Die Fußball EM 2020. Die paneuropäische Idee im Sinne eines vereinten Europa und wirtschaftlicher Vernunft


Masterarbeit, 2015

135 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abstract

I. Abbildungsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit
1.3 Methoden der Erkenntnisgewinnung

2 Fußball in Europa
2.1 Der Zusammenschluss zu einem Kontinentalverband
2.1.1 Die Entstehung der europäischen Fußballunion
2.1.2 Die Mitgliedsverbände
2.1.3 Organisationsstruktur
2.1.4 Zweck und Aufgabe der UEFA
2.2 Die Fußball-Europameisterschaft
2.2.1 Die Anfangsjahre des Turniers
2.2.2 Das EM-Konzept ab 1996

3 Die Fußball-Europameisterschaft im 21. Jhd. - mehr als nur ein Fußballturnier
3.1 Die Interessensgruppen
3.2 Der Bewerbungs- und Auswahlprozess
3.3 Wachsende Anforderungen an den/die Gastgeber
3.3.1 Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit
3.3.2 Politische Rahmenbedingungen
3.3.3 Rechtliche Aspekte
3.3.4 Sicherheit
3.3.5 Spielstätten
3.3.6 Infrastruktur und Mobilität
3.3.7 Hospitality
3.4 Nutzenanalyse einer Europameisterschaft
3.4.1 Kurzfristiger Nutzen
3.4.1.1 Ausgaben
3.4.1.2 Einnahmen
3.4.1.3 Fazit der kurzfristigen Effekte
3.4.2 Langfristiger Nutzen
3.4.2.1 Langfristige volkswirtschaftliche Auswirkungen
3.4.2.2 Langfristige, qualitative Effekte
3.4.2.3 Fazit zu den langfristigen Effekten einer EM

4 Die Fußball-Europameisterschaft 2020
4.1 Konzept und Anforderungen
4.1.1 Spiele ohne Grenzen
4.1.2 Herausforderung Organisationskomitee
4.1.3 Regulatorische und organisatorische Anpassungen an das Konzept
4.1.4 Änderungen bezüglich der Anforderungen an den/die Gastgeber
4.2 Motive für die paneuropäische Endrunde
4.2.1 Sport und Politik - die EU als gelebte Union
4.2.1.1 Ziele der europäischen Integration
4.2.1.2 Die Rolle des Sports für die europäische Integration
4.2.2 Interessen der UEFA
4.3 Chancen und Risiken des paneuropäischen Konzepts
4.3.1 Kostenreduktion
4.3.1.1 Exkurs - Finanzlage Europas
4.3.1.2 Kostenminderung im Zuge der paneuropäischen EM
4.3.2 Chance für die kleinen Länder
4.3.3 Förderung kultureller Vielfalt/Stärkung des europäischen Gedanken
4.3.4 Perspektive der Fans
4.3.5 Umweltschutz/soziale Einrichtungen
4.3.6 Sponsoren und Medien

5 Conclusio
5.1 Limitationen der Arbeit
5.2 Schlusswort

6 Literaturverzeichnis

III. Anhang

Abstract

Die Fußball-Europameisterschaft (kurz EM) hat sich im Laufe der letzten fünfzig Jahre zu einem der größten Sportereignisse der Welt entwickelt. Mehr als zwei Milliarden Menschen verfolgten zuletzt die Spiele 2012 in Polen und der Ukraine. Ausgehend von einem Finalturnier 1960, an welchem vier Mannschaften teilnahmen, ist die EM heute zu einem mehrwöchigen Großereignis mit Umsätzen in Milliardenhöhe angewachsen. Damit ist die Europameisterschaft längst auch zu einem Wirtschaftsfaktor für alle Beteiligten geworden. Es locken hohe Einnahmen für die Tourismusindustrie und viel mediale Aufmerksamkeit für das Gastgeberland.

Einhergehend mit dem Wachstum des Teilnehmerfeldes und der Zuschauer wuchsen jedoch auch stetig die Anforderungen an den Ausrichter. Bei der EM 2016 in Frankreich werden erstmals zehn Spielstätten mit modernster Infrastruktur benötigt. Für den Gastgeber ergeben sich dadurch vorab riesige Investitionsbeträge. In Zeiten von Euro-Rettungsschirmen und wachsenden Krisenherden innerhalb Europas stellt sich jedoch immer wieder die Frage, welche Länder zukünftig noch den Anforderungen gerecht werden können und wollen. In diesem Umfeld präsentierte die UEFA für die EM 2020 erstmals die Idee einer länderübergreifenden Ausrichterschaft.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit diesem neuen Konzept der paneuropäischen Fußball-Europameisterschaft 2020, welche erstmals in dreizehn verschiedenen Ländern mit jeweils einer Host-City ausgetragen wird. Die Arbeit untersucht systematisch welche Interessen und Ziele die einzelnen Beteiligten an einem solchen Turnier haben und inwiefern diese mit dem bisherigen Turnierformat erreicht wurden. Anschließend werden die Unterschiede des neuen EM-Konzepts 2020 dem bisherigen gegenüber gestellt und die Vor- und Nachteile aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Am Ende soll die Untersuchung die Frage beantworten, inwiefern das EM-Konzept 2020 ein zukunftsfähiges Dauermodell darstellt, welches sowohl aus gesellschaftlicher als auch ökonomischer Sicht sinnvoll ist.

Abstract

During the last 50 years the European Football Championship developed into one of the major sporting events on earth. More than 2 billion people followed the matches during the last tournament in 2012, hosted by Poland and Ukraine. Starting in 1960 from a Championship with only four teams, it has evolved to a huge occasion running over several weeks and generating billions in revenue. These facts mean that the tournament has become an important economical factor for all parties. Host countries can expect additional revenues for their tourism industry and intensive media coverage all around the world.

Along with the rise in the number of participants and spectators, the requirements for the host countries have also grown. For the very first time, ten modern football arenas will be needed to stage the Championship 2016 in France, needing an investment of several billion Euro to guarantee the required infrastructure. In times of Euro Rescue Packages and political crises all around Europe it is questionable how many countries are still able and willing to organize such an event. In this environment UEFA launched the idea of the first panEuropean Championship in 2020, hosted by 13 different countries.

The following Master´s thesis will focus on the subject of the concept for the European Football Championship. The paper will investigate the objectives of the different stakeholders of the tournament and examines if their targets could have been achieved with the existing format. Afterwards the current concept will be compared to new format of 2020 and pros and cons are derived for the different views of the stakeholders. Based on that analysis the final question will be answered if the cross-national tournament format with 13 host countries is a sustainable concept, both from the social as well as an economical perspective.

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die sechs Kontinentalverbände der FIFA

Abbildung 2: Organisationsstruktur der UEFA

Abbildung 3: Aufgabengebiete der UEFA

Abbildung 4: Soziales Portfolio der UEFA

Abbildung 5: Einnahmen- und Ausgabenrechnung der UEFA

Abbildung 6: Gesamtumsatz der UEFA durch die Fußball-EM von 1992 bis 2012

Abbildung 7: Interessengruppen eines Fußballturniers

Abbildung 8: Das Bewerbungsverfahren im Überblick

Abbildung 9: Aufbau der Spielstätten

Abbildung 10: Zusammenspiel der Transportlogistik

Abbildung 11: Struktur der Nutzenanalyse

Abbildung 12: Vergleich der Straßen-Infrastruktur Polen/Ukraine

Abbildung 13: Struktur der Nutzenanalyse

Abbildung 14: Ausgabenstruktur der EM Besucher in der Schweiz

Abbildung 15: Struktur der Nutzenanalyse

Abbildung 16: Entwicklung der Passagierzahlen des Gautrain

Abbildung 17: Imagegewinn deutscher Austragungsorte der WM 2006

Abbildung 18: Weiterempfehlung Deutschland als Reiseland

Abbildung 19: Übersicht über die Länder, die sich als Ausrichter beworben haben

Abbildung 20: Eckdaten zum Gastgeber des Finalpakets

Abbildung 21: Eckdaten zu den 12 Gastgebern der Gruppenspiele

Abbildung 22: Die 13 Gastgeber der EURO 2020

Abbildung 23: Potentielle Organisationsstruktur für EM 2020

Abbildung 24: Organigramm auf Landesverbandebene

Abbildung 25: Unterscheide im Anforderungskonzept zwischen EM 2016 und EM 2020

Abbildung 26: Stadionkapazitäten der EURO 2020

Abbildung 27: Ausschöpfung der EFSF

Abbildung 28: Der Euro-Rettungsschirm ESM

Abbildung 29: Übersicht der Mitgliederzahl des DFB

Abbildung 30: Entwicklung der Mitgliedszahlen des DFB im Bereich Junioren bis zum 18 Lebensjahr

Abbildung 31: Mitgliederzahl DFB im Bereich Mädchen bis 16. Jahre

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Fußball ist die schönste Nebensache der Welt“1 und während einer Welt- oder Europameisterschaft kann es für viele Menschen auch durchaus zur Hauptsache werden. Jede Kaffeepause im Büro, jeder Stammtisch und jeder Smalltalk im Aufzug dreht sich in den vier Wochen des Turniers nur um die eine Sache - ‘König‘ Fußball. Beim Thema Fußball verfallen viele Europäer schnell in Superlativen: Keine andere Sportart in Europa hat mehr Mitglieder in Sportvereinen, hat mehr Besucher in den Stadien und hat so viel Sendezeit im Fernsehen. Und die Zahlen sprechen für sich: Die gesamte Leichtathletik-EM 2014 verfolgten im deutschen Fernsehen nur etwa halb so viele Menschen, wie die 90 Minuten des sportlich unbedeutenden Supercup-Finales zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Ein weiteres Beispiel stellen die weltweit 700 Millionen abgesetzten Tweets während des Endspieles der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Rio de Janeiro dar, hundertmal mehr, als beim Tennisfinale in Wimbledon.2 Doch warum ist ausgerechnet der Fußball so populär?

