Ein Automobil ist ein sehr komplexes Produkt, das sich aus einer Vielzahl von Teilen zusammensetzt und in sich sehr verschiedene Technologien aus unterschiedlichen Bereichen vereint. Die Vorstellung, all diese Materialien, Teile und technischen Systeme in einem einzelnen Unternehmen herzustellen, wäre wohl nicht sinnvoll und tatsächlich gibt es weltweit nicht einen einzigen Automobilhersteller, der alle Stufen des Fertigungsprozesses übernimmt.
So lässt sich in seit Jahren in bezug auf die Fertigungstiefe gerade in der Automobilbranche ein struktureller Wandel verzeichnen, der eine stetige Reduzierung der Fertigungstiefe aufzeigt. Diese Entwicklung hat sich zunehmend verlangsamt, wodurch in der Literatur Stimmen laut wurden, die von dem der Reduzierung der Fertigungstiefe entgegengesetzten Trend des Insourcing sprechen. Aus den empirischen Daten ist bisher allerdings nur eine Stabilisierung der Fertigungstiefe, nicht aber eine Erhöhung festzustellen.
Um die Entwicklung der Fertigungstiefe in der Automobilindustrie darzustellen, wird nachfolgend in Kapitel zwei der Begriff Fertigungstiefe charakterisiert und es werden verschiedene, in der Literatur verwendete Definitionen der Fertigungstiefe gegeben und von verwandten Begriffen abgegrenzt.
In Kapitel drei werden verschiedene Zuordnungen der Hersteller und Zulieferer zur Automobilindustrie gegeben, bevor der strukturelle Wandel der Automobilindustrie im Hinblick auf die Fertigungstiefe dargestellt wird.
Kapitel vier gibt eine Zusammenfassung der Entscheidungsgrößen für die Fertigungstiefe und führt die mit einer Reduzierung der Fertigungstiefe verbundenen Chancen und Risiken an. Im fünften Kapitel werden verschiedene Ansätze zur Bestimmung der optimalen Fertigungstiefe vorgestellt und kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Charakterisierung der Fertigungstiefe
2.1. Definitionen der Fertigungstiefe
2.2. Abgrenzung verwandter Begriffe
3. Die Automobilindustrie und das Problem der Fertigungstiefe
3.1. Die Automobilindustrie
3.2. Die Zulieferindustrie
3.3. Der Strukturwandel in der Automobilbranche im Hinblick auf die Fertigungstiefe
4. Entscheidungsgrößen der Fertigungstiefe
4.1. Einflussbereiche im Unternehmen
4.2. Chancen der Fertigungstiefenreduzierung
4.3. Probleme der Fertigungstiefenreduzierung
5. Ansätze zur Gestaltung der optimalen Fertigungstiefe
5.1. Kostenorientierte Ansätze
5.1.1. Der Produktionskostenansatz
5.1.2. Der Transaktionskostenansatz
5.2. Strategisch - qualitative Ansätze
5.2.1. Der Ressource Based View
5.2.2. Die Nutzenwertanalyse
5.2.3. Der systemorientierte Ansatz
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den strukturellen Wandel der Fertigungstiefe in der Automobilindustrie und analysiert Entscheidungsgrundlagen für eine optimale Ausgestaltung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug.
- Charakterisierung und Abgrenzung des Begriffs Fertigungstiefe
- Strukturelle Analyse der automobilen Wertschöpfungskette
- Bewertung von Chancen und Risiken der Fertigungstiefenreduzierung
- Gegenüberstellung kostenorientierter und strategisch-qualitativer Entscheidungsansätze
Auszug aus dem Buch
5.1.1. Der Produktionskostenansatz
Der Produktionskostenansatz gehört zu den verbreitetsten Methoden für fertigungstiefenpolitische Entscheidungen in der Industrie. Die Betrachtung der Fertigungstiefe erfolgt aus einer einzelwirtschaftlichen Perspektive auf Grundlage der neoklassischen Theorie. Dieser Theorie gemäß verfügen die Marktteilnehmer über volle Markttransparenz. Die Informationen können kostenfrei erworben werden. Die Marktteilnehmer haben keine persönlichen Präferenzen und der Preis eines Produktes spiegelt als Knappheitsmesser den tatsächlichen Güterwert wider. Da ein Unternehmen als Produktionsfunktion verstanden wird, sind lediglich Preis und Ausbringungsmenge von Bedeutung.
