Die aktuelle Diskussion über die Deregulierung des gesetzlichen Kündigungsschutzes, ist nur ein Aspekt der Diskussion über die seit Jahren anhaltende Krise am Arbeitsmarkt. Neben den Gestaltungsmöglichkeiten der aktiven und passiven Arbeitsmarktpolitik sind es vor allem die rechtspolitischen Instrumente die angeführt werden, wenn es um mehr Beschäftigung geht.
Dabei kann man sich zum Teil nicht dem Eindruck erwehren, dass die Frage um den Kündigungsschutz im Zeichen einer politischen Instrumentalisierung steht. Die Verfestigung und Ausweitung der Arbeitslosigkeit, trifft mittlerweile auch die bei Wahlen entscheidenden Bevölkerungsschichten im mittleren bis oberen Lohnbereich. Dadurch nimmt der Druck auf die Politik zu, mit aktiven Maßnahmen in den für die Parteien riskanten Kampf gegen die Arbeitslosigkeit einzutreten. Des weiteren werden die oft verwendeten Argumente in einem extrem verkürzten Zusammenhang wiedergegeben, wodurch sich der Eindruck von symbolischer Politik verfestigt. Die Frage nach mehr oder weniger Kündigungsschutz, ist eine die nicht nur in Deutschland diskutiert wird. Andere Länder sind bereits unterschiedliche Wege bei der Realisierung eines deregulierten Kündigungsschutzes gegangen. Beispielhaft werden in dieser Hausarbeit die Länder USA und Dänemark diskutiert, welche beide über einen schwach ausgeprägten Kündigungsschutz verfügen, sich bei den staatlichen Sozialleistungen hingegen extrem unterscheiden. Einleitend, werden einige Facetten die mit dem Kündigungsschutz zusammenhängen beleuchtet. Dies soll den angestrebten Diskussionsrahmen abstecken.
Bei der Beschreibung des Kündigungsschutzes in den USA wird der Schwerpunkt entsprechend auf die vorhandenen Formen und Wirkungen dieser Konzeption gelegt. Der Schwerpunkt beim Dänemark-Teil wird neben dem Kündigungsschutz auf der aktiven Arbeitsmarktpolitik liegen, welche eine zentrale Stellung bei der Deregulierung des Kündigungsschutzes in Dänemark einnimmt. Eine Gegenüberstellung im eigentlichen Sinn findet nicht statt. Vielmehr wird auf die unterschiedliche Performanz der beiden Konzeptionen Wert gelegt. Zum Schluss dieser Arbeit ist beabsichtigt, eine Antwort auf die dieser Ar-beit zugrunde gelegten Fragestellung zu finden. Schafft ein gelockerter Kündigungsschutz mehr Beschäftigung oder sind es die jeweils länderspezifischen Merkmale, die zu mehr Beschäftigung führen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ursachen und Wirkungen
1.1) Folgen des Kündigungsschutzes für die Arbeitgeber
1.2) Rechtsunsicherheit durch Kündigungsschutzklagen
1.3) Arbeitsverhältnisse
2. Fallbeispiel USA
2.1) Der amerikanische Arbeitsmarkt in Zahlen
2.2) Sozialleistungen
2.3) Rechtsdoktrin des „employment-at-will“
2.4) Jobsicherheit in gewerkschaftlich organisierten Unternehmen USA
2.5) Beschäftigungssicherheit in nicht gewerkschaftlich organisierten Unternehmen USA
3. Fallbeispiel Dänemark
3.1) Der dänische Arbeitsmarkt
3.2) Arbeitslosenversicherung
3.3) Arbeitsrecht
4. Empirischer Sachverhalt zwischen Kündigungsschutz und Beschäftigung
4.1) Wirkung auf Niveau und Struktur der Arbeitslosigkeit
Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen eines deregulierten Kündigungsschutzes auf die Beschäftigungsentwicklung unter Verwendung der Fallbeispiele USA und Dänemark, um die Forschungsfrage zu beantworten, ob ein gelockerter Kündigungsschutz tatsächlich Beschäftigung fördert oder ob länderspezifische Merkmale hierfür ausschlaggebend sind.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Kündigungsschutz und Arbeitsmarktflexibilität.
- Untersuchung der US-amerikanischen „employment-at-will“-Doktrin als Beispiel für einen deregulierten Arbeitsmarkt.
- Betrachtung des dänischen „Flexicurity“-Modells als Synthese aus Flexibilität und sozialer Absicherung.
- Empirischer Vergleich der Regulierungsdichte und deren Einfluss auf Beschäftigungswachstum und Arbeitslosigkeitsstruktur.