Einerseits hat dies sicherlich mit der langen Tradition des Sportes zu tun, die Faszination wird seit Generationen quasi ‘vererbt‘. Es hat andererseits aber auch viel mit dem Spiel an sich zu tun: Fußball kann überall gespielt werden, in jedem Land und nahezu jedem Ort. Es reichen eine freie Fläche und ein paar ineinander gewickelte Socken oder eine Dose. Fußball lebt von seiner Einfachheit und von seiner Überraschung. Ein einziges Tor kann oft ein ganzes Spiel entscheiden. Beim Basketball oder Handball sind Tore dagegen häufig und normaler Bestandteil eines Spieles. In keinem anderen Mannschaftssport gibt es zudem eine solche Vielfalt an Spielsituationen. Fußball ist der Realität viel näher als andere Ballsportarten, wo das Spiel oft nur aus der Konfrontation von Angriff und Abwehr besteht.3

Fußball ist aber weit mehr als ein Spiel. Es bildet einen Teil unserer Gesellschaft ab. In vielen armen Ländern stellt der Fußball eine der wenigen Möglichkeiten zum gesellschaftlichen Aufstieg dar. Frankreich, als großes Einwanderungsland, hat sich verändert, als die Einwandererkinder Zidane und Desailly 1998 den WM-Titel im eigenen Land holten. Am Beispiel der WM 2006 haben soziologische und sozialpsychologische Studien inzwischen gezeigt, dass das Erleben von kollektiven Emotionen im Rahmen von Fußballturnieren die Identifikation mit der eigenen Nation sowie langfristige Gefühle der Zugehörigkeit verstärken können.4 Die WM 2006 im eigenen Land hat 50 Jahre nach dem 2.Weltkrieg vielen Deutschen einen entspannteren Umgang mit ihrer eigenen Landesflagge und Nationalhymne eröffnet.5 Die Beispiele zeigen, dass der Fußball die Gesellschaft beeinflusst und umgekehrt.

Einhergehend mit einem generellen Trend zur Kommerzialisierung der westlichen Gesellschaft, ist auch der Fußball mittlerweile zu einem Produkt geworden. „Sport ist heute Wirtschaftsgut und Kulturgut zugleich“6 sagt deshalb auch Prof. Schaffrath von der TU München. Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey trug der Profifußball in Deutschland im Jahre 2010 mit über 5 Milliarden € zum Bruttoinlandsprodukt bei und mit über 110.000 Arbeitsplätzen ist die Bundesliga größer als einige DAX-Unternehmen.7

Die Verbindung von Wirtschaft und Fußball ist dabei durchaus nichts Neues, schon in den fünfziger Jahren zeigte sich Nationaltrainer Sepp Herberger gerne werbewirksam in Adidas Trainingsanzügen. Mit der massiven Verbreitung des Fernsehens haben diese Synergien jedoch völlig neue Dimensionen bekommen. So sind die Erlöse aus dem Verkauf der Fernsehrechte seit 1985 um das 67-fache gestiegen, wie das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut errechnet hat.8 Die Medien sind damit in dem Prozess der Kommerzialisierung des Sports „gleichzeitig Multiplikator und Hauptfinanzierer“.9 Die Medien spielen zudem eine große Rolle in der Vermarktung bekannter Spieler. Fußballer wie Christiano Ronaldo, Lionel Messi oder Bastian Schweinsteiger sind mediale Stars und das längst schon nicht mehr nur auf dem Fußballplatz. Entsprechend haben sich die Gehälter der Stars explosionsartig erhöht. 787 Millionen € verdienten laut Bundeszentrale für politische Bildung alleine die Spieler der 1. Fußball Bundesliga in der Saison 2011/2012.10 Die ständig steigenden Gehälter und Höhen der Transfersummen werden sehr kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Kritiker merken an, dass es unmoralisch ist, für einen einzelnen Menschen eine Summe von 50 Millionen € und mehr zu bezahlen. Befürworter weisen wiederum darauf hin, dass dies in Relation zu den gewaltigen Summen, die bei Fernsehrechten, Sponsoring und Merchandising bezahlt werden, geringe Beträge sind. Die Riberys, Neuers oder Lahms sind nun mal jene Stars, welche die Fußballfans faszinieren und in die Stadien oder vor die Fernseher locken.11 Und die Rechnungen gehen für die Clubs durchaus auf. Alleine aus dem Verkauf von Trikots von Christiano Ronaldo hat Real Madrid bis heute über 100 Millionen € eingenommen.12

Ritzer meint daher, dass die Kommerzialisierung dem Fußball gutgetan hat, sie fördere die Begeisterung und verwurzele das Spiel noch tiefer in der Gesellschaft: „Allen NegativProphezeiungen zum Trotz hat die Kommerzialisierung den Fußball nicht seiner Seele beraubt, sondern mitgeholfen, ihn weiterzuentwickeln.“13

Doch es gibt auch kritische Stimmen in der Fachliteratur, die vor den negativen Auswirkungen der Kommerzialisierung warnen. Kritikpunkte sind dabei vor allem:14

- Die Vernachlässigung des Breitensports. Von den zwei Milliarden € Umsatz der Deutschen Fußball Liga DFL fließen beispielsweise nur sieben Millionen € an die kleinen Vereine in den Landesverbänden.
- Die hohen kommerziellen Anreize befördern negative Erscheinungen wie Doping und Wettbetrug.
- Die Vielfalt an Sportarten nimmt ab, wenn nur noch gut vermarktbare Sportarten, wie Fußball oder Formel 1, gefördert und unterstützt werden.

Der Hauptkritikpunkt ist jedoch die Zurückstellung der Interessen der Fans zu Gunsten derer der Sponsoren und Medien. Kritiker führen an, dass die Fans nur noch als Konsumenten eine Rolle spielen und das eigentliche Spiel immer mehr in den Hintergrund gerät. Die Schuldigen sind meistens schnell ausgemacht: die Fußballverbände FIFA, UEFA und DFB.

So spricht Fritsch davon, dass die Spiele der DFB Nationalmannschaft heutzutage „überinszeniert und überteuert“15 sind und eine zunehmende „Distanz zu den Fans nicht zu übersehen ist“.16 Fußballspiele werden so immer mehr zu Showeinlagen, á la Superbowl in den USA. Zu groß ist mittlerweile die Abhängigkeit von den Werbepartnern. So nimmt alleine der DFB von seinen 16 Nationalmannschaftssponsoren über 60 Millionen € jährlich ein, Tendenz weiter steigend.17

Noch größere Dimensionen nimmt das Thema an, wenn man sich auf europäische und weltweite Ebene begibt. Die UEFA, als Veranstalter der Europameisterschaft, erlöst pro Turnier deutlich über eine Milliarde €, weshalb das Wirtschaftsblatt titelte: „Die UEFA: das Milliardengeschäft mit den Fans“18

Es gilt daher eine ausgewogene Balance zwischen allen Interessengruppen des Fußballs zu finden, denn ohne Zuschauer und Fans kann es den Sport auch nicht geben. Der Ausgleich zwischen kommerziellen und sportlichen Interessen wird auch im Verlauf der nachfolgenden Abschlussarbeit immer wieder ein wichtiges Thema sein, wenn es um die Bewertung des neuartigen Formates der paneuropäischen Fußball-Europameisterschaft geht. Das neue Format einer länderübergreifenden EM wird nur dann ein zukunftsfähiges Modell darstellen, wenn es sowohl aus gesellschaftlicher als auch ökonomischer Sicht funktioniert.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Zielsetzung der Masterarbeit ist die Beantwortung der Frage, ob das neue Konzept einer länderübergreifenden Europameisterschaft ein zukunftsfähiges Modell darstellt, welches sowohl aus gesellschaftlicher als auch ökonomischer Sicht sinnvoll ist. Insbesondere die Antwort auf die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit kann jedoch sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem wessen Perspektive man einnimmt: die des Veranstalters UEFA oder die der nationalen Verbände, als Gastgeber des Turniers. Beide Parteien haben im Rahmen der Planung und Ausrichtung sowohl gleichgerichtete, als auch gegensätzliche Interessen und Ziele. Dieses Spannungsfeld soll anhand der folgenden drei Thesen im Laufe der Arbeit bestätigt oder widerlegt werden:

I. Aus politischer, gesellschaftlicher und kultureller Sicht wird das paneuropäische EM- Konzept positive Effekte hervorrufen.
II. Mit der Aufstockung auf 24 Mannschaften bei der Endrunde ist die UEFA gezwungen, alternative EM Konzepte zu konzipieren, da nur eine Handvoll der 53 Landesverbände als Ausrichter in Frage kommen.
III. Die Chancen für kleinere Verbände werden durch die Idee einer paneuropäischen Europameisterschaft nicht vergrößert.
IV. Das EM-Konzept 2020 dient vor allem den kommerziellen Interessen der UEFA.

1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit

Die Arbeit ist geprägt durch einen deduktiven Aufbau und besteht aus fünf Teilen. Zu Beginn der Studienarbeit wird kurz auf die Entstehungsgeschichte des europäischen Fußballs und seines Fußballverbandes UEFA eingegangen. Zum besseren Verständnis der Perspektive der UEFA werden deren Zweck, Ziele und Aufgaben näher beleuchtet, bevor anschließend die historische Entwicklung der Fußball-EM von 1960 bis heute beschrieben wird.

Der Schwerpunkt des dritten Kapitels bildet eine ausführliche Nutzenanalyse des Turniers, aus Sicht der verschiedenen Beteiligten. Hierzu werden zunächst die Interessengruppen und deren Ziele vorgestellt, um dann die konkreten Anforderungen seitens der UEFA an die Gastgeber zu beschreiben und zu bewerten. Abschließend wird in diesem Kapitel eine detaillierte Bewertung des kurz- und langfristigen Nutzens auf Basis der bisherigen Erfahrungswerte vergangener Turniere vorgenommen.