Ziel dieses Ansatzes ist die Ermittlung der Fertigungstiefe mit den geringsten Produktionskosten, also die Ableitung einer eindeutigen Vorteilhaftigkeitsentscheidung, ob eine Vorleistung selbst erbracht oder fremd bezogen werden soll. Es erfolgt ein Vergleich zwischen Fremdbezugs- und Eigenfertigungskosten. Die kostenminimale Mengenaufteilung zwischen diesen beiden Alternativen gilt als optimal.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die Problemstellung der komplexen Produktstruktur eines Automobils und der damit verbundene Trend zur Reduzierung der Fertigungstiefe eingeleitet.
2. Charakterisierung der Fertigungstiefe: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung und definiert den Begriff der Fertigungstiefe sowie die Abgrenzung zu verwandten Konzepten.
3. Die Automobilindustrie und das Problem der Fertigungstiefe: Es werden die Rollen von Herstellern und Zulieferern innerhalb der Branche analysiert und der strukturelle Wandel beleuchtet.
4. Entscheidungsgrößen der Fertigungstiefe: Das Kapitel erläutert die unternehmerischen Auswirkungen sowie die Chancen und Risiken, die mit einer veränderten Fertigungstiefe einhergehen.
5. Ansätze zur Gestaltung der optimalen Fertigungstiefe: Hier werden verschiedene quantitative und qualitative Methoden zur Bestimmung der optimalen Fertigungstiefe kritisch diskutiert.
6. Schlussbetrachtung: Es erfolgt eine zusammenfassende Bewertung der Ansätze und der Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungstendenzen in der Automobilindustrie.
Schlüsselwörter
Fertigungstiefe, Automobilindustrie, Outsourcing, Make-or-Buy, Produktionskostenansatz, Transaktionskostentheorie, Ressource Based View, Kernkompetenzen, Nutzenwertanalyse, Systemorientierter Ansatz, Wertschöpfungskette, Effizienz, Wettbewerbsvorteil, Strategische Planung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strategische Gestaltung der Fertigungstiefe, insbesondere vor dem Hintergrund des strukturellen Wandels in der Automobilbranche.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Fertigungstiefe werden Chancen und Risiken des Outsourcings sowie verschiedene betriebswirtschaftliche Entscheidungsmodelle untersucht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, darzulegen, wie Unternehmen eine optimale Entscheidung über das Ausmaß ihrer eigenen Wertschöpfung treffen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird ein Vergleich zwischen kostenorientierten Modellen (Produktions- und Transaktionskostenansatz) und strategisch-qualitativen Ansätzen (Ressource Based View, Nutzenwertanalyse, systemorientierter Ansatz) vorgenommen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen, den Branchenkontext, die operativen Auswirkungen der Fertigungstiefenänderung sowie detaillierte Bewertungsansätze für die Make-or-Buy-Entscheidung.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Fertigungstiefe, Outsourcing, Kernkompetenzen, Transaktionskosten und strategische Unternehmensplanung geprägt.
Warum ist das "Make-or-Buy"-Konzept allein oft nicht ausreichend?
Wie im Text ausgeführt, ist die Frage der Fertigungstiefe weitgreifender als eine simple Make-or-Buy-Entscheidung, da auch Kooperationsformen und komplexe strategische Abhängigkeiten berücksichtigt werden müssen.
Welche Rolle spielt die "Spezifität" im Transaktionskostenansatz?
Die Spezifität beschreibt den Zuschnitt von Produktionsfaktoren; eine hohe Spezifität schränkt die Anzahl der Verhandlungspartner ein und fördert die Tendenz zur Eigenerstellung.
Wie unterscheidet sich der systemorientierte Ansatz von den anderen Modellen?
Er betrachtet das Unternehmen als offenes System und versucht, die Problematik der Fertigungstiefe ganzheitlich durch die Analyse von Wechselwirkungen und Dynamiken statt durch isolierte Kostenbetrachtungen zu lösen.
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- Kathrin Scheibel (Author), Sepp Däullary (Author), Harriet Hornbostel (Author), 2004, Optimale Fertigungstiefe am Beispiel der Automobilindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31324