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Einsatz von psychoaktiven Substanzen in der Psychotherapie am Beispiel der Schweiz

Titel: Einsatz von psychoaktiven Substanzen in der Psychotherapie am Beispiel der Schweiz

Hausarbeit , 2014 , 31 Seiten

Autor:in: Karin Geisselhardt (Autor:in)

Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In unserer westlichen Gesellschaft entstand erstmals in den ersten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ein wissenschaftliches Bemühen, psychoaktive Substanzen zu identifizieren und ihre Wirkungen zu erforschen. In vielen indigenen Kulturen hingegen sind psychoaktive Pflanzen seit Jahrhunderten fester Bestandteil und wichtiger „Ratgeber“ für Heilung und persönliche Weiterentwicklung. Die westliche Gesellschaft spricht von Betäubungsmitteln, Rauschgift oder Drogen und meint damit dieselben Substanzen, die in zahlreichen indigenen Traditionen seit jeher heilig sind, eine Verkörperung von Liebe und Gebet darstellen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde weltweit, u.a. auch in der Schweiz, von einigen Wissenschaftlern und Forschern die gezielte und verantwortungsbewusste Nutzung bewusstseinserweiternder Substanzen erforscht, erprobt und als Methode der systematischen Erweiterung resp. Unterstützung herkömmlicher Psychotherapieverfahren weiterentwickelt. Laut Naranjo (1979) liegt einer der Schlüssel der Substanzunterstützten Psychotherapie (SPT) darin, dass veränderte Bewusstseinszustände mit Persönlichkeitsveränderungen einhergehen und somit die vorsätzliche Herbeiführung veränderter Bewusstseinszustände mittels psychoaktiver Substanzen gezielt therapeutisch genutzt werden kann.

Ich möchte der Frage nachgehen, worin der Nutzen der SPT liegt und wie sie bestehende Therapieangebote bereichern resp. ergänzen könnte. Im Weiteren ist es mir ein Anliegen dazu beizutragen, bestehende Vorurteile gegenüber dieser Therapiemethode abzubauen, indem ich am Beispiel von MDMA aufzeige, wie mit psychoaktiven Substanzen konstruktiv gearbeitet wird.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst auf die Geschichte der SPT am Beispiel der Schweiz eingehen. Danach wird der regeltypische Ablauf einer SPT vorgestellt, gefolgt von einem Überblick über Indikationen und Kontraindikationen. Anschliessend wird auf allfällige Anknüpfungspunkte zwischen der SPT und der Integrativen Therapie eingegangen und ein Ausblick unter dem Blickwinkel der Illegalität gegeben. Im Anhang werden anhand von drei Original-Protokollen beispielhaft die Erlebnisse zweier Patientinnen unter MDMA-Einfluss dargelegt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Substanz-unterstützten Psychotherapie in der Schweiz

2.1 Die Entdeckung des LSD und seiner psychedelischen („die Seele offenbarenden“) Wirkung

2.2 Die Entdeckung des MDMA und seiner empathogenen („Mitfühlen bewirkenden“) und entaktogenen („das Innere berührenden“) Wirkung