Das vierte Kapitel widmet sich dann dem neuartigen Konzept der EM 2020, beschreibt deren konzeptionellen Änderungen, besonderen Herausforderungen sowie Chancen und Risiken. Den Schwerpunkt bildet die Bewertung des neuen Konzeptes im Vergleich zum bisherigen Format, aus Sicht der unterschiedlichen Interessengruppen, wie u.a. Ausrichter, UEFA oder Fans. Die Analyse beantwortet dazu die Frage, ob das paneuropäische Format eine Verbesserung oder Verschlechterung für die jeweiligen Interessenlagen darstellt.

Abschließend werden im Fazit die Kernaussagen zusammengeführt und mit den Hypothesen abgeglichen und bewertet.

1.3 Methoden der Erkenntnisgewinnung

Die vorliegende Masterarbeit verfolgt einen deskriptiv-konzeptionellen Ansatz und basiert vorwiegend auf Erkenntnissen verschiedener Literaturquellen. Zur Gewährleistung der kritischen, wertungsfreien und umfassenden Beleuchtung des Themas wurden hierzu verschiedene Arten von Literatur herangezogen:

- Artikel in Fachlexika
- Dissertationen und Habilitationen
- Beiträge zu wissenschaftlichen Sammelwerken
- Internetrecherche

Des Weiteren wurde vor allem im dritten Kapitel, in Bezug auf die Nutzenanalyse einer Fußball-Europameisterschaft, mittels empirischer Datenauswertung, die zuvor eruierten Meinungen und Aussagen untersucht.

Aufgrund dessen, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Studien oder andere zuverlässige Daten bezüglich der Effekte der EM 2020 vorliegen können, wurden an dieser Stelle die getroffenen Annahmen mittels eines qualitativen Interviews, mit einem Experten der Branche, abgeglichen.

2 Fußball in Europa

„Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann einem Ball hinterherlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland“19. Dieser bekannte Ausspruch vom ehemaligen englischen Nationalspieler Gary Lineker fasst in einem, nicht ganz ernst zu nehmenden Satz die grundlegende Herausforderung des Spiels kurz und prägnant zusammen. Bei einer weniger pragmatischen Betrachtungsweise ist Fußball aber deutlich mehr. So gilt er unter anderem als die populärste und vor allem mitgliederstärkste Sportart der Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, deren Popularität größtenteils sehr stark national geprägt ist, zählt Fußball in fast jedem Land zu den beliebtesten Sportarten. Selbst in Nordamerika, wo Fußball bisher vorwiegend als Randsportart wahrgenommen wurde, steigt die Beliebtheit von Jahr zu Jahr an.20

In Europa besitzt der Fußball noch einmal eine gesonderte Stellung. Im Gegensatz zu Asien oder dem bereits erwähnten Nordamerika, gilt Fußball in fast jedem europäischen Land als die populärste Sportart überhaupt. Dies lässt sich sowohl in der Zahl der aktiven Mitglieder, wie auch anhand der Anzahl an Zuschauern und Fans empirisch belegen.21 Ein Grund dafür könnte sein, dass die historischen Wurzeln des Fußballs in eben diesem Europa liegen und hier die Grundlagen für das Spiel, wie es heute weltweit bekannt ist, geschaffen wurden.

Der 26. Oktober 1863 gilt dabei im doppelten Sinne als Geburtsstunde des organisierten Fußballs. An diesem Tag wurden in England zum einen die ersten Regularien für das Spiel festgelegt, die noch heute als Grundlage für die siebzehn allgemeinen Fußballregeln gelten. Zum anderen wurde dabei auch zum ersten Mal eine zentrale Organisation gegründet, durch welche die Spiele einem organisatorischen Rahmen unterworfen wurden.22 Die in diesem Zusammenhang gegründete Football Association (FA), die auch noch heute in England aktiv ist, stellt den ersten Fußballverband der Welt dar. Sie galt als Vorbild für alle weiteren Nationalverbände und bildete die Grundlage für die spätere Entstehung der Kontinentalverbände sowie des Weltverbandes.

Letzterer wurde gut dreißig Jahre später, am 21. Mai 1904, in Paris in einem Hinterhaus der Union Française de Sports Athlétiques, durch eine Generalversammlung der Nationalverbände aus Frankreich, Belgien, Dänemark, Niederlande, Spanien, Schweden und der Schweiz, gegründet.23 Diese europäischen Verbände vereinte das Ziel ihre Nationalmannschaften gegeneinander spielen zu lassen, wofür sie, nach Vorbild ihrer nationalen Verbände, einen übergeordneten Verband für die Organisation und Überwachung des Reglements benötigten. Das Resultat dieser Zusammenkunft war die Gründung der sog. ‘Fédération Internationale de Football Association‘, heute weltweit unter der Abkürzung FIFA bekannt.24

In den kommenden 50 Jahren setzte der Fußball in Europa seine Erfolgsgeschichte fort und seine Popularität wuchs weiter an. Viele bekannte Vereine entstanden in dieser Zeit und die großen europäischen Fußballnationen sehnten sich nach Vergleichen ihrer Vereinsmannschaften auf europäischer Ebene. Mit der Gründung des ersten Kontinentalverbandes 1916 in Südamerika und dem rasanten Wachstum der Mitgliedsverbände innerhalb der FIFA schwand jedoch der Einfluss der europäischen Nationalverbände zusehends. Der Bedarf für einen eigenen europäischen Kontinentalverband wurde immer größer und im Juni 1954 wurde er mit der Gründung der ‘Union of European Football Associations‘ (folgend kurz UEFA) Wirklichkeit. Mit der Gründung der UEFA folgte 1955 die Einführung des Europapokals der Landesmeister und fand ihren vorläufigen Höhepunkt fünf Jahre später mit der ersten Fußball- Europameisterschaft der Nationalmannschaften.

Genau sechzig Jahre später soll nun erstmals eine Europameisterschaft in ganz Europa ausgetragen werden: die EURO 2020, welche den Forschungsgegenstand dieser Abschlussarbeit darstellt. Zum Verständnis der Hintergründe soll in diesem Kapitel die Gründungsgeschichte der UEFA kurz näher beleuchtet werden, bevor die heutige Organisationsstruktur, sowie die verschiedenen Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der UEFA erläutert werden. Im Anschluss daran folgt eine kurze Darstellung der Entwicklung der Fußball-Europameisterschaft, bis hin zur Idee der länderübergreifenden Ausrichtung des Turniers in 2020, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit den zentralen Schwerpunkt einnehmen wird.

2.1 Der Zusammenschluss zu einem Kontinentalverband

Die am 15. Juni 1954 in Basel gegründete UEFA stellt einen Verband der Verbände dar, in Form einer repräsentativen Demokratie, der heute als einer von sechs Kontinentalverbänden die Interessen der europäischen Nationalverbände innerhalb der FIFA vertritt. Das Hauptanliegen der UEFA war und ist, dem europäischen Fußball ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben, die Solidarität der europäischen Fußballfamilie zu stärken und neue Visionen zu verwirklichen.25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die sechs Kontinentalverbände der FIFA26

Der Weg bis zur offiziellen Gründung war jedoch von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet, welche sich sowohl aus der damaligen politischen Lage, als auch den unterschiedlichen Interessen der Nationalverbände sowie den Drohgebärden der FIFA ergaben. Folgend soll dieser Weg in einem kurzen historischen Abriss dargestellt werden, um daraus die Gründungsmotive, welche bis heute Bestand haben, abzuleiten.

2.1.1 Die Entstehung der europäischen Fußballunion

Die Motive der europäischen Verbände zur Gründung eines Kontinentalverbandes gehen auf die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Die FIFA war seit ihrer Gründung sehr stark von den europäischen Verbänden geprägt. So kamen die sieben Gründungsmitglieder (Frankreich, Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Schweiz sowie der Madrider Football Club als repräsentativer Vertreter Spaniens) ausschließlich aus Europa. Im Laufe der folgenden Jahre wuchs jedoch der Anteil der nicht-europäischen Staaten signifikant an, was aufgrund der kontinentalen Struktur und der jeweiligen Anzahl an Ländern auf der Welt nicht überraschend kam.27 Bis 1954, dem Gründungsjahr der UEFA, stieg die Anzahl der Mitgliederverbände der FIFA von sieben auf 79, wobei der Anteil der europäischen Verbände von 100% auf 39% (31 von 79) sank. Aus Sicht der europäischen Verbände bestand aufgrund dieser Entwicklung, in Verbindung mit der FIFA Regel ‘Ein Land eine Stimme‘, die Gefahr einer Verringerung des europäischen Einflusses innerhalb der FIFA.28

Die Idee eines europäischen Kontinentalverbandes wurde daher erstmals zu Beginn der 1950er Jahre von einigen Visionären, wie z.B. Dr. Ottorino Barassi (ehemaliger Präsident des italienischen Fußballverbandes), sowie dessen französischen und belgischen Amtskollegen Henri Delaunay und José Crahay, angestoßen. Sie begründeten diese Idee mit den wachsenden Anforderungen und der zunehmenden Komplexität, die durch eine alleinige zentrale Stelle kaum mehr zu bewältigen war. Mit dem Bestreben den europäischen Fußball besser organisieren zu können und dadurch Europa fußballerisch zu vereinen, trugen sie 1952 in Zürich erstmals ihre Idee zur Gründung eines europäischen Kontinental- verbandes vor.29 Dem Vorhaben stand zu diesem Zeitpunkt aber noch eine bürokratische Hürde im Weg. Ein FIFA-Statut verbot es den Mitgliedsverbänden eigene Zusammenschlüsse zu bilden, welche die europäische Fußballunion jedoch dargestellt hätte.30 Den europäischen Vertretern gelang es aber, auf Initiative der bereits erwähnten Barassi, Delaunay und Crahay, auf einem außerordentlichen FIFA-Kongress in Paris im November 1953 dieses Statut aufzuheben und die Bildung kontinentaler Konföderationen zuzulassen.31 Noch im selben Jahr wurde, wiederum in Paris, mit insgesamt zwanzig europäischen Vertretern ein grundsätzliches Reglement für die zukünftige europäische Fußballunion festgelegt. Die offizielle Gründung der UEFA wurde schließlich am 15. Juni 1954 in Basel, mit der Registrierung im Handelsregister als eingetragener Verein im Sinne des Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB), vollzogen.32

