als einschränkend empfinden und einige den Aufenthalt sogar als Zwangsmaßnahme erleben, was mit Goffmans Konzept der „totalen Institution“ korrespondiert.

Inwieweit sind „Tandem-Befragungen“ erfolgreich?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Tandem-Befragungen bei ausreichendem Sprachvermögen der Klienten wertvolle Einblicke bieten, jedoch eine hohe Sensibilität für das Machtgefälle zwischen Betreuer und Bewohner erfordern.

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Details

Title
Lebensqualität in einer Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine vergleichende qualitative Befragung von Klienten und Mitarbeitern
College
Niederrhein University of Applied Sciences Mönchengladbach  (Fachbereich Sozialwesen)
Grade
1,5
Author
Bernhard Thielen (Author)
Publication Year
2013
Pages
79
Catalog Number
V313067
ISBN (eBook)
9783668117792
ISBN (Book)
9783668117808
Language
German
Tags
lebensqualität wohneinrichtung menschen behinderung eine befragung klienten mitarbeitern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernhard Thielen (Author), 2013, Lebensqualität in einer Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine vergleichende qualitative Befragung von Klienten und Mitarbeitern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313067
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