Viele mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass die Sicherung der Marktposition und die angestrebte Expansion des Unternehmens nicht nur durch organisches Wachstum finanziert werden kann. Es stellt sich für Mittelständler die Frage, wie eine erforderliche Fremdkapitalumstrukturierung finanziert werden kann und eine Option, um sich diesen Herausforderungen zu stellen, ist eine stärkere Kapitalmarktorientierung mittelständischer Unternehmen. Mit der Schaffung von Mittelstandsanleihesegmenten, die sich auf die Platzierung von Anleihen mittelständischer Unternehmen spezialisiert haben, kann nun auch der Mittelstand die Anleihe als Finanzierungsinstrument zur Fremdkapitalbeschaffung nutzen und schon mit geringen Anleihevolumen den Zugang zum Kapitalmarkt suchen.
Seit der Einführung des ersten Mittelstandsanleihesegments Bondm der Börse Stuttgart im Jahr 2010 hat die Emission von Anleihen für den Mittel-stand erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Mittelstandsanleihe kann in diesem Zusammenhang ein elementares und diversifizierendes Element im Finanzierungsmix des Unternehmens darstellen. Es stellt sich die Frage, ob die Mittelstandsanleihe insbesondere unter Berücksichtigung des Kostenaspekts ein attraktives Fremdkapitalfinanzierungsinstrument für mittelständische Unternehmen darstellt und welche Voraussetzungen für eine Emission an den Mittelstandsanleihesegmenten zu erfüllen sind. Die aktuellen Insolvenzen mittelständischer Emittenten aus den Bereichen Erneuerbare Energien und Zukunftstechnik, wie beispielsweise Windreich und Solarwatt, werfen zudem die Frage nach dem Pro und Contra von Mittelstandsanleihen zur Unternehmensfinanzierung auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Grundlagen der Finanzierung
2.1 Finanzierungsbegriff
2.2 Finanzierungsquellen
2.2.1 Eigenkapitalfinanzierung
2.2.2 Fremdkapitalfinanzierung
2.2.3 Mezzanine-Finanzierung
3. Mittelstandsfinanzierung
3.1 Definition und Abgrenzung des Mittelstands
3.2 Bedeutung des Mittelstands
3.3 Finanzierungssituation und Wandel der Mittelstandsfinanzierung
3.4 Auswirkungen von Basel III auf den Mittelstand
4. Anleihefinanzierung als Finanzierungsoption des Mittelstands
4.1 Grundlagen der Anleihefinanzierung
4.2 Börsensegmente
4.3 Klassifizierung von Unternehmensanleihen
4.4 Neues Handelssegment Prime Standard für Unternehmensanleihen
4.5 Charakteristika von Mittelstandsanleihen und Mittelstandsanleihesegmente
4.6 Kapitalmarktfähigkeit
4.7 Emission von Mittelstandsanleihen
4.7.1 Eigenemission
4.7.2 Fremdemission
4.7.3 Leistungen der Emissionsbank
4.7.4 Anleiheemissionsprozess und -strategie
4.7.4.1 Planungsphase
4.7.4.2 Vorbereitungsphase
4.7.4.3 Ausführungsphase
4.8 Emissionskosten
4.8.1 Variable Kosten der Anleiheemission
4.8.2 Fixkosten der Anleiheplatzierung
4.9 Bedeutung von Mittelstandsanleihen für Emittenten
4.9.1 Vorteile und Nutzen der Emission
4.9.1.1 Stärkung der Unabhängigkeit und finanziellen Flexibilität
4.9.1.2 Steigerung des Bekanntheitsgrades und positive Imagewirkung
4.9.1.3 Höhere Emissionsvolumina
4.9.1.4 Planungssicherheit
4.9.2 Nachteile für Emittenten
4.9.2.1 Kosten und Mindestemissionsvolumina
4.9.2.2 Lange Vorbereitungszeit und unsicheres Platzierungsvolumen
4.9.2.3 Refinanzierungsrisiko
4.9.2.4 Diskretionsverlust durch höhere Transparenz und Publizitätspflichten
4.10 Rating von Mittelstandsanleihen
4.10.1 Grundlagen des Ratings
4.10.2 Ratingmethodik
4.10.3 Ratingkosten
4.10.4 Anreize und Nutzenpotenziale von Ratings
4.10.5 Kritik und mittelstandsspezifische Anforderungen an Ratings
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Mittelstandsanleihen als alternative Fremdkapitalfinanzierungsmöglichkeit für mittelständische Unternehmen in Deutschland, vor dem Hintergrund verschärfter Kreditvergabebedingungen und der Notwendigkeit einer strategischen Unternehmensfinanzierung.
- Bedeutung und Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands.
- Einfluss regulatorischer Rahmenbedingungen wie Basel III auf die Mittelstandsfinanzierung.
- Strukturen, Emissionsverfahren und Kosten von Mittelstandsanleihen.
- Die Rolle von Ratings und Kapitalmarktfähigkeit bei der Anleiheemission.