2.1.2 Die Mitgliedsverbände

Nach den offiziellen Angaben der UEFA sollen insgesamt dreißig Nationalverbände die Gründung beschlossen haben. Ende 1954 zählte die UEFA, mit dem Eintritt des polnischen Fußballverbandes, insgesamt 31 Mitgliedsverbände (siehe Anhang 1). In den vergangenen sechzig Jahren wuchs die Anzahl der Mitgliedsverbände stetig an, was vor allem auf die politischen Entwicklungen in Osteuropa, mit dem Zerfall der UdSSR sowie der politischen Neuordnung der Balkan-Staaten, zurückzuführen ist. Seit der Aufnahme der Gibraltar Football Association auf dem Kongress in London am 24.Mai 2013, weist die UEFA heute offiziell 53 Nationalverbände33 als Mitglieder auf.34

Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu der Anzahl der Länder, die nach der derzeitiger Grenzdefinition innerhalb Europas liegen, lässt sich feststellen, dass die UEFA mehr Mitgliedverbände vereinigt, als es souveräne Staaten innerhalb Europas gibt.35 Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass mit Nationalverbänden wie, z.B. Gibraltar auch Mitglieder gezählt werden, die nicht als eigener souveräner Staat anerkannt sind. Darüber hinaus gibt es aber auch innerhalb der UEFA einige Mitgliedsverbände, die geografisch nicht dem eigentlichen europäischen Gebiet zuzuordnen sind. 1994 wurde dem Nationalverband von Israel als erstem ‘nicht-europäischem Staat‘ die Mitgliedschaft in der UEFA gewährt. Heute gelten mit Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan sowie dem bereits erwähnten Israel insgesamt fünf Nationalverbände als Mitglieder der UEFA, deren geografische Lage bis weit nach Asien hineinreichen, beziehungsweise im Fall von Israel sogar gänzlich außerhalb Europas liegt. Die Legitimation dafür ist in den Statuten der UEFA verankert. Nach Artikel 5 können alle Verbände europäischer Länder, die von der UNO anerkannt und unabhängig sind, Mitglieder werden. In Ausnahmefällen und mit Einverständnis der FIFA kann darüber hinaus aber auch jeder Länderverband UEFA-Mitglied werden, dessen territoriales Gebiet außerhalb Europas liegt, so lange dieser keine Mitgliedschaft in einer anderen Konföderation aufweist.36 Dieser Fall fand bezüglich des Nationalverbandes Israels Anwendung, welcher bis in die 70er Jahre noch Mitglied der Asian Football Conféderation (AFC) war. Nachdem sich die sog. ‘arabisch-muslimische Fußballfraktion‘ innerhalb der AFC immer wieder gegen Israel aufgelehnt hat, entschloss sich dieser zum Austritt aus der Konföderation. Zur Wahrung des internationalen Fußballbetriebs ist aber eine Mitgliedschaft unabdingbar, weshalb nach knapp zwanzig Jahren Wartezeit, die Mitgliedschaft in der UEFA zugesprochen wurde.37

2.1.3 Organisationsstruktur

Bei der UEFA handelt es sich um einen Sportverband, der nicht über die Befugnisse einer gewählten Regierung verfügt und sich dementsprechend auch nicht so verhalten darf. Die UEFA repräsentiert die nationalen Fußballverbände Europas und kann deshalb nur im Einklang mit diesen Verbänden Entscheidungen treffen.38 Dies schlägt sich auch in der Organisationstruktur nieder, welche nachfolgend vorgestellt werden soll.

Das Organigramm der UEFA weist eine Pyramidenform auf, an deren Spitze der UEFAKongress als oberstes Organ agiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Organisationsstruktur der UEFA39

Laut Artikel 13.1 der Satzung findet pro Jahr mindestens ein ordentlicher Kongress statt, auf welchem jeder Mitgliedsverband durch jeweils einen Abgeordneten vertreten ist. Ein zweiter ordentlicher Kongress kann durch das Exekutivkomitee einberufen werden, um finanzielle Angelegenheiten beziehungsweise als besonders wichtig erachtete Themen zu behandeln. Darüber hinaus verfügen die Mitglieder über die Möglichkeit der Einberufung eines außerordentlichen Kongresses, für welchen das schriftliche Gesuch von mindestens einem Viertel der Mitglieder, einschließlich der Angaben der zu behandelnden Themen, notwendig ist. Die Abstimmung innerhalb des Kongresses bezüglich aller Tagesordnungspunkte erfolgt basisdemokratisch, wobei jeder Verband, unabhängig von Größe und Mitgliedsdauer, jeweils eine Stimme besitzt. Als wichtigste Aufgaben obliegen dem Kongress die Wahl der Mitglieder des Exekutivkomitees, des Präsidenten sowie der europäischen Mitglieder des FIFA- Exekutivkomitees.

Weitere zentrale Aufgaben sind:

- Änderung der Statuten
- Aufnahme und Ausschluss von Verbänden
- Amtsenthebung von Organmitgliedern sowie
- die Prüfung der Tagesordnung des FIFA-Kongresses.40

Neben dem Kongress sind in Artikel 11 der UEFA-Satzung (folgend nur noch als Satzung bezeichnet) das Exekutivkomitee, der Präsident sowie die Rechtspflegeinstanzen als Organe der UEFA fest verankert.41

Das UEFA-Exekutivkomitee repräsentiert das oberste ausführende Organ der UEFA, welchem neben den fünfzehn direkt gewählten Mitgliedern und dem Präsidenten auch ein permanentes weibliches Mitglied angehört. Dieses wird auf Vorschlag der Kommission für Frauenfußball berufen. Das Exekutivkomitee, welchem seit 2013 auch der Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB) Dr. Wolfgang Niersbach angehört, tritt auf Einladung des UEFA-Präsidenten alle zwei Monate zusammen, um die Geschäfte der UEFA durch die Erlassung von Reglements, Erteilung von Weisungen und die Fassung von Beschlüssen zu führen. Wenn nicht anders beschlossen, ist hierzu die einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder ausreichend. Es gibt Aufgaben, wie z.B. die Überwachung des Rechnungswesens und der Administration, die Wahl des Generalsekretärs und dessen Stellvertreter sowie die Genehmigung des jährlichen Geschäftsplans, die laut Satzung allein dem Exekutivkomitee vorbehalten sind und somit nicht an Dritte übertragbar sind.42 Als gesonderte Kommissionen innerhalb des Exekutivkomitees fungiert der sog. UEFA-Dringlichkeitsausschuss. Dieser umfasst insgesamt fünf Mitglieder, wobei neben dem UEFA-Präsidenten sowie dessen erstem Vizepräsidenten und dem der Finanzkommission vorsitzenden Vizepräsident nur zwei Mitglieder variabel aus den Reihen des Exekutivkomitees berufen werden. Der Dringlichkeitsausschuss ist befugt, im Fall von unaufschiebbaren Angelegenheiten, die zwischen den Sitzungen des Exekutivkomitees aufkommen und in dessen Zuständigkeitsbereich fallen, einen endgültigen Beschluss zu fassen und diesen umzusetzen.43 Als Besonderheit ist anzuführen, dass alle Mitglieder, einschließlich dem Präsidenten, nicht an solchen Sitzungen beziehungsweise Entscheidungen teilnehmen dürfen, in welchem über den Verband oder einen Verein des Verbandes, welchem dieses Mitglied angehört, beraten wird, um in diesem Fall einen Interessenkonflikt zu verhindern.

Der UEFA-Präsident, der auf vier Jahre vom Kongress gewählt wird, fungiert gleichzeitig als exekutives, wie auch als repräsentatives Organ. Als Vorsitzender des Kongresses und des Exekutivkomitees obliegt ihm die Leitung deren Sitzungen, wobei ihm die alleinige Entscheidungsgewalt im Falle eines Stichentscheides zusteht. Als höchster Repräsentant der UEFA ist er für deren Beziehungen zur FIFA, zu den anderen Konföderationen sowie den Mitgliedsverbänden des europäischen Fußballverbandes verantwortlich.44 2007 wurde der ehemalige französische Fußballstar Michel Platini zum sechsten Präsidenten gewählt und 2011 in diesem Amt bestätigt. In den vergangen acht Jahren hat der zweimalige Gewinner des Titels ‘Europas Spieler des Jahres‘ zahlreiche Reformen initiiert und begleitet, was thematisch später anhand der Fußball-EM noch einmal genauer dargestellt wird.

Das letzte in der Satzung verankerte Organ sind die Rechtspflegeorgane, die sog. UEFA- Disziplinarinstanzen. In erster Instanz werden die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer mit der Beurteilung eines Falles beauftragt. Für den Fall, dass gegen eine Entscheidung dieser Kammern in Berufung gegangen wird, ist der Berufungssenat, als zweite Instanz, aufgefordert über die Entscheidung nochmalig zu urteilen. Die UEFA wird in den Verfahren von sog. Ethik- und Disziplinarinspektoren vertreten. Diese sind befähigt, disziplinarische Untersuchungen zu eröffnen sowie, wenn als notwendig angesehen, Revision und Anschlussrechtsmittel einzureichen. Der internationale Sport-Gerichtshof (CAS) wird eingeschaltet, wenn ein Streitfall zwischen UEFA und einem Verband, einer Liga, einem Verein oder Spielern beziehungsweise Offiziellen vorliegt.45 Beispielweise wurde gerade vor dem CAS eine Klage des FC Barcelona gegen die UEFA verhandelt, da dieser das gegen ihn verhängte Transferverbot als unrechtsmäßig angesehen hatte. Die CAS soll in einem solchen Fall als unabhängiges Gericht eine absolute Unbefangenheit für den jeweiligen Prozess garantieren.

