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Die Kritik an der Entwicklungshilfe. Argumente, Befunde, Konsequenzen

Título: Die Kritik an der Entwicklungshilfe. Argumente, Befunde, Konsequenzen

Tesis , 2004 , 63 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Marco Schmidt (Autor)

Economía - Relaciones económicas internacionales
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Es sind jedoch gerade diese angeblichen positiven Effekte der Entwicklungshilfe und der Fortschritt in der entwicklungspolitischen Bekämpfung der Armut, die von einer Vielzahl von Kritikern zumindest angezweifelt wenn nicht sogar aufs Schärfste zurückgewiesen werden. So konstatiert beispielsweise Peter Bauer: „Man unterschätzt die Völker der Dritten Welt, wenn man behauptet, sie könnten im Gegensatz zum Westen materiellen Fortschritt nicht ohne Almosen von außen erlangen [...]. In Wirklichkeit haben sich große Teile der Dritten Welt rapide entwickelt, lange bevor sie Entwicklungshilfe erhielten [...]. Kurzum, ausschlaggebend für wirtschaftlichen Erfolg ist die Haltung der Menschen [...]. Hilfe von außen war noch zu keiner Zeit und nirgendwo für die Entwicklung eines Landes notwendig.“1

Gleichzeitig wird auch die uneigennützige Motivationslage in Frage gestellt und stattdessen nationale Interessen der Geberländer als die treibende Kraft in der Entwicklungspolitik unterstellt.2 Auch entwicklungspolitische Verfehlungen der Nehmerländer bleiben den Kritikern nicht verborgen. Gerade im Hinblick auf die nach wie vor desolate Lage in Afrika wird immer häufiger auf die Verantwortung der Entwicklungshilfenehmer hingewiesen. „Um Afrika südlich der Sahara war es [trotz Entwicklungshilfe] wohl noch nie so schlecht bestellt wie heute.“3 Dabei weist selbst der ghanaische UN-Generalsekretär darauf hin, „[...] dass Afrika längst nicht mehr Opfer, sondern Täter sei und in den mittlerweile fast fünf Dekaden seit Beginn der Unabhängigkeit praktisch nichts zur eigenen Entwicklung beigetragen habe.“4

Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage, inwieweit die traditionelle Entwicklungshilfe, wie sie seit 50 Jahren Anwendung findet, überhaupt noch gerechtfertigt werden kann. Kann und sollte die internationale Entwicklungszusammenarbeit so fortgeführt werden wie bisher? Welche Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge können auf Basis der gemachten Erfahrungen und jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgesprochen werden? Die Betrachtung dieser Fragen ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

[1 Bauer (1982), S.9. 2 Vgl. Wagner (1993), S.12f.; Mosley (1987), S.32. 3 Drechsler (2004), S.9. 4 Drechsler (2004), S.9.]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Relevanz und Aktualität der Thematik – Zielsetzung der vorliegenden Arbeit

1.2 Aufbau und Vorgehensweise

2 Grundlagen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit

2.1 Definition und Indikatoren von Entwicklung – Implikationen für die Beurteilung der Entwicklungshilfe

2.2 Ursprung der Entwicklungshilfe – Annahmen und ihre Auswirkungen

3 Die Entwicklungshilfe in der Diskussion

3.1 Beobachtungen, Ansichten und Forderungen der Kritiker

3.1.1 Geber im Spannungsfeld von Altruismus und Eigennutz

3.1.2 Kapazitäten und Leistungsfähigkeiten der Nehmerländer und ihr Einfluss auf den Erfolg der Entwicklungszusammenarbeit

3.1.3 Zusammenarbeit und Koordination

3.1.3.1 Koordination zwischen verschiedenen Gebern

3.1.3.2 Koordination zwischen Gebern und Nehmern

3.1.4 Volatilität und Fungibilität der Entwicklungshilfezahlungen

3.1.5 Die „Holländische Krankheit“

3.1.6 Wirkung der Entwicklungshilfe auf die inländische Ersparnis

3.2 Schlussfolgerungen – Beendigung der Entwicklungszusammenarbeit?

4 Weltbank und die Verbesserung der Entwicklungszusammenarbeit

4.1 Weltbank und entwicklungspolitische Forschung

4.2 Voraussetzungen einer erfolgreichen Entwicklungszusammenarbeit

4.2.1 „Gute Politiken“ und Institutionen in den Nehmerländern

4.2.2 Wohlstandsniveau in den Empfängerländern

4.2.3 Anpassungsempfehlungen

5 Perspektiven und Konzepte für die Entwicklungshilfe im 21. Jahrhundert – Resümee, Ergänzungen, Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Effektivität traditioneller Entwicklungshilfeprogramme unter Berücksichtigung historischer Erfahrungen und aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, um fundierte Empfehlungen für eine zukunftsfähige Entwicklungszusammenarbeit abzuleiten.

