Die Darstellung der Landschaft in der Lyrik von Johannes Bobrowski


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Johannes Bobrowski
2.1 Biographie
2.2 Seine Werke

3. Die Darstellung der Landschaft in Johannes Bobrowskis Lyrik

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 1917 in Tilsit geborene Johannes Bobrowski wird heutzutage als Dichter gesehen, „ der sich bemühte, eine Grundlage für das Verhältnis des Menschen zur Welt zu schaffen und den geistigen Dialog der Menschen untereinander anzuregen. Nicht zuletzt verdanken wir Johannes Bobrowski, eine Brücke der Liebe und des Verstehens zwischen Deutschen und Litauern geschlagen zu haben“[1]

Es stellt sich die Frage, wie Bobrowski dies leisten konnte, angesichts des Umstands, dass er, der überlebende Wehrmachtssoldat, die Opfer der deutschen Aggression und des Holocaust zu den Protagonisten seiner Lyrik und Prosa macht. Diese Problematik war ihm allerdings sehr bewusst, was in einem Brief vom 12.08.1960 an den deutschen Schriftsteller Christoph Meckel deutlich wird:

Das Thema Osten usw. gehört mir ja im Grunde gar nicht, ich bin weder Pole noch Russe und schon gar nicht Jude. Das einzige, was mich berechtigen könnte, ist: wenn ichs nicht sage, ist wieder einer weniger, der es den Deutschen, also meinen Leuten, vor Augen stellt. Aber da taucht die Frage nach den Wahrheitsgehalt auf. Es könnte ja auch alles Schmuh sein bei mir, reizvoll vielleicht, weil gelind exotisch und eben nicht häufig.. Aber – legitimieren müßte mich wohl erst einmal die Zustimmung der Betroffenen“[2]

Insbesondere die Landschaft, in der er aufwuchs, als Soldat und in Kriegsgefangenschaft lebte bilden einen zentralen Punkt in Bobrowskis Leben und Lyrik. Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es daher, die Landschaft und deren Darstellung in Bobrowskis Lyrik zu untersuchen.

Inhaltlich gliedert sich vorliegende Arbeit in drei Teile. Zu Beginn wird das Leben Bobrowskis thematisiert (Kapitel 2), um so ein besseres Verständnis über den Hintergrund seiner Lyrik zu ermöglichen. Anschließend wird ein kurzer Überblick über seine erschienenen Werke gegeben, um dann genauer auf die Lyrik bzw. die Landschaftsdarstellung in Bobrowskis Gedichten einzugehen (Kapitel 3) Hier soll die Frage geklärt werden, wie es Bobrowski schafft, mit seiner Lyrik Erinnerungsarbeit zu leisten und er mit Hilfe seiner Gedichte litauische Schriftsteller zu einem kulturellen Dialog anregte. Den dritten und letzten Teil der Arbeit bildet das Fazit (Kapitel 4), welches die Ergebnisse zusammenfasst und die Wirkung von Bobrowskis Lyrik anreißt.

2. Johannes Bobrowski

Um die Lyrik von Johannes Bobrowski verstehen zu können, muss seine Biografie betrachtet werden, da diese für sein literarisches Werk und das Verständnis seiner Texte eine wichtige Rolle spielt. Daher sollen in den folgenden Kapiteln kurz sein Leben und seine Werke dargestellt werden.

2.1 Biographie

Johannes Bobrowski wurde am 09.April 1917 in Tilsit, welches damals zum Deutschen Reich gehörte, geboren. Er und seine Familie gehörten daher zum deutschsprachigen Teil der Bevölkerung.[3] Von 1928 bis 1938 lebte Bobrowski in Königsberg[4].[5] In der Zeit von 1929 bis 1937 verbrachte Bobrowski seine Ferien bei einer Tante in Willkischken[6] und bei seinen Großeltern in Motzischken[7], welche dort ein Gehöft besaßen. Haufe beschreibt die Reise in diese Region im ersten Band der gesammelten Werke von Johannes Bobrowski:

Das war jedes mal eine Reise ins Ausland, mit der Eisenbahn von Königsberg nach Tilsit, von dort mit der Kleinbahn über die Memel, durch das weite Wiesenland der rechten Stromseite, dann durch die fruchtbaren Hügel des Willkischkener Höhenzuges nach Willkischken […], schließlich die Jura überquerend bis zum Haltepunkt Motzischken“ [8] .

Diese Region ist während seiner Jugendjahre ein erster prägender Erfahrungsbereich, da dort die unterschiedlichsten Nationalitäten sesshaft sind, zu denen er in seinem Werk „Neigung zu erwecken“ versucht.

Insbesondere die Landschaft und deren Wahrnehmung bilden einen zentralen Punkt in Bobrowskis Leben und Lyrik. Ein weiterer Einfluss folgt später im 2. Weltkrieg während des Russland-Feldzuges.

1937 lernte er seine spätere Frau Johanna Buddrus in Motzischken kennen, welche er 1943 heiratete.[9] Sie ist für ihn ein ständiger und besonderer Bezugspunkt zu dieser Region, die für Bobrowski Heimat ist. Ausgedrückt hat er das z.B. in dem Gedicht ‚Die Daubas’: „Liebste, du bleibst noch – so / sehn ich mich nicht.“[10] Bobrowski und seine Familie zogen 1938 nach Berlin-Friedrichshagen um, wo er auch nach dem Krieg bis zu seinem Tod wohnte.

Ein Jahr später musste er als Wehrmachtssoldat am Überfall auf Polen teilnehmen und anschließend am Frankreich-Feldzug. Ab 1940 war sein Regiment an der Ostfront beim Feldzug gegen die Sowjetunion stationiert.[11] Bobrowski erlebte dort 1941 mit, wie in Kaunas 3800 Juden der Stadt dem NS-Pogrom zum Opfer fielen. Auf das Geschehen nimmt das Gedicht „Kaunas 1941“ (aus ‚Sarmatische Zeit’) Bezug.