Als weitere wichtige, wenn auch nicht in der Satzung verankerte, Organe der UEFA sind der strategische Beirat für Berufsfußball, die Kommissionen und Ausschüsse sowie die UEFA- Administration zu nennen.46 Letztere ist unter der Leitung des UEFA-Generalsekretärs, seit 2009 bekleidet durch den Schweizer Rechtsanwalt Gianni Infantino, für die Ausübung der Geschäfte verantwortlich. Die insgesamt neunzehn Kommissionen und sechs Expertenausschüsse47 dienen, in vorwiegend beratender Funktion, der Strategieentwicklung der UEFA. Die Kommissionen reichen dabei von Spielertransfers und medizinischen Angelegenheiten bis hin zum Schiedsrichterwesen und den Finanzen. Das Exekutivkomitee ist befähigt seine Pflichten an die einzelnen Kommissionen zu delegieren, wodurch diese Entscheidungsbefugnisse erlangen können.48

Die UEFA hat dabei in den sechzig Jahren seit ihrer Gründung einen großen Wandel vollzogen. Dominierten bei der Gründung noch administrative Aufgaben, hat sich der europäische Fußballverband im Laufe der Jahrzehnte zu einer proaktiven und dynamischen Organisation gewandelt. Dieser Wandel war letztlich unausweichlich, um den Anforderungen des modernen Fußballs und dem damit einhergehenden wachsenden Aufgabenfeld der UEFA gerecht zu werden.

2.1.4 Zweck und Aufgabe der UEFA

Das Aufgabenspektrum der UEFA hat sich in den vergangen Jahren enorm verändert und dabei stetig an neuen Aufgaben hinzugewonnen, was auch an der Mitarbeiteranzahl abzulesen ist. Zählte die UEFA 1960 nur drei Vollzeit-Mitarbeiter, so arbeiten heute mehr als 400 Personen aus 38 verschiedenen Ländern für den Verband.49

Die Mission der UEFA war es von Anfang an, den Fußball zu fördern und seine Stellung als beliebteste Sportart der Welt weiter zu stärken. Im Leitfaden ’Vision Europa‘, der im Jahr 2005 vorgestellt wurden , formuliert die UEFA ihre Mission wie folgt: „UEFA’s core mission is to promote, protect and develop European football at every level of the game, to promote the principles of unity and solidarity, and to deal with all questions relating to European football."50 Aus dieser Mission hat die UEFA insgesamt 14 Unterziele abgeleitet, die in Artikel zwei der UEFA-Statuten verankert sind.51 Diese lassen sich zu zwei Hauptzielen zusammenfassen:

1. Schutz und Weiterentwicklung des Fußballs in der Gesellschaft
2. Interessenvertretung der angeschlossenen Verbände und Mitglieder

Hieraus leiten sich eine Vielzahl von Aufgaben ab, die im Rahmen dieser Arbeit nach der folgenden Struktur gegliedert werden sollen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufgabengebiete der UEFA52

Das erste Aufgabengebiet bezieht sich auf den Schutz und die Weiterentwicklung des Sports. Die UEFA schützt den Fußball als regulatorische Instanz durch Maßnahmen wie finanzielles Fairplay, Prävention von Spielmanipulationen, Klublizenzierung und Anti- Doping.53 Hierzu erlässt die UEFA Regularien und stellt deren Umsetzung sicher. In Streitfällen agiert die UEFA als Schlichtungs-, aber auch als Disziplinar- und Rechtsorgan. Zentrale Themen sind dabei der Kampf gegen Korruption, illegale Wetten sowie Doping. Bei der UEFA EURO 2008 wurden so erstmals Blutentnahmen zwischen und nach den Spielen durchgeführt. Im Jahr 2009 wurde zudem ein Frühwarnsystem zur Überwachung des Wettmarktes eingeführt, welches mehr als 29.000 Spiele in einer Saison unter die Lupe nimmt. Im September 2009 bewilligte das UEFA-Exekutivkomitee zudem ein Konzept zu mehr finanziellem Fairplay, damit in den Europapokal-Wettbewerben langfristig mehr finanzielle Gerechtigkeit und Stabilität herrscht.54

Die UEFA arbeitet außerdem systematisch an der Weiterentwicklung der Sportart und diskutiert regelmäßig weitere Verbesserungen. Neben der Gründung von zahlreichen Experten-Kommissionen (z.B. 1963 die Technische Kommission und 1968 die Schiedsrichterkommission) werden wiederkehrende Fortbildungskurse für Trainer und Schiedsrichter durchgeführt und Konferenzen mit den Generalsekretären und Präsidenten der nationalen Verbände veranstaltet. Immer mehr rückt auch die Talentförderung in den Mittelpunkt. Hierzu wurden beispielsweise die U-21-Wettbewerbe auf europäischer Ebene eingeführt.55

Ein zentrales Anliegen der UEFA ist außerdem der Kampf gegen jegliche Art von Diskriminierung aufgrund von Politik, Rasse, Religion, Geschlecht oder anderen Aspekten. Die UEFA kümmert sich daher seit vielen Jahren auch um soziale Belange. Ein Großteil der Themen leitet sich direkt aus der Verantwortung der UEFA als Kontrollorgan ab. Hierzu zählen Aufgaben wie Financial Fairplay und Gleichberechtigung des Frauenfußballs. Ausgehend von der Zielsetzung der UEFA „to maintain and improve the well-being of the game in the society“56 hat sie sechs weitere gesellschaftlich relevante Themen (das sog. ‘Portfolio‘) identifiziert, die den Rahmen der UEFA Arbeit bilden.57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Soziales Portfolio der UEFA58

Die zweite zentrale Aufgabe der UEFA ist die Interessenvertretung. Als Vertreter ihrer angeschlossenen Verbände vertritt die UEFA die europäischen Belange im Weltverband FIFA, gegenüber den anderen Konföderationen, in der Politik und bei den Medien. Sie pflegt die Kontakte zu deren Organen und versucht Einfluss auf das Denken und Handeln zu nehmen. Seit vielen Jahren gibt es politische und diplomatische Gespräche mit der Europäischen Union über wichtige Themen, wie beispielweise der Zentralvermarktung. Gleichzeitig kümmert sich die UEFA darum, dass die Bedürfnisse der verschiedenen Interessengruppen innerhalb Europas, wie Ligen, Vereine, Spieler und Fans, angemessen berücksichtigt werden und sorgt für eine Einigkeit innerhalb der Mitgliedsverbände.

Eine ganz wichtige Aufgabe der UEFA ist die Erzielung von Einnahmen, die dann wieder den Verbandsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden. Die kommerziellen Interessen der UEFA konzentrieren sich auf die Organisation und Vermarktung von Wettbewerben. Die Vermarktungsaktivitäten der UEFA haben dazu in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen, insbesondere unter der Präsidentschaft von Michel Platini.59 Abbildung 5 zeigt die Einnahmen und Ausgabenrechnung der UEFA von 2007-2011.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Einnahmen- und Ausgabenrechnung der UEFA60

Die Wettbewerbsstrategie der UEFA lässt sich grundsätzlich in zwei Dimensionen unterteilen. Die erste Unterteilung ist in die Bereiche:

- Männerfußball
- Frauenfußball
- Juniorenfußball (verschiedener Altersklassen)
- und Hallenfußball (genannt Futsal)

Trotz der steigenden Popularität des Frauenfußballs entfällt auch weiterhin der absolute Großteil der Einnahmen und Ausgaben auf den Herrenfußball. So kostet die Organisation der Herrenwettbewerbe pro Jahr etwa 200-250 Millionen €. Den gleichen Betrag wendet die UEFA für alle Frauen- und Jugendwettbewerbe in zehn Jahren in Summe auf.61

Die zweite Unterteilung ist nach den teilnehmenden Mannschaften. Es gibt Formate für Nationalmannschaften und für Vereinsmannschaften. Aktuell gibt es fünfzehn aktive und zwei inaktive Formate der UEFA.62 Für Nationalmannschaften sind dies:

- Fußball-Europameisterschaft (kurz EM)
- Fußball-Europameisterschaft der Frauen
- U-21-Fußball-Europameisterschaft
- U-19-Fußball-Europameisterschaft
- U-19-Fußball-Europameisterschaft der Frauen
- U-17-Fußball-Europameisterschaft
- U-17-Fußball-Europameisterschaft der Frauen
- UEFA-CAF Meridian Cup für europäische und afrikanische U17-Teams, ausgerichtet gemeinsam mit dem afrikanischen Kontinentalverband CAF
- Futsal-Europameisterschaft

Für Vereinsmannschaften veranstaltet die UEFA folgende Wettbewerbe:

- UEFA Champions League (kurz CL, ehemals Europapokal der Landesmeister)
- UEFA Europa League (ehemals UEFA-Pokal)
- UEFA Super Cup
- UEFA Women’s Champions League (ehemals UEFA Women’s Cup)
- UEFA Youth League
- UEFA Futsal Cup

Zudem existieren zwei Wettbewerbe, die derzeit nicht mehr durchgeführt werden sowie ein geplanter, neuer Wettbewerb:

- Europapokal der Pokalsieger (wurde letztmals 1998/99 ausgetragen; seither erhalten die nationalen Pokalsieger die Startberechtigung für die Europa League)
- UEFA Intertoto Cup (wurde 2008 zum letzten Mal ausgetragen und ging danach in der Qualifikation zur Europa League auf)
- Nations League (ab 2018 soll dieses neues Format für Nationalmannschaften entstehen)

Als Veranstalter besitzt die UEFA das alleinige Namens- und Verwertungsrecht der Wettbewerbe. Wie bereits in der Einleitung dargestellt, kennen die Begeisterung und auch die Zahlungsbereitschaft gerade für den Spitzenfußball oftmals keine Grenzen. Beispielweise verfolgen mittlerweile mehr als vier Milliarden Fernsehzuschauer weltweit pro Saison die Spiele der UEFA Champions League.63 Diesen kommerziellen Wert nutzt die UEFA für eine umfassende Vermarktungsstrategie. Haupteckpfeiler sind dabei:

- die Fernseh- und Medienrechte
- Sponsorenverträge
- Tickets und Hospitality
- Merchandising

