In vorliegender Forschungsarbeit werden verschiedene Hypothesen zur Erklärung der Unterschiede hinsichtlich des Umweltbewusstseins in diversen europäischen Ländern diskutiert und empirisch getestet. Im Einzelnen geht es dabei um die Wohlstandshypothese und die Theorie der grundlegenden Werte nach Schwartz. Unsere Untersuchung orientiert sich im Wesentlichen an den Studien von Franzen und Meyer sowie Fairbrother, die zu dieser Thematik bereits Forschungen durchgeführt haben.
Auf der Grundlage der beiden Hypothesen und den Ergebnissen der genannten Studien entwickeln wir eigene Forschungshypothesen. Diese werden mit Hilfe einer Mehrebenenanalyse an den Daten der letzten Welle des European Social Survey (ESS) von 2012 getestet.
Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die individuellen Werteinstellungen bedeutende Determinanten für das Umweltbewusstsein in europäischen Ländern darstellen. Wohlstand hingegen, sowohl auf Level 1 als auch auf Level 2, konnte nicht als entscheidender Prädiktor identifiziert werden, sodass die Wohlstandshypothese nicht bekräftigt werden konnte.Weiterhin liegen die Faktoren, die Umweltbewusstsein erklären generell eher auf der Individual- als auf der Länderebene. Wohlstand, sowohl auf Level 1 als auch auf Level 2, konnte nicht als entscheidender Prädiktor identifiziert werden, sodass die Wohlstandshypothese nicht bekräftigt werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Empirisch
2.1.1 Franzen und Meyer (2009): Environmental Attitudes in Cross-National Perspective: A Multilevel Analysis of the ISSP 1993 and 2000
2.1.2 Fairbrother (2013): Rich People, Poor People, and Environmental Concern: Evidence Across Nations and Time
2.2 Theoretisch
2.2.1 Wohlstandshypothese
2.2.2 Theorie der grundlegenden Werte nach Schwartz
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Forschungsfrage
3.2 Entwicklung der Hypothesen
3.3 Verwendeter Datensatz
3.4 Operationalisierung der Hypothesen
3.4.1 Hypothese 1
3.4.2 Hypothese 2
3.4.3 Hypothese 3
4. Empirische Arbeit
4.1 Deskriptive Analysen
4.2 Inferenzstatistische Modelle
4.2.1 Multivariate Regressionsmodelle
4.2.2 Ermittlung der Varianzquellen
4.3 Mehrebenenmodelle
4.3.1 Nullmodell
4.3.2 Random-Intercept-Only Modell
4.3.3 Random-Intercept Modell mit Variablen auf Individualebene
4.3.4 Random-Slope Modell mit Variablen der Individualebene
4.3.5 Random-Slope Modell mit Variablen der Individual- und Kontextebene
4.3.6 Random-Slope Modell mit Interaktionseffekten
5. Zusammenfassung und kritische Betrachtung der Ergebnisse
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Determinanten des Umweltbewusstseins in europäischen Ländern und prüft, inwiefern individuelle Wertorientierungen oder sozioökonomische Faktoren (Wohlstand) diese beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf den relativen Einfluss von Ländervariablen gegenüber individuellen Merkmalen.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Wohlstand und Umweltbewusstsein (Wohlstandshypothese).
- Anwendung der Theorie der grundlegenden Werte nach Schwartz zur Erklärung individueller Umweltattitüden.
- Einsatz der Mehrebenenanalyse zur Untersuchung von Kontexteffekten auf Länderebene.
- Überprüfung der Bedeutung von sozialer Erwünschtheit für die Datenvalidität.
- Vergleich der Ergebnisse mit früheren Studien (Franzen & Meyer, Fairbrother).
Auszug aus dem Buch
Theorie der grundlegenden Werte nach Schwartz
Die Theorie der grundlegenden Werte nach Shalom H. Schwartz dient als Basis für die Erhebung der „human values“ im ESS. Sie fungiert nicht per se als Theorie zur Erklärung von Unterschieden hinsichtlich des Umweltbewusstseins in verschiedenen Nationen. Dennoch nutzen wir sie als Grundlage für unsere Untersuchung, da sie einen hohen länderübergreifenden Erklärungsgehalt hat und wir aufgrund der Ergebnisse von Franzen, Meyer und Fairbrother davon ausgehen, dass individuelle Werteinstellungen allgemein wichtige Prädiktoren für das Umweltbewusstsein darstellen.