Im August 1941 sah er bei einem Einsatz seines Regiments das zerstörte Nowgorod, auf dieses Ereignis beziehen sich besonders die Gedichte „Kathedrale 1941“ (aus „Schattenland Ströme“) und „Kloster bei Nowgorod“ (aus „Schattenland Ströme“). Von Kaunas aus wurde sein Regiment nach Nordrussland geschickt und in der Nähe des Ilmensees stationiert.[12] Bobrowski selbst schrieb über diese nordrussische Landschaft in einem Brief von 1943 an Ina Seidel[13]:

Das Erste, was wir hier lernten, war das Sehen. Die Landschaft, immer wieder abgesucht, kam uns mit nichts entgegen. Die Endlosigkeit der Ebene, die auch ein Fluß und der (zudem meist niedrige) Wald nicht unterbrechen konnten, wollte uns immer mit einem Gefühl von Verlorenheit betrügen, und so befand sich der Blick immer wieder bei der Fahrt der Wolken, den Farben des Abends und bei den Sternen. Aber da hielten die Worte nicht mit“ [14] .

Bezug auf diese Zeit nehmen beispielsweise die Gedichte ‚Städte 1941’ (aus ‚Im Windgesträuch’) und ‚Der Ilmensee 1941’ (aus ‚Sarmatische Zeit’).

1944 bekommt er das Angebot in Berlin zu studieren, welches er ablehnt, da er ansonsten in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hätte eintreten müssen.[15] Das Kriegsende erlebte er im nordkurländischen Kaudau, welches später von den sowjetischen Truppen umstellt wurde. Aus dieser Zeit stammt eine frühe Fassung des Gedichts „Die Memel“ (endgültige Fassung veröffentlicht in „Sarmatische Zeit“). Ab Mai 1945 befand sich Bobrowski in russischer Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 entlassen wurde.[16]

Diese, vom Krieg heimgesuchte, östliche Landschaft bildet, neben der Region, in der er seine Jugend verbracht hatte, einen zweite prägende Erfahrungsraum. Neben der Landschaft ist auch die Verarbeitung der Kriegsschuld ein wichtiges Thema seiner Lyrik und Prosa.

Von 1950 bis zu seinem Tod im Jahre 1965 arbeitet Bobrowski als Lektor für den Altberliner Verlag und später für den Union-Verlag in Berlin. Im Sommer 1965 wird er mit einem Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert, an dessen Folgen er Anfang September stirbt, die Todesursache ist ein Gehirnschlag.

2.2 Seine Werke

Zu Lebzeiten veröffentlichte Bobrowski die beiden Lyrikbände: „Sarmatische Zeit“ (1961) und „Schattenland Ströme“ (1962) sowie den Roman „Levins Mühle“ (1964).

Der erste Gedichtband ‚Sarmatische Zeit‘ geht konzeptionell bis in das Jahr 1952 zurück. Damals fand Bobrowski mit den Gedichten „Städte sah ich im stäubenden/Wind“ und mit „Pruzzische Elegie“ „seine eigene lyrische Diktion und Thematik“[17]. In den folgenden Jahren entstand das Gedichtbuch und ist als „lyrische Gesamtdarstellung der östlichen Welt“[18] anzusehen.

Der zweite Lyrikband „Schattenland Ströme“ schließt unmittelbar an „Sarmatische Zeit“ an „und ist in den ältesten Texten (1955 – 1957) noch direkter Bestandteil des Sarmatischen Divans, jenes Plans einer lyrischen Enzyklopädie seiner östlichen Erfahrungswelt“[19].

Posthum erschienen die Erzählungsbände „Boehlendorff und Mäusefest“ (1965) und „Der Mahner“ (1967), der Roman „Litauische Claviere“ (1966), sowie der Lyrikband „Wetterzeichen“(1967) und schließlich 1977 „Literarisches Klima. Ganz neue Xenien, doppelte Ausführung“.

[...]


[1] Sinkevičienė, o.A., S. 166.

[2] Tgahrt, 2001,. S. 421 f.

[3] Heute: Sovetsk und gehört zu Russland.

[4] Heute: Kaliningrad, zu Russland gehörig.

[5] vgl. Haufe 1994: S. 8 – 16.

[6] Heute: Vilkyskiai, Litauen.

[7] Heute: Mociskiai, Litauen.

[8] Haufe, 1998a, S. 17.

[9] Molter, 2011, S. 1.

[10] Haufe, 1997a, S. 69f.

[11] Als Soldat eines Nachrichtenregiments musste Bobrowski nicht direkt an der Front kämpfen, sondern war z.B. für das Reparieren zerstörter Telefonleitungen zuständig.

[12] Vgl. Haufe 1994: S. 17 – 19.

[13] Ina Seidel (*1885; † 1974 in Ebenhausen bei München) war eine deutsche Lyrikerin und Romanautorin.

[14] Haufe, 1998a, S. 30.

[15] Vgl. Haufe, 1994, S. 21 – 23.

[16] Ebd. S. 24.

[17] Haufe, 1998c, S. 11.

[18] Ebd. S. 11

[19] Ebd. S. 78.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Landschaft in der Lyrik von Johannes Bobrowski
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Neuere Deutsche Literatur)
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V313094
ISBN (eBook)
9783668165113
ISBN (Buch)
9783668165120
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johannes Bobrowski, Landschaft, Lyrik
Arbeit zitieren
Mareike Müller (Autor), 2015, Die Darstellung der Landschaft in der Lyrik von Johannes Bobrowski, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313094

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