Die UEFA verzeichnet aus den beiden Spitzen-Wettbewerben EM und CL mittlerweile jeweils Einnahmen von deutlich über einer Milliarde €. Die mit Abstand wichtigste Position der Vermarktung sind die Medienrechte. Dabei geht es sowohl um die Fernseh- und Rundfunkrechte, aber in zunehmendem Maße auch um die Vermarktung im Internet und auf mobilen Endgeräten (Smartphones). Gut 70% der Einnahmen der EM und CL entfallen auf diese Kategorien.64 Der bedeutendste Punkt der UEFA-Medienstrategie ist die sog. ‘Zentralvermarktung‘. Das Instrument der Zentralvermarktung ermöglicht der UEFA dabei das optimale Ausspielen von Größe und die Bündelung von (Einkaufs-)Macht.65

Neben den Kosten für Organisation und Verwaltung wird der Großteil der Einnahmen, zwischen 70% und 80% an die teilnehmenden Verbände beziehungsweise Mannschaften ausgeschüttet. Die Ausschüttung erfolgt nach einem komplexen System aus Antritts- und Siegprämien. Auf diesem Weg kommen die Gelder wieder den Mitgliedsverbänden zugute. Neben den Prämien, die tendenziell eher den großen Fußballnationen zufließen, zahlt die UEFA sog. Solidaritätszahlungen an die kleineren Mitgliedsverbände. Im solidarischen Finanzprogramm werden insbesondere Projekte, wie z.B. der Bau von Infrastrukturen für den Jugend- und Frauenfußball, finanziell unterstützt und gefördert.66

Sowohl für die wirtschaftlichen Erfolge der UEFA, als auch für die sozialen Belange, spielt die Plattform der Fußball-Europameisterschaft eine zentrale Rolle. In den folgenden Kapiteln soll sich daher intensiver mit der Entstehung und Entwicklung dieses Turnieres beschäftigt werden.

2.2 Die Fußball-Europameisterschaft

Die Idee der Fußball-Europameisterschaft reicht bis weit vor die Gründungszeit der UEFA zurück. Bereits 1927 trug der damalige Generalsekretär des französischen Fußballverbands Henri Delaunay, auf einem FIFA-Kongress, den Vorschlag eines europäischen Länderturniers vor. Die FIFA, die sich zur damaligen Zeit gerade in der Konzeption der Fußball-Weltmeisterschaft befand, lehnte diese Idee aber umgehend ab, mit Verweis auf die Priorität des weltweiten Vergleichs der Nationalmannschaften.67

Im Jahr 1954 startete Delaunay, der mittlerweile das Amt des UEFA-Generalsekretärs bekleidete, einen weiteren Versuch seine Idee von einer Fußball-Europameisterschaft, unter der organisatorischen Leitung des neu geschaffenen europäischen Dachverbands, umzusetzen. Die Idee löste heftige Debatten innerhalb der Führungsriege der UEFA aus, da unter anderem die Verbände aus England, Italien und Deutschland auf den bereits überfüllten Terminkalender verwiesen und daher der Idee ablehnend gegenüber standen. Delaunay ließ sich jedoch von diesen Einwänden nicht beirren und begann die Konzeption des Turniers voranzutreiben. Aufgrund gesundheitlicher Probleme, welche schließlich im Jahr 1955 zu seinem Tod führten, war es Henri Delaunay leider nie vergönnt die Realisierung seiner Idee mitzuerleben. Sein Sohn Pierre trat schließlich an die Stelle seines Vaters und arbeitete als Sekretär des Organisationskomitees ein finales Reglement aus, welches 1958 in Stockholm von der UEFA verabschiedet wurde. Dies markiert die Geburtsstunde des ‘Europäischen Nationenpokals‘, der wenige Jahre später in Fußball- Europameisterschaft umbenannt wurde.68

2.2.1 Die Anfangsjahre des Turniers

Noch im selben Jahr begann die Qualifikationsphase für die Endrunde, welche 1960 stattfinden sollte. Zu jener Zeit zählte die UEFA insgesamt 33 Mitgliedsverbände, von denen sich aber nur 17 für die Teilnahme am Turnier anmeldeten. Unter anderem die Verbände aus Belgien, den Niederlanden, England, Italien und der Bunderepublik Deutschland (BRD) ließen sich von ihrer ablehnten Haltung gegenüber dem neuen Turnier nicht abbringen und verweigerten daher ihre Teilnahme. Sepp Herberger, der damalige Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, soll sogar davon gesprochen haben kein Interesse daran zu haben „die Zeit zwischen den Weltmeisterschaften zu verschwenden“.69

Bereits die zweite Auflage des Turniers, die im Jahr 1962 mit der Qualifikation begann, lieferte den Beweis, dass sich die Idee der europäischen Nationenmeisterschaft durchzusetzen begann. Von den damals 33 Verbänden der UEFA nahmen dieses Mal bereits 29 teil, wobei einzig die Bundesrepublik Deutschland weiterhin aufgrund mangelnder Akzeptanz des Turniers verzichtete.70 Die dritte Auflage des Turniers war dann formal die erste wirkliche Fußball-Europameisterschaft, welche auch unter selbigem Namen ausgetragen wurde. Der Beschluss dazu wurde auf dem UEFA-Kongress 1965 gefasst. Die UEFA zollte mit der Vergabe des Meisterschaftsstatus der steigenden Popularität der Veranstaltung Tribut, welche mit der Ankündigung der Teilnahme der BRD, als letzte der großen Nationen, ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte.

Die letzte größere Änderung erfolgte dann zur Europameisterschaft 1980 in Italien. Erstmalig nahmen insgesamt acht Mannschaften an der eigentlichen Endrunde teil. Ebenfalls neu war die Regel, dass der jeweilige Gastgeber bereits im Voraus für die Endrunde qualifiziert war. Diese Regel hat bis heute Bestand.

2.2.2 Das EM-Konzept ab 1996

Aufgrund der bereits in Kapitel 2.1.2 thematisierten politischen Veränderungen in Europa und der daraus resultierenden höheren Anzahl an Mitgliedsverbänden innerhalb der UEFA wurde das EM-Konzept zur Europameisterschaft 1996 in England nochmals grundlegend geändert. Die Anzahl der Teams, die an der Endrunde teilnehmen dürfen, wurde von acht auf sechzehn verdoppelt. In der ersten Runde wurden diese sechzehn Teams per Losentscheid auf vier Vierergruppen aufgeteilt, in denen sich der Gruppenerste und der Gruppenzweite für die zweite Runde, dem neu geschaffenen Viertelfinale, qualifizierten.71

Bei der Endrunde 2000 folgte das nächste Novum in der Geschichte der Fußball- Europameisterschaft. Erstmals fungierten mit den Niederlanden und Belgien zwei Landesverbände als Gastgeber für eine Endrunde. Jedes der beiden Länder stellte insgesamt vier Stadien, wobei in Brüssel das Eröffnungsspiel und in Rotterdam das Endspiel stattfand.72 Die Besonderheiten, welche mit einer solchen Kooperation zweier oder mehrerer Nationalverbände einhergehen, werden später innerhalb des dritten Kapitels noch einmal detailliert erläutert.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der EM stellte dann die Vergabe der EURO 2012 dar, welche im Jahr 2007 an die Ukraine und Polen ging. Erstmals fand somit eine Fußball- Europameisterschaft in zwei ehemaligen Staaten der Sowjetunion statt. Dass zwei Länder sich die Gastgeberrolle ohne größere Schwierigkeiten teilen können, hatten bis dato neben den bereits erwähnten Niederlanden und Belgien im Jahr 2000, auch Österreich und die Schweiz bewiesen, die dieses Modell bei der EM 2008 ebenfalls praktizierten.

Die Europameisterschaft 2016, welche im Mai 2010 Frankreich zugesprochen wurde, wird wiederum einige Veränderungen aufweisen. Erstmalig werden insgesamt 24 Mannschaften an der Endrunde teilnehmen. Die 24 Mannschaften werden auf insgesamt sechs Gruppen mit je vier Teams aufgeteilt. Wie bisher auch qualifizieren sich aus diesen Gruppen der Gruppenerste und -zweite für die zweite Runde. Aufgrund dessen, dass in dieser jedoch zunächst ein Achtelfinale, statt wie bisher ein Viertelfinale gespielt wird, können sich auch die vier besten Gruppendritten ebenfalls für diese Runde qualifizieren.73 Dies hat zur Folge, dass nach der ersten Runde nur sechs statt wie bisher acht Teams aus dem Turnier ausscheiden. Die daraus resultierende Mehranzahl an Spielen bedeuten für den Gastgeber, in diesem Fall Frankreich, einige erhebliche Zusatzaufwendungen, welche in Kapitel drei detailliert erläutert werden sollen.

Die Ausweitung des Turniers stößt nicht überall auf Zustimmung. Vielerorts wird von einer künstlichen und unnötigen Aufblähung des Turniers gesprochen, welche einzig und allein dem finanziellen Nutzen seitens der UEFA dienen soll. Unter anderem kritisierte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga Herr Dr. Seifert die mit dem neuen Modus einhergehenden Mehraufwänden auf das Schärfste, indem er der UEFA vorwarf „[…]das die Belange und Bedürfnisse der Ligen nicht mehr berücksichtigt und respektiert.“74 werden.

