Ausbildungsabbruch bei türkischen Jugendlichen. Analyse des Einflusses von Elternhaus, Motivation und Sprache


Wissenschaftliche Studie, 2015
35 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung

3. Ausländische Auszubildende - Auswertung 2005

4. Elternhaus – Motivation - Sprache
4.1 Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen
4.2 Gründe für den Abbruch der Ausbildung
4.3 Soziale Herkunft
4.4 Erziehungsverhalten der Eltern
4.5 Soziale Bedingungen und Persönlichkeitsfaktoren, die zum Abbruch der Ausbildung führen können
4.6 Schulbildung junger Migranten
4.7 Einstellungen zu Schule, Beruf, Arbeit und Freizeit
4.8 Sprachkompetenz
4.9 Verunsicherung der Jugendlichen

5. Resümee

5.1 Informationdaten der Befragten

6. Literatur

7. Anhang der Interview
Interviwer I, w
Interviwer II, m
Interviwer III, m
Interviwer IV, m
Interviwer V, w
Interviwer VI, w
Interviwer VII, m. (X)
Interviwer VIII (m)
Interviwer IX (m)
Interviwer X (m)
Interviwer XI (m) abgebrochen
Interviwer XII (m)
Interview XIII (w)

1. Einleitung

Jährlich werden in Deutschland etwa 200 Tausend Jugendliche zu Problemfällen der Berufsausbildung. Entweder verzichten diese Jugendlichen von vornherein auf eine Ausbildung oder sie durchlaufen voll eine Ausbildung, versagen aber in der Abschlussprüfung.

Der Abbruch eines Bildungs- oder Ausbildungsganges bringt für den Betroffenen Probleme mit sich: neben Prestigeverlust und Konflikten, die im persönlichen Bereich gelöst werden müssen, vor allem jedoch reduzierte Möglichkeiten, andere Bildungsgänge einzuschlagen.

Für diejenigen, die ihre Berufsausbildung wegen nicht bestandener Prüfungen nicht beenden können, sind die Folgen des Abbruches besonders schwerwiegend. Während Studien- oder Gymnasialabbrechern durchaus noch andere Bildungswege offen stehen, bleiben Jugendliche, die eine Berufsausbildung (endgültig) abbrechen, in der Gefahr, ungelernte Arbeiter zu bleiben.

Ziel der Untersuchung ist es, durch Vergleich von Ausbildungsabbrechern mit Kontrollgruppen die Merkmale bzw. Merkmalskombinationen herauszufinden, die für den Abbruch der Ausbildung maßgebend sind.

2. Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung

Das Ziel der Untersuchung besteht darin, welche Gründe für das Abbrechen von Ausbildungsverhältnissen bei türkischen Jugendlichen offen legt.

Spezifische Gründe für die Aufgabe von Ausbildungsverhältnissen sollen analysiert werden. Die Gründe für die hohe Abbruchquote sollen umfassend analysiert werden, um hieraus zielte Maßnahmen abzuleiten.

Wenn man die Zahlen im Jahr 2000 in verschiedenen Ausbildungsbereichen vergleicht, kann man feststellen, dass die Anzahl der türkischen bzw. ausländischen Auszubildenden fast in allen Bereichen zurückgegangen ist und zwar:

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, absolvierten Ende 2000 rund 1,7 Mill. junge Leute eine Ausbildung im dualen System (+ 0,2 % gegenüber 1999), davon waren 96 900 junge Ausländer. Ihre Zahl nahm im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 % ab.

Gegenüber 1995 durchliefen im Jahr 2000 rund 20 % weniger ausländische Jugendliche eine duale Berufsausbildung. Ihr Anteil an den Auszubildenden verringerte sich in diesem Zeitraum von 7,7 % auf 5,7 %. Im Vergleich zum Ausländeranteil an den Absolventen der allgemein bildenden Schulen von 8,7 % sind Ausländer in der dualen Berufsausbildung unterrepräsentiert. Eine Ursache hierfür könnte im niedrigeren Niveau der Schulabschlüsse und damit schlechteren Chancen auf einen Ausbildungsplatz ausländischer Schulentlassener im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen liegen.

In den einzelnen Bundesländern lag der Ausländeranteil an den Auszubildenden unterschiedlich hoch. Die Spanne reicht von 0,1 % und weniger in allen östlichen Flächenländern bis zu 10,0 % in Hessen und 11,4 % in Baden-Württemberg.