2.3 Die Schweizerische Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SÄPT)

3. Prinzipien, Regeln und Ablauf der MDMA-unterstützten Psychotherapie

3.1 Einbettung in einen übergreifenden Therapieprozess, Vorgespräch und medizinische Abklärungen

3.2 Set und Setting

3.3 MDMA-Sitzung

3.4 Integration

3.5 Nachwirkungen

3.6 Nebenwirkungen

3.7 Langzeitwirkungen

3.8 Gefahren und Risiken allgemein

4. Indikationen und Kontraindikationen der Substanz-unterstützten Psychotherapie

4.1 Psychiatrisch-psychotherapeutische Indikationen für MDMA-unterstützte Psychotherapie

4.1.1 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

4.1.2 Angststörungen

4.1.3 Depressionen

4.1.4 Essstörungen

4.1.5 Paartherapie

4.1.6 Schmerz

4.1.7 Erleichterung des Sterbeprozesses

4.2 MDMA als Katalysator psychischer Prozesse in der Psychotherapie

4.3 Kontraindikationen und Nebenwirkungen der MDMA-unterstützten Psychotherapie

4.3.1 Somatische Kontraindikationen

4.3.2 Psychiatrische Kontraindikationen

4.3.3 Medikamenten-Interaktionen

5. Anknüpfungspunkte der Substanz-unterstützten Psychotherapie an die Integrative Therapie

6. Ausblick: Legalisierung Substanz-unterstützter Psychotherapie?

7. Conclusio

8. Anhang: Fallbeispiele

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Einsatz der psychoaktiven Substanz MDMA innerhalb eines psychotherapeutischen Rahmens am Beispiel der Schweiz. Dabei wird das Ziel verfolgt, den therapeutischen Nutzen der Substanz-unterstützten Psychotherapie (SPT) aufzuzeigen, bestehende Vorurteile abzubauen und zu klären, wie diese Methode das bestehende Angebot in der Psychotherapie sinnvoll ergänzen kann.

  • Historische Entwicklung der Substanz-unterstützten Psychotherapie in der Schweiz.
  • Strukturierte Prinzipien, Regeln und Ablauf einer MDMA-unterstützten Therapiesitzung.
  • Medizinische und psychiatrische Indikationen sowie Kontraindikationen für den Einsatz von MDMA.
  • Integration von MDMA-Erfahrungen als Katalysator in den psychotherapeutischen Gesamtprozess.
  • Diskussion über das Legalisierungspotenzial im modernen medizinischen Kontext.

Auszug aus dem Buch

3.3 MDMA-Sitzung

Von den Mitgliedern des SÄPT wurde das Gruppensetting favorisiert (zehn bis fünfzehn Teilnehmende), einerseits aus ökonomischen Gründen, andererseits da sich interpersonelle Themen in einer Gruppe besser bearbeiten lassen. Sie unterstützten die Gruppenbildung aktiv mit Gruppenübungen um für ein möglichst ideales Gruppenklima zu sorgen. Dabei orientierten sie sich an den Regeln der Gruppentherapie nach Yalom (Jungaberle & Verres, 2008).

Einige der Therapeuten beginnen bereits am Vorabend der Sitzung mit einer Gesprächsrunde, andere setzen diese ca. eineinhalb bis zwei Stunden vor der Substanzeinnahme an. In deren Rahmen teilt jede der Teilnehmerinnen der Gruppe und dem Therapeuten mit, welche Themen sie akut beschäftigen und welches ihr persönlicher Fokus für die bevorstehende MDMA-Sitzung sein soll. Letzte Fragen werden beantwortet, allfällige Ängste und Befürchtungen angesprochen sowie auf die Möglichkeit hingewiesen, sich während der Sitzung beim leitenden Therapeuten oder den Assistentinnen Unterstützung zu holen. Am darauf folgenden Vormittag trifft sich die Gruppe im vorbereiteten Gruppenraum und jeder Teilnehmer richtet sich seinen Platz im Kreis ein – darauf eingestellt, längere Zeit möglichst ruhig zu liegen. Dann wird die Substanz eingenommen. Nach 15 bis 45 Minuten setzt die Wirkung ein. Nun können zwei bis drei Stunden vergehen, bis sich die Substanzwirkung voll entfaltet. Danach bleibt das Wirkungsniveau während einiger Stunden, der so genannten Plateauphase gleich. Nach vier bis sechs Stunden geht diese Phase in die Ausdrucks oder Zwischenintegrationsphase über. Die Substanzwirkung lässt nun langsam nach und es kommt zur Abstiegsphase. Die verbleibende Zeit bis zum Sitzungsende und darüber hinaus wird als Integrationsphase bezeichnet. Die einzelnen Phasen werden von Pausen unterbrochen, damit die Teilnehmenden zur Toilette gehen und ausreichend trinken können (Möckel Graber, 2010).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit psychoaktiven Substanzen und führt in die Fragestellung nach dem therapeutischen Nutzen der Substanz-unterstützten Psychotherapie ein.

2. Geschichte der Substanz-unterstützten Psychotherapie in der Schweiz: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der Entdeckung des LSD durch Albert Hofmann bis hin zur Gründung der SÄPT und der Erforschung von MDMA nach.

