‚Der gemachte Mann‘, im Original ‚Masculinities‘, von Raewyn Connell gehört zu den meist rezipierten Monographien der Männlichkeitsforschung: Connell legte 1995 damit einen Grundstein für die Men’s Studies und ihr Konzept der ‚hegemonialen Männlichkeit‘ wird heutzutage noch intensiv diskutiert. Aber lässt sich dieses Konzept nach 20 Jahren immer noch bestätigen oder sollte es lieber verworfen werden? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.
Dafür wird zunächst das Konzept der hegemonialen Männlichkeit näher erläutert und anschließend folgt eine Video-Sequenzanalyse von einer Folge der Serie ‚Scrubs-Die Anfänger‘. Die Methode der Video-Sequenzanalyse wurde gewählt, da sie einen repräsentativen Blick auf die moderne Gesellschaft und somit auf die Männlichkeitsformen von Connells Theorie gibt. Die daraus resultierenden Daten werden dann auf die Theorie von Connell angewendet und im Fazit werden die Ergebnisse festgehalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Connells Konzept der Hegemonialen Männlichkeit
3. Videosequenz-Analyse
3.1. Inhaltsangabe der Serie ‚Scrubs – Die Anfänger‘
3.2. Die Folge ‚Mein Katalysator‘
3.3. Szenen-Sequenzanalyse
3.3.1. Sequenz 1 (11:59-12:32):
3.3.1.1. Inhalt der 1. Sequenz
3.3.1.2. Technische Szenen-Sequenzanalyse der 1. Sequenz
3.3.2. Sequenz 2 (14:20-16:13)
3.3.2.1. Inhalt der 2. Sequenz
3.3.2.2. Technische Szenen-Sequenzanalyse der 2. Sequenz
3.3.3. Sequenz 3 (21:47-24:42)
3.3.3.1. Inhalt der 3. Sequenz
3.3.3.2. Technische Szenen-Sequenzanalyse der 3. Sequenz
4. Anwendung der Connellschen Theorie auf die Video-Sequenzanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ von Raewyn Connell 20 Jahre nach seiner Einführung noch immer Bestand hat oder ob es einer Modifikation bedarf. Dazu wird eine spezifische Folge der Serie „Scrubs – Die Anfänger“ mittels Video-Sequenzanalyse untersucht, um das männliche Ideal sowie die Dynamiken von Dominanz und Wettbewerb innerhalb des klinischen Umfelds kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit nach Raewyn Connell.
- Durchführung einer detaillierten technischen Video-Sequenzanalyse an ausgewählten Szenen der Serie „Scrubs“.
- Theoretische Verknüpfung mit Pierre Bourdieus Konzept der männlichen Herrschaft und des geschlechtsspezifischen Habitus.
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit von Connells Typologie auf moderne männliche Identitäten.
- Diskussion über alternative Ansätze zur Kategorisierung von Männlichkeitsformen unter Einbeziehung weiterer Sozialstrukturen.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Sequenz 1 (11:59-12:32):
In der ersten Szene, welche ich ausgewählt habe, sitzt Dr. Casey im Pausenraum und Turk kommt zu ihm, um ihn zu fragen, ob er bei dessen Operation – einer Laparoskopischen Cholezystektomie – zuschauen dürfe. Dr. Casey willigt ein und beginnt mit einer Münze und seiner Hand einen Trick auszuführen. Er empfiehlt Turk, der von diesem Trick beeindruckt ist, auch diese Übung, da er damit nicht nur seine Geschicklichkeit und Konzentration trainieren könne, sondern auch damit gut bei den Frauen ankäme. Dabei wirft er Turk die Münze zu. Turk antwortet darauf, dass er sich auf die Operation freue. Es gäbe nicht viele Menschen vor denen „der Mann mit Glatze“ (12:21), wie er sich selbst in dem Moment bezeichnet, Respekt habe.