Die Mehrzahl (45 200 oder 46,6 %) der ausländischen Auszubildenden wurde im Bereich "Industrie und Handel" (zu dem u.a. Banken, Versicherungen, Gast- und Verkehrsgewerbe gehören) ausgebildet, gefolgt vom "Handwerk" mit 37 900 (39,1 %) und dem Bereich "Freie Berufe" mit 12 000 (12,4 %). Den höchsten Ausländeranteil wies jedoch mit 8,2 % der Ausbildungsbereich "Freie Berufe" auf, gefolgt vom "Handwerk" (6,4 %) sowie dem Bereich "Industrie und Handel" (5,7 %).

6,3 % der jungen Ausländer erlernten den Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel, gefolgt von Friseur/in (6,1 %), Kraftfahrzeugmechaniker/in (5,2 %), Arzthelfer/in (5,0 %) sowie Bürokaufmann/ Bürokauffrau (4,4 %). Mehr als ein Viertel aller ausländischen Auszubildenden absolvierte eine Ausbildung in einem dieser fünf Berufe. Damit nutzten sie die Palette der etwa 350 anerkannten Ausbildungsberufe weit weniger als ihre deutschen Kollegen, von denen nur ein Fünftel die fünf häufigsten Berufe wählte.

Im Jahr 2000 stellten türkische Jugendliche mit 41,1 % den größten Anteil an den ausländischen Auszubildenden. Weitere 13,8 % besaßen einen Pass aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, 11,1 % waren Italiener und 4,9 % Griechen. Aus den EU-Ländern kamen insgesamt 22,4 % der ausländischen Auszubildenden. Die Situationen haben sich in diese Richtung kaum geändert und vorübergehend wegen der aktuellen und politischen Ereignissen zwischen 2012 – 2015 in andere Richtungen abgelenkt aber was die Strukturen Elternhaus – Motivation – Sprache sind gleichgeblieben

3. Ausländische Auszubildende - Auswertung 2005

Die Statistik der ausländischen Auszubildenden umfasst die Zahl der im Handwerk befindlichen ausländischen Auszubildenden gegliedert nach Berufen, Berufsgruppen und regionaler Gliederung unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Kennziffern und Nationalitäten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Quelle: Statistisches Bundesamt

4. Elternhaus – Motivation - Sprache

4.1 Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen

Von 1983 bis 1990 war ein Anstieg der Zahl von Vertragslösungen zu verzeichnen; seit 1991 nimmt die Zahl der Vertragslösungen in den alten Ländern ab, während in den neuen Ländern eine Zunahme festzustellen ist. 1995 wurden insgesamt 138.256 Ausbildungsverträge (1994: 142.005) vorzeitig gelöst.

Da die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im gleichen Ausmaße sank, verharren die Vertragslösungsraten wie schon in den vergangenen Jahren auf ihrem hohen Niveau (1993: 23,9%; 1994: 24,7%; 1995: 24,2%). Insgesamt wird derzeit beinahe jeder vierte neue abgeschlossene Vertrag, während der Ausbildung wieder gelöst, wobei die Lösungsrate in den neuen Ländern (20,7%) auch 1995 wieder geringer als in den alten Ländern (25,0%) ist.

Das im vergangenen Jahrzehnt in fast allen Ausbildungsbereichen erheblich gestiegene Niveau der Vertragslösungsraten dürfte mehrere Ursachen gehabt haben..

Die Ausbildung wird daher kritischer beurteilt und gegebenenfalls kann der Ausbildungsvertrag auch ohne Zustimmung der Eltern gelöst und die Entscheidung für einen bestimmten Betrieb oder Beruf leichter als früher korrigiert werden.

Vor allen für das Ausbildungsjahr 1994/95 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurden knapp 47.000, d.h. 6,6% vorzeitig wieder gelöst.

Bei kleinen Betrieben liegt die Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge wesentlich höher als bei größeren. So wurden bei kleinen Betrieben mit einem bis neuen Beschäftigten immerhin 11% aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wieder aufgelöst, bei Großbetrieben ab 500 Beschäftigten waren es hingegen nur 3,4% (Vgl. Berufsbildungsbericht, S. 57-58)

4.2 Gründe für den Abbruch der Ausbildung

Die Abbrecher sind, insgesamt gesehen, während ihrer Schulzeit sehr auf sich selbst gestellt gewesen und nicht so eng familiär eingebunden.