3. Prinzipien, Regeln und Ablauf der MDMA-unterstützten Psychotherapie: Hier werden die methodischen Standards, der therapeutische Prozess sowie die Bedeutung von Set und Setting für eine sichere Durchführung der Behandlung dargelegt.

4. Indikationen und Kontraindikationen der Substanz-unterstützten Psychotherapie: Das Kapitel erläutert, bei welchen psychischen Störungen MDMA indiziert ist und welche somatischen sowie psychiatrischen Ausschlusskriterien existieren.

5. Anknüpfungspunkte der Substanz-unterstützten Psychotherapie an die Integrative Therapie: Es werden theoretische Parallelen zwischen der SPT und der Integrativen Therapie hinsichtlich der Ressourcenaktivierung und der Prozessintegration aufgezeigt.

6. Ausblick: Legalisierung Substanz-unterstützter Psychotherapie?: Dieser Abschnitt diskutiert die Zukunftsaussichten für eine medizinische Zulassung von MDMA und die Herausforderungen bei der klinischen Anerkennung.

7. Conclusio: Die Conclusio fasst die ethische Vertretbarkeit sowie das beachtliche Heilungspotenzial der Methode zusammen und betont die Notwendigkeit adäquater Rahmenbedingungen.

8. Anhang: Fallbeispiele: Im Anhang werden anonymisierte Protokolle von Patientinnen präsentiert, die ihre persönlichen Erfahrungen während und nach MDMA-Sitzungen schildern.

Schlüsselwörter

MDMA, Psychotherapie, Substanz-unterstützte Psychotherapie, SPT, SÄPT, Bewusstseinszustand, Integration, Indikationen, Psycholytische Therapie, Integrative Therapie, Traumatherapie, Set und Setting, Heilungspotenzial, Psychedelika, Empathogene.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem therapeutischen Einsatz der psychoaktiven Substanz MDMA innerhalb der Psychotherapie, unter besonderer Berücksichtigung der Schweizer Erfahrungen und wissenschaftlichen Standards.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der substanzgestützten Behandlung, die methodischen Abläufe, die klinischen Anwendungsgebiete sowie die ethischen und rechtlichen Fragestellungen einer möglichen Legalisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel der Arbeit ist es, den Nutzen der Substanz-unterstützten Psychotherapie zu untersuchen, bestehende Vorurteile gegenüber dieser Methode abzubauen und deren Potenzial als Ergänzung zu herkömmlichen Therapieformen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und Protokolle, ergänzt durch die Aufarbeitung von Erfahrungen, die in der Schweizer Bewilligungszeit gewonnen wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen (Set/Setting), die Anwendungsbereiche bei verschiedenen Störungsbildern (z.B. PTBS, Depressionen) und die theoretische Verknüpfung mit der Integrativen Therapie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind MDMA, Substanz-unterstützte Psychotherapie (SPT), Integrative Therapie, Set und Setting sowie therapeutische Integration.

Was ist bei den Borderline-Patienten zu beachten?

Bei dieser Patientengruppe gilt MDMA als psychiatrische Kontraindikation, da die Gefahr besteht, dass die Steuerungsfähigkeit abnimmt und es zu impulsivem oder autodestruktivem Verhalten kommen kann.

Welche Rolle spielt die Protokollierung für den Integrationsprozess?

Die Protokollierung dient der Nacharbeit, damit das während der Sitzung Erlebte mit dem Alltagsbewusstsein verknüpft werden kann und wichtige Details nicht in Vergessenheit geraten oder ins Unbewusste abwandern.

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Details

Titel
Einsatz von psychoaktiven Substanzen in der Psychotherapie am Beispiel der Schweiz
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung  (Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit)
Autor
Karin Geisselhardt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
31
Katalognummer
V313450
ISBN (eBook)
9783668129542
ISBN (Buch)
9783668129559
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychoaktive Substanzen MDMA psychedelische Therapie LSD
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karin Geisselhardt (Autor:in), 2014, Einsatz von psychoaktiven Substanzen in der Psychotherapie am Beispiel der Schweiz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313450
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Leseprobe aus  31  Seiten
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