"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" von Rainer Maria Rilke. Deutungsansatz und Konzept zur Verfilmung des Gedichts


Hausarbeit, 2014
10 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutungshypothese- Vorstellung des Gedichts und Deutung

3. Verfilmungskonzept

4. Schlussbemerkung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Immer häufiger werden in der Praxis des Deutschunterrichts bei der Interpretation von poetischen Texten neue Wege und Verfahren angewendet. So werden besonders in den höheren Klassen der Mittelstufe oder in der Kursphase der Gymnasien poetische Texte in Form von Kurzfilmen aufgearbeitet und interpretiert. Mit dieser neuen Art der Herangehensweise können die Schüler aus einer anderen Sichtweise die Gedichte betrachten, bearbeiten und auch eine „Brücke“ in die Vergangenheit schlagen. Gedichtverfilmungen bieten die Möglichkeit zu motivieren und mögliche Widerstände zu reduzieren. So können auch ältere Texte, in Verknüpfung mit neuen Ideen, interpretiert und erarbeitet werden, sodass vielleicht auch eine ganz neue Interpretation zu Tage kommt und auch das Verständnis der Gedichte wird für die Schüler erleichtert.1 Die Literaturdidaktik erhält durch diese neue Herangehensweise eine neue Herausforderung und erweitert den Deutschunterricht in seiner Vielfalt der Unterrichtsverfahren.2

2. Deutungshypothese - Vorstellung des Gedichts und Deutung

Rainer Maria Rilke (*4. Dezember 1875 † 29. Dezember 1926)3 ist sowohl im gesellschaftlichen als auch im literaturhistorischen Kontext bekannt. Seine Texte lassen sich in verschiedene Themenbereiche untergliedern und thematisieren die unterschiedlichsten Bereiche der Menschheit oder ihre Verbundenheit mit einem Gegenstand.4 Das zwischen 1899 und 1903 entstandene Stundenbuch, welches 1905 veröffentlicht wurde, ist ein Buch das sich besonders mit „Gott“ und „Religion“ beschäftigt. Es ist ein bedeutendes lyrisches Werk, mit dem Rilke seinen Ruf als religiöser Dichter unterstreicht und mit dem er sein „eigentümliches, eigenes“ Schaffen beginnt.5 Das Stundenbuch wird dementsprechend als „eine Deutung des Lebens [und] auch der Versuch einer Deutung des Todes“6 verstanden, was zu diesem Zeitpunkt mit der Wahrnehmung der Gesellschaft um die Jahrhundertwende zusammenhängt, deren Interesse an Religion stark gestiegen ist. Es beinhaltet alle eher religiösen Werke, polarisiert und kennzeichnet damit auch die Rezeption Rilkes.7 Dennoch ist es eine „im religiösen Sinne erbauliche Literatur, die sich an das Individuum richtet und ihm zum wirkliche Trost und Lebenshilfe werden kann.“8 Es thematisiert die Verbindung zwischen Mensch und Gott sowie Gott und Mensch9

Einige der bekanntesten und häufig zitierten Verse Rilkes daraus sind:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausende lang; und ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein grosser Gesang.10

Der gewählte Text ist aus dem ersten Buch, dem Buch vom Mönchischen Leben. Er wirkt ritualisierend und thematisiert die Suche eines „Ichs“ und die „Gottsuche“, welche auch die Schwerpunkte des Stundenbuchs sind und hier die Deutung des Textes beeinflussen. Zwar lässt sich nicht sagen, wer der gesuchte Gott ist, der umkreist wird, dennoch ist er für den Suchenden ein fester Bezugspunkt.11 Die drei Formen der Bewegung (Falke, Sturm, Gesang) beziehen sich auf das „Ich“ und sind schon „jahrtausendelang sich vollziehende Metamorphosen des Subjekts, das seine Frage nach Gott, dem alles übersteigenden Gegenüber, erfährt“.12 Der mit der Bewegung assoziierte Falke, zugreifend und zielgerichtet, sowie der kraftvolle Sturm und der Gesang als Hymnus, prägen dieses poetische „Ich“.

3. Verfilmungskonzept für das Gedicht

Für eine Gedichtverfilmung müssen jedoch auch Qualitätskriterien erfüllt sein. Dementsprechend muss der Zusammenhang zwischen Ausgangstext und Gedichtverfilmung deutlich erkennbar sein, beispielsweise Wort-Bild-Bezüge. Zudem sollte die Deutung des Gedichtes gut umsetzbar sein und die filmischen Mittel dementsprechend richtig verwendet werden. Die Deutung an sich, sollte außerdem für den Rezipienten gut nachvollziehbar sein, sodass keine Leerstellen bzgl. des Hintergedankens entstehen.13 Zudem muss die Vieldeutigkeit der literarischen Texte berücksichtigt werde und das Verständnis dafür vorhanden sein.14