3 Die Fußball-Europameisterschaft im 21. Jhd. - mehr als nur ein Fußballturnier

Der Fußball allgemein hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte und insbesondere seit Beginn des 21. Jahrhunderts, aufgrund der Globalisierung und der damit verbundenen Veränderungen hinsichtlich der sozialen und ökonomischen Dimensionen zu einem sehr komplexen und monetär gewichtigen Geschäft entwickelt. Selbst die höchsten politischen Institutionen, in diesem Fall vertreten durch die Europäische Kommission, weisen mittlerweile auf die wachsende gesellschaftliche, integrative und wirtschaftliche Bedeutung des Sports und im Besonderen des Fußballs hin. Diese Entwicklung hat auch die UEFA Fußball-Europameisterschaft eingeschlossen, bei welcher den kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine mindestens ebenso große Bedeutung zukommt, wie dem eigentlichen Spiel. Die Zahlen an Zuschauern und Sponsoren steigen seit Jahren kontinuierlich und ermöglichen es somit, vor allem der UEFA, immer größere Umsätze zu generieren. Allein von der Europameisterschaft 1992 in Dänemark bis zum letzten Turnier 2012 in Polen und der Ukraine konnte so eine Umsatzsteigerung um über 400% erzielt werden, wie der Abbildung 6 zu entnehmen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Gesamtumsatz der UEFA durch die Fußball-EM von 1992 bis 201275

Betrachtet man die Fußball-Europameisterschaft als ein eigenständiges Produkt, so kann man diesem verschiedene Nutzen zuordnen, dem auf der einen Seite eine Vielzahl an unterschiedlichen Konsumenten zuzuordnen ist und auf der anderen Seite eine große Anzahl an Beteiligten, die von diesem Konsum partizipieren wollen. Der Konsum bezieht sich dabei schon lange nicht mehr ausschließlich auf das Ursprungsprodukt, dem eigentlichen Spiel, sondern umfasst die gesamte Wertschöpfungskette um dieses herum. Vor allem durch die Besucher vor Ort partizipiert die Wirtschaft und Industrie des jeweiligen Landes, da der Besuch der Europameisterschaft in der Regel mit Übernachtungen, Verpflegung und Käufen sonstiger Artikel verbunden ist und hierfür vorab die notwendige infrastrukturelle Vorrausetzung geschaffen werden muss.

Im folgenden Kapitel soll die Nutzenanalyse für eine Fußball-Europameisterschaft hergeleitet werden. Ausgehend von den verschiedenen Interessensgruppen, sollen die Motive und Ziele für eine Bewerbung beschrieben und mit den jeweiligen Verpflichtungen gegenüber der UEFA abgeglichen werden. Hierzu wird der Bewerbungsprozess und die Anforderungen an den Gastgeber näher betrachtet und bewertet, um letztlich abzuleiten, inwiefern die Austragung einer Endrunde von Nutzen ist und welche Beteiligten den größten Vorteil daraus ziehen.

3.1 Die Interessensgruppen

Jedes sportliche Großereignis, wie eine Olympiade oder eine Fußball-EM, hat eine Vielzahl von Beteiligten und jede der beteiligten Parteien hat dabei eigene Ziele und Interessen. Für ein erfolgreiches Turnier müssen letztlich die Ziele aller Beteiligten beachtet und möglichst weit in Einklang gebracht werden. Abbildung 7 zeigt illustrativ eine Auswahl der beteiligten Parteien. Im nachfolgenden Kapitel sollen die Interessen der wichtigsten Gruppierungen näher beschrieben und mögliche Interessenkonflikte aufgezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Interessengruppen eines Fußballturniers76

1) Politische Interessen

Die Politik ist auf verschiedenen Ebenen mit einer EM verwoben. Einerseits gibt es enge Verflechtungen zwischen der Europäischen Union und der UEFA auf europäischer Ebene. Die EU bestimmt mit ihren Regelungen und Vorgaben, z.B. im Wettbewerbsrecht, den politischen Rahmen der Arbeit der UEFA und klärt innerhalb der EU-Gerichtsbarkeit Streitfälle. Auf der anderen Seite spielt die Politik eine maßgebliche Rolle auf nationaler Ebene des Ausrichterlandes. Die Bewerbung für eine Meisterschaft erfolgt formal durch den Fußballverband eines Landes, z.B. in Deutschland durch den DFB. Allerdings ist eine Bewerbung ohne die Zustimmung und die Unterstützung der politischen Gremien undenkbar. Jedes Gastgeberland ist auf föderaler (Bund), regionaler (Länder) und lokaler (Gemeinden) Ebene bei der Ausrichtung einer EM involviert, insbesondere durch:

- die Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur (Straßen, Bahnhöfe, Flughäfen). In den meisten Ländern sind diese im Eigentum der öffentlichen Hand
- die Errichtung und Modernisierung von Stadien. Auch diese sind oftmals im (Teil-) Eigentum der Gemeinden
- die Gewährleistung der Sicherheit durch den Einsatz von staatlicher Polizei, Armee und Feuerwehr

Das staatliche Engagement für eine EM ist daher mit erheblichen Kosten verbunden, die schnell oberhalb einer Milliarde Euro liegen können. Eine detaillierte Darstellung zu den Kosten findet sich im Kapitel 3.4.1. Die Erfüllung der UEFA-Auflagen für eine EM ist ohne staatliche Beteiligung schlichtweg unmöglich. In den Organisationskomitees der Turniere finden sich daher regelmäßig auch Minister und wichtige Landespolitiker wieder.

Doch der Staat und seine Politiker haben auch klare Interessenlagen an der Ausrichtung eines großen Fußballturniers. So werden von einem Turnier oftmals positive Impulse für die Wirtschaft und den Tourismus erwartet. Auch hierzu sei auf das Kapitel 3.4.2 verwiesen. Für einige Politiker geht es aber auch um persönliche Interessen. Eine EM ist mit einem gewissen Prestige verbunden, die Welt schaut auf das Gastgeberland und damit auch auf seine Politiker, viele Staatsmänner anderer Länder werden zu Besuch kommen und es kommt zu umfangreichen Medienberichterstattungen. Zudem ist eine EM ein großes vierwöchiges Fest für die eigene Bevölkerung, die die Stimmung im Land positiv beeinflusst, getreu dem römischen Motto von ‘Brot und Spiele‘. Dieser Ausdruck wird auch heute noch gerne verwendet, um die Strategie politischer Machthaber zu beschreiben, das Volk mit Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.77

Die Interessen der politischen Organe sind dabei aber keineswegs gleichgerichtet. Einerseits geht es um die Verteilung der Kosten auf EU, Bund, Länder und Gemeinden. Grundsätzlich wird jeder versuchen, seinen Kostenanteil möglichst gering zu halten. In der Vergangenheit kam es hier (im Nachhinein) oftmals zu Streitigkeiten über versprochene Beteiligungen. Das bekannteste Beispiel sind die Auseinandersetzungen der Stadt Klagenfurt mit dem österreichischen Bund über die Rückbaukosten für das lokale EM Stadion.78

Zudem hat der Staat eine gewisse ‘Doppelrolle‘ zu erfüllen. Einerseits ist er an der Ausrichtung beteiligt und andererseits hat er im Rahmen des Turniers auch hoheitliche Aufgaben, wie die Gewährleistung der Sicherheit, wahrzunehmen. Diese beiden Funktionen können, z.B. hinsichtlich der Kosten des Turniers, durchaus gegensätzliche Interessenlagen haben.

2) Interessen der UEFA

Die UEFA sieht Ihre Aufgabe im Schutz und der Weiterentwicklung des europäischen Fußballs und in der Interessenvertretung der angeschlossenen Verbände.79 Hierzu möchte die UEFA Gewinne erwirtschaften, die dann wieder im Sinne der Verbände zweckgebunden investiert werden. Die UEFA verbindet daher maßgebliche kommerzielle Interessen mit der Ausrichtung eines Turniers. Neben der UEFA Champions League ist die EM die wichtigste Gewinnquelle des Verbandes. Die meisten Einnahmen werden heutzutage durch die Vermarktung der Medienrechte und der Sponsorenverträge erzielt. Da die UEFA das Monopol an der Veranstaltung der EM besitzt, geht es darum diese Rechte bestmöglich zu verwerten. Details siehe hierzu im Kapitel 2.1.4.

3) Interessen der Sponsoren

Die Sponsoren nutzen das Turnier als Werbeoberfläche für ihre Produkte. Den Unternehmen geht es darum durch die Gewinnung zusätzlicher Käufer den Umsatz und Gewinn zu steigern und die Bekanntheit und das Image der Firma langfristig zu verbessern. Die Sponsoren suchen daher nach einer bestmöglichen Vermarktungsoberfläche vor und während des Turniers, hierzu gehört beispielsweise eine möglichst exklusive Vermarktung (keine direkten Wettbewerber) und eine starke Wahrnehmung im Fernsehen und im Stadion. Außerdem laden die Sponsoren Kunden und Multiplikatoren ins Stadion ein, hierzu werden eine große Anzahl von sog. Business- oder VIP-Sitzen benötigt.

4) Interessen der Medien

Auch die Medien verfolgen erhebliche kommerzielle Interessen mit einem Turnier. Die Spiele werden von Milliarden von Fernsehzuschauern verfolgt und ermöglichen den Fernsehanstalten so den Verkauf sehr teurer Werbezeiten. Um die Spiele übertragen zu dürfen, sind die Sender bereit, erhebliche Summe an die UEFA zu zahlen. Für die Medienrechte der EM 2008 wurden beispielsweise über 750 Millionen € gezahlt.80 Dementsprechend erwarten auch die Medien eine für sie optimale Nutzung dieser Rechte, um die großen Investitionen wieder einzuspielen. Hierzu gehört beispielsweise eine medienfreundliche Ansetzung der Spiele, das heißt möglichst viele Spiele können live, ohne Überschneidung mit anderen Spielen und zu einer guten Fernsehzeit ausgestrahlt werden. Die optimale Fernsehzeit richtet sich dabei nach den Fernsehzuschauern der wirtschaftlich relevanteren Nationalmannschaft einer jeden Begegnung. Aufgrund von Zeitverschiebungen kann dies dann durchaus zu ungünstigen Zeiten für die Stadionbesucher oder die Fernsehzuschauer der gegnerischen Mannschaft führen. In einigen Ländern mit öffentlich- rechtlichen Medienanstalten, wie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, gibt es zudem große Diskussionen, ob es vertretbar wäre EM-Spiele nur im Pay-TV auszustrahlen und ob das öffentliche Fernsehen so hohe Summe ausgeben darf.81