Auszug aus dem Buch
1.1) Folgen des Kündigungsschutzes für die Arbeitgeber
Im folgenden soll kurz dargestellt werden, wie sich eine Kündigung aus betrieblicher Perspektive darstellt. Ein Unternehmer der sich entschlossen hat Personal abzubauen, sieht sich zwei Problemen gegenüber. Einerseits, dass er sich aufgrund konjunktureller Entwicklungen entschieden hat Personal abzubauen um Kosten einzusparen. Andererseits, dass gesetzliche Kündigungsschutzbestimmungen bei einer notwendig werdenden Personalreduzierung Kosten verursachen. Jeglicher Kündigung geht dementsprechend ein Vergleich der Kosten bei einer Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers, in Form der Differenz zwischen Lohn und Wertgrenzprodukt im Vergleich zu den Entlassungskosten zuzüglich der Kosten einer Neueinstellung im Fall einer Konjunkturneubelebung, voraus. Entscheidet sich ein Unternehmer für eine Kündigung, entstehen ihm neben den institutionellen Kosten (Verwaltungsaufwand) zusätzliche Kosten hinsichtlich eines möglichen Produktionsausfalles durch Fehlzeiten, Entlassungskosten, Lohnfortzahlung oder Klage- bzw. Gerichtskosten. Die Entscheidung für oder gegen eine Kündigung wird offensichtlich durch eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung getroffen. Erweitern sollte man diese Überlegungen noch in Richtung des positiven Aspektes des Erhalts des bereits ausgebildeten Humankapitals im Unternehmen und einer möglich höheren Identifikation mit dem Unternehmen durch Beschäftigungssicherheit, welche zu höherer Produktivität führen kann.
Prinzipiell konnte nachgewiesen werden, dass die gesetzlichen Kündigungsschutzbestimmungen bei konjunktureller Verschlechterung eher die Beschäftigung sicherten als in Abwesenheit solcher Regulierungen. Dieser im eigentlichen Sinne positive Effekt, wirkt sich jedoch negativ auf Neueinstellungspläne aus. Die zu erwartenden Entlassungskosten und das komplexe Procedere einer Kündigung wirken sich insgesamt eher negativ auf Neueinstellung aus. Aufgrund dieser Überlegungen ist es zu erwarten, dass ein Arbeitgeber in Expansionsphasen bezüglich Neueinstellungen sich zurückhaltender verhalten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Debatte um die Deregulierung des Kündigungsschutzes und stellt das Ziel der Arbeit vor, die unterschiedlichen Konzepte der USA und Dänemarks zu vergleichen.
1. Ursachen und Wirkungen: Dieses Kapitel analysiert theoretisch die Motive für Kündigungsschutz und die damit verbundenen Kosten-Nutzen-Abwägungen aus Sicht der Unternehmen sowie die Auswirkungen auf Arbeitsmarktsegmentierungen.
2. Fallbeispiel USA: Es wird die Arbeitsmarktstruktur der USA untersucht, wobei der Schwerpunkt auf der „employment-at-will“-Doktrin, der geringen sozialen Absicherung und den Folgen für die Beschäftigungssicherheit liegt.
3. Fallbeispiel Dänemark: Das Kapitel beleuchtet das dänische Modell, das eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes mit einer aktiven Arbeitsmarktpolitik und hohen sozialen Leistungen verbindet.
4. Empirischer Sachverhalt zwischen Kündigungsschutz und Beschäftigung: Hier werden empirische Daten zur Arbeitskräftefluktuation und Betriebszugehörigkeit analysiert, um den Zusammenhang zwischen Regulierung und Arbeitsmarktdynamik zu prüfen.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass neben rechtlichen Rahmenbedingungen insbesondere gesellschaftliche Normen und Anreizsysteme für die Wirksamkeit arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen entscheidend sind.
Schlüsselwörter
Kündigungsschutz, Arbeitsmarktpolitik, Deregulierung, Arbeitslosigkeit, Beschäftigung, USA, Dänemark, employment-at-will, Flexicurity, Arbeitsrecht, Sozialleistungen, Arbeitsmarktflexibilität, Humankapital, Regulierungsdichte, Arbeitslosenversicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht kritisch die Vor- und Nachteile eines deregulierten Kündigungsschutzes und vergleicht dabei die unterschiedlichen arbeitsmarktpolitischen Ansätze in den USA und Dänemark.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die ökonomischen Folgen von Kündigungsschutzbestimmungen für Arbeitgeber, die Bedeutung aktiver Arbeitsmarktpolitik sowie die unterschiedliche Ausgestaltung sozialer Sicherungssysteme im internationalen Vergleich.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob ein gelockerter Kündigungsschutz zwangsläufig zu mehr Beschäftigung führt oder ob andere länderspezifische Faktoren für den Erfolg am Arbeitsmarkt ausschlaggebender sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende arbeitsmarktpolitische Analyse, die theoretische Konzepte (neoklassische vs. aktivierende Ansätze) mit empirischen Beobachtungen und Länderbeispielen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion über Ursachen und Wirkungen, die detaillierte Fallstudien zu den USA und Dänemark sowie einen empirischen Abgleich bezüglich Fluktuation und Arbeitslosigkeitsstruktur.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Kündigungsschutz, Arbeitsmarktpolitik, Deregulierung, Flexicurity, Arbeitslosigkeit und das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Sicherheit.
Welche Rolle spielt die „employment-at-will“-Doktrin in der Arbeit?
Die Doktrin dient als zentrales Merkmal des US-amerikanischen Arbeitsmarktes, das die weitgehende Kündigungsfreiheit der Arbeitgeber beschreibt und als Kontrastpunkt zu europäischen Regulierungsmodellen fungiert.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Verfahrensvorschriften in Deutschland?
Der Autor argumentiert, dass der eigentliche Fehler im deutschen System nicht bei den Kündigungsfristen selbst liegt, sondern in den komplexen Verfahrensvorschriften, die eine schnelle und konsequente Personalverwaltung behindern und den positiven Aspekt des Kündigungsschutzes konterkarieren.
- Quote paper
- Manuel Simon (Author), 2004, Vor und Nachteile eines deregulierten Kündigungsschutzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31336