Der Deutungsansatz eines Gedichtes kann jedoch unterschiedlicher Natur sein. So gibt es unterschiedlich weit fortgeschrittene Entwicklungsstufen, in denen sich eine Gedichtverfilmung befinden kann. Diese bieten dann dementsprechend einen größeren oder kleineren Interpretationsspielraum für die Rezipienten.15 Anhand dieser Erkenntnisse lassen sich Gedichtverfilmungen in unterschiedliche Kategorien einteilen.16 Dies ist zum einen die Kategorie der Rezitation (Kategorie 1), bei der besonders die Atmosphäre betont wird, die Kategorie der Inszenierung von Einzelbildern (Kategorie 2) deren Schwerpunkt auf der Betonung der Person liegt, sowie die komplexe Kontextualisierung, bei der die Handlung im Mittelpunkt steht (Kategorie 3).17 Es ist jedoch wichtig, die Kategorien angemessen zu erwählen, da dies ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium für die Verfilmung von Lyrik ist und da jede Kategorie eine andere Funktion und Wirkung hat.18

Das „Drehbuch“ zu dem von mir erwählten Gedicht von Rainer Maria Rilke, befindet sich in eher in der 3. Kategorie, der komplexen Kontextualisierung. Das Gesamtbild ist in einer Art Kurzfilm verwirklicht und der Text ist einen analogen Handlungsrahmen eingebettet. Die Situation sowie die Handlung sind betont. Dennoch wird ab und an auch ein einzelnes Bild länger betont, sodass dadurch die Atmosphäre, welche in Kategorie 2 beschrieben wird, auch zum Tragen kommt.

Für das Gedicht gibt es zwar zahlreiche Interpretationen und Präsentationen, beispielsweise in gesprochener Form von Mario Adorf oder Lotte Lehmann, die mit Bildern oder künstlerischen Gemälden z.B. von Caspar David Friedrich, hinterlegt werden, dennoch wurde dieser Text noch nicht für eine filmische Interpretation verwendet. Im Folgenden soll das Konzept der Verfilmung vorgestellt werden:

[...]


1 Vgl. S.98 Diekhans, J.: (Hrsg.): POEM. Ein Film von Ralf Schmerberg. Unterrichtsmodell. Schoeningh: ein fach deutsch 2006.

2 Vgl. S.97 Ebd..

3 Vgl. von Pape, T.: Zeittafel zu Rainer Maria Rilke. Online unter: http://www.rilke.de/ aufgerufen am: 10.03.2014

4 Vgl. S. 252 Fritz, B.: Rainer Maria Rilkes Leser in Schule und Gesellschaft. Rezeption 1904-1936. Peter Lang. Internationaler Verlag der Wissenschaften. Reihe: Europäische Hochschulschriften. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2009

5 Vgl. S.217 Engel, M. (Hrsg.): Rilke-Handbuch Leben - Werk - Wirkung. Unter Mitarbeit von Dorothea Lauterbach. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 2004

6 S. 217 Ebd.

7 Vgl. S. 264 Fritz, B.: Rainer Maria Rilkes Leser in Schule und Gesellschaft. Rezeption 1904-1936.

8 S. 217 Engel, M. (Hrsg.): Rilke-Handbuch Leben - Werk - Wirkung.

9 S. 264 Fritz, B.: Rainer Maria Rilkes Leser in Schule und Gesellschaft. Rezeption 1904-1936.

10 S. 9 Rainer Maria Rilke- Werke in drei Bänden. Erster Band Gedichts-Zyklen. Frankfurt a. Main: InselVerlag 1966.

11 Vgl. S. 220 Engel, M. (Hrsg.): Rilke-Handbuch Leben - Werk - Wirkung.

12 S. 220 Engel, M. (Hrsg.): Rilke-Handbuch Leben - Werk - Wirkung. 2

13 Vgl. S. 99 Diekhans, J.: (Hrsg.): POEM. Ein Film von Ralf Schmerberg.

14 Vgl. S. 100 Ebd.

15 Vgl. S. 40 Ebd.

16 Vgl. S.148 Hesse, M./ Krommer, A.: "Du sollst nicht " - Gedichte verfilmen. Zur Theorie und Praxis eines Lyrik-Projekts in der Sekundarstufe II. In: Frederking, Volker (Hrsg.): Filmdidaktik - Filmästhetik. Jahrbuch Medien im DU 2005. München: kopaed 2006, S.145-160.

17 Vgl. S. 42 Diekhans, J.: (Hrsg.): POEM. Ein Film von Ralf Schmerberg

18 Vgl. S. 42 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" von Rainer Maria Rilke. Deutungsansatz und Konzept zur Verfilmung des Gedichts
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Gedichte im Deutschunterricht
Note
2.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V313466
ISBN (eBook)
9783668129627
ISBN (Buch)
9783668129634
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfilmung, literarische Verfilmung, Rainer Maria Rilke
Arbeit zitieren
Constanze Böck (Autor), 2014, "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" von Rainer Maria Rilke. Deutungsansatz und Konzept zur Verfilmung des Gedichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313466

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