Möglicherweise reproduzieren sie das ihnen vorgelebte Verhalten in der Ausbildung, indem sie nicht in der Lage sind, sich wirklich zu engagieren.

Beim Berufsstart spielen nicht nur die bis dahin erworbenen eigenen Orientierungen, sondern auch die Erwartungen der Eltern, die vom tatsächlichen Entwicklungsstand der Jugendlichen völlig abgehoben sein können, eine Rolle.

Am häufigsten wurde als Grund für den Ausbildungsabbruch genannt "Habe keine Lust mehr gehabt", "Gesundheitliche Gründe", oder "wurde gekündigt", "schlechte Ausbildungsbedingungen", "sprachliche Schwierigkeiten", "Vorurteile gegenüber die Ausländern", "wenig Verdienstmöglichkeiten", "Zukunftsängste", und andere .

Man kann in vier Punkten "Gründe für den Abbruch der Ausbildung" feststellen:

a) Gründe, die dem Auszubildenden zuzuordnen sind:

(z.B. mangelnde geistige und körperliche Fähigkeiten, mangelndes Interesse an der Arbeit, Diebstahl und andere kriminelle Delikte)

b) Gründe, die dem Betrieb zuzuordnen sind:

(z.B. unregelmäßiges Erscheinen zur Arbeit, mangelnde Arbeitsleistung, mangelnde Anpassungsfähigkeit im Betrieb)

c) Gründe, die der Schule zuzuordnen sind:

(z.B. unregelmäßiger Schulbesuch, mangelnde Leistungen in der Schule, Verweigerung des Schulbesuches)

d) Gründe, die dem Elternhaus zuzuordnen sind:

(z.B. ungeordnete Familienverhältnisse, Auszubildender wohnt im Heim, Eltern geschieden).

4.3 Soziale Herkunft

Abbrecher und Jungarbeiter unterscheiden sich in ihrer sozialen Herkunft kaum. Es bestehen aber deutlich Unterschiede zu den Auszubildenden.

Jeweils die Hälfte der Abbrecher und Jungarbeiter stammen aus dem Bereich der unteren Schichten.

Werden die Anteile der Abbrecher an den Sozialschichten mit den schulischen Bildungswesen der betreffenden Eltern verglichen, zeigt sich, dass die Abschlüsse im allgemeinen höher sind, als die Sozialschichten vermuten lassen. Da die Schichtzugehörigkeit nach der derzeit ausgeübten Berufstätigkeit des Vaters ermittelt wird, legt ein Vergleich mit den Bildungsdaten die Vermutung nahe, dass Väter von Abbrechern seit ihrer Ausbildung einen beruflichen Abstieg erlebt haben. Abbrecher stammen wesentlich häufiger aus unvollständigen Familien (Vgl. Grieger, S.3).

4.4 Erziehungsverhalten der Eltern

Das Erziehungsverhalten der Eltern von Ausbildungsabbrechern weist auf vergleichsweise weniger Verständnis für Probleme der Kinder hin.

Die Eltern von Abbrechern haben möglicherweise eher als andere Eltern die Erfüllung elterlicher Gebote gefordert, Widerspruch wurde weniger als bei den anderen Gruppen geduldet, es wurde weniger als bei den Vergleichsgruppen diskutiert, schlechte Zensuren wurden eher bestraft als dass einsichtig reagiert wurde, gute Zensuren wurden eher mit Geldgeschenken belohnt als gelobt, und Schularbeiten mussten sofort nach der Schule erledigt werden.

Dies deutet- betrachtet man es zusammen mit der hohen Anzahl unvollständiger Familien bei Abbrechereltern und der häufiger auftretenden Arbeitslosigkeit von Familienmitgliedern - darauf hin, dass sich die Eltern wohl wegen eigener Probleme nicht so intensiv ihren Kindern zuwenden konnten.

Die Kommunikationsbeziehungen in den Familien von Abbrechern sind also relativ ungünstig, Leistungen wurden zwar gefordert, die Kinder aber kaum ermuntert und gefördert. Dies zeigt sich außerhalb der Familie am Desinteresse an Schule und Lernen, auf der familiäre Ebene an mangelnder Unterstützung im emotionalen Bereich.