  • Motivationen und Eigennutz der Geberländer
  • Einfluss der institutionellen Rahmenbedingungen in Nehmerländern
  • Problematik von Koordination, Volatilität und Fungibilität
  • Bedeutung von „guten Politiken“ für den Entwicklungserfolg

Auszug aus dem Buch

Geber im Spannungsfeld von Altruismus und Eigennutz

Ein erstes Problemfeld im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ergibt sich nach Ansicht der Kritiker hinsichtlich der Motivation der Geberländer. Geber tendieren in vielen Fällen dazu, den Eindruck zu erwecken, dass ihr Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit überwiegend auf uneigennützige Beweggründe zurückzuführen ist, was sich beispielsweise auch in den bereits angesprochenen Millennium Development Goals widerspiegelt. Eine solche altruistische Motivationslage wird allerdings von Kritikern angezweifelt, sie sehen eigennützige Überlegungen der Geberländer als Hauptgründe für die Entwicklungshilfe. Sie glauben nicht, dass die Bemühungen der Geber vorrangig auf die Erhöhung der Wohlfahrt und des Glücks in den Nehmerländern ausgerichtet sind. Ganz im Gegenteil: „Im allgemeinen muß man jedoch davon ausgehen, daß Geberstaaten auf dem Wege der EZ [Anm. d. Verf.: Entwicklungszusammenarbeit] vor allem Eigeninteressen ökonomischer, politischer und geostrategischer Art verfolgen und gar Gegenleistungen erwarten.“

So waren nach dem zweiten Weltkrieg vor allem politische Motive dominant: „In der Systemkonkurrenz zwischen Sozialismus und Kapitalismus versuchten die verschiedenen Geberländer, Einflußzonen in der durch die Auflösung des Kolonialismus entstandenen Dritten Welt zu gewinnen. Im ideologisch bestimmten ,Wettlauf der Systeme’ ging es darum, die Ausbreitung der jeweils anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu verhindern [...]. Entwicklungshilfe wurde so zu einem wichtigen Teil der Außen- und Sicherheitspolitik.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung und Relevanz der Entwicklungshilfe ein und legt die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der Untersuchung dar.

2 Grundlagen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe, beleuchtet verschiedene Indikatoren für Entwicklung und analysiert den historischen Ursprung sowie die theoretischen Annahmen der Entwicklungshilfe.

3 Die Entwicklungshilfe in der Diskussion: Hier erfolgt eine tiefgreifende kritische Auseinandersetzung mit der Motivationslage der Geber, den Kapazitäten der Nehmerländer, Koordinationsproblemen sowie spezifischen ökonomischen Effekten wie Fungibilität und der „Holländischen Krankheit“.

4 Weltbank und die Verbesserung der Entwicklungszusammenarbeit: Dieses Kapitel untersucht die Rolle der Weltbank und arbeitet die entscheidende Bedeutung von institutionellen Rahmenbedingungen („gute Politiken“) für den Erfolg von Hilfsmaßnahmen heraus.

5 Perspektiven und Konzepte für die Entwicklungshilfe im 21. Jahrhundert – Resümee, Ergänzungen, Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert Ansätze für eine reformierte, effektivere Gestaltung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Schlüsselwörter

Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Armutsbekämpfung, Geberländer, Nehmerländer, Good Governance, Fungibilität, Volatilität, Wirtschaftswachstum, Institutionen, Weltbank, Entwicklungsökonomie, Institutionelle Anreize, Effektivität, Entwicklungspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Kritik an der internationalen Entwicklungshilfe und untersucht, unter welchen Bedingungen Hilfsleistungen tatsächlich zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Empfängerländern beitragen können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören die Motivationslage der Geberländer, die Rolle der Regierungsführung in Nehmerländern, die Auswirkungen von Koordination und Hilfsbindungen sowie die Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Gründe für das oft enttäuschende Abschneiden der Entwicklungshilfe zu identifizieren und auf Basis neuester Forschungsergebnisse Verbesserungsvorschläge für eine effektivere Praxis zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse entwicklungstheoretischer Ansätze und wertet empirische Befunde sowie Fallstudien (u. a. der Weltbank) aus, um die Wirksamkeit von Hilfeleistungen zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Diskussion der bisherigen Hilfspraxis, die Untersuchung von Störfaktoren wie Fungibilität und Volatilität und eine anschließende Analyse der Erfolgsfaktoren („gute Politiken“) durch die Weltbank.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Entwicklungshilfe, Good Governance, Institutionen, Fungibilität und Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Projekthilfe von der Programmhilfe laut Dokument?

Projekthilfe ist an spezifische, vom Geber festgelegte Investitionsvorhaben geknüpft, während Programmhilfe dem Nehmerland mehr Freiheit in der Mittelverwendung lässt.

Warum ist das sogenannte Zwei-Lücken-Modell heute kritisch zu betrachten?

Es erwies sich als realitätsfern, da es rein kapitalorientierte Ansätze (ähnlich dem Marshallplan) auf Entwicklungsländer übertrug, ohne die dort fehlenden institutionellen und sozialen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kapitalabsorption zu berücksichtigen.

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Detalles

Título
Die Kritik an der Entwicklungshilfe. Argumente, Befunde, Konsequenzen
Universidad
European Business School - International University Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel
Calificación
1,0
Autor
Marco Schmidt (Autor)
Año de publicación
2004
Páginas
63
No. de catálogo
V31347
ISBN (Ebook)
9783638323864
Idioma
Alemán
Etiqueta
Kritik Entwicklungshilfe Argumente Befunde Konsequenzen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Marco Schmidt (Autor), 2004, Die Kritik an der Entwicklungshilfe. Argumente, Befunde, Konsequenzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31347
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