Schwartz geht davon aus, dass jedes Individuum eine Vielzahl von Werten mit unterschiedlicher Wichtigkeit verfolgt. Zentrales Element dieser Werttheorie sind folgende sechs Annahmen: 1. Werte sind Überzeugungen, die unmittelbar mit Emotionen verknüpft sind. 2. Werte beziehen sich auf angestrebte Ziele, welche als Handlungsmotivation fungieren. 3. Werte sind situations- und handlungsübergreifend. Sie gelten also nicht nur unter bestimmten Umständen, sondern ständig. 4. Werte dienen als Maßstäbe. Nach ihnen richten sich Handlungen und Entscheidungen. 5. Werte sind, relativ zueinander, nach ihrer Wichtigkeit geordnet. Es gibt in unseren individuellen Wertsystemen Werte, die gegenüber anderen Priorität haben. 6. Die relative Wichtigkeit der Werte bestimmt das Handeln. Jede Entscheidung und jedes Verhalten steht in der Regel mit mehreren Werten in Verbindung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Umweltbewusstsein und Darstellung der Forschungsabsicht mittels Mehrebenenanalyse.
2. Grundlagen: Übersicht über empirische Vorgängerstudien und theoretische Konzepte (Wohlstandshypothese, Schwartz-Wertetheorie).
3. Methodisches Vorgehen: Definition der Hypothesen, Auswahl des ESS-Datensatzes und Operationalisierung der verwendeten Variablen.
4. Empirische Arbeit: Durchführung deskriptiver Analysen sowie rechnerische Umsetzung komplexer Mehrebenen- und Regressionsmodelle.
5. Zusammenfassung und kritische Betrachtung der Ergebnisse: Synthese der Befunde und Reflexion methodischer Limitierungen sowie der Hypothesenprüfung.
6. Schluss: Fazit zur Bedeutung individueller Werte vs. Wohlstand sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Umweltbewusstsein, Mehrebenenanalyse, European Social Survey, Wohlstandshypothese, Schwartz, Werteinstellungen, Selbsttranszendenz, Selbsterhöhung, Umweltattitüden, Sozialforschung, Kontextfaktoren, Individualebene, Regression, Wertewandel, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die das Umweltbewusstsein von Menschen in verschiedenen europäischen Ländern beeinflussen, insbesondere den Vergleich zwischen individuellem Wohlstand und persönlichen Wertorientierungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wohlstandshypothese, der Theorie der grundlegenden Werte nach Schwartz und der statistischen Modellierung von Kontexteffekten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, welchen Einfluss Ländervariablen (wie BIP oder Bevölkerungsdichte) im Vergleich zu individuellen Merkmalen (wie Einkommen oder Wertpräferenzen) auf das Umweltbewusstsein haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Mehrebenenanalyse auf Basis der Daten des European Social Survey (ESS) von 2012 verwendet, um Daten auf Individual- und Länderebene zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Operationalisierung der Hypothesen, deskriptive Analysen der Datengrundlage und die schrittweise Berechnung von Regressionsmodellen inklusive Interaktionseffekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Mehrebenenanalyse, Umweltbewusstsein, Selbsttranszendenz und Selbsterhöhung aus.
Warum konnte die Wohlstandshypothese nicht bestätigt werden?
Die Analysen zeigten, dass Wohlstand weder auf Individual- noch auf Länderebene ein entscheidender Prädiktor für ein höheres Umweltbewusstsein ist, was den Annahmen der Wohlstandshypothese widerspricht.
Welchen Einfluss haben persönliche Werte auf das Umweltbewusstsein?
Die Studie belegt, dass individuelle Werte nach Schwartz starke Prädiktoren sind: Selbsttranszendente Werte fördern das Umweltbewusstsein, während selbsterhöhende Werte einen negativen Einfluss haben.
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- Luise Richter (Author), 2015, Determinanten des Umweltbewusstseins in verschiedenen europäischen Ländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313479