4.5 Soziale Bedingungen und Persönlichkeitsfaktoren, die zum Abbruch der Ausbildung führen können

Eltern, die selbst keine Berufsbildung haben und untergeordnete Tätigkeiten ausüben, oder Eltern, die ihren ursprünglich erlernten Beruf aufgeben mussten, fällt es anscheinend schwerer als den Eltern der beiden Vergleichsgruppen, ihren Kindern Bedingungen zu schaffen, unter denen sie eine stabile Leistungsmotivation entwickeln können.

Arbeitslosigkeit in der Familie macht die Voraussetzungen noch ungünstiger. Ein familiäres Klima, in dem strenge Anforderungen gestellt werden, deren Erfüllung aber nicht kontrolliert wird, ungünstigere affektive Beziehungen innerhalb der Familie, eine nicht sonderlich kommunikative Atmosphäre in häufig unvollständigen Familien sind Bedingungen, unter denen sich Ich-Identität, Interaktionsfähigkeit, Rollendistanz und soziale Kompetenz nur eingeschränkt entwickeln können.

4.6 Schulbildung junger Migranten

Die Schule verteilt soziale und ökonomische Lebenschancen, sie ist eine "zentrale soziale Dirigierungsstelle". Das Niveau der Schulbildung beeinflusst in entscheidendem Maße den Zugang zu beruflichen Positionen. Eines der wesentlichen Selektionskriterien betrieblicher Entscheidungsträger für die berufliche Bildung sind Art und Qualität des Schulabschlusses. Dabei zeigt sich, dass unabhängig von der Nationalität der Erfolg in der Schule in Vielfältigerweise von der sozialen Herkunft der Schüler abhängt. "Die Hierarchie der Schulformen korrespondiert sehr häufig mit der Hierarchie der Berufe. Während nur 13,3 Prozent aller Beamtenkinder die Hauptschule besuchen, finden sich an dieser Schulformen 58,1 Prozent aller Arbeiterkinder, während 58,3 Prozent aller Beamtenkinder Gymnasiasten sind, finden sich gerade 10,7 Prozent aller Arbeiterkinder an dieser Schulform wieder (Vgl. Beer-Kern, S.61-64).

Insgesamt zeigt sich eine klare Chancenrangfolge: Beamte, Angestellte, Selbständige ohne Beschäftigte, schließlich Arbeiter. Ein Vergleich zu einer parallelen Sonderauswertung des Mikrozensus macht zudem deutlich, dass sich die Chancen zum Gymnasiumsbesuch bei den Beamtenkinder relativ deutlich vergrößert haben, während sich die Chancen der Arbeiterkinder um immerhin 0,5 Prozent verringert haben.

Für den Schulerfolg entscheidend sind dabei, weit vor der Einschulung, das Anregungspotential und der Erziehungsstil im Elternhaus, da dies die Leistungsmotivation als wichtige Komponente des Schulerfolgs entscheidend beeinflusst.

Hohe Leistungsmotivation wiederum ist abhängig von spezifischen Erziehungsstilen im Sozialisationsprozess von Kindern schon Beginn der Schulpflicht. Entscheidende Komponenten dabei sind: "Erziehung auf Leistung hin, Erziehung zur Unabhängigkeit, und zwar im Sinne einer mehr spielerischen Vorbereitung für Ernstsituationen und nicht zum Zwecke der Entlastung der Eltern. Positive Zielsetzungen überwiegen gegenüber Verhaltenbeschränkungen, wie überhaupt das Erziehungsklima autoritär, affektiv warm und auf das Kind bezogen ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Ausbildungsabbruch bei türkischen Jugendlichen. Analyse des Einflusses von Elternhaus, Motivation und Sprache
Hochschule
Universität Bielefeld  (University)
Autor
Jahr
2015
Seiten
35
Katalognummer
V313247
ISBN (eBook)
9783668120570
ISBN (Buch)
9783668120587
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausbildungsabbruch, jugendlichen, analyse, einflusses, elternhaus, motivation, sprache
Arbeit zitieren
Dr. phil. M.A Mehmet Metin (Autor), 2015, Ausbildungsabbruch bei türkischen Jugendlichen. Analyse des Einflusses von Elternhaus, Motivation und Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313247

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