Mit dem nächsten Schnitt folgt ein Ortswechsel. Dr. Casey und Turk befinden sich nun, mit einer weiteren Krankenhausmitarbeiterin und dem Patienten im Operationssaal. Die Operation ist so gut wie vorbei. Der Eingriff verlief so schnell, dass Turk die Worte fehlen und er nur verblüfft auf den Patienten schauen kann. Dr. Casey legt ihm dafür seine Worte in den Mund: „Schätze, der Ausdruck den Sie suchen ist: Scheiße nochmal“ (12:26) und geht. Turk hingegen geht näher zum Patienten und wiederholt wirklich die Worte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Männlichkeitsforschung ein, stellt Connells Konzept vor und erläutert die Methodik der Video-Sequenzanalyse anhand der Serie „Scrubs“.
2. Connells Konzept der Hegemonialen Männlichkeit: Dieses Kapitel erläutert das dreistufige Modell der Geschlechterordnung nach Connell sowie die vier Hauptformen der Männlichkeit: Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft und Marginalisierung.
3. Videosequenz-Analyse: Hier werden die Serie „Scrubs“ und die gewählte Folge vorgestellt sowie drei ausgewählte Sequenzen inhaltlich beschrieben und technisch analysiert.
4. Anwendung der Connellschen Theorie auf die Video-Sequenzanalyse: Das Kapitel verknüpft die empirischen Daten der Sequenzanalyse mit der Theorie von Connell und ergänzt diese um Bourdieus Konzept des geschlechtsspezifischen Habitus.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die begrenzte Trennschärfe von Connells Typologie, während ein modifiziertes Modell vorgeschlagen wird.
Schlüsselwörter
Hegemoniale Männlichkeit, Raewyn Connell, Video-Sequenzanalyse, Scrubs, Männlichkeitsforschung, Geschlechterordnung, Pierre Bourdieu, geschlechtsspezifischer Habitus, patriarchale Dividende, Unterordnung, Komplizenschaft, Marginalisierung, Machtbeziehungen, männliches Ideal, Serienanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aktualität von Raewyn Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit im Kontext moderner Medien und gesellschaftlicher Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Kategorisierung von Männlichkeitsformen, die Bedeutung von Wettbewerb unter Männern und die Art und Weise, wie Männlichkeit in einer Krankenhausserie reproduziert wird.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit auch nach 20 Jahren noch zeitgemäß ist oder ob es einer Erweiterung bzw. Modifikation bedarf.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Video-Sequenzanalyse, um visuelle und erzählerische Elemente in der TV-Serie „Scrubs“ auf ihre Männlichkeitsdarstellung hin zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Herleitung werden drei spezifische Szenen aus einer „Scrubs“-Folge detailliert inhaltlich beschrieben und technisch analysiert, um die Theorie darauf anzuwenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind hegemoniale Männlichkeit, Geschlechterordnung, Video-Sequenzanalyse, Habitus und patriarchale Dividende.
Warum wurde die Serie „Scrubs“ für die Analyse gewählt?
Die Serie wurde ausgewählt, da sie Teile der modernen Gesellschaft repräsentiert, eine hohe Reichweite bei jüngeren Altersgruppen aufweist und das Thema „Geschlecht“ in den Handlungen häufig thematisiert.
Welche Bedeutung hat der Wettbewerb zwischen Dr. Cox und Dr. Casey?
Der Wettbewerb fungiert als Machtspiel zur Bestätigung der eigenen Männlichkeit und verdeutlicht das Streben nach einem unerreichbaren Ideal des „besten Mannes“.
Zu welchem Schluss kommt die Arbeit hinsichtlich Connells Modell?
Die Arbeit schlussfolgert, dass die Kategorisierung in vier starre Typen zu ungenau ist, und schlägt vor, das Modell durch Ansätze wie das Sinus-Milieu-Modell und Bourdieus Theorie der männlichen Herrschaft zu ergänzen.
- Arbeit zitieren
- Lea Hanke (Autor:in), 2015, Die verschiedene Männlichkeiten der modernen Gesellschaft. Das Connellsche Konzept der ‚hegemonialen Männlichkeit‘ bestätigen oder verwerfen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313417