- Vor- und Nachteile der Anleihefinanzierung für mittelständische Emittenten.
Auszug aus dem Buch
4.7.1 Eigenemission
Bei der Selbstemission bzw. Eigenemission wird die Emission der Anleihe vom Emittenten selbst vorgenommen. Es handelt sich um eine direkte Platzierung ohne Einschaltung einer Bank oder eines Emissionskonsortiums. Bei der Eigenemission werden die Investoren vom Emittenten selbst angesprochen. Meist nutzen die Emittenten zur Platzierung der Anleihe ihre Unternehmens-Homepage. Der Direktvertrieb über ein Online-Zeichnungsportal auf der Website des Anleiheemittenten ist ein möglicher Vertriebskanal zur Platzierung der Anleihe. Über diesen Vertriebsweg werden vor allem dem Unternehmen nahestehende Investoren („Friends & Family“) angesprochen. Die Einschaltung einer Emissionsbank erfolgt ausschließlich zur Unterstützung des Vertriebs bei der Platzierung des Emissionsvolumens als sogenannte „Selling Agents“. Selling Agents übernehmen den Vertrieb der Anleihen in Form eines Kommissionärs vor allem an (semi-)institutionelle Investoren. Zudem unterstützen viele Mittelstandsanleihesegmente mittlerweile die Emittenten bei der Vermarktung ihrer Anleihe. Die Mittelstandsbörsen stellen den Emittenten häufig eigene Vertriebskanäle (Zeichnungsbox) zur Verfügung, um darüber Retailanleger zu gewinnen.
Zur Sicherung einer vollständigen Anleiheplatzierung im Rahmen der Eigenemission sollten diese drei Vertriebswege genutzt und kombiniert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Zusammenfassung der ökonomischen Bedeutung des Mittelstands und der Notwendigkeit zur Erschließung neuer Finanzierungsinstrumente aufgrund veränderter Kreditvergabebedingungen.
2. Grundlagen der Finanzierung: Darstellung der theoretischen Einordnung von Finanzierungsbegriffen sowie der Unterteilung in Innen- und Außenfinanzierung.
3. Mittelstandsfinanzierung: Analyse der Definition und volkswirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstands sowie der Auswirkungen von Basel III auf die Kreditfinanzierung.
4. Anleihefinanzierung als Finanzierungsoption des Mittelstands: Umfassende Betrachtung der Anleihe als Instrument, von den Grundlagen über den Emissionsprozess und die Kostenstruktur bis hin zur Bedeutung von Ratings für den Emittenten.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Abwägung der Chancen und Risiken der Anleihefinanzierung und Einschätzung der langfristigen Etablierung dieser Finanzierungsform im deutschen Mittelstand.
Schlüsselwörter
Mittelstand, Mittelstandsanleihen, Unternehmensfinanzierung, Fremdkapital, Anleiheemission, Kapitalmarktfähigkeit, Rating, Basel III, Bankenabhängigkeit, Finanzielle Flexibilität, Börsensegmente, Eigenemission, Fremdemission, Emissionskosten, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Mittelstandsanleihen als alternative Finanzierungsmethode, um die Abhängigkeit mittelständischer Unternehmen von klassischen Bankkrediten zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Finanzierungssituation des Mittelstands, die Bedeutung neuer Anleihesegmente, die Rolle von Ratings sowie die Analyse von Kosten und Nutzen einer Anleiheemission.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, unter welchen Voraussetzungen und für welche Unternehmen eine Anleiheemission eine lohnenswerte und praktikable Finanzierungsalternative darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Auswertung von Marktstudien (z.B. von PwC und KfW) sowie die Analyse von regulatorischen Rahmenbedingungen und Börsensegmenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Finanzierung, die spezifische Situation des Mittelstands, die Mechanismen der Anleiheemission und die detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse inklusive Rating-Methodik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Mittelstandsanleihen, Fremdkapital, Kapitalmarktfähigkeit, Rating, Basel III und Finanzielle Flexibilität.
Warum spielt die Eigenkapitalquote für den Mittelstand eine so große Rolle?
Eine solide Eigenkapitalquote ist ein zentrales Kriterium für die Bonitätsbewertung durch Banken, insbesondere nach der Einführung von Basel III, und ist maßgeblich für die Zinskonditionen bei Krediten.
Was ist das Hauptproblem bei der Emission von Mittelstandsanleihen?
Ein Hauptproblem ist das Refinanzierungsrisiko am Laufzeitende sowie die teils hohen Emissionskosten und die strengen Transparenzanforderungen, die den administrativen Aufwand für den Emittenten erhöhen.
Warum ist ein Rating für Mittelstandsanleihen so bedeutend?
Ein Rating reduziert die Informationsasymmetrie zwischen Emittent und Investor, schafft Transparenz und ist an den meisten Mittelstandsbörsen eine verpflichtende Zugangsvoraussetzung.
- Quote paper
- Thorsten Walter (Author), 2013, Mittelstandsanleihen als Finanzierungsoption des Mittelstands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313367