5) Soziale Interessen

Eine EM betrifft Millionen von Menschen, sei es als Zuschauer, als freiwilliger Helfer oder Mitarbeiter in der Gastronomie. Wenn so viele Menschen tangiert sind, gibt es eine Vielzahl sozialer Aspekte zu bedenken. Beispielhaft seien hier der Schutz der Umwelt, die Belange von Behinderten oder auch der Schutz der Arbeitnehmer und Anwohner erwähnt. All diese Interessen gilt es in Einklang zu bringen und angemessen zu berücksichtigen. Die entsprechenden Interessenverbände engagieren sich hierzu seit vielen Jahren sehr stark. Einige Aspekte, wie der Umweltschutz oder Zugang für Behinderte, sind bereits fest etabliert und werden von der UEFA in den Turnieranforderungen aufgegriffen. Es gibt aber auch landestypische Probleme, die durch die Behörden des Gastgeberlandes geregelt werden müssen. Ein populäres Beispiel waren die Probleme mit Straßenhunden in der Ukraine, was zu starker internationaler Beachtung in den Medien geführt hat.82

6) Interessen der Fußballvereine und Spieler

Für jeden Spieler ist die Berufung in die Nationalmannschaft seines Landes eine Würdigung seiner Leistung und eine große Chance sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Gerade für die bekannten Fußballstars bedeuten die Turniere aber auch eine zusätzliche Belastung neben den zahlreichen Spielen in der nationalen Liga und den nationalen und europäischen Pokal-Wettbewerben. Neben einem guten Abschneiden beim Turnier ist es für viele Spieler sehr wichtig sich nicht zu verletzten und eine gewisse Regeneration vor dem Start der neuen Saison zu ermöglichen. Dieses Interesse haben natürlich auch die heimischen Fußballvereine, die ihre Spieler in die Nationalteams entsenden. Es kommt daher regelmäßig zu Diskussionen zwischen den Vereinen und dem nationalen Verband über die terminliche Verfügbarkeit der Spieler für das Training und die Spiele in der Nationalmannschaft.

7) Interesse der Zuschauer und Fans

Für viele Menschen ist der Fußball ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sie fiebern mit ihrem Verein und ihrer Nationalmannschaft mit und feiern gemeinsam die Siege und leiden bei Niederlagen. Fußball bedeutet Emotion und Leidenschaft und verbindet die Menschen. Eine EM, die immerhin nur alle vier Jahre stattfindet, ist daher für viele Menschen ein wichtiges Ereignis. Es bedeutet mit Familie und Freunden Spaß zu haben und gemeinsame Erinnerungen zu erleben.

Die Fans möchten daher möglichst viele Spiele ihres Teams in einer sicheren und freundlichen Atmosphäre genießen, idealerweise natürlich live im Stadion. Die meisten Fans lehnen jegliche Form von Gewalt ab und unterstützen die Bemühungen der Veranstalter gegen Hooligans und Pyrotechnik in den Stadien. Insofern gibt es viele Punkte bei denen eine Interessengleichheit zwischen Fans und Veranstaltern besteht.

Gerade die kommerziellen Interessen der UEFA, der Sponsoren und der Medien sind teilweise aber auch nicht mit den Interessen der Fans vereinbar und werden von vielen Menschen sehr kritisch gesehen. Die Interessenkonflikte sind dabei vielfältig, beispielhaft seien hier vier Punkte genannt:

- die große Anzahl von Business- und Sponsorensitzen im Stadion, die die Verfügbarkeit von Karten für den freien Verkauf stark reduzieren. Zudem monieren viele Fans, dass die ‘Edel-Zuschauer‘ die Stimmung im Stadion verschlechtern.
- die Ausrichtung der Anstoßzeiten nach den Wünschen der Fernsehsender. Dies führt dann teilweise zu sehr späten oder frühen Live-Spielen in den Stadien, die dann beispielsweise für Besucher mit Kindern nicht mehr möglich sind. Ähnliches gilt für eine Ausstrahlung der Spiele ausschließlich im Pay-TV.

[...]


1 Umgangssprachliche Redewendung, Autor unbekannt

2 Vgl. Ritzer, 2014, o.S.

3 Vgl. Kurbjuweit, 2006, o.S.

4 Vgl. Scheve, 2014, S.6f

5 Vgl. Kurbjuweit, 2006, o.S.

6 Kufer, 2014, S.1

7 Vgl. Schulte, 2010, o.S.

8 Vgl. HWWI, 2009, S.11

9 Kufer, 2014, S.2

10 Vgl. bpb, 2013, o.S.

11 Vgl. Ritzer, 2014, o.S.

12 Vgl. Hegemann, 2013, o.S.

13 Ritzer, 2014, o.S.

14 Eigene Zusammenstellung in Anlehnung an Runde, 2015, S.2-4

15 Runde, 2015, S.2

16 Runde, 2015, S.2

17 Vgl. Runde, 2014, S.3

18 Wirtschaftsblatt, 2012, o.S

19 Woxikon.de, o.J., o.S.

20 Vgl. Zeit, 2014, o.S.

21 Vgl. Dr. Vöpel/ Steinhardt, o.J., S.5 ff.

22 Vgl. The FA, 2014, o.S.

23 Vgl. FIFA, 2014, o.S.

24 Vgl. FIFA, 2014, o.S.

25 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

26 aus Wikipedia, 2014, o.S.

27 Europa umfasst mit insgesamt 48 Ländern gerade einmal knapp ein Viertel der 204 Ländern auf der Welt

28 Vgl. Rothenbüchler, 2004, S.44

29 Vgl. Rothenbüchler, 2004, S.44

30 Vgl. Rothenbüchler, 2004, S.44

31 Vgl. Horak 1991, S 42 ff.

32 Vgl. UEFA[2], 2014, S.1 Art. 1

33 Eine Auflistung aller Mitgliedsverbände einschl. Eintrittsdatum in die UEFA ist in Anhang 2 aufgeführt

34 Vgl. Hellmann, 2014, o.S.

35 „Als Grenze Europas zu Asien gilt seit dem 18. Jahrhundert der Ural … Konventionelle Grenzen zu Asien bilden außerdem der Fluß Ural, das Kaspische Meer, die Manytschniederung, das Schwarze Meer, der Bosporus, das Marmarameer, die Dardanellen sowie das Ägäische Meer”. Brockhaus Enzyklopädie- 21. Auflage. F. A. Brockhaus. Leipzig/Mannheim 2006. Artikel Europa

36 Vgl. UEFA[2], 2014, S.3 Art. 5

37 Vgl. Rothenbüchler, 2004, S.178ff.

38 Vgl. UEFA[3], 2014, o.S.

39 aus UEFA[3], 2014., o.S.

40 Vgl. UEFA[2], 2014, S.7 Art. 13

41 Vgl. UEFA[2], 2014, S.6f. Art. 11

42 Vgl. UEFA[2], 2014, S.11 Art. 24

43 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

44 Vgl. UEFA[2], 2014, S.13 Art. 29

45 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

46 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

47 Auflistung der einzelnen Kommissionen und Ausschüsse, siehe Anhang 3

48 Beispielweise ist die Schiedsrichterkommissionen mit der Entwicklung des Schiedsrichterwesens innerhalb der UEFA-Mitgliedsverbände beauftragt, welche sie durch die Umsetzung der ‘UEFA-Konvention zur Ausbildung und Organisation von Schiedsrichtern‘ erreichen soll.

49 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

50 UEFA[4], 2005, S.7

51 Vgl. UEFA[2], 2014, S.1

52 Eigene Darstellung

53 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

54 Vgl. UEFA[5], 2015, o.S.

55 Vgl. UEFA, 2014, o.S.

56 Schwery, 2011, S.15

57 Vgl. Schwery, 2011, S.8

58 Aus Schwery, 2011, S.11

59 Vgl. Höhmann, 2012, o.S.

60 Aus Höhmann, 2012, o.S.

61 Vgl. Focus, 2008, o.S.

62 Vgl. Wikipedia, 2013, o.S.

63 Vgl. Presseportal, 2014, o.S.

64 Vgl. Wirtschaftsblatt, 2012, o.S.

65 Vgl. Insideworldfootball, 2012, o.S.

66 Vgl. Senel, 2012, o.s.

67 Vgl. UEFA[6], 2004, S. 50

68 Vgl. UEFA[7], 2015, o.S.

69 fussball-wm.pro, o.J., o.S.

70 Neben der Bundesrepublik Deutschland verzichteten Zypern und Finnland auf eine Teilnahme, wobei Zypern wohl aufgrund der Wirren des Bürgerkrieges zur damaligen Zeit eine rechtzeitige Anmeldung verpasste und Finnland aus rein finanziellen Gründen auf eine Teilnahme verzichtete.

71 Vgl. UEFA[8], 2013, o.S.

72 Vgl. UEFA[9], 2013, o.S.

73 Vgl. UEFA[10], 2014, o.S.

74 welt/sid/dpa, 2014, o.S.

75 Eigene Darstellung in Anlehnung an UEFA Finanzbericht 2011/12, Seite 21

76 aus UEFA EURO 2012 - Bericht zur sozialen Verantwortung, 2013, S.35

77 Vgl. Wikipedia, 2015, o.S.

78 Vgl.Arora, 2009, S.1f

79 Vgl. UEFA[2], 2014, S.1f

80 Vgl. Wikipedia, 2009, o.S.

81 Vgl. o.A. 2013, o.S.

82 Vgl. Utler, 2012, o.S.

Ende der Leseprobe aus 135 Seiten

Details

Titel
Die Fußball EM 2020. Die paneuropäische Idee im Sinne eines vereinten Europa und wirtschaftlicher Vernunft
Hochschule
Privatuniversität Schloss Seeburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
135
Katalognummer
V313470
ISBN (eBook)
9783668132917
ISBN (Buch)
9783668132924
Dateigröße
1845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fußball, idee, sinne, europa, vernunft
Arbeit zitieren
Robert Hesse (Autor), 2015, Die Fußball EM 2020. Die paneuropäische Idee im Sinne eines vereinten Europa und wirtschaftlicher Vernunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313470

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Fußball EM 2020. Die paneuropäische Idee im Sinne eines vereinten Europa und wirtschaftlicher Vernunft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden